Von Khorog durch den Whakan-Korridor und über den Pamir nach Kirgistan

Blick auf den Hindukusch

Blick auf den Hindukusch

Tadschikistan hinterlässt Spuren, die freundlichen und so herzlichen Menschen werden wir in Erinnerung behalten, genauso aber auch die Magen Darm Probleme, die hier jeder Reisende wenigstens einmal durchmachen muss. (wir haben niemanden getroffen, der davon verschont worden wäre). Wir haben extrem aufgepasst, das Wasser getropft, durch den Filter gejagt, viel selber gekocht – hat alles nichts geholfen. Johannes wie ich hatten wenigstens einmal Magen-Darm-Probleme 😣.
Kaum sind wir in Kirgisistan ist alles sauberer und wir haben keine Probleme mehr mit der Verdauung. Hoffentlich bleibt das auch so!!!
Tadschikistan ist extrem trocken, braun und staubig, kaum waren wir über den Pass in Kirgisistan wurde es grün und gleich in der ersten Zeltnacht hörten wir ein Geräusch, dass wir seit 6 Wochen nicht mehr gehört hatten – Regentropfen auf dem Zelt, über Nacht zu Eis gefroren, brrr.

Die Kilometer am Panj und am Pamir haben wir trotz ewigem auf und ab und schlechter Piste sehr genossen, die Ausblicke auf den Hindukusch und die angrenzenden Schneeberge Pakistans waren einfach super genial.

Durch den Whakan-Korridor

Von Khorog geht es auf asphaltierter Straße weiter den Panj entlang. Kurz vor Ishkashim finden wir heiße Quellen, war nicht so schwer, es standen schon vier andere Reiseräder am Straßenrand. Dort baden wir im Freien in einem kleinen steingefassten Becken mit den anderen Radlern zusammen (ein belgisches und ein englisches Pärchen, die wir später im Guesthouse von Akim unterhalb Bibi Fatima wieder treffen.)

Die nächste heiße Quelle auf unserer Route war Bibi Fatima. Wir übernachteten 1km und 100 Hm oberhalb des Tales bei Akim (sehr zu empfehlen). Von dort wanderten wir den Berg hoch zur Festung Yamchun (obwohl sehr alt noch relativ gut erhalten) und lassen uns danach in der heißen Quelle von Bibi Fatima porentiefrein „köcheln“, Bibi Fatima ist eine etwa 40 Grad warme Quelle, benannt nach Mohammeds Tochter. Das Wasser der Quellen selbst schießt durch einen Felskanal ziemlich steil nach unten. Man hat einen Weg und Stufen in den Fels gehauen und an zwei Stellen Badehäuser über diesen Sturzbach gebaut. Streng nach Geschlechtern getrennt kann man hier das heiße Nass genießen. Die Quelle ist besonders bei den Frauen der näheren und weiteren Umgebung für ihre Wundertätigkeit bekannt, denn er soll die Fruchtbarkeit fördern. Dafür müssen sie in die kleine Höhle rechts des Wasserfalls klettern und einige Augenblicke dort (betend) verharren. Ich war mit mindestens 10 Tadschikinnen baden und sie haben mich solange bequatscht bis auch ich in die Höhle geklettert bin. Das Wasser ist hier noch etwas heißer und ob es hilft, mal schauen 😀Das Wasser soll aber auch bei Gelenkschmerzen, Augenleiden, … helfen, wir nehmen alles, kein Problem!

Ganz schlecht wurde die Straße ab Shitkav. Nomen ist Omen😂. Die letzten 40 km nach Langhar wird die Piste ziemlich schlecht, wir gewöhnen uns schon mal an das Radeln im Schneckentempo. Nachdem unser Guesthouse in Langhar keine funktionierende Dusche besitzt, werde wir ins Badehaus im Nachbardorf nach Zong gefahren. Auch dort wird das Wasser einer heißen Quelle in 2 Räume geleitet. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern schrubben wir uns auch hier mal wieder richtig sauber.

In jedem Guesthouse finden sich unglaublich viele Schlafunterlagen und extrem schwere Zudecken, die einen fast einzementieren. Man kann den Brustkorb kaum heben, Atmen fällt da richtig schwer 😀😀Die Winter sind sehr kalt hier. ❄️❄️

 

Hoch in den Pamir – aufs Dach der Welt

Ab Langhar haben wir uns auf Empfehlung unseres Hausherren die ersten 22 steilen Kilometer hochfahren lassen (wir haben es nicht bereut) und uns danach durch Sand und Holperpiste auf den Kargushpass, mit 4344m unseren ersten hohen Pamirpass, gequält. Runter dann auch auf Piste und erst einige Kilometer vor Alichur trafen wir wieder auf Asphalt. Welch ein Genuss – unsre Geschwindigkeit stieg ums dreifache.
Von nun an guter Teer bis Murghob.

Ab hier leben kirgisisch-stämmige Tadschiken mit ihren typischen Filzhüten. Die Häuser sind nur noch eingeschossige Flachbauten, auf den Dächern wird der getrocknete Yakdung gestapelt – Brennstoff für den Winter. Grün wächst praktisch nicht mehr, alles ist staubig und windig, die Orte machen einen sehr trostlosen Eindruck.

Eine sehr Internationale Gruppe (Hollander, Schweizer, Australier, Engländer) von 17 Radler ohne Gepäck treffen wir in Murghob, das Gepäck wird immer weiter transportiert und die Gruppe radelt den Begleitfahrzeugen hinterher. Sie sind von Khorog nach Osh unterwegs.

Die Chinesische Laster, unsere treuen Begleiter seit Dushanbe, verlassen uns nun in Murghob, sie biegen Richtung China ab.

Kampf und Krampf

Der Ak-Baital-Pass ist mit 4644m der höchste Pass im Pamir (so hoch war ich noch nie mit dem Rad😀😀). Fünf Kilometer vor dem Pass hört der Asphalt auf und es wird bis 11% steil.
Gekämpft hat Birgit hier nicht nur mit den Höhenmetern, sondern mit ihrem Magen. Alles, was oben rein kam, ging unten unverdaut postwendend wieder raus – saft- und energielos hat sie sich Kilometer um Kilometer nach oben gekämpft. Runter war dann statt Abfahrtsvergnügen der Kampf mit Gegenwind und Wellblechpiste angesagt.
Gottlob war früh ein windstilles Plätzchen fürs Zelt gefunden und die Ruhe und die Kohletabletten aus Dushanbe zeigten Wirkung! Am nächsten Tag hatte Rad fahren wieder extrem Spaß gemacht, kein Wind, gute Straße und ständig neu auftauchende Schneegipfel, viele Fotopausen und leicht bergab- Radlerherz was willst du mehr.
Früh in Karakul angekommen und im gleichnamigen Guesthouse auch ein nettes Schlafplätzchen gefunden, blieb viel Zeit für einen langen Spaziergang am See und Nachmittags dann sogar für ein kurzes Bad in Tadschikistans größtem See. Abends feines Essen, das gottlob seinen Platz behielt. Dieser Tag hat sich wie Urlaub angefühlt👍🚲👍

Der Ort Karakul selbst ist besonders staubig und trostlos. Den ersten Laden verließen wir nur mit einer Cola und Snickers, weil es außer einer großen Kiste Seife praktisch nichts im Sortiment gab. Als sich herausstellte, dass es der einzige Laden im Ort war und wir zurückkamen, gab es nur noch Seife… Gut, dass wir noch ein paar Packungen Trockennahrung aus Deutschland im Gepäck hatten.
Hier treffen wir 2 Mädels aus der Schweiz (Gabi eigentlich aus Stuttgart, Monika eigentlich aus Holland) und verbringen einen schönen Abend mit guten Gesprächen.
In jedem Ort strömen die Kinder auf die Straße und wollen, dass man beim Vorbeifahren abklatscht. Wir Touristen sind eine gelungene Abwechslung. Hin und wieder werden wir aber auch nach Schokolade oder sogar nach Geld angesprochen.

Abschied von Tadschikistan

Weiter gings nun Richtung Kirgisistan. Wieder mit aufgeladener Batterie war der erste Pass bald geschafft, aber dann: wieder Schotterpiste, mega Gegenwind – Tadschikistan, du machst uns das Weggehen extrem schwer! Stundenlang kurbelten wir uns im untersten Gang den Berg hoch, aber irgendwann war die tadschikische Grenzstation erreicht und mit viel Wehmut verließen wir Tadschikistan ins Grenzgebiet. Die Kirgisen haben ihre Grenzstation 18 km weiter im wärmeren Tal gebaut, dazwischen ist Niemandsland – für den Straßenerhalt der Kilometer zwischen den beiden Grenzstationen scheint sich niemand zuständig zu fühlen.
Der Gegenwind und die schlechte Straße ließen auch die Abfahrt zur Herausforderung werden. 8 km vor der kirgisischen Grenze haben wir hinter einer kleinen Mauer Windschutz für unser Zelt gefunden. Wie schon erwähnt, erster Regen seit Wochen in dieser Nacht.
Früh morgens dann rollten wir dann Richtung kirgisische Grenze. Völlig anders als in Tadschikistan, wo an jeder Passkontrollstation alle Daten in Din A 4 Hefte von Hand eingetragen wurden, gab es hier Strom, einen Scanner für die Reisepässe, wir wurden fotografiert. Der Unterschied enorm!
Nun auf guter Straße hinunter nach Sary Tash.

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