„Sprich nicht vom Wind“

letzter Blick von Sarytash auf den Pik Lenin

Früh in Sarytash gestartet (von anderen Radlern hatten wir gehört, dass der Wind in der Regel von Osh die Täler hoch in unsere Richtung wehen soll) kurbelten wir uns langsam aber sicher einmal mehr auf 3589Hm den Taldykpass nach oben. Bei jeder Windboe schauen wir uns nur an, aber sagen nichts – denn eine alte Seglerweisheit besagt, dass man nicht vom Wind reden soll. Genutzt hat es nichts, denn auf dem Weg runter hat er uns dann doch erwischt! Zwar ging es in vielen steilen Serpentinen, durch enge Schluchten, entlang an roten Sandsteinfelsen mit tollem Panorama bergab, aber auch mit fiesem Gegenwind, so dass wir bergab treten mussten und die 2000 Tiefenmeter gar nicht so recht genießen konnten.

Pastaparty

 

Trotzdem kamen wir gute 100km voran und fanden spätnachmittags unter Bäumen am Fluss einen schönen Zeltplatz. Viele neugierige Dorfkinder kamen ans Zelt. Hier in Kirgisistan haben die Kinder deutlich weniger Distanz, betatschen schon mal die Räder und das Gepäck und fragen nach Kaugummi und Schokolade. In Tadschikistan haben uns die Kinder zwar neugierig, aber immer sehr angenehm beobachtet, das hat sich etwas geändert. Fühlt sich nicht mehr so gut an.

 

Auch am nächsten Tag sind wir schon um 7:00 auf den Beinen, noch fast 900 Hm geht es hoch zum Tschyrtschykpass auf 2400 Hm, bevor wir dann nach Osh runter rollen könnten. Aber auch hier macht uns der Gegenwind einen Strich durch die Rechnung. Wieder hieß es bergab treten ☹

Birgit darf aber viele Strecken im Windschatten von Johannes fahren!!! Sehr edel!!

 

Osh – Seidenstraßegeschichten

Im TES Guesthouse in Osh trafen wir am frühen Nachmittag auf viele Bekannte von unterwegs. Monika und Gabi sind schon vor uns angekommen (Gabi hat Magenprobleme und sie nahmen einen „Lift“ vom Pass nach Osh), das Belgische Pärchen aus der heißen Quelle vor Ishkashim sind ihren letzten Urlaubstag hier, die Wiener Motorradfahrer, die wir in Dushanbe getroffen hatten, warten hier auf Ersatzteile, der Holländer Motorradfahrer, der nach Nepal zu seiner Frau unterwegs ist, sitzt hier im Garten und das englische Ehepaar, dass in der Rente nun von England nach China unterwegs ist und die wir gleich am ersten Tag in Dushanbe getroffen hatten, warten hier auf ihr Chinavisum. Franz und Brigitte aus Österreich, denen wir ins Sarytash begegnet sind treffen wir am Frühstückstisch.

Irgendwie fühlt es sich an wie eine große Familie und man nimmt Anteil ab den Geschichten der Anderen, lauscht auf deren Erlebnissen, tauscht Infos aus und freut sich am „Klatsch und Tratsch“.

Osh, die mit 230000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Kirgisistans, liegt im fruchtbaren Fergana Becken auf einer Höhe zwischen 870 und 1100 Hm. Hier leben zu gleichen Teilen Kirgisen und Usbeken, zahlreicher Russen, Türken, Tartaren, Tadschiken und andere Minderheiten. Ein Ort mit einer bunten Bevölkerung!

Leider ist in Osh nicht mehr viel vom Seidenstraßenglanz vergangener Tage geblieben, keine alten Bauten mehr, die an Karawanenzeiten erinnern, viele moderne Plattenbauten lassen eher russisches Großstadtfeeling aufkommen. Der Dshajma Basar, einer der größten Zentralasiens, hat uns etwas entschädigt.

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Und auch der Spaziergang zum Sonnenuntergang auf den Sulajman Too Felsen, von dem aus wir Osh von oben sehen konnten hat uns dann doch noch mit Osh anfreunden lassen. Egal von welcher Richtung man sich der Stadt nähert, immer sieht man zuerst dieses Felsmassiv. Aufgrund seiner historischen und religiösen Bedeutung wurde das Ensemble im Jahr 2009 zum UNESCO Kulturerbe ernannt.

Bei Bortsch und Schaschkik versuchen wir unsere Eiweißdepots wieder aufzufüllen, meine Söhne meinen ich solle mehr essen, na gut tu ich das halt 😊

so fleißig!!

Im Garten des TES Hotels bleibt genügend Zeit zum Räder pflegen, abhängen und die Seele nachkommen lassen 😊 Erst wenn man sich zwischendurch die Zeit gönnt mal nichts zu tun, merkt man wir gut sich das anfühlt.

Was die nächsten Tage bringen wissen wir selber noch nicht so genau. Wir wollen an den Songkul und weiter an den Issyk Kul, dort auch noch wandern. Die Strecke werden wir noch studieren, vielleicht ein Auto für die steile schlechte Straße suchen, schaun mer mal 😊

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