Von Atacama bis Titicaca

Nach einigen Wirrungen (Flugverspätungen bei Felix und Simon, Busausfall bei uns anderen) sind wir am Ende doch alle gutgelaunt und wohlbehalten in San Pedro de Atacama angekommen. Das Begrüßungshallo muss ich nicht beschreiben. Wir haben uns alle ewig nicht mehr gesehen und so gab es doch viel zu erzählen. Gut, dass der Pool und der Garten hier im Takha Takha Platz dazu bietet. Auch beim Abendessen wurde viel gequatscht und gelacht.
Vor dem Ausflug um 14.00 an unserem ersten echten Urlaubstag war viel Luft zum gemütlichen gemeinsamen Frühstück, einen Spaziergang durchs Örtle und ein Sonnenbad.
Um 14:00 wurden wir im Hotel abgeholt und nun gings mit dem Tourbus ins Valle de Luna (mit einigen Stops zum Aussteigen und Staunen) danach ins Marsvalley und zum Abschluss konnten wir am Aussichtspunkt oberhalb des Tals der Dinosaurier den Sonnenuntergang bewundern. Glühend rot färbte die untergehende Sonne den Vulkan Licancabur. Einfach nur schön!

Urlaub und nichts mit ausschlafen!
Schon um 5:00 machen wir uns auf den Weg zu den Geysiren von El Tatio. Wir müssen so früh los, da man sonst die Geysieraktivität nicht beobachten kann. Gegen 7:00 sind wir am Ziel und sehen überall aus der Erde Dampfsäulen aufsteigen. Leicht riechts nach Schwefel und an manchen Stellen sieht man vor lauter Nebel den Nachbarn nicht mehr. Es ist schon ganz ordentlich kalt, sogar um die Geysire ist das Wasser am Boden gefroren. Schöne Fotomotive gibts zuhauf. Sobald die ersten Sonnenstrahlen über den Berg kommen wirds deutlich wärmer, aber dafür lässt sich der Dampf weniger erkennen. Zu trocken ist die Luft hier oben auf ca 4400 hm.
Nach diesem Schauspiel ist am Bus Frühstück für uns gerichtet. In der warmen Sonne genießen wir Kaffee und Sandwiches und zum „Nachtisch“ können wir zwei kleinen Füchsen beim Rumtollen zuschauen. Das sollten aber nicht die einzigen Tiere für heute sein! Unterwegs sahen wir noch zahlreiche Vicuñaherden, an den Lagunen die unterschiedlichsten Wasservögel, Viszcachas, Lamas und Nandus. Auf dem Rückweg besuchten wir noch Machuca, eine kleine Lamasiedlung. Die Häuser dort sind alle aus Adobe und die Dächer mit Stroh bedeckt. Besonders gut gefällt mir dort die Kirche. Die Jungs probieren Lamakebab.

Schon zeitig am Hotel zurück bleibt Zeit um gemeinsam am Busbahnhof zu essen, für die dreitägige Jeeptour Getränke zu besorgen und unsere Räder in den, von den Jungs mitgebrachten, Radtaschen zu verstauen.

1. Tag Jeeptour:
Als erstes holte uns ein Sprinter vom Hotel ab und brachte uns zur chilenischen, dann zur bolivianischen Grenze in Hito Cajón. Die Grenzen liegen echt mitten in der Wüste. Dort wartete schon unser Fahrer mit EINEM Jeep! auf uns. Die Agentur hatte leider vergessen ihm mitzuteilen, dass außer 6 Personen auch noch 2 Räder mitmüssen. Nach etwas Diskussion und Wartezeit wurden unsere Räder dann in einen leer nach Uyuni zurück fahrenden Jeep verladen und direkt nach Uyuni zur Agentur gebracht. Erste Hürde gelöst! (es sollten noch einige mehr kommen – gut, dass wir das da noch nicht gewusst hatten). So nun konnte es losgehen. Wir besuchten die Weiße und die Grüne Lagune mit Blick auf den Vorzeigevulkan Lincancabur und durchquerten hinterher die Wüste Salvador Dalí ( heißt so, weil die Farben an seine Bilder erinnern). In den heißen Quellen in Polques konnten wir in das 35 Grad warme Thermalwasser steigen, mit Blick auf Lagune, Vulkane und unzählige Wasservögel. Die Einheimischen nennen das „Gringosuppe“…

Währenddessen richtete unser Fahrer das Mittagessen. Weiter ging es zur Laguna Colorada. Weinrotes Wasser und unzählige Flamingos – unbeschreiblich schön! Wir haben die Bilder nicht getürkt, das Wasser ist wirklich soooo rot!
Die Unterkunft war wie erwartet sehr einfach, da wir aber alle zusammen in einem 6 er Zimmer untergebracht waren, wurde uns trotz der zweistelligen Minusgraden nachts wenigstens nicht kalt.

2. Tag Jeeptour
Überraschung, unser Fahrer wollte uns dann am 2.Tag eine andere Route zu einem anderen Ort/Hotel bringen. Wir hatten im Vorfeld lange mit unserem Reiseveranstalter diese für uns passende Route ausgearbeitet, und nun das! Nein, wir wollen wirklich an unsrer Route festhalten! Ja, er soll mit seiner Agentur telefonieren. Nur wie ohne Empfang, Entscheidung auf Mittag verschoben, vorher aber unser Programm. Durch die Wüste Silolí, mit einem Fotostopp am Steinbaum (Árbol de Piedra) gings in die Hochanden zu den Lagunen Ramaditas, Honda, Chiarkota, Hedionda und Laguna Cañapa.

Beim Mittagessen in Alota dann die Zusage der Agentur, dass unser Programm so bleiben kann. Auf der Weiterfahrt dann die ernüchternde Nachricht unsres Fahrers, es wäre aber leider keine Unterkunft reserviert worden, wir müssten uns dort durchfragen. Wie? Gehts noch?!
Erst im dritten Anlauf wurde unser Fahrer fündig und schlussendlich sind wir in einem passablen „Salzhotel“ irgendwo (zwar nicht im geplanten Ort) aber mit genialem Blick auf den Salar untergekommen.

SalarSonnenuntergang3. Tag Jeeptour
Der Blick auf den Sonnenaufgang überm Salar am nächsten Morgen war wunderschön!!!
Danach gings über den Salar zur Kaktusinsel Incahuasi. Das erste Stück der Fahrt über den wasserbedeckten Salar ist wieder grandios! Auf der Kaktusinsel können wir die riesige Kaktusgewächse (bis 12 Meter hoch und bis 1000 Jahre alt) und den genialen Blick auf die Salzwüste zum zweiten mal genießen. Weitere Punkte waren: die sogenannten „Augen der Salzwüste“, hier strömt Wasser und Gas blubbernd aus der Tiefe nach oben, am Ende das Dorf Colchani, wo es verschiedene, aus Salz hergestellte, Kunstwerke, viele Shops und das Salzmuseum zu bewundern gab.
Von Uyuni starteten wir gegen 20:00 mit dem Flieger nach La Paz und wurden dort mit dem Lichtermeer dieser Großstadt tief unter uns begrüßt. Der Flughafen liegt oben im El Alto und auf der Fahrt hinunter ins Hotel bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf das Verkehrschaos dieser Stadt. Hier möchte ich definitiv kein Fahrschüler sein!
Müde und voller Eindrücke der letzten Tage sind wir im Hotel angekommen.

Endlich mal wieder länger schlafen. Nach einem ordentlichen Frühstück haben wir mit der Red Cap Freewalkingtour die Innenstadt erkundet. Informativ, humorvoll und kurzweilig haben wir La Paz und einiges an Geschichte Boliviens kennengelernt. Anschließend sind wir auf eigene Faust mit den Seilbahnen quer über La Paz und das El Alto gegondelt (Doppelmeyer hat hier ein ÖPNV-Netz aus 12 Seilbahnlinien aufgebaut). Mit der lila und der silbernen Bahn sind wir hoch zum El Alto, über die dortigen Märkte (auch über den für uns sehr seltsam anmutenden Hexenmarkt mit Pülverchen für ALLE Probleme, Lamaföten,…) geschlendert und mit der roten Bahn wieder nach unten ins Zentrum. Die Jugend ist dann zum Bummeln und Shopping losgezogen. Wir genossen die Ruhe im Hotelzimmer. Abends sind wir dann durch Zufall im besten veganen Restaurant Südamerikas gelandet. Was ein feines 6 Gänge Menü. Super zufrieden und mit breiten Grinsen im Gesicht sind wir ins Bett gefallen.

Camino de Muerte mit X-trem Tours:
Wieder ist früh Aufstehen angesagt, heute steht der Downhill am Camino de Muerte im Programm. Nach der Einführung gestern Abend sind wir alle schwer gespannt. Wir werden mit Überhosen, Überjacken, Knie- und Ellbogenschützer, Vollhelm und Handschuhen ausgestattet. „Ritter Rost auf dem Fahrrad“:-). Zum Aufwärmen rollen wir vom 4700 hohen La Cumbre Pass auf Teer die ersten 1200 Hm nach unten. Wir scheinen uns gut anzustellen. Nochmals werden wir ein Stück mit dem Bus weitertransportiert bis wir endlich am Startpunkt ankommen und den Camino de Muerte nach unten rollen dürfen. Nach einer erneuten Sicherheitsanweisung düst die Jugend los, wir „Alten“ nur etwas langsamer hinterher. Unsre Guides Ruben und Mauricio haben es super verstanden die Gruppe bei Laune zu halten, gute Kommandos zu geben und so diesen Downhill zu einem sicheren Abenteuer zu machen.
Die Yungas-Straße auch „Camino del Muerte“ genannt, galt bis 2006 mit bis zu 300 Toten als gefährlichste Straße der Welt (Yungas ist Aymara und befeutet Dschungel). Mittlerweile gibt es eine zweite breite und geteerte Straße für den ganzen Verkehr Richtung La Paz. Von La Cumbre (4700m) hatten wir schon einen einzigartigen Blick auf die umliegenden schneebedeckten Bergspitzen, aber es sollte noch besser werden. Die zweite Etappe führte uns durch Dschungel, vorbei an steilen Kliffen zur linken und herabstürzende Wasserfälle und Felsüberhänge zur rechten Seite bis zum Dorf Yolosa auf nur noch 1200 Hm (insgesamt haben wir gute 4000 Tiefenmeter zurück gelegt). Um uns von der Fahrt „auszuruhen“ wurden wir ins nahegelegene Tierschutzgebiet La Senda Verde in ein Resort gebracht. Nach einer Dusche und einem Pasta- Buffet konnten wir im und am Pool unter Palmen die Seele baumeln lassen. Gefühlt ein Paradies hier unten! Tropische Pflanzen, Papageien und warme Temperaturen. Und erst auf der 3,5 stündigen Rückfahrt wurde allen erst richtig bewusst wie viel Strecke wir heute tatsächlich zurück gelegt hatten.

Tiwanaku
Auf dem Weg Richtung Peru besichtigten wir die archäologischen Ruinenstätte Tiwanaku. Tiwanaku war das politische und kulturelle Zentrum einer sehr hoch entwickelten Prä-Inka-Kultur. Wir konnten das berühmte Sonnentor, den Tempel Kalasasaya sowie die Untergrundtempel dort bestaunen.
Am Grenzübergang in Desaguadero wurden wir von einem super netten Tourguide in Empfang genommen. Auf dem Weiterweg konnten wir bei zwei sehr alten und ungemein beeindruckenden Kirchen Stopp machen (Enrique wusste überall Details zu erklären – seine Art hat auch unsre Jugend schwer beeindruckt) und uns ein Inka-Sonnenobservatorium anschauen. Enrique hat uns so viel über sein Land erzählt, dass die Fahrt nach Puno wie im Flug vergangenen ist.


Titicacasee
Den größten Süsswassersee Südamerikas teilen sich auf 3800 Metern Höhe Bolivien im Osten und Peru im Westen, und er ist stark verschmutzt. 2012 wurde der Titicacasee als bedroht erklärt. Er führt jährlich weniger Wasser, leidet unter Überfischung und giftigen Schwermetallen durch die Bergbauminen um ihn herum.Unser Passiert ist seitdem wenug! Die Präsidenten Boliviens und Peru kündigten den Bau von Kläranlagen an, die EU wollte Millionen bereitstellen. Naja, ist ja erst 2019.
Was Titicaca heißt, will man ja immer schon wissen.  Die Herkunft des Namens stammt aus dem Aymara und heißt Titi =große Katze und kaka = grau oder karka = Felsen. Ausgesprochen wird das übrigens „Titichacha“, denn kaka ist hier das gleiche wie in Deutschland …
Vom Hafen Punos gings per Motorboot zu einer der Schilfinseln der Uros. Die Uros sind eine alte Ethnie, die schon seit Hunderten von Jahren auf, aus Toragras geflochtenen, schwimmenden Inseln wohnen. Das schilfartige Gras wird außerdem verwendet, um Häuser und Schiffe zu bauen. Zugegeben der Besuch dort war super touristisch (wir waren nicht allein) aber nichts desto trotz interessant. Die Fahrt zur Insel Taquile danach dauerte gute 90 Minuten, die Insel liegt ca. 40 km von Puno entfernt. Hier können wir uns etwas die Beine vertreten. Auf dieser Insel spinnen die Frauen die Wolle und nur die Männer stricken. Von hier sollen die besten Strickarbeiten Perus kommen. Um zu erkennen ob Mann oder Frau Single oder verheiratet sind muss man bei den Männern auf die Mützenfarbe, bei den Frauen auf den Rock schauen. Mützen: weiß mit etwas blauen und roten Streifen = Single, rote mit dünnen weißen und blauen Streifen = verheiratet, Bunte Mütze = wichtige Autorität
Frauen: gelber, grüner und pinker Rock= Single, schwarzer Rock = verheiratet
Wir können den Damen beim Weben und den Männern beim Stricken zuschauen, bekommen eine Folkloreshow geboten und Simon, Felix und ich werden zum Mittanzen geholt. Wie lange gibt es diese Traditionen wohl noch?
Auf der Insel wird alles für den Alltag nötige angebaut. Beim gemeinsamen Lunch können wir die Produkte testen: Gemüse – Quinoasuppe, Forelle und Omelette.

 

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Große Löcher

Unser Appartement hier in Calama gibt uns drei Tage „Normalität“. Eine Waschmaschine, die gut sortierte Küche, zwei Räume mit je eigenem Bad, Blick aus dem sechsten Stock über Calama. Platz für uns und Platz für Lisi und Max, die heute nach Nachtfahrt von Arica hierher dazugestoßen sind. Wir sitzen lange am Frühstückstisch und quatschen, bis Ihnen fast die Augen zufallen. Der Schlaf im Nachtbus war wohl doch nicht ganz so erholsam. Schön die Beiden hierzuhaben!!
Gemeinsam nehmen wir an einer Führung durch Chuquicamata teil.
Chuquicamata ist eine der größten Kupfertagebauminen und damit der wohl bedeutendste Kupferproduzent weltweit. Insgesamt besitzt Chile rund 1/3 der Kupfervorräte und liefert auch 1/3 der Weltjahresproduktion. 35% des BIP kommen vom Kupferbergbau, entsprechend hoch ist das Thema in der Regierung eingehängt – und entsprechend „großzügig“ ist man bei den Umweltstandards.

Am Besucherzentrum von Codelco werden wir mit Helmen und orangen Warnwesten ausgestattet und los geht’s in einem Reisebus, voll besetzt mit Besuchern. Wir rollen vorbei an riesigen Abraumhalden (über 100 m hoch und von den Einheimischen Tortas, für uns cakes, genannt). Auf dem Weg passieren wir verschiedene andere Bergwerke, auch die 4 Jahre alte hochmoderne „Mina Ministro Hales“. Sie wird per Joystick aus Santiago gesteuert – verrückte Welt!
Hier gibt es neben Kupfer unter anderem auch Silber, Molybdän oder Arsen. Es geht hinauf ins 2.850 Meter hoch gelegene Chuquicamata. Wir fahren durch die riesigen Industrieanlagen von Codelco (ein seit 1971 staatseigener Betrieb) bis zur Einfahrt der Mine und müssen warten. Leider bläst der Wind mit 90 km/h zu heftig und so wird uns der Blick in das tiefe Loch und die Weiterfahrt verboten.

Was wir gerne gesehen hätten:
Das angeblich größte, je von Menschen geschaffene Loch. Zumindest wird in einschlägigen Informationen Chuquicamata als größter Tagebau der Welt bezeichnet. Laut Wikipedia ungefähr 4.300 m lang, 3.000 m breit und bis zu 1.100 Meter tief! Unvorstellbare Dimensionen!! Seit 1915 wurde hier tiefer und tiefer gegraben – aber ab 2020 ist oberirdisch Schluss.
Zu groß ist der Aufwand inzwischen im Verhältnis zu Ertrag: Die gewaltigen Lastfahrzeuge, die das erzhaltige Gestein nach oben befördern, brauchen pro Minute viereinhalb Liter Kraftstoff und eine Stunde Zeit, bis sie die zwölf Kilometer lange Strecke aus den Tiefen der Mine zur Verarbeitung an den Rand des gewaltigen Abgrunds befördern. Dort übernehmen dann noch größere Trucks mit Reifen, die einen Durchmesser von vier Metern haben, die Last – und dafür werden neben japanischen Maschinen auch deutsche, und zwar die von Liebherr, eingesetzt. Als Alternative für den nicht mehr wirtschaftlichen Tagebau werden bereits heute gewaltige Stollen gegraben, in denen ab nächstem Jahr der Kupferabbau unterirdisch fortgesetzt werden soll. Wichtigster Abnehmer des chilenischen Kupfers ist im Übrigen, wenig überraschend, China. Das bedeutete natürlich einen gewaltigen Strukturwandel und einen enormen Arbeitsplatzabbau für die Region. Eine unsichere Zeit für die Bergarbeiter also, die vor etwa zehn Jahren ohnehin schon eine einschneidende Veränderung hinnehmen mussten: Die Bergarbeiterstadt Chuquicamata gleich neben dem Tagebau, mit allen Einrichtungen des täglichen Lebens wie Rathaus, Veranstaltungshalle, Kirche, Fußballstadion, Kneipen, Hotels und Krankenhaus wurde wegen des vom Tagebau herüberwehenden gesundheitsschädlichen Staubs 2007 einfach „zugesperrt“. Alle Bewohner mussten den Ort verlassen und nach Calama umsiedeln.
Seitdem ist Chuquicamata eine Geisterstadt. 40% der ehemaligen Bergarbeiterstadt ist schon bedeckt vom Geröll des Abraums. Der Rest soll für die Nachwelt erhalten werden. „Chuquicamata ist Teil ihrer Kultur und gehöre zur Geschichte Chiles“ erklärt unser Führer. Irgendwann soll daraus darum einmal ein Freilichtmuseum werden. Momentan sind die Straßen zu den Wohnsiedlungen normalerweise abgesperrt; Aber weil heute halt sonst nichts geht dürfen wir Besucher ausgiebig auf fest vorgegebenen Straßen (bloß ja nicht den Weg verlassen, da versteht unser Guide echt gar keinen Spaß und Fotos bitte nur da wo erlaubt!) durch den menschenleeren Ort spazieren – eine seltsame Stimmung breitet sich hier aus, denn die Gebäude machen noch einen ziemlich gepflegten Eindruck und wirken so, als warteten sie nur auf die Rückkehr ihrer ehemaligen Bewohner.
Kupfergewinnung scheint ein echt „dreckiges“ Geschäft zu sein, das ist der bei uns bleibende Eindruck. Wir googeln hinterher im Netz. Sogar die Bundesregierung hat eine Untersuchung zu den Umwelt- und Sozialauswirkungen des Kupferabbaus hier erstellen lassen: kritisch sind Schwefeldioxid und Arsenstaub in der Luft sowie der extreme Wasserverbrauch in der trockensten Region der Erde, die natürlich nicht ohne Auswirkungen auf Umwelt und Menschen bleiben. BMW hat zusammen mit Codelco ein Projekt für „grünen“ Kupfer gestartet (in jedem PKW sind rund 25 kg Kupfer enthalten); aber Kritiker halten das für ein Marketinginstrument, „ökologischer“ Kupfer wäre praktisch unmöglich.

Ein ganz gutes Video über Chuquicamata gibts auf youtube.

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Unsre letzte Radetappe – Wehmut und Vorfreude auf Neues zugleich 

LetzteRadetappen0111.00 Uhr und wir rollen  bei leichtem Nieselregen neben riesigen Lastwagen, Tankautos etc. in Calama ein. Wie!? Am trockensten Platz der Erde Regen? Hier hat es normalerweise nur 0,5  – 2 mm pro Jahr Niederschlag. Und wir sind dabei!  Im Vergleich dazu regnet es in der Sahara 45 ml pro Jahr. 

An der echt riesigen Mall versorgen wir uns wieder mit Kaffeepulver, gerettet! Wir haben noch viel Zeit bis wir unser über Airbnb gebuchtes Appartement beziehen können. Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht, also biegen wir in die Fußgängerzone ab. Es gibt vieles, aber ein Straßencafe leider nicht. Ja wir hatten vergessen, Chile ist nicht für Kaffeekultur bekannt. Aber frischer Fruchtsaft ist auch nicht zu verachten, wenn da nicht die beiden Straßenmusikanten im Abstand von 30 m wären, die versuchen sich gegenseitig an die Wand zu trällern! Ach wie ruhig waren die letzten Tage! Seit Ollague sind wir entlang zahlreicher Vulkane (5000 bis 6000er), durch Salzseen, entlang kleiner Lagunen mit Flamingos und Vikuniaherden und durch endlose Pampa geradelt. Nur wir beide und diese skurrilschöne Natur. Abends immer ein nettes Plätzchen zum Schlafen: mal bei Flamingos, mal direkt am Minivulkan oder am Fluss, der ein winziges grünes Band durch die auslaufende Atacama zog, und nun das, uff!
Heute haben wir unsere letzte eigentliche Radetappe beendet – wir sind etwas wehmütig. Nach 10 Monaten kommt das Ende unseres Sabbatjahrs immer näher. Morgen und übermorgen trudeln unsere Jungs samt Freundin ein, dann gibt’s 3 Wochen ziemlich stramm getakteten Familienurlaub. Danach wollen wir bei Huaraz in Nordperu noch eine längere Trekkingtour machen. Ecuador und vor allem Kolumbien sollen schöne Radelländer sein, hat man uns empfohlen. Aber das wird dann wohl eine andere Radtour…

 

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Über den größten Salzsee der Welt 

Die Busfahrt von Sucre nach Uyuni war sehr abwechslungsreich. Da wir im Doppeldeckerbus oben ganz vorne Plätze gebucht hatten konnten wir die tolle Landschaft richtig genießen.
In Uyuni kommen wir im Casa ciclista unter. Unsere erste Erfahrung mit einem Casa de ciclistas. Außer uns schlafen hier noch 10 weitere Radler aus der ganzen Welt (Polen, Spanien, Italien, Portugal, Amerika, Kolumbien). Von Miriam, der guten Seele hier, werden wir in alles eingeführt und dürfen dann unsere Isomatten in einem kleinen sauberen Raum ausbreiten.Wir teilen uns unser kleines Zimmer mit dem polnischen Pärchen. Im Innenhof steht der große Esstisch und zwischen den Bäumen sind Hängematten aufgespannt. Die kleine Küche hat alles was es braucht. Hier ist es zwar etwas „chaotisch“ aber herzlich. Zwei Jungs schrauben an ihren Rädern, Simon aus Italien reinigt nach der Salarquerung sein Rad ( wow, sieht jetzt aus wie neu), die anderen faulenzen in der Hängematte.
Wir schlafen erstaunlich gut, hier in Uyuni haben wir einen Tag für Orga etc. eingeplant. Wir müssen genug Essen für die Salarquerung besorgen, wollen eine bolivianische SIMkarte erstehen und den Eisenbahnfriedhof anschauen. Wir frühstücken und nehmen unsere Tassen mit in die Sonne. Im Schatten ist es hier auf 3600 m a…kalt. Die anderen Radler (alle viel jünger als wir) schlafen noch. Erst kurz nach 9.00 wirds lebendiger. Simon bricht Richtung Lagunenroute auf und die ganze „Radlerfamilie“ verabschiedet ihn überschwänglich. Ich bin schon lange nicht mehr soviel gedrückt und geküsst worden – zur Begrüßung einmal die Runde, abends, morgens, beim Verabschieden, …
Uyuni ist nicht wirklich schön, kurz vor dem Ort endet die Teerstraße und so ist alles etwas trostlos uns staubig. Das Besorgen der SIMkarte ist erstaunlich kompliziert. Nur der Hauptladen von Entel ist autorisiert Karten an Ausländer zu verkaufen. Wir müssen den Reisepass mitbringen und uns am ersten Schalter registrieren lassen, dann erst können wir die SIMkarte an zweiten Schalter freischalten und aufladen lassen. Jedesmal heißt es warten. Mit uns sitzen hier sicher 15 Personen und wir begreifen nicht in welcher Reihenfolge die „Warteschlange“ abgearbeitet wird. Wir warten und warten, aber nichts passiert…
Irgendwann klappt ’s dann doch. Nun sind wir wieder mobil;-)
Auch hier hat es einen Mercado Central und wir decken uns mit allem nötigen ein. Wir suchen lange bis wir ein Café finden, das nicht nur Nescafe anbietet sondern ne wirkliche Kaffeemaschine hat und wifi! Spätnachmittags besuchen wir den Eisenbahnfriedhof. Echt skuril wie da mitten in der Landschaft die alten Loks vor sich hin rosten. Wir treffen Sarah und Lukas, zwei junge extrem sympathische Menschen und verratschen uns. Eigentlich wollten wir viel mehr fotografieren. Aber Fotos gibts noch öfter! Nach Sonnenuntergang radeln wir zurück, es wird ganz schön schnell kalt und dunkel.
Heute Nacht teilen wir uns das Zimmer mit Ludwig, einem netten deutschen Motorradfahrer.

Nachdem wir uns von allen im Casa umarmt und verabschiedet haben gehts los auf den Salar. Beide sind wir extrem gespannt. Bei Colchani radeln wir um einige größere Wasserlachen herum, aber danach können wir trocken dahinradeln. Sieht aus wie festgefahrener Schnee, lässt sich aber bestens fahren. Beim Denkmal für die Rallye Paris Dakar werden wir von Jeeptouristen beklatscht. Niice! Zur Belohnung dürfen sie ein Bild von uns machen. Wir radeln heute 65km und bauen unser Zelt mitten auf dem Salar auf. Aber nicht ohne vorher unzählige Perspektivische Fotos mit uns und den Rädern zu machen.

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Beim Zeltaufbauen fährt ein weißer Camper vorbei, hält und heraus springen Sarah und Lukas. Na super, haben sie doch eine günstige Mitfahrgelegenheit bekommen. Wir quatschen nur kurz, sie müssen novh vor Dunkelheit auf der Isla Inkahuasi sein und nach Sonnenuntergang gehts raz faz und es ist stockfinster. Sobald die Sonne am Horizont verschwunden ist wirds zapfig und wir verschwinden ins kuschelige Zelt.

Die 30 km bis zur Isla Incahuasi ziehen sich, obwohl das Radeln auf dem Salar gar nicht so anstrengend und wirklich einmalig ist. Aber es geht halt immer nur gradaus und die Insel kommt und kommt nicht näher. Und wir werden durch die Unebenheiten ganz schön durchgeschüttelt.
Irgendwann stehen wir dann kurz vor Mittag doch vor der Kaktusinsel und parken die Räder versteckt. Die Lenkertaschen umgehängt kraxeln wir hoch zum Gipfel der Insel. Immer wieder müssen wir diesen gigantischen Blick über den Salar mit diesen wunderschönen Kakteen und den „Kaktuskorallen“ fotografieren und auch oben gönnen wir uns viiiiiel Zeit. Danach radeln wir weiter zu den Restaurants und dem Parkplatz der Touristengruppen. Hier steht auch das Kassenhäuschen, denn wer auf der Insel hochwandern möchte muss hier Eintritt bezahlen. Da haben wir vorher Glück gehabt und sind wohl über den Hintereingang nach oben gewandert. Johannes zählt 27 parkende Jeeps und es wimmelt vor Touris. Wir werden oft nach dem woher und wohin gefragt und bekommen viele „Daumen hoch“ gezeigt. Der Trubel liegt uns nicht aber wir können am Kiosk Trinkwasser für Birgit, Sprite für Johannes kaufen. Im Restaurant füllen sie sogar noch Johannes PETflasche mit Wasser zum kochen auf. So versorgt radeln wir zur nächsten Bucht und finden dort am Ufer ein sandiges, ebenes und nicht zu steiniges Plätzchen fürs Zelt. Welch ein Kontrast zu gestern Abend. Zum Sonnenuntergang klettern wir nochmal den Hügel hinterm Zelt zum privaten „Sunsetpoint“ hoch und genießen ganz in Ruhe „unsren“ Salar. Der Jeepkarawane ist seit einer Stunde verschwunden und wir haben das Gefühl die Insel gehört uns ganz alleine. Wow!!!!

Die Boden der Insel hat wohl tagsüber gut Sonne getankt, denn diese Nacht ist es deutlich wärmer als gestern. Und zu unsrer Überraschung haben wir hier mitten auf dem Salar Netz und können WhatsAppen und Neiderbilder verschicken. Schon irre, gerade an dem Ort, den wir uns am entferntesten von der Zivilisation vorgestellt hatten chattet Johannes sogar mit seinem Chef über seine neue Stellenbeschreibung!

Der heutige Tag ist kaum in Worte zu fassen. Wir lassen uns von der Sonne wecken und frühstücken vorm Zelt. Die Tourijeeps der Sonnenaufgangstour sind schon zahlreich unterwegs. Immer wieder spazieren welche vor unsrer Bucht vorbei. Ob sie wohl den frischen Kaffee riechen?  Einer kommt näher und stellt sich vor, sein Rad ist auf dem Jeep und er muss wegen Knieproblemen pausieren. Na klar, wir kennen uns doch, das ist ja Arnold aus Holland ! Ihm und seiner Mitradlerin sind wir auf dem Pamirhighway begegnet und später nochmal in Osh in unsrem gemeinsamen Guesthouse. Was ein Zufall!!  Wir empfehlen ihm noch das Casa de ciclistas und schon hupt sein Jeep zum Aufbruch.
Schweren Herzens verlassen wir dieses wunderschöne Fleckchen Erde und radeln Richtung Festland.  Nach 35 km wirds immer feuchter und die letzten 10 km ackern wir uns im knöcheltiefen Salzwasser voran. Unsre armen Räder meint Johannes,  wir Armen denke ich.

Aber irgendwie ist es auch cool quasi übers Wasser zu schweben. Die Wolken und die Berge an Land spiegeln sich soo schön im Wasser. Am Damm angekommen,  bringt uns die Straße trockenen Fußes ans Land. Gleich bei den ersten Häusern hat’s gottlob einen Wasserhahn und so können wir das Salz von den Räder und unsren Beinen spülen.


Mit ordentlich Rückenwind geht’s nun auf festem Boden weiter. Wir sehen Vikuniaherden und Nandus! Trotz der Windunterstützung gehts nur zäh voran, weicher Sand, Wellblechpiste – Ripio du hast uns wieder. Nach 65Tageskilometer zelten wir unterhalb des Ortes Colcha-K. Als wir schon eingemummelt in den Schlafsäcken sitzen bekommen wir doch glatt von der Blaskapelle oben im Ort ein Ständchen. Klingt wie bayrische Blasmusik, echt skuril!!!

03.05.2019 Colcha-K bis nach Chiguana
Heute Nacht wird Birgit arg vom Husten geplagt. Entweder die trockene Luft oder die vielen Küsschen und Abschiedsumarmungen im Casa de Ciclistas in Uyuni. Bisher hatten wir uns gut um Erkältungen drücken können, trotz der eher kalten Reiseländer.
Und es geht gleich so weiter – an Johannes Rad ist der Hinterreifen platt, schon wieder an der Stelle, an der der Mantel defekt ist. Zeit, um den vorsorglich in Sucre gekauften Ersatzreifen zu montieren. Brasilianisches Fabrikat, sieht eigentlich ganz gut aus und sollte den Rest des Sabbatjahrs durchhalten.

Unsere Karten-App verspricht heute kaum Höhenmeter, wir können es kaum glauben. Bis San Juan de Rosario haben wir die angekündigten Höhenmeter schon verbraucht – wie soll das denn gehen? Aber die App hatte recht. Nach San Juan kommen wir auf einen weiteren, ziemlich zugesandeten Salzsee. Aber wirklich total platt,  so dass wir gut radeln können und ausnahmsweise sogar einen Blick auf die vielen bunten Vulkane werfen können. Acht Fünftausender ringsherum!
Und dann bewegt sich was am Horizont, das erste Fahrzeug seit Stunden, ein Zug! Wir nähern uns der Bahnlinie nach Chile auf der die ganzen Erze aus den bolivianischen Minen an die Küste transportiert werden. Sieht etwas wie Märklin-Spielzeugeisenbahn aus vor den hohen Vulkanen und in der endlosen Weite.
Der Husten und das Halsweh von Birgit wird ärger, jetzt muss doch eine Tablette her, sonst wird das Weiterradeln in der trockenen und dünnen Luft zur Qual.
Wir zelten am „Ufer“ des SandSalzsees, morgen noch 35 km bis zur fünften Einreise nach Chile. Am Horizont hinterlassen Jeeps ihre Staubfahnen auf der Piste, in zwei Wochen werden wir zusammen mit unseren Jungs auch hier unterwegs sein, auch bequem mit dem Auto!

04.05.2019 Bis Olague an die chilenische Grenze haben wir heute mit 35 km eine kurze Etappe. Aber Birgits Husten verlangt nach etwas Pause. Die Piste über den Salzsee ist glatt wie ein Kunderpopo, bestes Radeln mit Blick auf den Vulkan Olague und seine Kollegen. Die letzten 15 km haben es dafür in sich. Denkt man schlechter gehts nicht mehr, kommt nach der nächsten Ecke diese Wellblech- und Buckelpiste daher. Aber wir trösten uns damit, dass nach der Grenze Teer auf uns wartet. Kurz vor Avaroa dem bolivianischen Grenzort treffen wir das polnisches Radlerpärchen,  mit dem wir schon im Torres del Paine gewandert sind. Wieder ein Hallo und wie geht’s.  Sie wollen mehr über die Bedingungen am Salar wissen und wir fragen neugierig nach Wasserfassen bis Calama.

Die bolivianische Grenze ist trostlos und verlassen aber den Stempel im Pass bekommen wir ruck zuck. Jetzt nur noch 2 km und endlich wieder Teer!!! Am chilenischen Grenzposten müssen wir unsre Räder erneut als Transportmittel anmelden. Chilenischer Wahnsinn! (Damit wir auch ja wieder damit ausreisen!!!)
Olague selber besteht aus einer Straße, an der einige Häuser zusammengebaut trostlos vor sich hin verwittern. Die Suche nach einer Unterkunft zeigt sich als erstaunlich kompliziert. Na dann erst mal was essen, es gibt tatsächlich ein Restaurant das mit einem Tagesessen wirbt. Und das schmeckt richtig gut. Und es löst sich ja doch immer alles in Wohlgefallen auf, sie vermieten auch ein Zimmer, bingo. Auf die Dusche müssen wir aber leider noch 2 Stunden warten,  der Boiler muss erst noch angestellt werden. Wie? Es wurde uns warmes Wasser den ganzen Tag versprochen. Aufregen nutzt aber nix, es hat sonst weit und breit nichts vernünftiges. Dafür sind die Preise hier am A d W echt gesalzen.
Wir putzen unsere Räder (die stört kaltes Wasser nicht) bevor wir uns säubern können. Ach welch Luxus zuhause, Wasserhahn aufdrehen und gut is!

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Sucre – die weiße Stadt

2,5 Tagen brauchen wir von Potosí nach Sucre. Wieder mussten etliche Höhenmeter „geklettert“ werden, auch wenn Sucre so viel tiefer liegt. Immer wieder galt es einen nächsten und dann wieder den nächsten Pass zu überqueren. Uff! Unterwegs treffen wir auf Riesenspinnen mit Riesenspinnennetzen und scheinbar haben wir gerade den Abend erwischt, an dem sämtliche Flügeltiere schlüpfen. 15 km außerhalb von Sucre verbringen wir die 2. Zeltnacht und sind so schon frühmorgens im Städtle.

Trotz der 310000 Einwohner ist die Innenstadt erstaunlich ruhig. Am zentralen Platz des 25. Mai gönnen wir uns einen frisch gepresster Orangensaft (gibts hier überall, schmeckt gut und ist gesund) und sehen dem Treiben zu, bestaunen das erstemal die weißen Bauten.
Sucre ist genau richtig über Ostern mehrere Tage zu verweilen. Wir haben ein Appartement gebucht und dürfen es schon um 12:00 beziehen. Wir lassen es langsam angehen. Nach Verschnaufpause, gründlicher Reinigungsaktion von Körper und Material erkunden wir den Hügel hinter uns und landen am Mirador vor dem Kloster La Recoleta. Hier werden gerade zwei Musikvideos gedreht, die Drohnen schwirren über unsren Köpfen. Außer dem grandiosen Ausblicken auf Sucre bekommen wir so noch gratis nebenbei Folkloreauftritte geboten.

Das Passionsspiel der Kinder der Pfarrei heute am Karfreitag können /wollen wir nicht abwarten, der Start zieht sich immer mehr hinaus. So ohne Jacke losmarschiert wirds doch zu frisch und einkaufen müssen wir auch noch. Auf dem Rückweg vom Laden geraten wir mitten in die Karfreitagsprozession. Mit Blasmusik, die eher an Guggenmusik erinnert, werden Reliquien und Marienstatuen durch die Gassen getragen und so im Vorbeigehen bekommen wir den Ostersegen des Bischofs ab.

Sucre 28

Zurück im Appartement genießen wir das Selberkochen und experimentieren mit Quinoa. (Chefkoch sei dank!)
Die Küchenausstattung unsres Appartements ist perfekt und eine Waschmaschine vorhanden. Travelerherz was willst du mehr!
Damit etwas Osterfeeling aufkommt bäckt Birgit einen Osterzopf, etwas spannend denn es gibt nur gesalzene Butter hier. Aber das Ergebnis lässt sich sehen und schmeckt super! Ostern kann kommen.

Ca. 2900 Meter hoch gilt Sucre als schönste Stadt Südamerikas und die Altstadt ist seit 1992 Weltkulturerbe. Sucre ist mit seinen weißgetünchten Kolonialbauten wirklich schön, alles sieht sauberer aus als das, was wir bislang von Bolivien gesehen haben!
Die koloniale Altstadt besticht durch ihre vielen gut erhaltenen Gebäude. Die weiße Stadt hat Charme! Es gibt nette Cafés und Restaurants. Hier kann man sitzen und die Seele baumeln lassen. Aber durch diese eintönige Farbe auch etwas langweilig.
Das Klima ist angenehm warm, und nach Potosí über 4000 Metern ist das Schnaufen hier wieder leichter! Sicher mit ein Grund für die Kolonialherren hier den Sitz von Verwaltung und Kirche zu errichten.
Sucre ist aber nur noch die konstitutionelle Hauptstadt Boliviens (die Regierung sitzt in La Paz). Hier wurde die Unabhängigkeit errungen und die Republik gegründet. Der Reichtum, den die Minenarbeiter in Potosi erarbeiteten, wurde über Sucre in das spanische Mutterland abtransportiert.
Die Stadt ist wie Rom auf sieben Hügeln erbaut, das bietet tolle Ausblicke aber auch Steigungen, die es zu laufen gilt. In der Innenstadt gibt viiiiiele Kirchen ( es sollen über 70 sein).

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Der Samstagvormittag geht mit Orga drauf, eine Stadttour für nachmittags und für Montag eine Wanderung zum Inka Trail und Maraguakrater sowie zu den Saurierspuren (wir sind gespannt!) wird gebucht und Johannes braucht nun doch einen Ersatzmantel fürs Velo. Birgit nimmt all ihren Mut zusammen und begibt sich in die Höhle des Löwen – sie geht zum Friseur :-).
Am Nachmittag gehen wir dann mit den Condor Trekkern auf Walking Tour durch die Stadt. Wir erfahren viel über die zwei indigenen Bevölkerungsgruppen östlich und westlich von Sucre und deren Traditionen.

Die Geschichte Boliviens wird sehr anschaulich durch verschiedene Gebäude, Statuen etc. am zentralen Platz des 25. Mai erklärt. Auf der Tour besuchen wir einen Schokoladenladen und den Mercado Central und probieren uns durch lokale Obst- , Schokolade- und Wurstsorten. Danach geht’s in den Park Simon Bolivar (Freiheitskämpfer und Namensgeber fur Bolivien). Der Rundgang endet oben bei La Recoleta in einer urigen Hinterhofpinte bei einem Glas „Chuflay“ oder so ähnlich, schmeckt wie Limo mit Schnaps und wird wohl hier gerne getrunken . (Jetzt verstehe ich was Anke meint wenn sie schreibt „der Rundgang endet in einer wunderbar ollen Kaschemme mit Pirelli-Kalenderblätter-Deko und Schnaps in Gläsern mit dicken Möpsen.“ wir lassen die Bilder sprechen)


Die Touren von Condor Trekkers unterstützten soziale Projekte in und um Sucre, und im angeschlossenen vegetarischen Restaurant gibt es feinen Kaffee und gutes Essen.
Wir schlendern am Mirador La Recoleta umher, hier warten viele Indigene auf den Ostersonntagsgottesdienst morgen früh um Fünf. Sie kommen aus den Dörfern rund um Sucre hier nach San Francisco und werden die Nacht wartend im Freien verbringen.

Überall gibts local food, Chicha und Getränke in allen Farben. Wir fragen ob wir Chicha probieren dürfen und bekommen einen Humpen in die Hand gedrückt mit einem netten Salut! Schmeckt ein bisschen nach neuem Süßen, ist sehr trüb durch die viele Hefe. Etwas Sorge habe ich um meinen Magen und wir teilen die enorme Menge mit den um uns sitzenden Leuten. Die scheinen sich über die Gringos köstlich zu amüsieren. Chicha, auch Spuckbier, wurde früher durch Kauen produziert, die Amylase des Speichels hat den Mais zersetzt und das Ganze konnte dann super vergären. Heute wird Chicha aber wohl „hygienischer“ hergestellt. ( Nachtrag: wir hatten beide keine Nachwehen)

Wir müssen unseren knurrenden Magen und unseren etwas bedüdelten Kopf (Chicha hat ordentlich Alkohol) besänftigen und treffen im Condor Café wieder auf Iris. Sie wird am Montag den Ausflug mit uns machen. Gemeinsam verbringen wir das Abendessen mit guten Gesprächen.
Auf dem Heimweg „stolpern“ wir über eine offene Kirchentüre. Neugierig gehen wir hinein und und dürfen einen wunderbar lebendigen Ostergottesdienst mit viel Musizieren, Klatschen, Hüpfen und Lachen erleben. Es tut gut, dass Kirche so anders sein kann. „Feliz pascua“ tönt es von allen Seiten und die Menschen fallen sich in die Arme.


Am Ostersonntag stehen wir zeitig auf, wir wollen um 9:00 in den Ostergottesdienst der Kathedrale. Im Vergleich zu gestern Abend sitzen hier nur wenige im Gottesdienst. Welch ein Unterschied zu gestern Nacht! Der Gottesdienst erinnert uns sehr an deutsche Gottesdienste, schade!

Wir besuchen die Casa de la Libertad, seit 1592 Jesuitenkloster und ab 1624 dazu Universität, 1825 wurde dann genau hier die Unabhängigkeitserklärung von Bolivien unterzeichnet. Innerhalb des Gebäudes kann ein Museum besucht werden, in dem viele Dokumente und Relikte ausgestellt sind.

Danach decken wir uns im Mercado Central mit Fleisch, Gemüse und Obst ein, trinken frisch gepresste Säfte, probieren uns durch den Käsestand. In der oberen Etage verlocken die Gerüche der Garküchen und wir lassen uns das für Sucre typische Gericht „Mondongo- Gut gewürztes Fleisch in Sauce mit Patas und aufgequollenem Mais“schmecken. Hier waren wir sicher nicht das letzte mal.

Schwer bepackt schleppen wir uns unsren Hausberg nach oben. Kaum 48 Stunden in Sucre und wir fühlen uns schon wie Zuhause.
Nach einer Verschnaufpause und einem Kaffee „erklimmen“ wir den 3130 Meter hohen Cerro Churuquella mit seiner Christusstatue. Sucre liegt tief unter uns und auch von hier oben sieht sie schön aus. Am Rückweg gönnen wir uns einen Absacker auf der Dachterasse vom Kolpinghotel. Bevor wir die Jungs treffen haben wir noch etwas Zeit und wir haben beschlossen die Zeit hier zu verbringen und spanisch zu lernen. Sucre ist bekannt für seine vielen Sprachschulen, da wird sich was finden lassen.

Ostermontag: Für den Ausflug mit den Condor Trekkers müssen wir sehr zeitig aufstehen. Um 7:00 ist Abfahrt. Nachdem Essen und wir 10 Teilnehmer ins Micro gepackt sind starten unsere beiden Führer Jonny und Dinelsa mit uns Richtung Cordillera de los Frailes. Nach einer guten Stunde Fahrt frühstücken wir hoch oben bei der Kapelle  Chataquila zu Ehren der Maria von Guadalupe.

Jonny schafft es sehr schnell uns zu einer eingeschworenen Gruppe zu formen und bringt uns kurzweilig so nebenbei viele Infos zu Land, Kultur und Gebräuchen näher. Wir wandern ein Stück des alten (aber gut instandgesetzten) Inka-Pfades bergab, unterwegs zeigt uns Dinelsa immer wieder Heilpflanzen, die hier viel anstelle von traditioneller Medizin benutzt werden. Der Bus bringt uns dann zum kleinen Hostal des Ortes Maragua, das Mitten im gleichnamigen Krater liegt. Während wir zum Wasserfall “ devils throat“ laufen, präparieren unsere Guides das Mittagessen. Viel frisches Gemüse, ein Gläschen Rotwein, Essen gut – Stimmung gut!

So gut gelaunt sind wir zu unserem letzten Programmpunkt des Ausflugs gestartet: versteinerte Dinosaurierspuren. Vorher etwas Bussfahrt über eine steile, kurvige, enge und abenteuerliche Piste, dann eine kurze Wanderung und dann: „wow, vor uns liegen mehrere Dinosaurierwege“. Verschiedene Arten dieser Urtiere haben hier im versteinerten Matsch von Niñu Mayu ihre Fußabdrücke hinterlassen. Um Sucre gibt es mehrere Stellen mit Saurierspuren. Eine davon soll, laut Jonny 1000 Spuren haben. Das ist doch nochmal ein Ziel.

Erst aber wieder zurück zum Bus und dann wird die gutgelaunte fröhlich ratschende Gruppe wieder zurück nach Sucre geschaukelt. Dominik hat hoffentlich noch seinen Nachtbus nach La Paz geschafft. Dominik kommt auch aus dem Ländle, genauer Rheinstetten, und, wie ist die Welt klein!, sein Bruder Simon hat bei mit im Studioteam gearbeitet. War ein sehr ausgefüllter Tag und die Gruppe war richtig cool. Fast nur Deutsche,  alle jünger als wir, und wir hatten megaviel Spaß zusammen.
Spät sind wir zurück, der Kopf voller Eindrücke. Trotzdem statten wir dem Hospedaje Isabella einen Besuch ab. Ab Mittwoch brauchen wir eine neue Bleibe, wir hatten ja beschlossen noch länger zu bleiben und unsre Wohnung ist nicht mehr frei. Nach etwas Verhandlung über Preis und welches Zimmer werden wir uns einig. Nachdem wir von den Spanische Schulen, die wir angemailt hatten nur negative oder keine Antwort erhalten sind wir auf dem Heimweg über die offene Tür einer Sprachschule gestolpert. Zufällig sind wir im Goethe Institut von Sucre gelandet und konnten tatsächlich gleich für die 5 Tage Unterricht buchen. Etwas teurer als die anderen Anbieter, aber es scheint sehr professionell zu laufen. 2 evtl. 3 Stunden pro Tag und danach viiiiiel Freizeit. Die Dame im Sekretariat hat in Freiburg studiert,  in der Stusi gewohnt, welch netter Zufall.

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Unsre Sprachschule ein Ableger vom Goethe Institut

Mal wieder ausschlafen, gemütlich frühstücken und dann gehts in die Sprachschule Instituto Cultural Boliviano Aleman. Zu zweit sitzen wir Juan gegenüber, er ist Professor hier an der Uni und ich komme mir wieder etwas vor wie in der Schule. Aber er versteht es gut uns anhand Kärtchen ins Konjugieren einzuführen. Nach zwei Unterrichtsstunden brummt mir der  Kopf, aber ich habe tatsächlich fast eineinhalb Stunden am Stück nur spanisch gesprochen, wow! Hinterher belohnen wir uns mit einem Mittagessen im Mercado central, es gibt noch einiges was wir probieren müssen. Heute waren es Sopa de mani, Tojori sowie Api (warme Getränke auf Maisbasis) sowie Pasteles.
Zuhause gehts ans Hausaufgaben machen, wann habe ich das letzte mal Hausaufgaben gemacht?

Kurz außerhalb Sucres auf dem Hügel wurde 1985 bei einem Zementwerk eine Wand mit Saurierspuren freigelegt. Erst 1994 hat ein Schweizer die Bedeutung erkannt:  hier hat ein Baby-Tyrannosaurus mit Spitznamen „Johnny Walker“ die weltweit längste zusammenhängende Fußspur (350m) hinterlassen. Und insgesamt hat es hier über 5000 Fußstapfen von mindestens 8 verschiedenen Saurierarten, nirgendwo sonst gibt es annährernd soviele Spuren.

Wir nutzen die Tage in Sucre und sind echt fleißig! Morgens haben wir unsre kurzweiligen Spanischstunden, danach suchen wir uns ein schönes, ruhiges Plätzchen,  um unsere Hausaufgaben zu erledigen. Unser Lieblingsplatz ist die Dachterasse des Kolpinghotels oben bei La Recoleta! Mittags bekommt man hier überall, wirklich günstiges,Tagesessen, bestehend aus mehreren Gängen. Wir nutzen das Angebot mehrmals und waren immer super zufrieden. So probieren wir uns durch die bolivianische Küche. Hinterher blieb immer noch genug Zeit für Erkundungstouren durch Sucre. In vielen Kirchen ist der Aufgang zum Glockenturm möglich,  besonders gefällt uns der Blick oben vom San-Felipe-Neri Kloster. 360 Grad Panoram weit über Sucre bis zur Cordillera de Freiles.

Da alle Häuser in der Innenstadt von Sucre maximal zweistöckig sind, hat man immer Sicht zum Himmel und nie das Gefühl in einer Großstadt „eingesperrt“ zu sein. Die Lage am Hang gewährt immer freie Blicke – wir fühlen uns hier sehr wohl. Hier könnten wir es gut noch länger aushalten.

Am Freitag lernen wir beim Hausaufgaben machen oben an der Dachterasse vom Kolping Pater Luis kennen. Spanier, der jetzt in Chile lebt, lange auf Madagaskar und in Frankfurt in Gemeinden tätig war und  hier in Sucre eine Tagesbetreuung für die Friehofskinder und Straßenkinder von Sucre mit aufgebaut hat. Unterstützung bekommt er durch Spendengelder von “ Lola“ bzw. dem Lorenzladen in Nürnberg. Die Einrichtung trägt passend den Namen „Casa de los amigos“. Schulkinder im Grundschulalter (hier 1.-6. Klasse) werden nach oder vor der Schule betreut, bekommen Mittagessen und Nachmittagstee, erhalten durch Pädagogen Hilfe bei den Hausaufgaben und bei Bedarf psychologische Betreuung. Dort gibt es eine wunderbar warmherzige Köchin,  Räume zum Hausaufgaben machen, ein Gewächshaus, seit letztem Jahr einen Backofen für eigenes Brot, Musikunterricht, eine Turnhalle und eine liebevolle Atmosphäre. Zuhause wären die Kinder auf sich allein gestellt!  Ab 14 Jahren arbeiten die „Friedhofskinder“, um ihre Familien finanziell zu unterstützen, auf dem großen,  blitzsauberem Friedhof. Für Geld pflegen und säubern sie die Mausoleen und Gräber,  beten anstelle von Angehörigen und bieten Führungen an. Uns führt Sonja, 21. Auch sie war schon als Grundschulkind im Zentrum. Mittlerweile studiert sie Zahnmedizin und finanziert sich ihr Studium u.a. durch die Führungen. Im Casa de los Amigos kann auch sie kostenlos essen, dafür hilft sie den Betreuern und kümmert sich mit um die Kleineren. Unser Glück,  im Kinderhaus arbeitet Judith,  gerade hier für ein 6-monatiges Praktikum, eigentlich Pädagogikstudentin in Bamberg.  Von ihr bekommen wir eine kleine Führung durch die Räume der Einrichtung. Tolle Arbeit die hier geleistet wird. Diese Kinder erhalten hier die für uns selbstverständliche Chance auf Essen, etwas Bildung und Herzenswärme und dadurch eine bessere Zukunft!! Ein unterstützenswertes Projekt!!

Mehr Infos unter http://lorenzerladen.mws3.de/friedhofskinderprojekt-cimet
Wer das Projekt unterstützen möchte (sicher gut angelegt!) :
http://lorenzerladen.mws3.de/spenden

Judith begleitet uns auch durch den Friedhof und übersetzt die Erläuterungen von Sonja wo notwendig. Dieser Friedhof ist überraschend gut gepflegt und da Sucre lange wirtschaftlich und verwaltungsmäßig das Zentrum Boliviens war hat es hier viele große Grabmäler der Prominenz. Sonja verknüpft das geschickt mit der Geschichte des Landes. Die einfacheren Gräber sind oft mit „wichtigen“ Dingen aus dem Leben der Verstorbenen dekoriert. Da findet man dann schon Bier – und Weinflaschen, eine Gartenschere, Musikinstrumente oder ein Spielzeugauto.

Für heute unsren letzten Abend in Sucre haben wir Konzertkarten zu einer Jam Session der Los Masis gekauft. Sie gehören zu einer der bekanntesten Musikgruppen und sind DAS kulturelle Exportprodukt Boliviens. In ihren bunten Trachten und den traditionellen Instrumenten wie der Sampona (Panflöte), Quena (Flöte), Saiteninstrumenten, Trommeln, Horn (Naturhorn von Kühen) und ihrer Lebendigkeit faszinieren sie uns auf den ersten Blick. Zum Repertoir gehört auch die ursprüngliche Musik und Tänze der verschiedenen indigenen Volksgruppen Boliviens, um sie als kulturelles Erbe ihres Landes zu erhalten. In dieser Woche feiern sie mit Konzerten,  Gottesdiensten etc. ihr 50-jähriges Jubiläum. Und wir haben das Glück dabei zu sein! Zu Ehren der Los Masis sind einige andere bolivianische Gruppen da, und auch die eigene „Nachwuchsband“ hatte einen Auftritt. Mann, war das eine Stimmung! Wir sind um 2:00 morgens nach Hause und waren mit die Ersten am Heimgehen. Morgen früh geht’s mit dem Bus weiter nach Uyuni, das Aufstehen wird sicher hart.

 

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Potosí – einst reichste Stadt der Welt

14.04.2019 Palmsonntag in Potosi
Gemütlich lassen wir den Tag angehen, im kleinen Minimercado nebenan gehen wir frühstücken. Wir quatschen dort lange mit Anke und Torsten aus Düsseldorf , die auch im Sabbatjahr unterwegs sind. Danach schlendern wir durch Potosí, überall finden wir Reste der prächtigen Kolonialarchitektur. Der Glanz der vergangenen Zeit bröckelt zwar sehr, aber schon imposant welch Bauten dort mit dem Silber aus dem „Hausberg“ errichtet wurden.

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Gegen 1611 war Potosí mit 150.000 Einwohnern zu einer der größten und der reichsten Städte der Welt aufgestiegen, wobei ca. 13.500 Menschen unter Tage Silber förderten. Man will sich nicht vorstellen zu welchen Bedingungen. Die spanischen Besatzer haben Einheimische wie afrikanische Sklaven unter erbärmlichsten Bedingungen in die Minen gezwungen.
Nach Einbruch des Silberpreises und einiger Seuchen schrumpfte zwischendurch die Einwohnerzahl auf ca. 75.000. Jetzt leben wieder knapp 175.000 hier. Viele davon leben immer noch vom Bergbau. An den Arbeitsbedingungen hat sich wohl nicht viel verbessert. (für Montag haben wir uns zu einer Minentour angemeldet, um uns ein eigenes Bild von den „Grauen“ zu machen)

Wegen Palmsonntag ist in der Innenstadt um die Mittagszeit tote Hose, kein Café zu finden. Im (auch schon fast geschlossen) Mercado Central erstehen wir alles für das morgige Frühstück und einen Nachmittagskaffee. Im Hostel zurück genießen wir den ruhigen Innenhof. Johannes bastelt am Benzinkocher rum, Birgit erledigt Wäsche, der Blog will gehegt werden. Später ziehen wir nochmal los, wir wollen hoch zum Mirador „Torre de la Compania de Jesus“ beim Tourist Office.
Hinterher hängen wir am Platz ab, schauen den Vorbereitungen für den Palmsonntagsgottesdienst zu. Neben uns auf der Parkbank sitzt eine Bolivianerin, die in Braunschweig lebt und auf Heimaturlaub in Potosí ist. Wir kommen ins Gespräch, von der Parkbank nebendran klinken sich zwei junge Damen ein. Eine Tirolerin und eine Regensburgerin, die beide in St. Gallen arbeiten und wir tauschen Urlaubserfahrungen etc. aus.
Jetzt knurrte der Magen, aber Sonntag sind hier irgendwie alle Restaurants geschlossen, fein Essen Fehlanzeige. Schlussendlich landen wir in einer Kneipe zwischen Einheimischen und essen fritiertes Hühnchen mit Pommes.
Der Open Air Palmsonntagsgottesdienst ist für uns eine ganz besondere Erfahrungen. So ganz anders als Zuhause feiert man mit lebhaften Liedern, der Chor tanzt und winkt wie das Fernsehballett und alle wedeln wild mit ihren Palmzweigen. Zwischen den Gottesdienst -Besuchern schlängeln sich Essensverkäufer (hier muss keiner während des Gottesdienstes hungern) und an jeder Ecke kann man geflochtene Palmwedel erstehen.
Die Kälte treibt uns dann aber zurück ins Hostel unter die warmen Überdecken. Nach Sonnenuntergang sinkt die Temperatur in dieser Höhe schlagartig.

 

15.04.2019 Zu Besuch beim Teufel oder eine Führung in eine Silbermine von Potosí

Potosi 19

Der Besuch in den Silberminen von Potosi  war mit Sicherheit mit eine meiner bewegtesten Erfahrungen in Südamerika (interessanter Artikel beim Deutschlandfunk).
Historisch liegt  die Bedeutung von Potosi vor allem in der Förderung von Silber im Cerro Rico. Als die spanischen  Eroberer den versteckten Reichtum im Berg bemerkten, begannen sie sofort mit intensiven Ausgrabungen. Tausende von  Indigenas wurden versklavt und zur Arbeit in den Minen gezwungen! Zusätzlich wurden Sklaven aus Afrika nach Bolivien verschifft. Da die aber die Höhe nicht gewohnt waren, starben die Meisten von ihnen schon bevor sie in die Stollen gezwungen wurden. Doch auch die Einheimischen überlebten aufgrund der unvorstellbaren Bedingungen in den Minen nicht  lange  – in den drei Jahrhunderten der spanischen Herrschaft ließen vermutlich insgesamt ca. 8 Millionen!!! Menschen in den Minen ihr Leben und verhalfen Spanien zu unglaublichen Reichtum. Doch im frühen 19. Jahrhundert wurde immer weniger Silber gefördert und vom drastischen Fall des Silberpreises Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Stadt nie wieder ganz erholt. Heute sind die Minen immer noch in Betrieb, gefördert wird heute aber vor allem Zink und Blei.
Erschreckend ist vor allem, dass sich die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter seit dem 16.  Jahrhundert kaum verändert haben…
Pünktlich am Hostel abgeholt und nach einer kurzen Fahrt wurden wir in einem Hof ausgeladen. Hier wurden wir komplett mit Überhosen, Jacken, Gummistiefeln,  Helm und Lampen ausgestattet. Außerdem gab minentaugliche Rucksäcke um unsere Getränke und, ganz wichtig, unsere Mitbringsel für die Arbeiter zu verstauen.

So präpariert wurden wir zum Mercado de Mineros gefahren um die Geschenke für die Miner/ Grubenarbeiter zu erstehen. Dieser Markt ist wohl der einzige Ort dieser Welt wo man als Tourist Dynamit kaufen kann! Unser Guide José erklärte uns was die Miner benötigen: Saft, Wasser, Cocablätter,  Zigaretten und eben auch Dynamit. Johannes beschloss, unser Geschenk soll eine Stange Dynamit sein. Für 25 Bolivianos haben wir also eine Stange Dynamit einschließlich Zündschnur und ein Beutel Amoniumnitrat als Sprengkraftverstärker erstanden. Bestens gerüstet wurden wir nun zur Minenkooperative gefahren. In „professioneller Schutzkleidung“  marschieren wir also in den Stollen und im Gänsemarsch hinter José immer tiefer in den „Berg, der Menschen frisst“ hinein.

Durch Matsch, Pfützen und Geröll geht es entlang der grobverschraubten Schienen der Loren. Zu Beginn war die Luft noch passabel,  Kompressoren haben Frischluft hineingeblasen. Das hat sich aber nach und nach verändert. Je weiter wir in den Berg hineinmarschiert sind, desto wärmer und schlechter wurde die Luft. An einigen Stellen mussten wir auf sehr schmalen Bretter über tiefe Löcher balancieren. Der Deutsche TÜV wurde heulen! Es sterben jährlich wohl ca. 30 Menschen in den Minen weil sie in Löcher fallen, die Decke einstürzt oder sie an Kohlenmonoxid Vergiftung sterben. Super Vorstellung,  nur nicht Nachdenken,  die Holzbalken werden schon halten. Eine Kletterpassage mit der Leiter von der Hauptgang zur oberen Etage ließ den Adrenalinspiegel schlagartig ansteigen. Dann noch über ein Brett balancieren und noch weiter über Geröll klettern. Nachdem der Japaner aus der Gruppe fast ins Loch darunter gerutscht wäre,  war für mich klar, diesen Programmpunkt muss ich nicht haben. Zumal das eh ne Sackgasse gewesen wäre.
Wieder zurück im Stollen treffen wir immer wieder Miner am arbeiten, Steine in die Loren füllen und dann aus dem Stollen schieben.
So nach und nach verteilen wir die mitgebrachten Geschenke an die Arbeiter.
Jeder von ihnen hat einen großen Ball Cocablättern in der Backe. Ohne Coca wäre die Arbeit hier nicht möglich, es sorgt für eine bessere Sauerstoffaufnahme und lässt die Arbeiter Hunger und Müdigkeit nicht spüren. Deswegen ist eine Tüte Cocablätter ein gern gesehenes Geschenk.

Bis zu den oberen bzw. unteren Ebenen, wo die Arbeiter Löcher bohren und sprengen, kommen wir mit unserer Führung nicht. Den schlimmsten Teil der Arbeit haben wir also gar nicht zu Gesicht bekommen.
Das ins Freie transportierte Erz wird dann an eine Firma verkauft, die das Gestein klein zermahlt und mit Chemikalien und im Flotationsverfahren die Metalle vom Rest trennt. Ich vermute, dass mit jedem weiteren Verarbeitungsschritt der Gewinn=Lohn steigt und die Minenarbeiter leider trotz des gefährlichsten Jobs im wahrsten Sinne des Wortes „ganz unten“ sind. Ihr Einkommen beträgt zwischen 15 und 20 Euro am Tag (aber natürlich nur an den Arbeitstagen! Sie sind trotz der so nett klingenden Bezeichnung „Cooperative“ eigentlich Tagelöhner, Geld während Krankheit oder Rente gibt’s nicht.

In jeder der 250 Minen gibt es eine Nische, in der Tio sitzt. Tio ist der Teufel, der Herrscher der Unterwelt, dem Opfergaben gebracht werden. Um ihn gnädig zu stimmen, damit Unheil abgewehrt wird, das Gestein viel Erz enthält etc.
Tio ist mit Pacha Mamá (Mutter Erde) verheiratet und ihr Kind ist das Erz der Mine. Und weil Pacha Mamá seehr eifersüchtig ist dürfen auch keine Frauen im Berg arbeiten.
Für Pacha Mamá wird als Opfergabe Alkohol versprenkelt und der Rest getrunken (96 % Alkohol, unglaublich).
Ich glaube alle Bergleute auf der ganzen Welt sind abergläubisch!
(Tio ist ein Relikt der Spanier, die haben den Minenarbeitern erzählt, der Dios würde aufpassen, ob sie ordentlich arbeiten. Wenn nein würde er sie bestrafen. (Zum “ Bewachen“ wurde darum in jede Mine eine Teufelsfigur angebracht.) Da die Quetchua kein „D“ aussprechen konnen, wurde aus Dios Tio)

Als wir nach den 3 Stunden im Berg wieder am Tageslicht ankam waren wirklich alle sichtlich erleichtert.
Nach der Tour gab es dann auch viel zu verarbeiten, die Gruppe ging geschlossen noch Empanadas essen und dabei mussten manche hochkommenden Emotionen verarbeitet werden, es gab viel Gesprächsbedarf. Die junge Französin, die in der Mine die Tränen nicht zurück halten konnte,  meinte sie würde sowas nie wieder in ihrem Leben machen. Viel zu viele Gefahren, angefangen bei den Löchern bis zum Silikonstaub.

Potosi 13

Silikatkristalle

Die meisten Miner sterben mit 50 Jahren an Silikose, wir haben die Kristalle von der Decke rieseln sehen. Wir waren zum Glück nur kurz in der Mine. Die nächste Diskussion ging darum ob es zu voyeuristisch wäre,  das Leiden der Arbeiter zu „bestaunen“?
Aber eigentlich waren wir uns dann doch einig, dass es eine sehr lehrreiche Erfahrungen war, zu sehen, in welch miserablen Bedingungen Menschen arbeiten und wir demütig auf unsere eigenen Lebenswelten schauen können. Mann, was geht es uns doch gut!!!

Nach einer kurzen Pause im netten Innenhof unsres Hostels und weiteren Gesprächen zur Minentour ziehts uns nochmal ins Städtle und wir besichtigen die Cathedrale und genießen vom Glockenturm den Blick über Potosí.  So langsam haben wir uns gut an die Höhe hier gewöhnt. Wir schlafen super und schnaufen die steilen Stufen nach oben nur noch etwas.
Die Eindrücke des Tages beschäftigen mich noch lange und noch beim Abendessen drehen sich unsere Gespräche über die Tour. Johannes hat die Mine wohl weniger „aufgewühlt“.

16.04.2019  Unser letzter Tag in Potosí
Heute Morgen hat das Museo Casa de Moneda offen. Vor unsrem Ausflug wollen wir hier etwas über Münzprägung und Entstehung des Geldes erfahren. Die alte Münzpräge Boliviens ist seit 1956 Museum und zeigt die Produktion der Silbermünzen und Geldstücke seit dem.16. Jhd. Mit lebensgroßen Puppen und original Gerätschaften war es super anschaulich. Jetzt weiß ich nicht mehr welche Arbeit gefährlich war, die in den Minen oder das Schmelzen des Silbers. Die Sklaven mussten unter ernormer Hitze und unter giftigen Dämpfen am Schmelztiegel stehen. Das Museum kann nur mit einer Führung besucht werden. In der Führung auf englisch waren wir nur zu dritt. So konnten wir doch einiges erfahren und nachfragen.

Zurück auf der Straße trafen wir direkt auf eine der vielen Prozessionen in der Karwoche. Schulweise ziehen die Kinder begleitet von „Blasmusik“ in Anzügen, Kleidchen und Nonnengewänder durch die Straßen. Dazwischen Erwachsene in „Ku-Klux-Clan“ Trachten. Für uns sehr komisch anmutend.

Danach fahren wir mit einem Colectivobus nach Tarapaya. Gute 20 Minuten müssen wir laufen und dann stehen wir vor der Vulkanlagune.Potosi 05

Wikipedia: Tarapaya ist bekannt für seine heißen Quellen, die – neben zahlreichen Badeanlagen – auch eine Vulkanlagune speisen, die „El Ojo del Inca“ (das Inkaauge) genannt wird. Vorspanischen Quellen zufolge sollen die Inka aus dem fern gelegenen Cusco die beschwerliche Reise in den tiefen Süden des Reiches auf sich genommen haben, um von der Heilwirkung des heißen Wassers in Tarapaya zu profitieren. Das Baden in der Lagune ist nicht ungefährlich, wobei unklar ist, ob tödliche Unfälle dort durch Leichtsinn der Schwimmer oder durch plötzliche Strudel geschehen sind, von denen Einheimische berichten.

Wegen dieser tödlichen Unfälle ist das Schwimmen in der Lagune leider momentan verboten. Was aber noch geht ist  für 10 Boliviano das Abtauchen in das eingefassten 32 Grad warme Thermalbecken. Das heiße Wasser soll gut bei Gelenkproblemen sein,  genau das Richtige für Radlerknochen!! Wir bekamen noch Schlamm für eine Ganzkörperpackung, das soll suuuuper für Gelenke sein. Ich habe mich dann auch ganz brav von oben bis unten eingeschmiert und das Ganze an der Sonne eintrocknen lassen. Ob’s hilft weiß ich nicht, lustig war’s auf alle Fälle. Jetzt sollte die Etappe nach Sucre ein Kinderspiel sein.

Zurück in Potosi haben wir uns im Mercado Chuquimia, ganz wie die locals, gestärkt. Morgen geht’s weiter, mal schauen.

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Bienvenidos a Bolivia

08.04.2019 La Quiaca bis kurz vor Tupiza
Die beiden Städte La Quiaca auf argentinischer Seite und Viallzón auf der bolivianischen Seite sind komplett zusammen gewachsen und der kleine Grenzverkehr funktioniert erstaunlich gut. Zum Einkaufen gehen die Argentinier nach drüben denn dort ist es billiger. Dafür gibts in Argentinien Produkte, die man in Bolivien nicht so einfach kaufen kann.
Das Grenzprocedere geht bei der Einreise nach Bolivien überraschend unkompliziert und schnell. Ein Beamter stempelt den Ausreisestempel für Argentinien und den Einreisestempel für Bolivien in meinen Pass. Ein freundliches „Buen Viaje“ und das wars.Kaum auf der anderen Seite angekommen verändert sich das Stadtbild komplett! Alles sieht weniger aufgeräumt aus, in den Straßen wuselt es, die Frauen mit ihren typischen bunten Röcke und den schwarzen Hüte und den bunten Tüchern über dem Rücken in denen sie ihre Sachen transportieren , Straßenhändler preisen ihre Waren an. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Wir suchen einen ATM, was sich als etwas problematisch herausstellt. Die ersten drei Geldautomaten wollen nur Mini-Beträge ausspucken. Erst bei der 4. Bank können wir umgerechnet 200 Euro in Bolivianos, der Währung hier, ziehen. Auch die Suche nach einem Lebensmittelladen ist erstaunlich kompliziert. In jedem Land sehen Läden anders aus und das Sortiment in den Läden ist genauso verschiedenen. Anscheinend müssen wir uns in Bolivien wieder auf einen etwas einfacheren Speiseplan einstellen.

Wir radeln immer auf einer Höhe von 3500 Hm, mal etwas hoch, dann wieder in ein Flußtal nach unten. Bei km 48 gehts feste bergab und wir überqueren das breite Flussbett des Rio San Juan del Oro um auf der anderen Flussseite wieder nach oben strampeln zu müssen. 20 km vor Tupiza bauen wir unser Zelt in einem Seitental auf (iOverlander Empfehlung). Es ist zwar noch früh am Tag, aber uns ist nicht nach Stadt und Trubel. Wir haben einen Schattenplatz gefunden (die Sonne sticht heute wieder erbarmungslos) und genießen die Ruhe und den Blick auf unzählige Kakteen. Hier wachsen andere Arten, sie faszinieren mich aber genauso und ich finde tausend Fotomotive.

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09.02.2019 bis Tupiza
Das erstemal seit wirklich langem konnten wir bis spät in die Nacht draußen sitzen und den Sternenhimmel bewundern. Wir verbringen eine wunderschöne Zeltnacht und ein Draußen-Frühstück hier unter Kakteen.

Beim Losfahren merken wir, dass Johannes Rad hinten einen Platten hat. Also erstmal Schaden beheben. Beim hinteren Reifen ist seit Längerem die Seitenwand gerissen, das Loch mussten wir mit einer doppelten Lage TetraPak schienen (eine Reparatur schien uns vertrauenswürdiger als einen hiesigen neuen Reifen zu kaufen). Genau am Rand vom TetraPak war jetzt der Schlauch durchgerieben.

Die 20 km bis Tupiza sind wieder sehr kurzweilig, wir radeln durch einen Canyon, rote Felsen, die wunderschöne Spitzen und Zacken formen.
Vielleicht haben sich deshalb Butch Cassidy und Sundance Kid diese Gegend hier für ihren Gangster-Lebensabend ausgesucht. Es wurde leider nichts draus, sie wurden hier in Südbolivien gestellt, haben sich in der ausweglosen Lage selbst erschossen und sind in der Nähe von Tupiza beerdigt- so zumindest die Story, die sie hier und in den Reiseführern erzählen.

Im Vorfeld hatten wir uns im Netz schon einige Hostels ausgesucht, und schon beim ersten Mitru Anex wurden wir fündig. Preis und! Qualität stimmt, super! Auf Empfehlung des Rezeptionisten machen wir uns zu Fuß auf zum Cañon del Inka. Leider mussten wir die ersten beiden Kilometer durch die „wilde Müllhalde“ des Ortes marschieren. Danach verlief der Weg aber zwischen einer grandiosen roten Felsenkulisse: eingeschnittene Canyons, geniale Felszapfen und faszinierende Säulenkakteen! Die Petroglyphen unterwegs haben wir zwar nicht entdeckt (selbst der Guardaparke meinte es wäre kaum was zu sehen) dafür aber die Puerta del Diablo (auf deutsch: Teufelspforte), das Valle de los Machos (mit großen Phallusähnlichen Steinformationen) und am Ende den immer enger werdenden Cañon del Inka. Wir haben versucht noch ein Stück hoch zu kraxeln, aber plötzlich wurde es sehr steil und feucht, da sind wir lieber wieder umgedreht. Das Organisieren von Lebensmitteln für die kommenden Tage im Ort war schwerer als gedacht. Erstmal muss die Straße mit den Lebensmittelläden gefunden werden, dann der Laden der auch das Passende hat. Wir werden wieder improvisieren müssen, um aus dem was zu bekommen war was schmackhaftes zu kreieren.
Auf der Suche sind wir im Mercado Central des Ortes gelandet, dem überdachten Markt. (Wegen der stechenden Sonne ist hier vieles überdacht, sogar die Schulhöfe unterwegs in den kleinsten Orten)
Das Sortiment und die Hygiene ist doch anders als im Nachbarland.

10.04.2019 Tupiza bis kurz hinter Cotagaita
Das Frühstück im Mitru Anex war ausgezeichnet, so gut haben wir schon lange nicht mehr gefrühstückt! Im Gegensatz zum Hotel in La Quiaca wo es für jeden gerade mal eine Tasse Kaffee und ein Hörnchen gab (Nachschlag Fehlanzeige) gabs hier ein gut sortiertes Frühstücksbuffet.
So gestärkt haben wir uns zeitig aufgemacht, auch heute wird die Sonne den ganzen Tag gnadenlos brennen und wir haben etliche Höhenmeter zu machen. In Tupiza decken wir uns noch mit Brot und viel Trinken ein. Dabei ersteht Birgit ein Beutelchen Cocablätter – mal schauen ob’s in der Höhe hilft!

Langsam kurbeln wir uns nach oben, in nicht mal 20 km klettern wir auf 3640 Hm. Der Blick zurück auf die Wildwestromantiklandschaft ist genial. Nur das Gepäck der Räder zieht ganz schön – verdammte Schwerkraft! Aber jeder Berg hat mal ein Ende! Wir hatten uns nun auf eine satte Abfahrt eingestellt, aber beide scheinen wir heute die Route nicht so genau angeschaut zu haben. Immer wieder müssen wir Flusstäler queren, was heißt: steil runter und auf der anderen Seite steil nach oben.
Wir kommen in Rio Blanco an den Fluss, aber komisch, die Straße verläuft den Fluß nach oben folgend. Wieder nix mit Abfahrt. Dann endlich der nächste Pass und nun gehts nach Cotagaita tatsächlich nach unten. Das Vergnügen ist aber leider nur eingeschränkt, denn seit Mittag weht uns ein sattes Lüftchen entgegen. Aber Wind sind wir ja gewohnt.
Wir kommen nach Cotagaita, Zwischenstopp für die Busse und LKW auf dem Weg nach Potosi. Rechts und links der Dorfstraße sind lauter Kioske und Essensstände, dazu Frauen in ihren bunten Röcken und den Bowlerhats unter der zwei lange schwarze Zöpfe herabhängen (mehr über die Kleidung der Bolivianerinnen bei welt.de).
Birgit kommt an einer Straßenküche nicht vorbei. Sie darf alle Topfdeckel lupfen und wir beschließen hier zu essen. So sparen wir uns das Kochen abends. Für Johannes gibts Picante del Carne (sah aus wie Gulasch) mit Reis und Kartoffeln, für Birgit Eintopf mit Nudeln, Fleisch und Bohnen). Satt und zufrieden rollen wir bepackt mit Milch, Brot, Käse, Obst und viiiiiel Wasser noch ein paar Kilometer bis wir in einem Flussbett ein verstecktes Plätzchen für unser Zelt finden. Etwas geschafft (die Sonne ist wirklich giftig- wir können gar nicht soviel trinken, wie unser Körper bräuchte) gönnen wir uns unsren Ritualkaffee und staunen wie weit wir wieder gekommen sind. Schon komisch, am Vormittag denken wir immer, boh ist das heute anstrengend, da schaffen wir grad mal unser Minimum, und irgendwie läufts dann doch und am Ende des Tages sind wieder gute 85 km und über 1000 Hm gemacht.
Am Abend ist es immer noch ungewöhnlich warm, wir liegen lange vor dem Zelt, schauen Milchstraße, Sterne und Sternschnuppen an und wünschen uns was…

11.04.2019 bis 20 km vor Vitichi
Der Himmel ist bewölkt, was ein Glück, da müssen wir bergauf nicht gar so leiden. Schnaufen müssen wir aber schon! Erst hoch, dann hügelig, dann tief ins nächste Tal und natürlich genauso wieder hoch. Birgit ist etwas gefrustet, weil wir abends trotz 1200 Höhenmetern in den Beinen nicht höher sind als am Morgen. Unterwegs werden wir aus einem Auto heraus auf Deutsch begrüßt: ein polnischer Pfarrer auf dem Rückweg nach Tupiza. Seine Pfarrei ist so groß wie bei uns eine halbe Diözese. Er hätte uns sogar Krakauer Wurst zum Essen angeboten! Wir hatten aber im letzten Dorf gerade einen bolivianischen Hamburger gegessen, aufgeschnittenes Brötchen mit Spiegelei und Tomatenscheibe.
Kurz vor dem nächsten Pass ist bei Johannes die Luft raus – ein winziger Dorn im Hinterreifen. Hier hat es soviel stachelige Pflanzen, so dass jedes Verlassen der Straße riskant ist.


Unser Zeltplatz liegt schön einsam, denken wir! Aus dem Nichts steht ein Ziegenhirte neben uns. Wir betreiben Smalltalk so gut es geht und erfahren, dass er im nächsten Dorf 9 km weg wohnt, eine Frau und 4 Kinder, 1 Kuh, 2 Schafe, 3 Hunde, Kaninchen, Hühner und 200 Ziegen hat (die umgerechnet zwischen 20 und 100 Euro wert sind). Also ist er schon eher der Großbauer hier. Mehrmals erwähnt er wie schön und toll unser Benzinkocher wäre – wir werden ihn heute Nacht zur Sicherheit mal ins Innenzelt nehmen…

12.04.2019 Kurz vor Cuchu Ingenio
Am nächsten Morgen war der Benzinkocher natürlich noch da, Johannes Befürchtungen waren umsonst. Trotzdem haben wir unruhiger als sonst geschlafen. Ähnlich wie im Pamir am Panj radelten wir heute an einem breiten „namenlosen“ Fluss (unser Osmand spuckt leider keinen Namen aus) entlang. Das Wasser ist unnatürlich gelb, ob das an den Minen oben am Berg liegt? Die Straße schlängelte sich genau wie der Fluss und in stetigem Auf und Ab haben wir langsam Höhe gewonnen. Unterwegs erstehen wir an einem Straßenstand bei einer wettergegerbten Bolivianerin frischgebackenes Fladenbrot und Ziegefrischkäse. Mmmhhmmm was ein feines Mittagessen!

Johannes ging schon wieder die Luft aus, die Innenverstärkung (durch ein Stück Tetrapack) des defekten Mantels reibt den Schlauch immer wieder kaputt. Jetzt schient er den Mantel mit einem Klebeflicken (für Rennradmäntel) aus meinem Flickset, das ich in Dubai erstanden habe. Hoffentlich hält das nun länger. Dennoch muss in Potosí oder Sucre wohl ne andere Lösung her!
Heute haben wir wieder etwas Strecke gemacht und schlafen tatsächlich 500 m höher als gestern Abend !!!
Die Suche nach einem Zeltplatz war nicht so einfach. Das fruchtbare Flusstal ist stark bevölkert und wo es keine Häuser hat stehen Kakteen. Aber, ein Geschenk des Himmels, schlussendlich finden wir ein sichtgeschütztes Plätzchen mit Wiese (wann hatten wir das letzte mal Gras unter dem Zelt?) an einem plätschernden kleinen Bach. Frischgewaschen, hier mal mit viiiiiel Wasser, (unsre Waschlappen erweisen uns regelmäßig auch mit weniger Wasser gute Dienste) schmeckt der Kaffee gleich nochmal so gut. Richtung Norden sehen wir schon die hohen Berge, über die wir morgen strampeln müssen, bis über 4300 führt die Straße nach Potosi.

13.04.2019 bis Potosi
Nachts wurde das Gurgeln des Baches immer leiser und morgens war nur noch ein kläglicher Rest am Plätschern. Entweder ist der Zufluss oberhalb zugefroren oder das Wasser wird oberhalb zum Bewässern abgezweigt. Auf unserm Zelt lag mal wieder dick der Raureif und die Temperaturen waren echt zapfig.
Seit Salta haben wir uns langsam auf 3400 m hochgearbeitet, insgesamt gut 7000 Höhenmeter. Heute geht’s noch mal über 1000 m höher auf 4300 m, seit dem Pamir-Highway sind wir nicht mehr so hoch geradelt. Wir sind zwar gut akklimatisiert, aber der Sauerstoff fehlt halt doch. Langsam kurbeln wir mit 6% Steigung bergan. Und dann bläst uns auch noch der Gegenwind ins Gesicht. Da freut man sich, dass der Wind zusätzlichen Sauerstoff in die Lungen drückt, damit man mehr Power hat, um gegen den Wind zu Radeln… Oder eben auch nicht!
Wir kommen an einem Unfall vorbei und wundern uns nicht. Hier wird trotz durchgezogenen Linien, vor Kuppen und in Kurven überholt, da ist es nur eine Frage der Statistik, bis es scheppert. Aber wenigstens sind die Autofahrer freundlich: mit Hupen, Daumen hoch und „fuerte“-Rufen werden wir bergauf angefeuert.
Vom ersten Pass auf 4200m haben wir dann den Blick auf den Cerro Rico bei Potosi, der Berg, von dem Unmengen von Silber die spanische Kolonialmacht finanzierten. Das ganze Hochtal bis dorthin ist von Minen durchlöchert. Überall auch künstliche Wasserbecken zum Ausspülen und Trennen der Metallpartikel. Johannes darf auf einen LKW steigen und sich die 17 Tonnen erdige Ladung anschauen: 20 % davon sind Silber, der Rest Blei. Der LKW-Konvoi macht sich nach dem Wiegen auf ins chilenische Arica, veredelt wird in China, USA und in Deutschland. Was aus dem Wasser mit den restlichen Bestandteilen wird können wir uns vorstellen, wir trauen uns nicht Wasser aus den Bächen zum Kochen zu schöpfen. Da wir auch sonst an kein Trink-Wasser kommen beschließen wir noch über den 4350 m hohen Pass bis nach Potosí durchzuradeln. Unser Hostel dort ist in einem 400 Jahre alten Kloster, einfach und malerisch, mit Blick auf den durchlöcherten Cerro Rico.


Bei Dunkelheit drehen wir noch eine erste Runde zum zentralen Platz, der heute besonders sicher sein müsste. Die Polizeiuniversität feiert ihr Jubiläum und wir bekommen gleich eine kostenlose Kulturshow von Inka-Tanz über Panflöte bis moderner bolivianischer Musik.

 

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