Cerro Castillo Treck 

Tag 8 Carretera Austral 11.02.2019
Bis Traumzeltplatz bei km 56 am Rio Murta

Nachdem uns andere Radfahrer Schauergeschichten über den Straßenzustand bis Villa Cerro Castillo erzählt hatten waren wir auf das Schlimmste gefasst (ein Amerikaner berichtete er wäre heulend am Straßenrand gesessen). Die Kilometer heute würde ich aber als verträglichen Schotter beschreiben. Die Beschreibungen von anderen sind immer sehr subjektiv, so richtig drauf verlassen kann man sich nicht. Mal sehen was uns morgen erwartet.
Erst verlief die Piste noch einige Zeit am Lago General Carrera (auch hier mit so viel Blautönen, kaum zu beschreiben, wunderschön!), dann am Rio Murta entlang. Die Berge werden höher und steiler, fast ein wenig erinnerts an die Schweiz. Wir beschlossen diese wundervolle Umgebung mit mäanderndem türkisfarbenem Fluss, Panorama auf schneebedeckte Berge und Gletscher und viel Grün noch etwas auszukosten und nicht noch bis zum Pass zu radeln. Hier ist es einfach zu schön!!! Wir schlagen früh unser Zelt auf und freuen uns, dass wir so viel Zeit und den Luxus haben dort zu bleiben wo es uns gefällt!

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Tag 9 Carretera Austral 12.02.2019
bis Villa Cerro Castillo

Die Prophezeiung der ultraschlechten Straße ist gottseidank auch heute nicht eingetroffen. Wir mussten nur einen Anstieg im weichen Schotter schieben, der Rest war moderat. Auch heute beschenkte uns die Landschaft wieder: Die Flüsse und Seen wechseln von türkis zu tiefblau, dann wieder radeln wir durch dichten grünen „Urwald“ und Vogelgezwitscher begleitet uns über Kilometer. Und schon 10 km früher als erwartet begann der Beton. Was für ein Fahrgefühl, wenn das Rad mal rollt und nicht hüpft 😉. Ab Cerro Castillo verläuft die Carretera nun auf Asphalt.
Der kleine Ort ist total überschwemmt von chilenischen Studenten. Die Uni fängt im März wieder an, dann solls ruhiger werden. Erst im dritten Zeltplatz werden wir fündig. Hier können wir auch gegen etwas Geld (2000 Pesos pauschal) die Räder stehen lassen. Morgen starten wir zum vier tägigen Cerro Castillo Treck. Auch hier hat sich wohl die Gebühr (jetzt 23000 Pesos pro Person) seit letztem Jahr verdoppelt.
Für die Wanderung musste hier Proviant besorgt werden, dazu waren wir in vier Läden. Der erste hatte keine Haferflocken aber Milchpulver, im zweiten gabs Müsli aber immer noch fehlten Nudeln und Sauce usw. Das so ein kleiner Ort so viele Läden hat,😉aber irgendwie haben wir dann doch alles bekommen. Cerro Castillo ist ein kleines verschlafenes Nest, aber hat 8 Zeltplätze. Und unser Zeltplatz war pickepacke voll. Wir haben ausgerechnet dass es wahrscheinlich mehr Zeltübernachter als Einwohner hat.😉😉

13.02.2019 Cerro Castillo Treck
1. Etappe Las Horquetas – Campamento Turbio
16 km, 400 Hm, 5 h
Früh morgens (6:00) bimmelt der Wecker, wir wollen um 7:20 den Bus Richtung Coyhaique nehmen. Nachdem der Busfahrer erst uns und dann einige Fahrgäste quasi an der Haustüre abgeholt hatte, konnte es losgehen. In der Kurve bei Las Horquetas wurden wir rausgelassen und erreichten auch schon bald das Rangerzelt, wo wir die Eintrittsgebühr von 23500 pro Person zahlen mussten. Neben einigen Belehrungen (kein Feuer machen, Müll mitnehmen…) bekamen wir auch hilfreiche Informationen zu Wasser, Wetter etc.

Karte Cerro Castillo Treck.jpg

Karte Cerro Castillo Treck

Der Weg führte sehr bequem in einem Flusstal entlang durch dichten Märchenwald. Wenn einer der Bäume mit uns gesprochen hätte, hätten wir uns nicht gewundert. Schon früh sieht man den Cerro Castillo, spitzer Felszacken mit Gletscherfeldern. Für die angekündigten Flussquerungen (3 Stück) hatten wir die Teva-Sandalen eingepackt. Da der Weg super zu laufen war, haben wir die Wanderschuhe dann gar nicht mehr angezogen. Am Rangerhäuschen beim Camp Segundo nach 13 km bat uns der nette junge Mann das Parkticket sehen zu dürfen. Claro, das ist im Geldbeutel in meiner Deckeltasche. Aber leider war kein Geldbeutel da. SchockschwereNot, den scheine ich unterwegs verloren zu haben. Sie glauben uns aber dass wir heute morgen bezahlt haben und wir dürfen weiter gehen. Gottlob war nur etwas Geld und sonst nichts wichtiges im Geldbeutel. Den ganzen Tag umschwärmen uns Pferdebremsen und Leichen säumen unsren Weg. Diese Viecher sind ätzend! Auch beim Kochen erlegen wir ständig die „tavanos“ – ein gelbgrüner Fink hüpft daher und vervespert geschickt die plattgeschlagenen Insekten, nur die Flügel bleiben übrig. Des einen Leid, des andren Freud…
Das Camp Turbio liegt unter hohen Bäumen angenehm schattig am Rio Turbio. Gegenüber ragen die spitzen Felszacken des Cerro El Turbio und des Cerro Castillo Massives nach oben. Wir finden ein Plätzchen mit Tisch daneben und schlürfen einen Nachmittagskaffee. Später kommen vier junge Chilenen und winken mit meinem Geldbeutel. Den hatte ich unten direkt am Eingang bei den Parkwächtern aus der Hand gelegt, um Ihnen Übungen für ihren selbstgebastelten Schlingentrainer zu zeigen (der Beruf verläßt einen nie!). Jep, Tag gerettet!

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14.02.2019 Cerro Castillo Treck
2. Etappe Campamento La Tetera
12 km, 885 Hm, 5,5 h
Unser heutiger Weg zog sich erst am Fluss entlang, durch Wald und dann über ein Geröllfeld nach oben zum El Penon Pass. Dort mussten wir im Auf- und Abstieg 2 Schneefelder queren. Auch wenn wir beim Radeln manchmal über das Gewicht unsrer Wanderschuhe geschimpft hatten, heute waren wir froh sie dabei zu haben! Anschließend gings sehr steil einen Schotter/ Geröllhang nach unten. Die gelben Metallmarkierungen und Steinmännchen zeigen den Pfad. Immer wieder genießen wir den tollen Ausblick auf Hängegletscher, Wasserfälle und Bergspitzen. Wir wandern durch einen Zauberwald voller Baumflechten. Man kann sich kaum satt sehen!
Mira kommt uns entgegen, eine der zwei wilden Finninen, die wir seit dem Torres del Paine Nationalpark immer wieder treffen. Kurz vor dem Ende der Holperstrecke sind bei ihrem Vorderrad gleich mehrere Speichen gerissen. Jetzt muss sie die 100 km in den nächsten Ort trampen und schauen, ob sie es repariert bekommt. Aber vorher muss sie wie wir auch die Wanderung am Cerro Castillo machen, nur in die andere Richtung. Die zweite wilde Finnin Sofia radelt derweil die Strecke nach Coyhaique.
Die beiden berichten in einem Blog für die Tageszeitung ihres Ortes – wir werden “ als das ÄLTERE deutsche Ehepaar“ erwähnt, das sie immer wieder motiviert weiter zu radeln und nicht an einem Ort hängen zu bleiben. Sofia hatte ja ihren Eltern schon ein Foto von uns gemailt, dass man sogar in unserem hohen Alter noch so sportlich unterwegs sein kann – sehr nett, diese Finninen!
Am neuen Camp Bosque marschieren wir vorbei, unser Ziel liegt näher an der Laguna Cerro Castillo und wir haben erst 12:00 Uhr. Am Camp Tetera bauen wir schnell unser Zelt auf, gute Plätze sind hier rar und wir haben etliche Wanderer hinter uns. Heute kamen wir früh los und zügig voran. Mit leichtem Gepäck geht’s nun zur Laguna, wow, türkis liegt sie vor uns, dahinter die schwarze große Wand des Cerro Castillo. Er hat seinen Namen zu Recht, wie eine Trutzburg ragt er in den Himmel. Wellen plätschern leise, der Wasserfall rauscht und vor uns dieses Farbenspiel. Das ist ein echt magischer Moment.
Nach zwei Stunden Lagunenschauen waren wir reif für einen Nachmittagskaffee.

15.02.2019 Cerro Castillo Treck
3. Etappe Campamento Neozelandes + Ausflug zur Laguna Duff
10,5km (+5,2km), 750Hm (+420Hm), 4,5h (+1,45h)
Etliche Strecken des Weges verliefen heute über verblocktes Gelände und Schotter. Erst an der Laguna Castillo vorbei und dann zum Pass Morro Negro nach oben. Von dort öffnete sich der Blick auf Cerro Castillo tief unten und auf den Lago General Carrera in der Ferne, der auch so noch türkis leuchtete. Dann 800 Hm grobe Steine steil nach unten. Wieder waren wir so froh über unsere stabilen Wanderschuhe! Zum Campamento Neozelandes zog der Pfad gemütlich die 300 Hm durch den Wald nach oben. Hier schnell Zelt aufgebaut, Kaffee und Kekse verschlungen und dann hoch zur Laguna Duff. Sie ist fast noch schöner als die Laguna Castillo, intensives Grün, darüber das Weiß der Gletscher und oben der blaue Himmel. Geniale Voraussetzungen für ein kurzes Bad im kalten Nass und in der Sonne. 1 Stunde hatten wir diesen genialen Platz sogar ganz für uns alleine.
Der Hunger hat uns dann am frühen Abend wieder ins Camp gelockt, sonst würden wir da vielleicht noch immer sitzen 😀. Heute gibts Travellunch (Linsen mit Speck), Katrin hatte es zuviel und uns überlassen.

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16.02.2019 Cerro Castillo Treck
4. Etappe zurück nach Cerro Castillo
14,5km, 150Hm, 965 Tiefenmeter, 4,5h
Heute ging’s fast nur bergab! Die ersten 7 km führten durch wunderschönen Nothofaguswald. Am Parkein/ausgang mussten wir uns wieder brav in ihr Registrierbuch eintragen. Nicht dass da noch jemand verloren geht😉
Und dann zogen sich die letzten 7-8 km auf Schotterstraße und praller Sonne. In Villa Cerro Castillo werden wir nochmal eine Nacht auf dem Zeltplatz bleiben, Wäsche durchwaschen, die Räder wieder bepacken, uns wieder aufhübschen …
Ach ja und natürlich einen guten Kaffee trinken😀
Abends saßen wir mit 8 chilenischen Studenten, einer Französin und einem Italiener, die wir alle auf dem Treck getroffen und die nun zufällig auch in Casillo den gleichen Zeltplatz angesteuert hatten, gemütlich im Küchenzelt zusammen. Die Jungs hatten sich eine Erdbeerbowle gemixt und feierten ihre überstandene Wanderung. Für drei von Ihnen war diese 4 Tages Tour die erste Rucksackwanderung mit Zelt und allem Gerödel. Und sie meinten sie wären fix und alle. Wir blieben lieber bei unserem Rotwein, Radfahren mit Kopfschmerzen ist nicht so prickelnd 😉. Die Jungs packten ein spanisches Kartenspiel „Dixit“ aus und später Spielkarten, und dann haben wir gezockt. Verständigung auf spanisch, englisch und französisch – Genial!!

Tag 10 Carretera Austral 17.02.2019
bis Rio Blanco
Hinter Villa Cerro Castillo ging’s erstmal 800 Hm in Serpentinen nach oben. Tja jetzt ist der Schotter rum, da muss ne andere Challange her.😉 Aber erstaunlich wie gut die Höhenmeter auf Asphalt gehen. Wir genießen das ruhige Rollen und können sogar während des träppelns in die Landschaft schauen. Auf Schotter musste der Blick immer auf der Straße bleiben! Es geht lange an einem malerischen Fluß entlang. Bei der ersten großen Abfahrt beginnt mein Leerlauf zu spinnen. Fast gleichzeitig startet der große Ventilator und heftige Windstöße rütteln uns schütteln uns heftig. Johannes baut mein Hinterrad aus und inspiziert den Leerlauf. Diagnose: Leerlauf irreparabel defekt, da muss ein neuer her. Wir beschließen nach Coyhaique zu trampen und dort das Ersatzteil zu besorgen. Aber wie es immer so ist, diesesmal hatten wir kein Glück, kein passendes Auto kommt vorbei. Johannes baut das Rad wieder ein und wir tauschen die Räder. Heißt: nix Freilauf sondern auch bergab ständig treten. Aber das war schlussendlich nicht mehr nötig, denn der Wind wurde so heftig, dass wir eh auch bergab treten mussten. Bei km 61 in Rio Bianco beschlossen wir den einzigen Laden des Ortes zu plündern und den in iOverlander beschriebenen Zeltplatz aufzusuchen und uns nicht noch die restlichen 35 km nach Coyhaique zu quälen. Der Platz bot ein windgeschütztes Plätzchen auf Gras an einem Fluß. Was will man mehr!
Und wieder mal hieß es: Kaffee und Kekse gut, alles gut!

Tag 11 Carretera Austral 18.02.2019
bis Coyhaique
Diesesmal lag der Wetterbericht goldrichtig, nach Mitternacht begann es zu regnen und um 7:00 hörte es wieder auf. So machte wir uns im Trockenen aber mit enormen Wind auf Richtung Bikeshop Coyhaique. Dort sind wir direkt gegenüber dem Radladen im Mente Nomade Hostel untergekommen. Um uns herum nur sehr junge Backpacker.

Ersatzteil gibt’s hier leider nicht, jetzt wird versucht den Freilauf auseinanderzunehmen. Aber auch das geht nicht so richtig. Es hat aber noch einen Radladen hier im Ort. Zu dem machen wir uns mit dem ausgebauten Rad auf. Passendes Werkzeug nicht da, bitte in einer Stunde wiederkommen.

Aber, als Johannes nach der Stunde wieder vorbeischaut geht alles ganz schnell. Werkzeug da, Ersatzteil da und Rad läuft nun wieder wie geschmiert!

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Fifty shades of blue

Tag 6 Carretera Austral 07.02.2019
Kurz vor Puerto Bertrand am Rio Baker

Viele, viele Höhenmeter auf schlechter Piste galt es heute zu träppeln. Aber der geniale Ausblick auf den Rio Baker zu unsrer Linken hat uns die Anstrengung (fast😉) vergessen lassen. Seine Farbe ist magisch: erst türkis und dann vor dem Zusammenfluss mit dem Rio Neff ultrablau!! Die 15 minütige Wanderung zum Zusammenfluss hat sich gelohnt. Echt beeindruckend welch riesen Wassermassen sich dort hinunterwälzen, laut Reiseführer 10 mal so viel wie die Themse!
Bei einem Schild Coffee and Dulce konnte ich dann nachmittags nicht vorbei radeln. Ein junges Pärchen hat das Restaurant erst vor zwei Wochen eröffnet. Es ist gemütlich eingerichtet und hat vor allem eine Terrasse zum Fluss. Gigantisch! Der Kaffee Cortado und Cappuccino mit Kuchen haben unsere Lebensgeister wieder geweckt. Mmmhhmmm!!!
Etwas tricky war es, den in iOverlander als wunderschön am Fluss gelegen beschriebenen, wilden Zeltplatz zu finden. Dafür gabs dann aber zur Belohnung blaues Wasser und Wiese fürs Zelt. Heute hats uns wieder mega eingestaubt und das eiskalte Wasser war eine Wohltat. Frisch gewaschen mit einer Tasse Kaffee in der Sonne am Rio Baker sitzend, genießen wir die wohlverdiente Pause.

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Dam or not Dam: Chile hat einen riesigen Energiebedarf. Die Bergbauindustrie (viel Kupfer, das nach China geht) benötigt immens viel Strom. Und auch die Bevölkerung verbraucht zunehmend mehr. So gibt es von 2 großen Chilenischen Stromfirmem die Pläne die Wassermassen des Rio Baker zu nutzen und hier 5 Staudämme zu bauen. Umweltinitiativen und Bürger liefen Sturm. Auch der Gründer von Esprit und The North Face, der Milliardär und Ökoaktivist Dough Thompson, stellte sich gegen das Vorhaben. Es gab langanhaltende Proteste, die alte Regierung hat das Projekt dann 2011 gegen alle Gegenwehr genehmigt. Der Umweltminister unter der neuen Regierung hat die Genehmigung 2014 nun erstmal ruhen lassen. Man kann gespannt sein!

Tag 7 Carretera Austral
08.02.2019 bis Puerto RioTranquilo

Auch heute radeln wir wieder zu dritt. Katrin scheint sich nicht daran zu stören mit uns „Alten“ unterwegs zu sein.
Blauer Himmel, Sonne satt, aber die Temperaturen gehen etwas zurück. Morgens beim losfahren ist es noch sehr frisch und erst beim ersten Berg fallen die Hüllen. Nach einem kurzen Abstecher ins Örtchen Puerto Bertrand (ein sehr malerisches kleines verschlafenes Nest) , um Brot zu kaufen (die Läden haben noch geschlossen aber ein Restaurant verkauft uns frisch gebackenes Brot) gehts sofort in die Vollen, steil zieht der erste Berg nach oben. Auch heute werden es wieder 1000 Hm und deutlich mehr Kilometer. Der Lago Bertrand bietet ein wunderschönes Panorama für ein “ Familienbild“. Eine Amerikanerin meinte, das wäre ja super, mit Tochter unterwegs. Seit langem bläst uns der Wind mal wieder stark von vorne entgegen. Kampf! Und dann lag er endlich vor uns, der größte See Chiles und nach dem Titicacasee der zweitgrößte See Südamerikas, der Lago General Carrera. Seine Farbe ist unbeschreiblich schön!! Man kann bei dem Gehoppel gar nicht richtig schauen, voller Konzentration stieren wir auf den Weg. Wenn doch nur die Straße etwas besser wäre. Heute morgen hatte alles so gut begonnen, ca.10 km feinste Piste, wir hatten uns schon so gefreut. So konnte Radfahren also auch gehen. Aber dann.. Wir passierten mal wieder einen Grader – die Piste wurde deshalb aber nicht besser. Irgendwann änderte die Carretera die Richtung und nun wurden wir wenigstens etwas von hinten unterstützt! Herzlichen Dank an den Wind. Wir sahen den ganzen Tag die Rauchschwaden eines Waldbrandes. 12 km vor dem Ort standen wir Drei vor einer Straßensperre, der Soldat erklärte uns, dass wegen des Feuers die Durchfahrt immer nur abwechselnd in einer Richtung möglich sei und Radfahren gar nicht erlaubt wäre. Wir sollten uns einen Pickup suchen, der uns mitnimmt. Katrin schaffte es gleich bei der ersten Fuhre, wir musssten etwas länger warten, wurden dann aber bis zum Ort mitgenommen.

Nachdem wir alle Hostels, Hospedajes etc. abgeklappert haben und alles schon belegt war, sind wir mit einem Minihüttchen am Zeltplatz fündig geworden. Super basic aber ein Dach über dem Kopf.
Erst im dritten Supermarkt schafften wir es Nudeln zu finden. Ich war langsam richtig nöhlig, wenn ich hungrig bin, habe ich miese Laune. Da half nur ein Empanada auf die Hand, zum Überbrücken 😉😉
Die Preise für Zimmer und Lebensmittel sind total überzogen. Hier wird den vielen Touristen, die alle den See und die Marmorhöhlen besuchen wollen, das Geld aus der Tasche gezogen.
Der Wind hatte sich zu einem rechten Sturm entwickelt, gut nicht im Zelt schlafen zu müssen. Eigentlich wäre Pause nötig und angesichts des heftigen Windes ist radeln auch nicht so prickelnd. Der Ort selbst gefällt uns gar nicht! Tranquilo ist hier gar nichts. Mal abwarten was morgen bringt!

09.02.2019 Pausentag in Puerto Tranquilo
Der Wind bläst zu stark, alle Bootstouren zu den Höhlen sind für heute abgesagt. Wir haben viel Zeit zum Nixtun, was andres geht hier auch nicht. Kein malerisches Café, kein netter Platz zum Verweilen (auf der Straße bläst es einem den Sand nur so um die Ohren), Mist! Jetzt wäre ein gutes Buch genau das Richtige. Leider hatte ich mich zuhause gegen mein tolino entschieden. Wir versuchen etwas an unsrem „familyurlaub“ für Mai zu basteln. Unsere Jungs werden nach Südamerika kommen und gemeinsam mit uns durch Bolivien und Peru tingeln. Aber hier unten ist das Internet so schlecht!
Immer noch kreist der Löschheli überm Dorf. Der Wind facht das Feuer im Wald immer wieder an. Viel Arbeit für die Bomberos (Feuerwehrleute). Laut Infos von Chilenischen Studenten scheint es hier gerade an drei Stellen zu brennen.
Nachmittags schlendern wir etwas durchs Dorf, schlürfen einen Milchkaffee an einem Straßenstand (unsere Frenchpress hat nach 4 Monaten nun den Geist aufgegeben, das Glas hat die Carretera nicht überlebt – oh weh, wie sollen wir das nun ohne das schwarze Lebenselexir durchstehen😂) und kaufen beim Gemüsehändler an der Straße Frischzeugs. Mal Vitamine anstatt leere Kohlenhydrate! Für morgen haben wir die 3 Stunden Tour zu den Marmorhöhlen von hier und Puerto Sanchez gebucht. Wind sei uns gnädig und lass wenigstens diese Tour stattfinden!! 🙏

10.02.2019 zweiter Pausentag in Puerto Tranquilo
Unser Wecker bimmelt um 6:30, die Bootstour startet um 7:00, da ist der See noch ruhiger. Nachdem wir 10 Passagiere mit Schwimmwesten versorgt waren, startete der Trip im Uhrzeigersinn, erst zu den Höhlen von Puerto Sanchez, dann zu den Höhlen und der Marmorkathedrale von Puerto Tranquilo. Wir haben einiges über Flora, Fauna, Land und Leute gelernt und viiiiiel gesehen. Es hat sich voll gelohnt!
Vorsicht Bildungsteil! Der Lago General Carrera befindet sich am Übergang vom immergrünen Laubwald im Westen (Pazifik) zur argentinischen Steppe. Zu den ständig grün aussehenden Wäldern, durch die wir seit Beginn der Carretera Austral in O’Higgins geradelt sind, kommen hier Laubwälder, die sich im Herbst rot verfärben und die Blätter abwerfen. Die Gegend wurde um 1940 besiedelt, weil man hier Blei, Zink und Kupfer abbaute. In den Minen von Puerto Sanchez und Puerto Cristal waren bis zu 900 Bergbauarbeiter beschäftigt, damals kamen rund 30 % der chilenischen Kupferproduktion von hier. Die Minen sind lange stillgelegt, aber wie so oft gibt es auch hier Probleme mit schwermetallbelastetem Abraum.

Was würde dieses Nest ohne seine Marmorhöhlen tun. Sie locken jeden Tag hunderte von Touristen hierher, die Hostels sind ausgebucht, die Touren brummen und der Chilenische Peso rollt. Wenigstens für einige Monate, dann fällt der Ort wieder in seinen Winterschlaf, bis die ersten Touristen ihn wieder wachküssen.

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Wir klappern etliche Supermärkte ab, denn nach drei Stunden Ausflug ist nun Frühstück angesagt. Alles geschlossen, ach ja es ist Sonntag und vor 11:00 geht garn nichts. Aber wir werden doch fündig und genießen frische Brötchen mit Manjar (Dulce de leche creme, besteht hauptsächlich aus Zucker und Milch – muss man probieren!). Den Rest vom Tag wird Wäsche gewaschen, Räder versorgt und gefaulenzt, erst morgen geht’s wieder weiter. Unsere Beine brauchen Pause und der Kopf Zeit zum verarbeiten.

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Der Süden der Carretera Austral 

29.01.2019 El Chalten – Punta Norte am Lago Desierto
Aus Respekt (oder Angst😉) vor dem angekündigten Nachmittagswind starten wir sehr sehr früh! Frühstück 6:30, Abfahrt 7:15
Die Schotterstraße war dann doch gar nicht so schlimm (sie wurde uns als das schlechteste Stück der Carretera angekündigt), der Wind war zahm und die Regen- und Graupelschauer nur mäßig – ich hätte heute Nacht gar nicht so schlecht schlafen müssen! Und dann waren wir viel zu früh an der Fähre. Was um alles sollen wir von 10:30 – 16:30 nur hier machen. Kein Unterstand, kein Restaurant zum Aufwärmen. Unter dem Vordach der Gandarmerie haben wir gevespert, dann mussten wir zum Aufwärmen eine Runde spazieren gehen, den Regenschauer saßen wir in der kleinen Kapelle aus und immer noch war sooo viel Zeit übrig. Wir quatschten mit deutschen Touristen, liefen wieder eine Runde und trafen die beiden finnischen Radlerinnen von Torres del Paine wieder. Sie haben das gleiche Ziel heute und morgen.
Völlig durchgefroren konnten wir dann endlich alle aufs Boot und dort ins etwas Wärmere. Am Punta Norte gabs einen netten Platz, teils unter Bäumen, teils im Grünen zum kostenlos Zelten. Schnell fanden alle ein Plätzchen für ihr Zelt. Mira konnten wir mit frischem Kaffee eine große Freude bereiten. Da unser Zelt mehr Platz bietet saßen wir fröhlich quatschend mit den beiden Finninen und einem Belgier hier bei uns im Zelt. Da wirds auch gleich wärmer! Alle gingen dann aber früh schlafen, es ist doch zu kalt. Die Schneefallgrenze ist nur knapp über unserer Schlafwiese.

30.01.2019 Punta Norte – Candelario Mansilla
Wir hatten beschlossen diesen Weg zu wählen, da er uns über 300 km Fahrt durch Argentinische Pampa und Wind erspart. Vom Lago Desierto führt unser Weg nun also auf einem schmalen Wanderpfad zur Chilenischen Grenze. Wir wussten, dass wir hier unsere Räder schieben müssen und haben alle schweren Sachen in den Rucksack umgepackt um die Räder fürs Schieben leichter zu machen. Das ging auch voll auf! Die 6 km Schiebestrecke war zwar matschig aber gut machbar, viel besser als befürchtet. Ab der Chilenischen Grenze ging der Pfad in eine Schotterstraße über und war gut befahrbar. Beim Blick zurück am Mirador Fitz Roy konnten wir leider nur den See und viele Wolken sehen. Dafür wurden wir kurze Zeit später mit einem traumhaften Blick auf den Lago O’Higgins belohnt. Wir mussten hier eine Zwischenübernachtung einlegen, unsere Fähre für den Ausflug zum O’Higgins Gletscher sollte erst am Tag darauf fahren. Die anderen Wanderer und Biker wollten aber alle die Abendfähre um 17.00 nehmen. Welch Schreck, als die Fähre endlich verspätet ankam, meinte der Kapitän völlig überrascht: soviel hätte er nicht erwartet, sein Schiff wäre voll und er könnte niemanden mitnehmen. Alle hatten im Büro der Fährgesellschaft ein Ticket gekauft, da schien was mächtig schief gegangen zu sein. Man versprach in 2 Stunden Ersatz zu schicken. Die Armen, noch so lange warten, bei 7 Grad waren sie eh alle schon durchgefroren. Da half auch der frischgebrühte Kaffee nix. Unsere Frenchpress ist gerade oft im Einsatz😉 Mira aus Finnland und Eric ( Franzose und Förster, lebt aber jetzt in Costa Rica) waren dankbare Abnehmer. Die Gespräche bei einer Tasse Kaffee möchte ich nicht missen!
Johannes: Und wir hatten dann unser Zelt auf einem Schotterplatz nahe des Anlegers aufgebaut, weil wir keine 15 Euro für einen Flecken Gras bei der nahegelegenen Estancia zahlen wollten. Aber da hatten wir die Rechnung ohne die örtliche Gendarmerie gemacht! Nein, hier nicht! Sofort das bereits aufgebaute Zelt abbauen! Argumentieren und verhandeln half nichts, alles wieder einpacken und schlussendlich doch die stolze Rasenmiete zahlen. Wie einfach war das wilde Zelten in Zentralasien gewesen! Birgit: Für die 15,-€ wurde dann aber der Holzboiler fürs Duschwasser geschürt und der Holzofen im Schuppen bollerte, so dass wir im Trockenen dort kochen konnten. Die heiße Dusche mit Blick auf den Lago O’Higgins ist eigentlich unbezahlbar, da sind wir vielleicht noch gut weggekommen 😀😀. Die Lage des Zeltplatzes ist der Wahnsinn, eine super Aussicht beim Zelten!

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31.01.2019 Candelarrio Mansilla kurz vor Villa O’Higgins
Da die Fähre erst 11.30 fahren sollte, konnten wir ausschlafen und in Ruhe die Räder vom Schlamm des gestrigen Trails säubern. War auch dringend nötig!
Am Schiffsanleger legte nur ein kleines Boot an. „Nein das kann nicht unsres sein?!“ Da wurden dann aber Räder ausgeladen und es stiegen wütende Radler und Wanderer aus. Was war los? Mona und Sandro, die wir schon in Puerto Montt im Hostel getroffen hatten, war auch darunter. Nach vielem „Hallo“ und „Na,wie wars bei euch,…“ konnten sie uns weiterhelfen: „Die Robinson Cruso hat einen Motorschaden und fährt heute nicht.“ Auch sie hatten die teure Fahrt zum Gletscher gebucht und wurden jetzt von diesem Ersatzboot hierher gebracht. Ausflug futsch und ob sie ihr Geld wieder sehen wissen sie nicht, Laune echt mies! Für uns bedeutete das, bis zum späten Nachmittag warten und hoffen, dass der Motorschaden behoben werden kann. Wenn nein, keine Ahnung. Wir müssen nun ausharren und hoffen, dass die Sonne und der Wind uns das Warten angenehm machen. Von der Fährgesellschaft kam keine Info! Was für eine miese Orga! Gestern überbucht, heute nun das. In O’Higgins werden wir schauen ob wir unser Geld wieder bekommen oder den Ausflug auf übermorgen umbuchen können. Was bin ich geladen!!!!!
Die Zwischenübernachtung hätten wir uns sparen können. Einen Tag sinnlos rumsitzen, da bin ich echt schlecht drin.
Johannes überbrückte das Warten und putzte seelenruhig seine Kette. Grrrrr! Wie kann er nur so ruhig sein? Ich könnte die Wand hochgehen!!!!!
Ein bisschen nutzten wir die Zeit dann doch noch um am See entlang zu wandern, immer darauf achtend ob unsere Fähre in Sichtweite kommt. Aber weit und breit war nichts zu sehen. Das Ende vom Lied war, die Fähre war immer noch „out of order“, und das kleine Boot ist wieder eingesprungen und hat alle Wartenden mitgenommen. Die Überfahrt war etwas ruppig. Der Bug ist ordentlich aufs Wasser gedonnert. Mehr Wind und Wellen hätte ich nicht haben wollen.
Kurz vor Villa O’Higgins konnten wir genau gegenüber des Startpunkts der Miradorwanderung am Rio Mayer unser Zelt aufschlagen. Johannes Erkältung ist nun bei mir aufgeschlagen, die Nase läuft, der Hals kratzt und der Kopf brummt etwas. Nach einer heißen Tasse Tee mit Honig haue ich mich in den Schlafsack.

01.02.2019 Villa O’Higgins
Die Nase lief immer noch, aber mir gings soweit o.k. Nach der Wanderung zum Mirador Glaciares Mosco Huemul radelten wir ins Städtle und versuchten unser Glück beim Büro der Fährgesellschaft Robinson Cruso. Zwei ihrer drei Fährboote seien defekt. Das kleine fährt eh nicht zum Gletscher und wegen schlechten Wetters morgen gar nicht.
Nix mit Gletschertour, schade! Das Geld für unsre ausgefallene Tour wurde uns aber anstandslos zurück erstattet. Aber ein „Entschuldigung für die Umstände“ gabs nicht. Diese Fährlinie können wir absolut nicht empfehlen!! Laut anderen Touristen soll es noch eine zweite Gesellschaft geben, die den Gletscher auch anfährt und der Service viel besser sein. Dazu haben wir aber nichts gefunden. Auch der allseits empfohlene Zeltplatz De Mosco hatte seine Preise im letzten Jahr fast verdoppelt ohne den Service zu verändern. Darum wählten wir den Zeltplatz Los Nieres gegenüber: nette Plätze unter Bäumen für weniger Geld. Super zum Wäscheleine spannen, denn es ist mal wieder ein Waschtag fällig. Der Tourismus ist hier voll angekommen und in dem Maße schrauben sich die Preise in die Höhe. Aber wer will den Menschen hier das verdenken, die Wirtschaft schwächelt und der Tourismus ist da wenigstens eine sichere Einnahmequelle. Das Thema „Korruption und Wirtschaftskrise in Lateinamerika“ schafft es regelmäßig auch in deutsche Zeitungen
Hier in Villa O’Higgins mussten wir uns mit Lebensmitteln für die nächsten vier Tage bis Cochrane eindecken. Nach dem „anstrengenden“Großeinkauf war ein guter Kaffee bitter nötig. Lebensmittellieferungen kommen hier in diese Sackgasse nur alle selten , dementsprechend sind Preise hoch und Angebot mäßig.

Tag 1 Carretera Austral
02.02.2019 Villa O’Higgins – Blockhütte bei Kilometer 56
Da die Erkältung mich immer noch sehr plagt, wollen wir heute langsamer machen und nur bis zur in “ iOverlander“ empfohlenen Hütte. Die Carretera Austral verwöhnt uns mit tollen Ausblicken auf wunderschöne Seen und diverse Gletscher, Wasserfälle rauschen in die Tiefe, Vögel zwitschern, so schön! Im steten Auf und Ab kommen wir gut voran. Der Gegenwind, der ab Mittag einsetzt wird sicher nicht mein Freund! Immer wieder kommen uns Radler entgegen, die Mehrzahl der Carretera Radler fährt in Nord- Süd Richtung.
Die kleine Hütte, unser heutiges Ziel, liegt idyllisch an einem Moorsee. Bei Regen und Wind eine toller Schutz, mit einfachen Schlafplätzen und Möglichkeit Feuer zu machen. Wir haben strahlend blauen Himmel und sitzen lieber draußen und ziehen unser Zelt zum Schlafen vor. Johannes holte an der 1 km entfernten Quelle Wasser, und bringt Alessandra, eine italienische Radlerin mit. Sie beschließt die Nacht auch hier zu bleiben. Zu dritt genießen wir Kaffee und dieses Idyll hier – was für ein schönes Fleckchen Erde. Sie überlässt uns ihren Carretera Travelguide – ab jetzt haben wir abends was zu lesen!
Für heute und die nächsten zwei Tage sind Temperaturen um 25 -30 vorausgesagt. In der Sonne hält man es kaum aus und selbst nach Sonnenuntergang müssen wir uns nicht wie bisher dick einmummeln. Auch das ist Patagonien!

Tag 2 Carretera Austral
03.02.2019 Blockhütte – 11km hinter der Fähre Rio Bravo
Ich schlafe tief und fest bis die Sonne auf dem Zelt uns weckt. Ich glaube meine Erkältung ist fast überstanden!
Gemütlich beginnen wir den Tag, lassen uns Zeit und genießen den blauen Himmel und die Ruhe. Auch heute trübt kein Wölkchen den Himmel. Wir radeln das erste mal in kurzen Klamotten los! Da wir die 11.00 Uhr Fähre am Puerto Bravo über den Fiordo Mitchell sowieso nicht erwischen werden, lassen wir uns für die 600 Hm Zeit. Der Pass war unser erster Andenpass von Ost nach West (später werden wir uns für eine Andenüberquerung mehr anstrengen müssen)! Rechts und links gibt es nur undurchdringlichen Urwald. Als Johannes 1991 die Carretera Austral geradelt ist gab es diese letzten 240 Straßenkilometer noch nicht, die wurden erst 1999 gebaut. Die Fähre ist Teil des Straßennetzes und daher kostenlos. In der Saison fährt sie 4x am Tag. Bis die 16.00 Uhr Fähre kommt, haben wir Zeit in der Sonne zu liegen, zu Vespern und Johannes traut sich gar eine Runde zu baden. Dieser Fjord ist mit dem offenen Meer verbunden, Johannes war also im Pazifik baden😀😀 Ganze 35 Minuten dauerte die Überfährt. Gratis gabs auch tolle Ausblicke. Wunderschön!
Der Anstieg zum Pass Richtung Caleta Tortel hatte es in sich. Steigungen über lange Strecken von 15% bei gnadenloser Sonne und Temperaturen von 30 Grad, die wir in Patagonien so nicht erwartet hatten. Der Schweiß floss in Strömen. Zitate aus dem Carretera Austral Travel Guide: “ challenging gravel, some of the inclines are brutal, and this is certainly not the easiest section for cyclist“. Wie war, wie war. Für mich war Schieben angesagt.
Für die Nacht haben wir dann vorm Pass ein Plätzchen mit grandioser Aussicht gefunden. Gut, dass es überall klare Gebirgsbäche für Trinkwasser und zum „Duschen“ gibt. Beide hätten wir nicht weiterradeln wollen und sind gut geschafft. Heute haben wir den Tag über mega geschwitzt und definitiv zu wenig getrunken – das holen wir abends nach. Hier gibt es in jedem Supermarkt Saftpulver in diversen Geschmacksrichtungen. Bei uns war heute Apfel und Orange angesagt. Hat zwar keine Kalorien (hier in Chile ist alles zuckerreduziert) aber Geschmack.

Auf den“ungesunden“ Lebensmittel wie Kekse, Schoki etc steht die Warnung: „hoch an Zucker“, „hoch an Kalorien“ „hoch an Fett“ – genau das richtige für uns Radler😉

Tag 3 Carretera Austral
04.02.2019 bis Caleta Tortel
Wieder völlig ungewöhnliches Patagonienwetter: strahlend blauer Himmel und windstill! Wir radeln los um die letzten 150 Höhenmeter bis zum Pass noch im Schatten hinter uns zu bringen. Aber nach gut einem Kilometer steht eine einsame Aktentasche auf der Brücke. Sch…, da steckt ein Pickup kopfüber im Wasserfall. Der Fahrer, ein älterer Tourist aus Frankreich, kletterte gerade nochmal in sein Auto, etwas Blut am Hemd. Johannes stieg sofort zu ihm runter. Zum Glück schien er keine ernsthaften Verletzungen zu haben, nur ein Schlenz am Finger, aber noch etwas benommen und mit Schmerzen an der Brust. Also halfen wir ihm wieder hoch auf die Straße, holten sein Gepäck raus und kümmerten uns um den Mann. Das nächste vorbeifahrende Auto versprach die Gandarmerie zu benachrichtigen, mangels Handyempfang ging das erst mit dem Funk von der nächsten Fähre. Bis dann die Polizei plus Ambulanz wirklich kam vergingen gut zwei Stunden. Mit Passanstieg im Schatten war es also nichts.


Aber irgendwie brachten wir auch die letzten Höhenmeter noch hinter uns, brausten nach unten und bis zum Abzweig nach Caleta Tortel war die Welt noch in Ordnung. Die 22 km zum Ort sind der Graus. Selbst im Pamir waren die Straßen besser (zumindest verklärt man das im Nachhinein) , schlechter Schotter, große Kiesel, brrr
Der Ort selbst ist dann aber malerisch: die Häuser stehen wegen des feuchten Untergrunds auf Stelzen an den Hang geklebt. Im Ort gibts keine Straße, die Verbindungwege sind Stege und Treppen. Wahrscheinlich gibts nur wenige Tage im Jahr, an denen Kinder im ortseigenen “ Strand“ plantschen können. Heute war genau so ein Tag.
Wir ziehen ein Nickerchen im Schatten und einen Strandspaziergang vor. Es hat etwas von Venedig hier. Die Autos müssen außerhalb parken und abends wenn die Tagestouristen weg sind wirds gemütlich. Wir haben uns im Hospedaje Nunatak einquartiert und freuen uns auf das Bett und die Dusche.

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Tag 4 Carretera Austral
05.02.2019 km 81, an Brücke bei Kreuzung nach Pasarela Los Nadis
Dass die 23 km von Tortel zurück zur Carratera wieder harte Arbeit bedeutet, wussten wir ja. Aber, dass die ganze restliche Strecke auch so ein Gegurke und Gehoppel über fiesen Schotter, tiefes Wellblech werden würde, ahnten wir da noch nicht. Man, dieses Gehoppel geht einem irgendwann so auf die Nerven!! Und anstrengend ist es eben auch.
Johannes entwickelt eine Hassliebe zu den Wegbau-Gradern: waren sie zu lange nicht mehr im Einsatz ist die Piste voller Schlaglöcher und Wellblech, sind sie direkt vor einem unterwegs muss man sich durch weichen Schotter kämpfen. Heute hatten wir beides!
Dazu noch staubtrockene Piste. Immer wenn uns Autos überholt haben, wurden wir in eine große Wolke eingehüllt. Irgendwann habe ich angefangen die Autofahrer in drei Kategorien einzuteilen: die Rücksichtsvollen (gehen vom Gas, winken freundlich, halten auch mal an), die Normalen (passieren mit Abstand, fahren mittelmäßig schnell), die Vollpfosten (fahren viel zu schnell, so dass die Steine wegspritzen, bremsen oft zu spät und schlingern, hinterlassen eine mega Staubwolke). Leider überwiegen die Vollpfosten!! Mehrmals habe ich heute dieses böse A- Wort hinter einem Autofahrer hergerufen. Aber es scheint nicht nur mir so zu gehen. Katrin, die 22 jährige Stuttgarterin, die mit uns zeltet berichtet beim Kaffee genau das Gleiche. Auch sie hat das A- Wort heute öfter benutzt.

Tag 5 Carretera Austral
06.02.2019 bis Cochrane 
Für heute war eine Bergwertung angesagt. Zu dritt, uns gegenseitig anspornend, sind wir dann aber super durchgekommen und waren trotz der 880 Hm um die Mittagszeit in Cochrane. Begleitet wurden wir von den beiden Hunden, bis kurz vor dem  Ort der Besitzer mit Pickup auftauchte.  Völlig verstaubt schlagen wir unser Zelt im Camping Cochrane auf. Unsere beiden Finninen treffen wir hier auch wieder. Wir müssen wieder Proviant auffüllen,  uns und die Klamotten sauber bekommen und für euch den Blog aktualisieren. Die Luft ist diesig und riecht nach Rauch – weiter nördlich hat es einen Waldbrand. Die Warnhinweise am Straßenrand sind wohl doch nicht ganz unbegründet.

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Wandern mit Blick auf Cerro Torre und Fitz Roy

Und wie so oft in Patagonien änderte sich das Wetter über Nacht. Während unserer Wanderung zur Laguna Torres und dem Mirador Maestri hatten wir viel Sonnenschein und der Cerro Torre hat sich am Ende doch noch aus seinem Wolkenversteck heraus getraut. Am Rückweg waren dann auch am Fitz Roy die meisten Wolken verschwunden.

In Chalten besuchten wir auf Empfehlung von Freunden die Chocolaterie Josh Aike und konnten dort aus dem Fenster bei einer Tasse Hot Chocolate den grandiosen Ausblick auf den Fitz Roy genießen.

Unser Favorit bei den Wanderungen um El Chalten war die Wanderung zur Laguna de los Tres. 

Der Wanderweg beginnt nordwestlich der Stadt und nach einer Stunde gemächlichen bergauf bekommt man am grandiosen Aussichtspunkt Mirador Fitz Roy,  das erstemal so richtig einen frontalen Panoramablick auf den majestätischen Granitberg mit einer Höhe von 3.406 m. Und von dort wandert man fast die ganze Strecke mit Blick auf Fitz Roy, wow. Das kann einem schon Freudenjuchzer entlocken.

Nach einer längeren, flachen Passage kommt man nach dem Camp Poincenot an die Pausenhütte Rio Bravo. Danach geht es ans Eingemachte. Der Weg hoch zur Laguna de los Tres führt ab dort 420 Höhenmeter steil bergauf, teils über Schutt, teils über Felsbrocken. Aber glaubt uns, es war die Mühe wert! Oben angekommen eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf den schneebedeckten Monte Fitz Roy, die malerische Laguna de los Tres und die dunkelblaue Laguna Sucia.

Der Granitzapfen Fitz Roy ragt nochmal 2200 Meter über unseren Aussichtspunkt hinaus in den stürmischen Westwind, die Bergsteiger hier müssen leidensfähig sein! Dieses Jahr war kein gutes Jahr für die Kletterer. In der Chocolaterie hat uns ein kalifornischer Bergsteiger erzählt, dass eine mehrköpfige Gruppe aus Brasilien seit über einer Woche überfällig ist und bei einer tschechischen Seilschaft der zweite Mann beim Abseilen nicht nachkam, der untere aber auch nicht mehr hochklettern konnte und dann schließlich alleine den Weg nach unten fortsetzen musste.Auf dem Rückweg haben wir noch den  Abstecher zur idyllischen Laguna Capri gemacht. Blaues Wasser und der Fitz Roy im Hintergrund – Gänsehautfeeling!
Wir konnten uns nicht sattsehen und haben tausende Bilder gemacht. Dafür gibts für euch mal wieder viiiiel zu gucken. 🙂

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Nachden erst Johannes und ich nun rumschniefen, haben wir uns für einen Tag etwas ruhiger entschieden. Genau das Richtige,  um zu den Aussichtspunkten Mirador de los Condores und Mirador de las Aguilas zu laufen. Heut ist der Wind eh wieder heftig und für die Weiterfahrt sollten wir auch noch einige Dinge organisieren. Es bleibt noch Zeit Kreditkartenabrechnungen zu checken, unsere Lieblingspanaderie Lo de Haydee zu plündern und interessante Artikel online zu lesen.

Im neusten DAV Panorama gibts ’nen Artikel über Fitz Roy und Chalten.

Wir checken hier sämtliche Wetterberichte aus dem Internet, besonders die mit Windprognosen. Leider sind sie immer sehr unterschiedlich. Bei dem einen regnets, der andere verspricht den ganzen Tag Sonnenschein. Der eine kündigt eine leichte Brise an, der nächste gibt eine Sturmwarnung raus. Schaut man dann noch aus dem Fenster hat man den Eindruck, dass überhaupt kein Wetterbericht stimmt.
Der „durchschnittliche“ Wetterbericht für morgen sagt wieder sehr starken Wind und Regen voraus. Wir beschließen noch eine weitere Nacht zu bleiben. Bei Sturm würde unsere Fähre eh nicht fahren!

Es war eine gute Entscheidung zu bleiben. Am Abend setzte heftiger Wind ein, mit Böen die alles wegfegten (erstaunlich,  dass die Häuser alles unbeschadet überstehen,  so stabil sehen sie eigentlich nicht aus), abends kommt noch Regen dazu, der morgens in Schauer übergeht. Wie schön ein Dach über dem Kopf zu haben!

Bei unbeständigem Wetter laufen wir zum Wasserfall Chorillo del Salto, holen süße Teilchen in der Panadería und packen für morgen. Nun müssen wir wirklich weiter, da die Fähre nicht jeden Tag fährt. Der Wetterbericht für morgen verspricht mal wieder Regen, hoffen wir,  dass er sich auch diesesmal irrt!

Noch  vor ein  paar Jahren war El  Chaltén  ein kleines Dorf  am Fuße  der berühmten  Gipfel  Fitz Roy und Cerro  Torre. Bekannt nur in  der Kletterer-Community, die  magisch von der Herausforderung  am Fels  jeher angezogen  sind. Mittlerweile finden  immer mehr Outdoorbegeisterte  ihren Weg nach El Chaltén, so wächst der  Ort  stetig weiter. Laut wikivoyage ist Chalten einer der teuersten Orte Argentiniens. Denn alle  wollen hinaus in die spektakuläre Bergwelt zum Wandern, Klettern,  Mountainbiken,  Eisklettern  oder Kajaken. Koste es was es wolle. Und es ist ja wirklich schön hier!!

Anbei noch einige Impressionen aus Chalten :

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Blowin in the wind… 

Ich wache mitten in der Nacht auf. Der Wind heult, ein Blech klappert, und plötzlich fängt es an heftig auf ein Blechdach zu trommeln – Regen?! Wo bin ich?
Ach ja, wir haben gestern unser Zelt im Wohnzimmer dieses verlassenen Hauses aufgebaut. In den anderen Zimmern liegen ein holländischens Pärchen und ein australisches Ehepaar mit 2 Kindern, Heike ist im Anbau untergekommen. Diese Unterkunft ist bei Radfahrern als Unterkunft und Schutz vor dem heftigen Wind bekannt und beherbergt seit Jahren Radler (siehe Fotos). An den Wänden verewigen sich die Radgerationen. Gut, dass es diesen Platz gibt!

Mit Grauen denke ich an morgen. In meiner Phantasie spiele ich die Optionen durch. Was ist wohl besser heftiger Gegenwind oder Regen. Und wenn beides morgen evtl. zusammentrifft? Hoffentlich wirds besser als der gestrige Tag!
Rückblick: Nachdem die ersten 60 km ohne Wind mit super Aussicht als Genuss zu umschreiben wären, ist das Vergnügen schlagartig mit dem Wind auf Null gesunken. Als hätte jemand einen Ventilator eingeschalten, setzte von jetzt auf gleich wirklich starker Wind ein. Die Böen mal von vorne mal von der Seite bliesen so heftig, dass ich mehrmals anhalten musste, weil ich nicht im Straßengraben landen wollte. Spaß macht das nicht! Und zwischendurch hatte ich richtig Sorge. Und das ist dann einer der Momente wo ich mich frage, warum um alles in der Welt radle ich hier in Patagonien. Wer kam auf eine so bescheuerte Idee!!! Hätte wir das nicht ahnen können, meine Frustrationstoleranz ist gerade sehr niedrig. Ja ich weiß, alle hatten gesagt, dass es Wind haben würde. Ich hatte mich auch auf Wind, viel Wind eingestellt, aber so hatte ich mit das in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Eine Wand, gegen die es kaum anzukommen geht.
Armer Johannes, er bekommt meine miese Laune voll ab. Arme Birgit, sie bekommt es zurück. Und länger als für die ersten 60 km stemmten wir uns die 35 km gegen den Wind zu diesem Häuschen. Der nächste Tag beginnt dann besser als erwartet, einige Sonnenstrahlen trauen sich sogar heraus. Die ersten 30 km ist der Wind erträglich, dann müssen wir aber die Richtung ändern. Bis Chalten geht die Straße jetzt 90 km genau nach Westen.

Und von dort bläst der Wind wieder so heftig, dass wir abwechselnd wanken, schieben, enorm ackern und doch kaum vorwärts kommen. Und es macht uns mürbe. Glück und Unglück sind halt nur 180 Grad auseinander. Abends lesen wir im Wetterbericht, dass wir Windstärke 8 hatten…

Gegen Mittag sind wir den Kampf leid, keine Besserung und kein etwas geschütztes Fleckchen. Und wir beschließen den Daumen rauszuhalten. Im Iran hätten schon vor Stunden Autofahrer angehalten und gefragt ob wir Hilfe brauchen. Hier dauert es etwas, aber dann hält doch noch ein Pickup und die 85 km fliegen nur so dahin. Auch das Auto wird mächtig durchgeschüttet und die Tropfen klatschen gegens Autofenster.

Zur Belohnung und Beruhigung gönnen wir uns in El Chalten ein Doppelzimmer. Bei den Temperaturen, Regen und dem Wind war uns so gar nicht nach Zelt. Zum Abendessenessen bestellen wir Grillplatte für zwei (damit doch noch was Gesundes dabei ist einen Alibisalat), stoßen mit einem Gläschen Malbec an und ich bestelle noch Flan casero con dulce de leche zum Nachtisch für mein Nervenkostüm. Dass draußen die Wolken tief hängen, der Wind tobt und wahrscheinlich Fitz Roy und Cerro Torre nicht ansatzmäßig zu sehen sein werden ist sch… aber nicht zu ändern. Wir hatten wohl schon zu oft Glück.

 

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Whiskey on the rocks – Perito Moreno Gletscher

Unsere netten Argentinier haben uns in El Chalten bis zu ihrem Hotel mitgenommen. Sie sind dort in einer Cabana abgestiegen und wir konnten dort auf dem Zeltplatz unterkommen. Das Preisniveau ist hier in Patagonien deutlich höher als in unseren letzten Monaten. Aber der kleine geschützte Zeltplatz ist völlig in Ordnung. Abends waren wir „im Städtle“essen und haben uns ein echt fettes Rindersteak reingezogen. Nach den anstrengenden letzten Tagen müssen die Reserven wieder aufgefüllt werden 😂. Die zwei kleinen Bier dazu haben schon gereicht uns sehr schläfrig zu machen – wir sind keinen Alkohol mehr gewohnt!
Den Regentag in Calafate haben wir bei Blog schreiben und Beine hochlegen ausgesessen und genossen. Der Küchenraum des kleinen Campings ist sehr gemütlich, die Panadería(Bäckerei) ums Eck hat feine süße Teilchen. Mein Favorit sind die mit Dulce de leche gefüllten Blätterteigteile. Extrem süß, voller Kalorien und saumäßig gut. Unsere Frenchpress liefert nicht nur für uns guten Kaffee. Wie überall kommt man schnell mit anderen ins Gespräch. Zumal noch andere Reiseradler hier unterkommen. Wir treffen Heike aus Minden, die mit Charlotte, ihrem Rad, unterwegs ist. Nach 10 Monaten Jobben hat es sie wieder in die Ferne gezogen. Sie hat den gleichen Weg wie wir und will weiter bis Tuktoyaktuk (ein Ort in hohen Norden Alaskas). Auch sie war schon im Pamir, Zentralasien und Iran unterwegs und es ist schön Erfahrungen auszutauschen.
Am nächsten Tag wollten wir zum Perito Moreno Gletscher und quatschten vorm Hotel ein Pärchen an, das gerade in ihren Pickup steigt. Si!, sie fahren zum Gletscher und claro!, können wir mitfahren. Und schwupps sitzt Ehepaar Schmitt schon wieder auf der Rückbank eines Pickups.

Der Gletscher und seine Front mit den Eisabbrüchen ist schwer beeindruckend! Man könnte ewig stehen und gucken. Sobald Eismassen donnernd ins Wasser krachen,  verstummen alle Gespräche und alles betrachtet gebannt das Spektakel. Im Restaurant dort wird Wiskey mit Gletschereis verkauft,  sehr geschäftstüchtig. Uns erinnert die blaue Farbe der schwimmenden Eisberge an „Gletschereis- Bonbons“. Die gab es in unserer Kindheit immer als Motivationszuckerle beim Wandern. Meine Mutter hatte immer welche für uns Kinder einstecken. Sie schmeckten herrlich erfrischend,  heute kennt die wohl niemand mehr.



Hier für den Bildungsteil :


Der Perito-Moreno-Gletscher ist einer der größten Auslassgletscher des Campo de Hielo Sur, des größten Gletschergebietes der südamerikanischen Anden. Bekannt ist der Gletscher vor allem dadurch, dass seine im Lago Argentino endende Gletscherzunge den südlichen Arm des Sees absperrt und aufstaut, der sich dann periodisch entleert.
Bei uns war der Durchgang etwas offen. Heute gehört der Gletscher zu den größten Touristenattraktionen Argentiniens, er ist der meistbesuchte Ort des als UNESCO-Weltnaturerbe eingestuften Nationalparks Los Glaciares. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern der Region zieht sich der Perito-Moreno-Gletscher nicht zurück.  Hier kann man regelmäßig in viertelstündlichen Abständen Eisklötze abbrechen sehen.

Übrigens: Der Gletscher hieß früher Bismarck-Gletscher. Im Jahr 1899 hatte ihn sein Entdecker, der deutsche Geologe Rudolph Hauthal, nach dem im Vorjahr verstorbenen ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck benannt. Er wurde erst später nach Perito Moreno benannt, als Würdigung dessen Verdienstes als Entdecker und Anthropologe. In Deutschland war der Name Bismarck-Gletscher wohl noch lange üblich.

Nicht nur die Restaurents und Hotels sind hier sehr geschäftstüchtig (ein Bett im Schlafsaal gibt’s erst ab 25 Euro aufwärts), auch die Banken wissen, wie man Geld verdient: die Abhebegebühr beträgt 8 Euro, man kann aber nur etwa 100 Euro auf einmal auszahlen lassen. Im Norden soll es billiger werden.

Wir entdecken eine German Bakery und erstehen richtiges Mehrkornbrot und eine Brezel! Und heute Abend gönnen wir uns das „Asado all you can eat“, Fleisch für unseren Proteinbedarf!

Jetzt zieht es uns nach El Chalten,  auch dort wollen wir wieder die Wanderschuhe schnüren. Wenn es der Wind nicht allzu garstig mit uns meint, werden wir 3 Tage mit dem Rad dorthin brauchen.

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Patagonien – Torres del Paine 

Torres del Paine – eigentlich heißt das „Blaue Türme“, aber wir finden „Türme der Schmerzen“ könnte auch gut passen.
…und die Schmerzen haben schon begonnen bevor wir auch nur einen Kilometer mit den Wanderschuhen unterwegs waren.
Nach dem Reservierungsstress (Schmerz Nr. 1) und den vielen Kreditkartenabrechnungen (Schmerz Nr. 2) für die Zeltplatz-Gebühren, mussten wir erst noch zwei anstrengende Tage Richtung Startpunkt radeln. wir-starten-in-puerto-natales-.jpg130 km klingen ja nicht wirklich beunruhigend, dachten wir. Aber ein Blick auf die Höhenmeter hätten uns schon vorneweg warnen können. Etwas blauäugig sind wir dann bei bestem Wetter in Puerto Natales gestartet. Am Ende des ersten Tages haben wir uns 83 km und 1100 Hm mit Gegenwind und Böen, die uns fast von der Straße gefegt hätten, bis kurz vor dem ersten Nationalparkeingang gekämpft!! (Schmerz Nr. 3). Während unserer Herfahrt im „Windkanal“ haben wir unser Zelt schon in Fetzen gesehen, es grenzt fast an ein Wunder, daß wir 10 Meter vor der Nationalparkgrenze noch einen windgeschützten Zeltplatz gefunden haben!

torres-del-paine-abendstimmung-.jpg

Tag Nummer zwei waren zwar nur 46 km, dafür knapp 1000 Hm, Steigungen bis 15%, dazu noch Schotter, Kies und Wellblechpiste. Die vorbei fahrende Blechkarawane von Touribussen und Mietwägen hat uns völlig eingestaubt. Wir fühlten uns stark an den Pamir erinnert. Daß zwei Gräder die Straße bearbeitet hatten, machte den Hoppelkomfort nicht zwangsläufig besser. Das war eher eine Mountainbike-Tour mit schwerem Gepäck als Genussradeln. Gut, dass erst gegen 23.00 Uhr dunkel wird, da hat man schon mal keinen Zeitdruck. Und gut, dass wir im Blog keine Live-Aufnahmen von den Flüchen publizieren können, nicht jeder Tag entlockt uns Freudenjauchzer, auch wenn die Bilder oft anders aussehen.
Am Camingplatz bei der Laguna Armarga wollten sie für nackten Rasen, kein Windschutz und miese Sanitäranlage pro Person 20 Dollar (fast Schmerz Nr. 4), da sind wir postwendend wieder zurück zum Fluss und haben gottseidank ein windgeschütztes Plätzchen im tiefen Gras gefunden. Der Nationalpark ist für die Leute hier die Lizenz zum Geld drucken, es gibt so viele Touristen, dass die Preise jenseits von allem Vernünftigen sind. 200 Dollar für ein einfaches Doppelzimmer (ohne Frühstück etc. versteht sich), total überzogen! Für einen Campsite im Park müssen wir bis zu 40 Dollar berappen, wer in einer Hütte übernachten will zahlt mindestens das Vierfache! Da kann man fast die Lust und Freude an der schönen Natur verlieren!
Nach etwas Pause mit Keksen und Kaffee waren die aufgezählten Schmerzen fast vergessen 😉 Jetzt hieß es umpacken und Rucksack für die 8-tägige Rundwanderung richten. Da wir das komplette Essen mittragen müssen, sparen wir jedes Gramm an Klamotten etc.. Das heißt eine kleine Zahnpastatube für beide, Pröbchen an Creme, Tütensuppe als Sauce, Hauptsache leicht – man wird erfinderisch! Sonst ist Schmerz Nr. 5 vorprogrammiert.
In Puerto Natales hat Birgit sich neue Wanderstöcke gekauft. Ihre eigenen hatte sie in Tadschikistan verschenkt und in Kirgisistan konnte sie sich welche ausleihen.
Jetzt darfs losgehen.

Tag 1 Laguna Amarga – Welcome Center – Campamento Serón
13 km, 398 Hm, 4 h
Nachts hatten uns kurzzeitig Regentropfen auf dem Zelt erschreckt, aber geweckt wurden wir gottseidank durch die Sonne. Bei bestem Wetter und Blick auf die Torres sind wir über den Laguna Amarga Parkeingang zum Welcome Center geradelt. Dort mussten wir noch kurz umpacken und die Räder fürs Aufbewahren fertig machen. Erst wollten sie uns doch glatt 80,- € Aufbewahrungsgebühr für unser Gepäck abknöpfen. Durch Johannes Verhandlungsgeschick haben wir dann nur 40,-€ bezahlt. Aber dafür sind unsere Sachen sicher verwahrt (Schmerz Nr. 6)!
Jetzt schulterten wir unsere schweren Rucksäcke und ließen den ganzen Touristenrummel hinter und liegen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was hier los ist. Ganze Busladungen an Tageswanderern werden hier rausgeschmissen!
Den langen O-Treck machen zum Glück die wenigsten Besucher hier. Durch Nothofaguswälder (Scheinbuchen) und Margheritenwiesen führte der Weg bequem über einen kleinen Pass hinunter zum Campamento Serón. Ohne den starken Gegenwind, mit Böen die einem die Luft un die Lungen pressen und den Atem rauben, wäre es noch angenehmer gewesen 😉
Dort angekommen begann die Suche/Kampf, um den windgeschütztesten Zeltplatz. Beim Anmelden in der Hütte meinte der nette Chilene: „Oh Deutsche, er liebt deutschen Fußball und vor allem Manuel Neuer „. Da konnte ich mit meinem Selfie aus Dubai mit Manuel Neuer echt punkten! Jep!! Aber keine Ahnung wer die vielen Flaschen an Rotwein und Bier hinter ihm trinken soll (Anmerkung Johannes: und vor allem bezahlen soll😂).
Leider konnten wir die restliche Zeit dort nicht wirklich genießen, starker Wind und Regenschauer haben uns ins Zelt getrieben. Zum Ankommen gibt’s leider nur Tütenkaffee, zum Abendessen dann Couscous mit Tomatensauce und einem Drittel Tütchen Parmesan – alles muss halt leicht sein…

Tag 2: Seron – Camp Dickson
19 km, 540 Hm, 5 h Gehzeit
Die ganze Nacht hatte es immer wieder leicht geregnet, aber durch den starken Wind, war unser Zelt am Morgen fast trocken. Wir starteten gut ausgeschlafen früh, um die ganze Karawane hinter uns zu lassen. Wieder kämpften wir uns den ganzen Tag über gegen den Wind voran, vor allem am Pass kamen starke Böen von der Seite. Auf der Wanderkarte war schon vorsorglich „vientas laterales“ vermerkt. Aber irgendwie waren wir doch zügig unterwegs. Wie am Tag zuvor wanderten wir durch ursprüngliche Wiesen und dicht an den Boden geduckte Nothofaguswäldchen. Nach 2,5 h erreichten wir die Rangerstation Coiron und wieder 2,5h später das Campanento Dickson. Auch hier konnten wir einen halbwegs geschützten Platz unter Bäumen finden und hörten den Wind in den Baumwipfeln pfeifen. Die Sonne zeigte sich mal wieder etwas und ohne die vielen Stechmücken wäre es fast perfekt gewesen. Aber bei der Zeltplatz-Buchung wurde schon empfohlen Mückenschutz mitzunehmen. Wir waren also vorgewarnt. Dennoch mussten wir bald mit einigen roten Punkten ins sichere Zelt flüchteten (Schmerz Nr 7). Wegen der großen Feuergefahr durch den starken Wind darf an den Zeltplätzen nur in den Küchenzelten gekocht werden. Da man dort auch Handys laden kann, trifft sich dort der halbe Zeltplatz, klönt, tauscht Infos aus und man kann sich das Equipment der anderen anschauen und Ideen holen. Nebenbei konnten wir das Angebot eines netten, super ausgestatteteten holländischen Pärchen mit Bialetti auf einen Kaffee nicht ablehnen.

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Tag 3 Campamento Dickson – Campamento Los Perros
11,6 km, 665Hm, 4,5h
Der heutige Tag war Genusswandern pur! Unser Weg führte uns durch einen dichten Märchenwald voller uralter Scheinbuchen (laut Johannes bis 400 Jahre alte Bäume) , übersät von unterschiedlichsten Baumflechten. Dazwischen Farne und mit Moos überzogenes Totholz. Der Blick zurück bot einen wunderschönen Blick auf den Lago Dickson mit dem Dicksongletscher. Irgendwann unterwegs bemerkten wir, dass irgendwas anders war als die Tage zuvor. Was war das bloß, mmh? Ach ja, wir konnten Vogelgezwitscher und Bachgurgeln hören! All diese Geräusche hatte der Wind bislang übertönt! Aber pünktlich gegen 11.00 Uhr hat jemand den großen Ventilator angemacht, und da war es wieder, das bekannte Sausen. Nach Überqueren des Moränenrückens durften wir am Mirador Britanico den Los Perros Gletscher mit seinem zugehörigen See bewundern. Dort gönnten wir uns eine Vesper- und vor allem „Guck“-Pause.
Nach dem Ankommen im Camp begann wieder die gewohnte Routine: Anmelden, Zeltaufbau, Kaffee und Kekse, dazu quatschen im Küchenraum, Körperpflege (Plan A: falls Dusche warm – dann unbedingt duschen, wenn Dusche kalt siehe Plan B.
Plan B: wenn Waschraum vorhanden dort, sonst im Zelt kalt waschen. 😀).
Hier im Campamento Perros mussten wir leider Plan B mit Zeltvariante wählen. Wir haben das Waschen mittlerweile so perfektioniert, dass jeder von uns mit Waschlappen und Berghaferl ausgestattet nur 0,2l Wasser braucht.
So langsam trudeln die mittlerweile bekannten Mitwanderer im Camp ein. Für knapp eine Woche sind wir wie eine große Familie, gemeinsam unterwegs von Zeltplatz zu Zeltplatz. Ach da sind ja die Norweger mit den nagelneuen Bergans-Zelt und der knarzenden Isomatte, dort die Holländer mit dem riesigen Rucksack und der Bialetti, dort der Australier Corey mit nichtendenden Vorräten an Gemüse und Obst, die Schweizerin Isabel , die überraschenderweise zuhause gar nicht in die Berge geht, sich in Chile verliebt hat und unbedingt die Torres sehen will, das Pärchen aus Minsk, das sehr reisefreudig ist und schon fast überall war, das chilenische Pärchen mit Faltgeschirr,…

Tag 4 Campamento Los Perros – Paso – Refugio Grey
15 km,1030 Hm rauf, 1455 Hm runter, 7:55 h
Ohh, 5 Uhr, der Wecker bimmelte zu früh – raus aus dem Schlafsack, obwohl es ist noch immer dunkel war.
Wir konnten im Camp Paso keinen Zeltplatz buchen und hatten daher entschieden bis Grey durchzulaufen. Da diese Doppeletappe sehr lang war und der Pass wegen des Windes früh überquert werden sollte, wollten wir zeitig aufbrechen. Und tatsächlich waren wir um 5:45 startklar!
2 h wanderten wir, erst durch dichten Wald unterbrochen von Matsche, dann durch offenes Gelände aus Geröll und Felsen stetig ansteigend zum 1200 hohen John Garner Pass. Mit den Verhältnissen hatten wir extremes Glück: trocken und kaum Wind, bei anderem Wetter kann das sicher sehr unangenehm werden! Andere sind wohl auf allen Vieren über den Pass gekrabbelt! Und was für ein Panorama, wow, der ganze riesige Greygletscher mit seinen Spaltenfeldern lag tief unter uns. Das ist also das südliche patagonische Inlandeisfeld.

am John Garner Pass.jpg

Blick vom John Garner Pass auf das Südliche Inlandeisfeld

Extrem steil führte uns der Weg hinunter zum Camp Paso. Die Wegführung ist nichts für Kniegeschädigte, zu hohe Stufen und Diretissima nach unten. Aber mit den vielen Ausblicken auf den Grey-Gletscher und den Grey lake mit seinen Eisbergen wurden wir für unsere Anstrengungen reichlich belohnt.

Kurz vor 10.00 erreichten wir das Camp Paso und nach der obligatorischen Registrierung durften wir weiter marschieren. Auf dem Weg zum Refugio Grey gibt es mittlerweile drei Hängebrücken. Alle drei bieten super Möglichkeit den Gletscherbruch und den Gletscher zu bestaunen. Etwas fußlahm und müde erreichten wir 13:35 das Refugio Grey. Aber Camper scheinen hier nicht gepampert zu werden🤔 unebene Zeltplätze, Küche und Klo weit weit weg, Duschen nur zwischen 17:00 und 20:00, …
Wir Rucksackwanderer bringen zu wenig Umsatz, die Tagestouristen und Übernachtungsgäste in der Hütte mit Vollpension sind begehrter und werden umsorgt.
Aber sie haben wenigstens warme Duschen (im Gegensatz zu den anderen Camps). Dass sich heißes Wasser so göttlich anfühlt, weiß man erst wenn man laaaaange darauf warten musste! Herrlich, frisch geduscht und satt (es gab Paella -unser letztes Travellunch- Essen, Johannes hatte es 6000km in der Radtasche spazieren gefahren!) saßen wir noch länger klönend mit den Anderen vom O-Treck zusammen. Alle glücklich es bis hierher geschafft zu haben!!

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Tag 5 Refugio Grey – Campamento Paine Grande
11,5 Km, 430 Hm hoch, 460 Hm runter, 3:15 h
Das Wetter meinte es heute nicht ganz so gut mit uns, nachts hatte es schon geregnet. Nach einem kurzen Abstecher zum Mirador Grey starteten wir in Regenklamotten eingepackt. Da diese Etappe kürzer war, konnten wir den Tag ruhiger angehen. Die Landschaft wechselte wieder. Der Wald verschwindet und machte Platz für „patagonische Steppe“, weißer und lila Fingerhut, wilde Johannesbeersträucher und Margheriten wechselten sich ab. Das bisschen was wir an Bergen sehen konnten war weiß verschneit. Am frühen Nachmittag erreichten wir das Camp. Hier war es gar nicht so einfach einen tauglichen Zeltplatz zu finden. Alles was eben und windgeschützt ist, ist schon von den gelben North-Face-Zelten des Camps belegt. Na irgendwie findet sich dann doch immer was halbwegs Taugliches. Gerade rechtzeitig vor einem mega Regenguss hatten wir das Zelt aufgebaut und uns in das Küchenhaus verzogen, uff, Schwein gehabt. Bei Tütensuppe und Nescafe schauten wir den vorbei fliegenden Wolken nach, froh im Trockenen zu sitzen. Regen und etwas Sonne wechselten sich stetig ab, hier in Patagonien kann man alle Jahreszeiten an einem Tag durchmachen (Johannes: in einer Stunde😀). Da dieses Camp einfach zu erreichen ist und sogar per Katamaran angefahren wird, tummeln sich hier die unterschiedlichsten Leute. Wir treffen ein polnisches Pärchen, das auch mit dem Rad unterwegs ist und vor drei Jahren in Zentralasien geradelt war. Da macht Sitzen, Quatschen oder nur Zuschauen einen Heidenspaß. Im „Supermarkt“ des Camps kann man durch Regale schlendern und für viel Geld all das kaufen, was ein Wandermagen nach 5 Tagen Rucksackessen begehrt. Im Küchenraum drehten sich die letzten Tage viele Gespräche ums Essen.

Tag 6 Campamento Paine Grande – Mirador Frances – Mirador Britanico – Campamento Italiano
21km, 1025Hm, 6 h Gehzeit viel viel Zeit zum Schauen
Unsere Schweizerin Isabel hatte uns ihre Reservierung für das Campanento Italiano abgetreten. Sie war zu kaputt und wollte einen Pausentag einlegen und statt Wandern den Katamaran nehmen. Für uns bedeutete das, bei heute nun bestem Wetter, die ungeahnte Möglichkeit doch zum Mirador Britanico hochzuwandern! Im Supermarkt mussten noch schnell Vorräte besorgt werden, denn wir hatten unsre Rucksackverpflegung genau ausgezirkelt. Frisch gebackenes Brot, wow, wann hatten wir das das letzte mal!
Leicht hügelig ging es an der Laguna Skottsberg entlang. Der heftige Wind trieb Wasserhosen und heftige Wellen übers Wasser. Für uns aber gottseidank von hinten. Ob man sich an diesen heftigen Wind gewöhnen kann? Am Campamento Italiano haben wir schnell unser Zelt aufgebaut und konnten so mit leichtem Gepäck aufbrechen. Unterwegs am Mirador Frances sahen wir riesige Eisbrocken vom Gletscher abbrechen. Enorme Lawinen brausten am Gegenhang nach unten. Stücke so groß wie mehrere Einfamilienhäuser sind mit lautem Getöse und Donnern nach unten gebrochen. Sehr beeindruckend!! Am Mirador Britanico bot sich uns ein 360 Grad Panorama auf einen Kessel von Granitwänden und Türmen. Auf dem Runterweg haben wir drei Magellanspechte bei der Arbeit gesehen. Das Männchen hat einen wunderschönen roten Kopf, die Weibchen sind schwarz. Auf dem Zeltplatz tummeln sich Morgenammern und Schopfkarakaras. Was für ein schöner Tag. Herzlichen Dank und ein Hoch auf Isabel!!
Birgits Gute-Nacht-Wunsch am Tag 6: ein Bett, eine warme Dusche und eine Küche mit gutem Essen…

Tag 7 Campamento Italiano – Campamento Centrale
17,5 Km, 650Hm , 6h Gehzeit
Heutige Überschrift: Der Tag mit dem Seeblick, immer am Lago Nordenskjöld entlang😀. Seine Farbe ist wirklich so türkis wie auf den Fotos. Ein bisschen fühlten wir uns an den Lykischen Weg erinnert, ein Weitwanderweg, den wir vor 4 Jahren in der Türkei gewandert sind. Rechts das türkise Wasser, links die Berge, der Weg abwechslungsreich, immer auf und ab dazwischen.Torres del Paine O Treck 115.jpg Vom Campamento Centrale aus ist dies die erste Etappe für den kürzeren W-Treck, dem entsprechend kommen uns viele „noch nicht so verschwitzte“ Wanderer entgegen. Teilweise mit abenteuerlich großen Rucksäcken oder Zelt/Schlafsack/Einkaufstasche am langen Arm – erstaunlich wie leidensfähig manche sind!
Am Campamento Centrale angekommen hieß es wieder Zeltplatz richten, dann Räder holen. Das wir 5 Tage Aufbewahrung bezahlt, aber nun schon der 7.Tag war, wurde nicht bemerkt. Glück gehabt und Geld gespart!
Am Zeltplatz versuchten wir die gebuchte Nacht von gestern, die wir durch die eingeschobene Übernachtung am Camp Italiano am Campamento Centrale haben verfallen, lassen hinten anzuhängen. Und, wieder Glück gehabt, das hat einwandfrei funktioniert! Torres wir kommen 👍👍
Jetzt gab’s zum vollends glücklich sein noch frisch gebrühten Kaffee und Kekse (auch der Minimarket hier unten beim Hotel Torres ist gut mit Süßigkeiten bestückt).
Und dann geht zumindest ein Gute-Nacht-Wunsch von Birgit in Erfüllung: die wirklich heiße Dusche mit immerhin ausreichend viel Wasser!

Tag 8 Campamento Centrale – Mirador Base las Torres und zurück
19 km, 1110 Hm, 5 h
Nicht zum Sonnenaufgang (da hätten wir um 2:00 Uhr loslaufen müssen), aber zeitig vor den Tagestouristen haben wir den Aussichtspunkt mit fantastischer Sicht auf die Torres del Paine erreicht. Jep, bei Sonnenschein die Torres gesehen, was ein Geschenk. Torres del Paine.jpgWir haben somit nicht nur das „O“, sondern gleich noch das „W“ gelaufen. Genial!!! Bild O und W Treck.jpgAm Abend saßen wir mit einem Gläschen Rotwein noch lange mit Pavel und Anna aus Weißrussland zusammen, tauschten unsre Treckerkenntnisse und Emailadressen aus. Wir haben uns bestens über Gott und die Welt unterhalten. Das gemeinsame Wandern und Erleben verbindet über alle Grenzen hinweg.


Und wir taufen ab sofort die Türme um, in Türme des Glücks:
Glück mit dem Wetter ( wir hatten nur 1/2 Tag Regen)
halbwegs Glück mit dem Wind
Glück, dass doch alle Reservierungen für die Camps funktioniert haben
Glück mit den Mitwanderern
Glück dass wir gesund sind, gut mit den jungen Wanderern mithalten können und uns bis auf etwas Muskelkater sauwohl fühlen!

Rausfahrt aus dem Park:
Sobald wir aber am Samstag wieder auf dem Rad saßen hat uns der Wind wieder heftig entgegen geblasen. Und er wurde gegen Mittag so schlimm, dass es uns vom Rad geweht hat.

Wir haben uns über Baustellen und schlechte Straßen bis Cerro de Castillo an die Argentinische Grenze gekämpft. Die Hospedaje dort war durch die Straßenbauarbeiter leider voll belegt. Und zelten kam bei dem Wind nicht in Frage. Nun war guter Rat teuer!
Welch Glück hat uns ein nettes argentinisches Ehepaar auf Urlaub mit ihrem Pickup bis Calafate mitgenommen, dort gibt es viele Unterkünfte. Wieder mal Schwein gehabt!
Ziemlich müde sitzen wir auf der Rückbank und sehen die Kilometer an uns vorbei fliegen. Wir sehen Herden von Nandus mit ihren Jungen, Flamingos stehen an den Wasserstellen und Guanacos mit Nachwuchs wohin man schaut. Nur stehenbleiben und Staunen ist halt nicht. In Calafate werden wir uns etwas Pause gönnen!

 

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