Trekking in Tadschikistan

Das klingt von Deutschland aus weit weg und sehr unbekannt- und für manche sogar gefährlich. Aber von zuhause aus macht man sich viele falsche Vorstellungen. Einsam unterwegs – von wegen. Soooo viele Touristen gibt es hier – und mit dem Fahrrad unterwegs, klingt verrückt? Ja, vielleicht, aber hier gibt es viele Verrückte 😊, bei der Jeepfahrt zurück nach Dushanbe haben wir gleich mehrere Reiseradler gesehen und hier im Hostel stehen mindestens 6 Reiseräder.

Aber vielleicht sollten wir zuerst mal von der Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit erzählen, der wir auf unserer ersten Etappe dieser Reise begegnet sind. Unzählige Einladungen zu Tee (dazu gibt es immer frisch gebackenes Brot, getrocknetes Obst, Nüsse und Süßigkeiten und gelegentlich frischen selbstgemachten Joghurt). Es ist für alle hier eine Selbstverständlichkeit vorbeireisende Wanderer einzuladen.

 

Was bisher geschah:

Azam, unser Guide und Dolmetscher, hat uns vor 12 Tagen in Dushanbe zum Trekking abgeholt. Mit seinem perfekten Deutsch hat er uns sehr viel über die Gebräuche, Pflanzen, Berge, eben Land und Leute erzählen können. Mit dem Auto gings nach Pandjikent, dort waren wir auf dem großen Basar bummeln und haben den Koch samt Essen eingeladen. Akubi, der sich selbst als „Mr. Cook“ vorstellte, hat unterwegs fantastisches Essen gezaubert, wenn auch mit viel Öl und noch mehr Knoblauch. Das Geräusch von bruzzelndem Fett für die Pommes zum Picknick schon beim Wachwerden war etwas gewöhnungsbedürftig. Aber von Milchreis, Spiegelei, Griesbrei zum Frühstück bis hin zu Auberginen- oder Rote-Beete-Salat und dem Nationalgericht Plov bekamen wir immer mehr, als wir trotz den Wanderetappen essen konnten. Das Auto brachte uns ins Tal der Sieben Seen. Dort wartete schon Dawlat, unser Eseltreiber, mit seinen 3 Eseln.

Die Temperaturen waren selbst auf über 2000 Höhenmetern noch bei 32 Grad im Schatten –  auch Tadschikistan leidet dieses Jahr unter besonders hohen Temperaturen und starker Trockenheit. Deshalb standen wir immer früh auf (hell wird’s um 5 Uhr) und liefen zeitig los. Oft waren wir so schon um 14 Uhr am Ziel und hatten viel Zeit zum Dehnen (Birgit!), T-Shirts entsalzen (Wäsche waschen), Statistik führen und Fotos sichern (Johannes!). Pünktlich um 16 Uhr gabs dann immer den Tee. Und um 19 Uhr dann das knoblauchlastige Abendessen. Mit Einbruch der Dunkelheit um 20 Uhr ging’s dann langsam ins Bett.

 

Täglich ging es über einen Bergpass und das Ziel war oft ein wunderschön türkisblauer Bergsee. Die Hänge sind leider von den großen Ziegenherden ziemlich kahl gefressen. Und die Wacholderwälder haben während des Bürgerkriegs in den 90er-Jahren ebenfalls stark gelitten. Brenn- und Bauholz ist hier kostbar. An vielen Schäferhütten werden deshalb die Kuhfladen als Heizmaterial getrocknet.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die ersten Tage wanderte unsere kleine Gruppe noch alleine. Aber ab dem Tschukurak- und Kulikalonsee trafen wir auf mehr und mehr Trekkinggruppen. Die Berge und Pässe wurden nun höher, oben leuchteten weiße Gletscher, unten die türkisfarbigen Seen. Zu Zeiten der Sowjetunion von 1990 waren Pik Energia, Pik Tschimtarga, Mirali und die anderen Berge das beliebte Ziel von russischen Bergsteigergruppen. Heute ist nicht viel los an den Gipfeln, wir trafen einige Russen mit vollbeladenen riesigen Rucksäcken, sichtlich gezeichnet von den Strapazen.

 

Panorama vom Tschukurakpass

Aussicht über die Kulikalon-Seen

Am Mutnoesee auf 3500 m beenden die allermeisten Gruppen ihre Tour, drehen um und werden am Alovaddinsee mit dem Auto abgeholt. Hier verließ uns Dawlat, weil der Weiterweg über den 4050 m hohen Kaznokpass für Esel nicht machbar ist. Dafür kamen  zwei Träger Mahsud und Muhammad. Über Schotter und Schneefelder ging es immer höher, zuletzt ein 40 Grad steiler Moränenhang mit rutschiger Erde. Als Warnung lag unten am Hang ein abgestürzter toter Esel. Also höchste Konzentration! Anstatt der angekündigten 4-5 Stunden waren wir in 2 Stunden auf dem Pass, soweit waren wir also schon ganz gut akklimatisiert. Vom Pass aus sah man direkt auf die gegenüberliegenden Gipfel von Pik Energia (5120m) und Tschimtarga (5489m). Der Abstieg war fast genauso steil und schotterig und benötigte fast genausoviel Zeit und Aufmerksamkeit. Wir sind mit Stöcken und festen Bergstiefeln ausgestattet, unsere Team trägt Turnschuhe oder zu große „Leichtwanderschlappen“, in ganz Tadschikistan gibt es keine Möglichkeit Bergsteigerausrüstung zu kaufen, wenn man denn überhaupt das Geld dafür hätte. Alle sind darauf angewiesen, dass Touristen etwas von ihrer Ausrüstung zurücklassen, Größe egal!

 

Zwei Stunden weiter talabwärts fanden wir einen wunderschönen Zeltplatz am Fluss, an den Felsen hängen zwei Gedenktafeln für russische Bergsteiger …

Abends gab’s ein großes Lagerfeuer. Azam, Akubi, Mahsud und Muhammad sangen  tadschikische und russiche Lieder, meist sehr melancholisch. Und dann waren wir dran! Und was singt man dann??? Die Affen rasen durch den Wald, Pfadfinderlieder und Gute-Nacht-Lieder… nicht schön, aber zur großen Freude der Anderen 🙂

Singen am Lagerfeuer

Dann kam schon der letzte Wandertag das Tal hinaus nach Saratog. Hier hat eine Deutsche, die einen tadschikischen Zementunternehmer geheiratet hat eine entsprechende Unterkunft gebaut, leichte Andeutung an Neuschwanstein und wie so oft weiß man nicht, ob das Gebäude noch im Aufbau oder schon am Zerfallen ist. Aber es gab ein Bett und wenigstens ein dünnes Rinnsal von warmem Wasser, so dass wir mit dreimal Einseifen den Staub aus den Haaren bekamen– auch ein gutes Gefühl.

Gestern dann mit dem Auto zum Iskanderkul, dem See des Alexander des Großen, der angeblich bis hierher kam und dessen Pferd angeblich an Vollmond-Freitagen aus dem See auftaucht. Am Ufer des Sees befindet sich eine Datscha für Staatsgäste und gleich ums Eck betreiben die Chinesen ein Bergwerk für Gold, Silber, Zink, etc.. Es ist Wochenende und am Ufer des Sees suchen viele Hauptstädter Abkühlung und Wasser. Als besonderes Touristen-Highlight zählt der Wasserfall unterhalb des Sees. Auf einem etwas wackeligen Gitterrost kann man über die Kante auf die hinunterstürzenden Wassermassen schauen. Lieber nicht nachdenken, wie schwer die Gegengewichte auf der Rückseite für unsere Gruppe sein müssten!

 

Abendessen mit zwei Amerikanerinnen, die in Afghanistan wandern waren

Besonders spannend sind auch die Begegnungen mit anderen Reisenden unterwegs. Man kommt leicht ins Gespräch und trifft auf die interessantesten Lebensgeschichten. Zum Beispiel die zwei amerikanischen Bergsteigerinnen, die uns beim Abendessen von ihren Bergtouren in Afghanistan erzählt haben – ihren Eltern haben sie vorher nicht gesagt, wohin sie gehen….   Oder die junge Halb-Tadschikin, die als Kind mit ihrer Mutter nach Europa fliehen musste und jetzt zum ersten Mal den Rest ihrer Familie hier besucht und gleich mitgeteilt bekommt, dass man hier einen passenden Ehemann für sie hätte. Und die zum Teil sehr tiefgründigen Gespräche mit den anderen Weltreisenden hier im Hostel, aus Europa/Australien/ Israel/usw., die so viel vom Reisen an sich und aus den bereisten Ländern erzählen können.

 

Mit etwas Wehmut verabschieden wir uns vom allerersten Teil unseres Sabbatjahrs und freuen uns genauso auf die neuen Erlebnisse und Erfahrungen.

Morgen geht es nun mit den Rädern weiter, die Wäsche ist gewaschen, den heutigen Tag haben wir zum Erholen und Umpacken genutzt. Jetzt müssen nur noch die Räder bepackt werden, damit wir morgen sehr früh starten können. Hier ist es so heiß und wir wollen die Kühle frühmorgens nutzen.

Dieser Beitrag wurde unter Tadschikistan abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.