Hühnchen im Schlafwagen und wahre Geschichten aus 1001 Nacht 

Auch wenn uns so manch Einer Märchen erzählen und einen Bären aufbinden wollte, erzahlen wir euch wahre Geschichten über das Reiseleben: Samarkand,  Buchara und Chiwa – Perlen der Seidenstraße

Samarkand

Nach kurzem Aufenthalt in Tashkent sind wir mitten in der Nacht mit dem Zug in Samarkand angekommen. Die 4 Stunden Zugfahrt von Tashkent nach Samarkand hatten wir uns das Abteil mit 2 älteren Männern geteilt. Sie hatten die beiden oberen Betten gebucht und wollten die Nachtfahrt nutzen, um am anderen Tag in Urgench zu sein. Nach 30 Minuten Zugfahrt packten sie ihr „Abendessen “ aus: das gegrilltes Hähnchen, fetttriefend, wurde auf das Tischchen gelegt. Wodka und Cola dazu gestellt. Dazwischen stand der Schwarztee aus dem Samowar, der in den Zügen hier oft im Zugflur steht. Natürlich wird mit den Fingern gegessen und zum Saubermachen der glänzenden Finger musste Brot oder die Tagesdecken der unteren Betten (das waren leider unsre!) herhalten.

Zugfahrt

Na denn Prost!

Nach kurzer Zeit waren die Flasche Wodka und das Hähnchen aufgegessen/leer getrunken und die Stimmung immer lustiger. Als Nachtisch gab es Äpfel. Wir sollten unbedingt usbekische Äpfel probieren, meinten Sie, das wären die besten überhaupt. Aber Äpfel, die nach Hähnchenfett riechen und glänzen, wollten wir nicht. Sie konnten das überhaupt nicht verstehen und (durch den Alkohol etwas lustiger) schoben mir fast Apfelschnitze in den Mund. Erst als ich wirklich laut wurde, „herzlichen Dank, aber ich will WIRKLICH nichts“ und ziemlich genervt das Abteil für 2 Minuten verlassen habe war Schluss. Betretenes Schweigen. Ruhig wurde es dann erst als die Beiden, ziemlich gelenkig!, nach oben in ihre Betten kraxelten und nach kurzem Palawer oben, einschliefen. Zwei ruhige Stunden noch, ratternd bis Samarkand.

Mit unseren Stirnlampen (zum Sehen der riesigen Schlaglöcher, einige Gullideckel fehlten komplett! Wehe dem der da reinfährt) auf den Helmen sind wir vom weit außen liegenden Bahnhof ins Zentrum geradelt. Dort fast in Blickweite des Registans lag unser B&B.
Abends um 23:00 mussten wir uns den Registan mit niemandem teilen. Das sollte die kommenden Tage anders werden. Im Hostel angekommen ( nach 18 Stunden Zugfahrt/ unterwegs) wollte ich nur noch ein Bett. Aber welch „nette“ Überraschung unser, über booking.com, gebuchtes Zimmer sah plötzlich so ganz anders aus als auf den Bildern. „Oh sorry uns ist ein Fehler unterlaufen, nein es ist nur noch dieses Zimmer frei, aber morgen könnten wir das bessere Zimmer haben, und das Bad wäre dort dann auch o.k. I’m so sorry“.
Also gut, irgendwo müssen wir ja schlafen. Mittlerweile war es Mitternacht. Wo sind Bettdecken? Keine zu finden und niemand mehr da zu fragen! (Hintergrundinfo: In Zentralasien war gerade ein Kälteeinbruch und auch in Samarkand sanken die Temperaturen nachts bis zum Gefrierpunkt), das Hostel liegt in der Altstadt und hat Entwicklungspotential in der Bausubstanz, alles etwas feucht.

B&B Bahodir.jpg

B&B Bahodir

Und es war saukalt. Wie gut, dass wir unsere dicken Daunenschlafsäcke dabei haben. Nach der frösteligen Nacht war klar, hier schlafen wir sicher keine zweite Nacht mehr. Und beim, dann wirklich guten, Frühstück hörten wir von anderen Leidensgenossen, dass sie die ganze Nacht gefroren hatten. Denn sie hatten nicht das Glück eigene Schlafsäcke dabei zu haben. (Ist ja auch eigentlich nicht Sinn der Sache.)  Das “ bessere“ Zimmer war plötzlich doch nicht frei. Da wir für drei Nächte gebucht hatten, mussten wir nun klar machen unter solchen Bedingungen würden wir nicht bleiben. Nach etwas Diskutieren war schlussendlich beim Bruder 100m entfernt ein Zimmer zu haben. Warme Decken, warmes Wasser, sauber – na geht doch! Ende gut alles gut!

Samarkand ist unglaublich, an jeder Ecke blitzt eine weitere blaue Kuppel, eine weitere majolikaverzierte Fassade durch. Hier lassen wir aber lieber unsere Bilder sprechen:

 

Und hier mehr:

 

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Wir wurden von sehr vielen jungen Menschen angesprochen: sprecht ihr englisch, sprecht ihr deutsch, dürfen wir mit euch sprechen und üben.

 

Am letzten Abend in Samarkand durften wir noch ein Highlight miterleben. Eine große japanische Reisegruppe hatte für eine mega Lasershow am Registan bezahlt (die Entstehung der Menschheit bis zur Jetztzeit und Usbekistan und Samarkand mittendrin in 15 Minuten). Für diese Gruppe wurde dann auch der ganze Platz vorm Registan bestuhlt und für uns Nichtzahler abgesperrt (es gab genug Milizia, die das auch streng kontrolliert hat). Aber von etwas Entfernung konnten wir dieses Spektakel verfolgen . Super!!!!

 

Das Gänsehautfeeling aber hatte ich am Abreisetag, als ich mit dem Rad an all diesen so genialen Bauwerken vorbei geradelt bin. Riesige Majolikafassaden, blaue Kuppeldächer und wir mittendrin. Uff!

Buchara

Die Busfahrt verlief super easy. Am Busbahnhof angekommen, gleich beim ersten Bus, winkt Johannes. Was will er mir nur sagen? Wie? Beeilen? Warum? „Der Bus fährt nach Buchara, wir können einsteigen, die Räder dürfen wir unten ins Gepäckfach stellen, ohne umbauen, beeil dich er fährt in fünf Minuten los.“
Wow!
Und keine 4 Stunden später hat uns der Busfahrer in der Innenstadt von Buchara abgesetzt. Und schon standen wir am Labi Hauz, dem zentralen Wasserbecken um das die Innenstadt angelegt ist. Sehr gut, es kann auch mal ganz einfach gehen! Nach einem Cappuccino am Wasser haben wir dann unsere Unnterkunft aufgesucht. Tja, und auch diesesmal sind wir nach einer Nacht umgezogen. Es kann halt doch nicht immer geradlinig gehen😀😀
Das versprochene 2 Zimmer Studio mit Küchenzeile hat sich als Zimmer im 1. Stock rausgestellt, das mit der Familie im Erdgeschoß gemeinsam bewohnt wird. Familienanschluss quasi. Die versprochene Küchenzeile gabs nicht. Im Bad (1,5qm) fehlten Waschbecken, Spiegel, … Die Mikrowelle im Anbau nebendran wurde uns als Küche erklärt. Die Krönung war heute Morgen als Johannes sich in der kleinen Duschwanne im Hocken rasieren musste, weil der Wasserhahn dort so niedrig war. Nun haben wir gleich nach dem Frühstück, das zweite Mal, ein Zimmer so schnell gewechselt. Das neue Hotelzimmer haben wir uns vorher gut angeschaut, und es war wirklich super! Wir haben sofort für die beiden Nächte nach Khiva ein Zimmer reserviert. Wir hatten nämlich beschlossen,  die Räder in Buchara stehen zu lassen,  um dann, nach Nukus und Khiva, zurück zu kommen. Da wir nur über die Grenzstation bei Buchara dürfen.

Auch Buchara ist genial, völlig anders als Samarkand! Viel lebendiger und trubliger. Die Café’s die wir in Samarkand lange gesucht hatten, gibt’s hier zuhauf. Schöne Dachterassen mit grandiosen Ausblicken, die zum Verweilen einladen.
Uns geht’s trotz Irrungen und Wirrungen super. Nur a bisserl viel Touristen gibts hier. Und sooooo viele sprechen deutsch😉😉 Die selbe japanische Reisgruppe ist auch wieder da. 😂😂
Wir waren viel Bummeln, Entdecken und Staunen. Auch hierzu zeigen wir euch besser die Bilder 😉

 

 

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Nukus

Mit dem Taxi haben wir uns nach Nukus bringen lassen. (560 km – 7,5 h Fahrt ). Hier sahen wir entlang der Straße mal wieder Kamele. Oder waren es Dromedare?
In der Raststätte unterwegs gab’s Plov😁 mit Salat, wie sollte es auch anders sein und mal wieder anders zubereitet. Für umgerechnet 4€ haben der Fahrer und wir gegessen und Tee getrunken 👍

Und wenn ihr glaubt,  dass das Radln das anstrengendste beim Unterwegssein ist, dann irrt ihr sehr😉
6 Stunden Taxifahrt mit Bonny M, Modern Talking, Bananarama, Aqua mit Barbie Girl,…  und alles in der Dauerschleife – das hält keine Sau aus!!
Raststätten Toiletten, mega eklig – lieber hintern Busch unterwegs pinkeln (da sind die Zugtoiletten im ICE sauber dagegen) Die Toiletten in den Touristen Hot Spots waren dagegen immer top👍👍
Mit asiatischen Reisegruppen im Museum – die fegen dich aus dem Weg!
Aufdringliche Verkäufer,  die dir Fellmützen und andere Staubfänger andrehen wollen

Nukus, das liegt in Karakalpakstan,  einer autonomen Republik in Usbekistan, ist eine wenig attraktive Stadt. Es liegt abseits des Touristenstroms in einer Sackgasse. Es wird viel gebaut und gehupt.

Touristen kommen nur hierher um das Savitzky Museum (das Louvre der Wüste) oder den „fehlenden“ Aralsee  zu besuchen. Mittlerweile liegt das Ufer des Aralsees 1 ganze Tagesfahrt entfernt. Die Werften und Fischfabriken liegen auf dem „Trockenen“. Der einst blühenden Oase fehlt das wichtige Nass. Zu viel Wasser wird dem See für die Bewässerung der Baumwollfelder abgezapft. Der ehemals gut wasserführende Amudarja (den wir in Tadschikistan als Panj über Tage entlang radeln durften) ist hier mittlerweile zum Rinnsal geworden , der dann Richtung Aralsee ganz versickert! Das Verschwinden des Aralsees gilt als größte von Menschen gemachte Naturkatastrophe. Die vom Wind fort geblasenen Herbizide lassen sich sogar bei Pinguinen in der Antarktis nachweisen. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch (7,5%)! Mehr in Wikipedia, interessant aber erschreckend!!!

 

Wir nehmen den Abstecher von zwei Tagen in Kauf, denn das Savitzky Museum wurde uns von so vielen Menschen auf unserer Reise ans Herz gelegt. Es soll das bestbesuchte Museum Usbekistans sei und die größte Bildersammlung verbotener sowjetischer Kunst enthalten. Savinsky konnte unzählige Gemälde vor der „Säuberung“ unter Stalin hierher retten. Die Sammlung von „entarteter Kunst“  so am Ende der Welt war wohl für Moskau unbedeutend oder uninteressant. Hier hängen Bilder von russischen,  usbekischen und karakalpakstanischen Malern.
Blauäugig wie wir waren,  hatten wir kein Hotelzimmer reserviert.  In keinem Hotel war ein Zimmer frei. Kurzerhand wurde uns von der Rezeptionisten im Jipek Joli Hotel ein Zimmer bei einer Familie privat organisiert. So haben wir Ayimgul und ihre Familie kennengelernt. Wir durften bei Ihnen im Wohnzimmer schlafen und haben uns sehr wohlgefühlt!

Khiva 01

Khiva

bzw.die ummauerte Altstadt ist ein großes Freilufttmuseum😂

Hier wird für uns Touris das Leben und Treiben der Seidenstraßenzeit präsentiert . Und man bekommt hier jeden erdenklichen Staubfänger angedreht! Es wimmelt tagsüber nicht nur vor Touristen sondern vor genauso vielen Verkäufern. Nach Sonnenuntergang wird es aber ruhig und da gehörte uns die Altstadt fast alleine!

Unser Hotel, in einer alten Karawanserei untergebracht, lag direkt am Westtor des Altstadtringes. Also konnten wir alles bequem fußläufig abklappern. Diesesmal mussten wir nicht gleich wieder umziehen 🙂

 

Gleich bei uns am Westtor konnte man das zweitages Museumsticket erstehen und dann in aller Ruhe alles abklappern. Hier haben wir auch Munisa kennen gelernt,  sie studiert Deutsch. Sie kommt aus Urganch jedes Wochenende hierher um mit Touristen deutsch zu üben. Ihre Schwester studiert auch Germanistik und war schon zu einem Austauschsemester in Freiburg!

 

 

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