5 Tage Trekken durchs Tersky-Alatau-Gebirge 

Die Wanderung durch das Tersky-Alatau-Gebirge war ein „offenes Projekt“ für Johannes. 2001 war er mit Annegret, Sabine und Dirk vom Karlsruher Alpenverein schon mal hier unterwegs, als am 11.09. in New York 2 Flugzeuge in die Twin-Towers flogen. Obwohl das am anderen Ende der Welt passierte machten die USA schnell islamistische Kräfte aus Zentralasien verantwortlich und auf Anraten der Deutschen Botschaft in Bischkek flogen wir dann auch früher nach Deutschland zurück.
Mittlerweile hat sich touristisch hier auch einiges getan. Statt russischer Kartenskizzen gibt es halbwegs taugliche Wanderkarten, man kann die Touren bei Hauser oder lokalen Anbietern buchen und entsprechend kann es während der Saison an den Campsites auch mal eng werden.
Wir tragen unser Gepäck selbst und die Saison ist auch vorbei. Oben soll es laut Tourist-Information schon hüfttief geschneit haben und angeblich wurden am Ala-Kul-See auf 3500 m minus 16  Grad gemessen. Die Wetterprognose sah aber gut aus und wir lassen uns vom Taxi in den „Kurort“ (das deutsche Wort hat sich ins Russisch eingeschlichen) Jeti Ögyz, den Startpunkt der Wanderung bringen. Dort steht ein riesiger gespaltener Sandstein, Spitzname „gebrochenes Herz“ mit dazu passender Sage.

Kaum losgelaufen nehmen uns ein paar Holzfäller auf ihrem Laster mit, was uns einigen Talhatsch erspart. Am Talende zieht der Weg dann noch hoch bis auf 3000 m. Nachts ist es frostig und am nächsten Morgen ist das Wasser in den Trinkflaschen gefroren. Mit Stirnband und Handschuhen gewappnet steigen wir zum Teleti-Pass auf 3759 m auf. Die letzten 200 Höhenmeter geht’s durch Schnee, aber glücklicherweise deutlich weniger als nach den Schreckensmeldungen der Tourist-Informationen. Auf der Ostseite hat es weniger Schnee, so dass auch der Abstieg durch das weite Tal unproblematisch ist. Die Jurten auf den Hochalmen sind alle schon abgebaut, wir sehen nur noch die Kreise im Gras. Zuletzt führt der Pfad direttissima steil runter ins bewaldete Tal des Karakol-Flusses. Unten der blau sprudelnde Fluss, an den Hängen die schlanken Säulenfichten und am Talende die vergletscherten Bergspitzen – Traumkulisse! In einer Flussschleife bauen wir unser Zelt auf – für’s Waschen ist uns der Fluss zu kalt!

Am dritten Tag merken wir langsam, dass der Rucksack durchs Wegessen leichter wird. Die 1100 Höhenmeter zum Gebirgssee Ala-Kul schaffen wir recht schnell. Der obere Teil ist ziemlich steil und steinig und wir wundern uns schon mit was für Schuhen andere Wanderer hier manchmal unterwegs sind – nicht selten liegen auch abgelöste Sohlen oder zerrissene Schuhe am Wegrand.

Der Ala-Kul-See hat eine intensive Türkisfarbe und am hinteren Ende endet der Gletscher Takir Tor. Wir speichern viele Megabyte an Bildern auf unserem Foto und schaffen es dann gerade noch rechtzeitig vor einem Gewitter unser Zelt aufzubauen. Es graupelt etwas, aber zum Glück kein Schnee vor dem nächsten Pass. Die Nacht am See ist dann auch nicht so kalt wie befürchtet und nach dem Gewitter werden wir wieder von der Sonne geweckt.

Die letzten 400 Höhenmeter zum Ala-Kul-Pass (3860 m) sind schneefrei und wir sind schnell oben. Noch einmal genialer  Panoramablick über See und Gletscher. Aber dann der Blick auf die Ostseite des Passes : dort liegt noch viel Schnee in der sehr steilen Abstiegsrinne. 150 Tiefenmeter in ca. 50 Grad-Gelände erhöhen unseren  Adrenalinpegel, zumal uns vor zwei Wochen von einem Absturz an dieser Stelle erzählt wurde.

Panoramablick vom Alakulpass

Wir ziehen unsere Radgamaschen an und steigen denn Stufe für Stufe tretend und hochkonzentriert die Schneerinne bergab. Von unten sehen wir, dass es auch eine flachere Variante gegeben hätte. Ab dort geht es dann wieder über die Bergwiesen und durch den Wald viele Tiefenmeter abwärts zum Arashan-Fluss.

Die Ebereschen färben sich schon rot und einige Büsche wechseln in leuchtend gelb – wunderschöne herbstliche Stimmung !

Ein Boot hier am Berg, das schließe ich aus

Auf 3200 m leuchtet von fern ein gelber Fleck. Ein Boot sagt Birgit, aber das schließe ich aus logischen Gründen aus. Aber Birgit hat Recht – da liegt tatsächlich ein gelbes Holzboot fernab schiffbarer Gewässer, der Ala-Kul-See liegt erst jenseits des 3900 m hohen Passes, von dem wir ja gerade erst heruntergestiegen sind. Des Rätsels Lösung erzählt uns ein Träger, den wir fragen: am Ala-Kul-See sollen tatsächlich Ausflusbootsfahrten angeboten werden! Zwei Holzboote haben sie schon mühselig über den Berg getragen und die anderen zwei liegen noch hier.

Säulenfichten im Nationalpark

Im Örtchen Altyn-Arashan gibt es heisse Quellen und nach vier Tagen ohne Dusche buchen wir ein Becken zum Aufwärmen und Reinigen…

Bei Elza im Guesthouse genießen  wir die Hot Springs Nr 5, können zu Abend essen  (Borscht) und nutzen den frühen Abend um noch ein paar Kilometer weiter unser Zelt fernab des Ortes aufzuschlagen. In der Nacht regnet und graupelt es, Morgen scheint aber gottlob wied am er die Sonne. Aber die Bergspitzen sind überpudert. Gut, dass wir  den Pass gestern überquert haben. Der Weg am Arashan Fluss nach Ak Su ist kurzweilig und für Wanderer sehr idyllisch.  Die Jeeps schaukeln aber sehr über die Steine und Matschlöcher.

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