Kasachstan,  wir kommen 

Während unsres Pausentags in Karakol hatte das Wetter umgeschlagen. Nachts regnete es heftig, und auch tags hatte es immer wieder Schauer. Es schneite weit nach unten; wie gut, dass unsere Wanderung so gut funktioniert hat und wir den Regen im Hotel, mit Dach über dem Kopf, aussitzen konnten.

Die ersten Kilometer hinter Karakol genießen wir den Blick in die verschneiten Berge, die Wolken sind weit weg.

Wir biegen in ein wunderschönes Hochtal ab. Da vergisst man fast, dass es nach oben geht. Grüne Hochalmen, tolles Panorama, grün wohin man schaut. Johannes meinte,:“komisch, dass die Kühe gar nicht mehr hier oben stehen, es ist alles so fruchtbar und saftig grün.“ Einen Tag später sollten wir wissen warum.
Der Anstieg war sanft, dafür die Abfahrt umso steiler. Unten angekommen hatte ich den ersten Platten auf dieser Reise. Johannes musste sein Rad schon im Pamir flicken.

Mit Rückenwind gingen die Kilometer zügig, aber plötzlich wie auf Knopfdruck wechselte der Wind die Richtung. Heftiger Gegenwind mit Böen, es wurde kälter, dunkle Wolken begannen aufzuziehen und wir beschlossen schnell einen Zeltplatz zu suchen. Kaum war das Zelt aufgebaut begann es zu tröpfeln.
Ich meinte: „es riecht nach Schnee“. Johannes hat nur gelächelt und meinte:“ ja, ja, Fräulein Birgits Gefühl für Schnee“.

Der Regen auf dem Zeltdach klingt irgendwie ganz heimelig, wenn man weiß, dass das Zelt dicht ist. Aber plötzlich änderte sich das Geräusch und schnell war klar aus Regen wurde Schneeregen und dann…
In der Nacht hat Johannes mehrmals den Schnee vom Zelt geklopft, irgendwann haben wir dann aber fest geschlafen, es war auch echt kuschlig warm. Welch Überraschung morgens beim Aufwachen, eine dicke Schnee/Eissschicht lag auf dem Zelt und hat es uns innen warm gemacht. (Die Zeltstangen waren ziemlich durchgebogen unter der Last)

Na, wer hat den guten Riecher? 😀😀 Birgit’s Schneenase😉
Bald war klar: heute starten wir später und hofften auf die Kraft der Sonne. Sie hat uns dann auch nicht im Stich gelassen, wir konnten das Zelt fast trocken einpacken.
Wir mussten uns aber warm anziehen: Regenhose, Regengamaschen, Regenjacke und warme Handschuhe – los ging’s. Die Straße war gottlob schneefrei. Wir haben jeden Kilometer genossen,  der Blick auf die Berge war wunderschön,  mit Schnee waren die Gipfel des Tien Shan noch viel schöner!!

Warum machen uns die Länder den Abschied so schwer. Gegenwind in Tadschikistan, Schnee in Kirgisistan!?

Aber es geht weiter, Kasachstan wir kommen.
Und bald schon war die Grenze erreicht. 

Mit viel Wehmut verabschiedeten wir uns von den kirgisischen Bergen. Wir passierten den kirgisischen Zoll und wechselten 20m weiter zu den kasachischen Grenzern. Nach Passkontrolle, Stempel und nach einer sehr pro Forma Drogenkontrolle unsres Gepäcks konnten wir passieren. Na – was würde uns dieses Land bringen?
Erstmal eine sch… Straße 😀, die neue ist im Bau, die alte aber bedeutete 15 Km Gehoppel, durch Pfützen, bis wir dann endlich wieder auf Aspalt unterwegs sein durften – dafür mit Gegenwind.
Die Menschen hier sind anders, viele kommen zu uns und begrüßen uns, finden es toll, dass wir ihr Land bereisen, sind interessiert an unserer Reise. Autos halten an, nur um uns eine gute Reise zu wünschen. Dabei bekommen wir so nebenbei noch Kurut, den getrockneten Käse zugesteckt.
In Kegen (russ:кеген)
müssen wir uns mit frischen Lebensmittel eindecken und stellen fest, dass man sich auch immer wieder an die neue Währung gewöhnen muss. In Tadschikistan: Somoni (1€ = 10,7 Somoni), in Kirgisistan: Som (1€ =   78 Som) und nun Tenge. Hier sind die Einheiten noch größer, 1 € entspricht ca 400 Tenge, und die Scheine beginnen bei 200 Tenge, da hat man ein dickes Bündel Geld im Sack und es ist fast nix wert😉).

In Usbekistan wird 1€ dann knapp 9200 Sum sein.

Hinter Kegen finden wir einen Zeltplatz mit Blick auf die Schneeberge des Tien Shan, in der Hoffnung auf eine wärmere Nacht. Nix, der Gegenwind von tagsüber wird zum kalten Wind ums Zelt herum, wir suchen schnell Schutz im Zelt und  kochen Abends im (nicht wie sonst vorm) Zelt. Der nächtliche Frost mit Eis auf dem Zelt lassen auch diese Hoffnung im Keim ersticken. Erstaunlich wie gut wir trotzdem immer schlafen.

Nur Packen und Zeltabbau mit klammen Fingern und Handschuhen lassen bei mir das Verständnis für Urlaube auf Kreuzfahrtschiffen aufkommen. Warme Kajüte, nicht immer anstregen, manchmal zu schön um wahr zu sein. Dann aber wieder der Blick auf die Berge, die Pferde, die am Zelt vorbei galoppieren und ich weiß, es ist schon alles gut so wie es ist.
Und wieder geht’s weiter, ein neuer Tag, das nächste Spannende zu sehen.
Wir wollen in den Charyn Canyon. Doch vorher geht’s wieder einen Pass nach oben, dann kurz runter zum Abzweig. Und welch Überraschung, mal keine schlechte Straße. Nein, diese Straße ist ganz neu gebaut! Nagelneuer Asphalt, 10km vom Feinsten, wenn nur wieder der Gegenwind nicht wäre. 💨💨 Treten bergab, so ein Krampf.
Aber auch das war irgendwie geschafft, am Eingang zum Nationalpark mussten wir 740 Tenge Eintritt zahlen und dann war er auch schon direkt vor uns: der „Grand“ Canyon Kasachstans.

Wow, die Piste soll ich runter radeln? Wir fahren durch das valley of castles und bestaunen die großartigen Felsformationen.  Das erste Stück war so steil bergab, dass ich sogar beim Schieben Probleme hatte Kontrolle über das Rad, meine Beine… zu behalten. Und dann soll man ja auch noch schauen 😀 Wie Johannes das immer macht! Und der fotografiert auch noch dabei.

Weiter gings nach unten, und den Gedanken, dass ich das alles ja auch wieder nach oben muss,  habe ich ganz weit verdrängt.
Direkt am Fluss gibt es die Möglichkeit Zelte aufzustellen.
Natürlich kann man auch ins Yurtcamp oder einen Bungalow mieten. Mit „Trucks“ werden die Touristen vom Parkplatz nach unten gebracht – sieht irgendwie so aus wie die Bimmelbähnchen in allen Touristen Hotspots, nur eben auf LKW Basis.

Wir haben die Annehmlichkeit eines Restaurants genutzt und bei einem Bier ( und das schon am Nachmittag 😉) die Seele baumeln lassen. Wir genießen die Relax Musik, die uns Karin und Holger mitgegeben haben (Rubrik Relax) und finden: hier werden wir morgen einen Tag bleiben.🍻☀🏕🏖👙
Bei den vielen Bildern, die Johannes gemacht hat, gibt’s auch für euch Eindrücke.

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Ach ja, und erst ist es uns gar nicht sofort aufgefallen, aber Johannes meinte, irgendwas ist hier anders. „Wow, hier im Land hat es Mülleimer.“ Und wirklich überall sehen wir nagelneue Mülleimer. Nur müsste noch jemand den Kasachen erklären, wozu die gut sind😀😀😀😀!

Und diesen Tag Pause haben wir so richtig genossen: im Canyon rumkraxeln, ohne Ende Bildmaterial,  Räder putzen ( der Matsch der letzten Tage musste abgeklopft werden), baden, Kaffee trinken,  ein Bierchen genehmigen, am Fluss werden wir von einer 60 jährigen Kasachin (selber Touristin aus Almaty) angesprochen,  sie studiert noch Deutsch und will nächstes Jahr nach München fliegen. Sie umarmt uns herzlich und meint dieser Platz wäre magisch, die Natur so wunderschön. Und er würde so wie wir, in ihrem Herzen bleiben. Wow!

Mit einen Ingenieur aus Almaty ,  mittlerweile Businessman, unterhalten wir uns lange. Er hat ein Patent auf Jurten,  die man wie einen Sonnenschirm aufspannt. Es ist geschäftliche hier.  Für eine große Reisegruppe wurden noch Jurten benötigt und er hat drei Jurten aus Almaty hierher gefahren. Abends bekommen wir von ihm und seinem Team kasachisches Essen am Zelt vorbei gebracht, Серене: Kartoffeln mit Rindfleisch und viiiiiel Fett. Dauernd nur Nudeln, das wäre doch nichts, meinten Sie (das Fett haben wir dann trotzdem nicht mitgegessen).
Erst zwei Tage Kasachstan und schon so viele liebe Menschen getroffen!

Gleich am nächsten Morgen kommt die nächste Einladung, Tourorganisatorinnen (sie haben gerade eine 48 köpfige Gruppe von Landwirten aus Polen,  gesponsert von Syngenta, 4 Tage durch Almaty und Umgebung begleitet. Bei einem zweiten Frühstück haben wir tolle Gespräche.

Von einem belgischen Radlerpärchen, das wir am SongKul getroffen hatten,  bekamen wir den Tip nicht die große E 012 nach Almaty zu nehmen,  sondern vor Malibay an den großen Almaty Kanal KB 49 abzubiegen. Der Tip war goldwert!! Fast keine Autos! Die Straße schlängelt sich leicht auf und ab am Hügelrand, links der Blick auf schneebedeckte Berge, rechts die fruchtbare Ebene mit Gemüse- und Obstplantagen. Ein echter Genuß, drei Tage fast wie auf einem Fernradweg.

In Almaty haben wir uns für eine Woche eine Ferienwohnung gemietet. Es ist doch einiges zu organisieren: Iranvisum organisieren , Turkmenistan Visum beantragen , neuer Rechner ist endlich fällig,….

Das erste mal seit Beginn unsrer Reise,  dass wir irgendwo länger bleiben.

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