„Isfahan – die Hälfte der Welt“

Der Pausentag am Kaspischen Meer hat uns sehr gut getan. Eigentlich könnten wir da auch ruhig zwei davon brauchen. Solche Pausen gönnen wir uns bei all dem Kilometer schrubben viel zu wenig! Aber das Wetter, das gestern so grandios war, ist umgeschlagen und es nieselt leicht. Besser doch gleich weiter zu fahren.

Wir sitzen nun in der Wartehalle der Busgesellschaft, um uns herum lautes Treiben. Leise geht hier gar nichts. Aber bei all dem Hin und Hergewusel hat jeder dennoch Zeit für ein freundliches Wort oder ein Lächeln. Johannes sitzt auf dem Boden an der Steckdose bei den Rädern und lädt sein Handy. Schon kurze Zeit später bringt ihm jemand einen Stuhl. Wie zuvorkommend!
Dann die andere Seite der Medaille :
Nachtfahrt mit dem Bus nach Isfahan. Am Mittag hatten wir Karten für den Nachtbus gekauft, auch erwähnt, dass wir Räder dabei haben. Wir bekamen Tickets und es hieß, fürs Gepäck müsse nichts extra bezahlt werden. Abends dann am Bus wollten der Busfahrer Geld für den Transport der Fahrräder haben und zwar unverschämt viel. Wir protestierten und gut wars erst als endlich die Räder verladen waren (das brauchte laaaanges Geplänkel, viel Nerven, schlussendlich haben wir dann etwas bezahlt und die Räder durften mit, das ging aber sicher 20 Minuten. Wer das Geld nun eingesteckt hat, war unklar, dafür gab es weder Ticket noch Beleg😉)
Die Fahrt war dann aber super. Bei den VIP Bussen sind nur 25 Plätze eingebaut,  man hat viel Platz und kann die Sitze auf Liegeposition stellen. So konnten wir relativ entspannt schlafen und kamen einigermaßen ausgeruht in Isfahan, einer der Partnerstädte von Freiburg, an.
Dort genossen wir die wunderschöne Morgenstimmung am Meydan-e Naqsh-e Jahan oder Meidan-e Imam.

Ein persisches Sprichwort sagt „Isfahan ist die Hälfte der Welt“, weil Isfahan einst eine sehr wichtige Handelsstadt war.

Der Meidan-e Imam ist ein großer Platz inmitten von Isfahan. (der zweitgrößte Platz der Erde nach dem Tianmen Platz in Peking). Umgeben ist er von einem doppelstöckigen Arkadengang. (Frühmorgens war es wunderschön ruhig, die meisten Läden noch geschlossen.) Am Platz befinden sich der Bazar, der Ali Qapu Palast sowie zwei Moscheen. Die kleinere Scheich-Lotfollāh-Moschee auf der östlichen Seite gehört mit zu den schönsten Moscheen im Iran.
Sie ist im inneren mit kostbaren blauen Kacheln auf beigem Grund verziert, die Blumenmuster zeigen.
Sie war die Privatmoschee der Königsfamilie der Safawiden und wurde von den Frauen am Hof benutzt, deshalb auch Frauenmoschee.

Am südlichen Ende befindet sich die größere Jame Abassi Moschee. Ihre Kacheln sollen die schönsten Persiens sein. Mir war sie zu überladen, zugegeben ob ihrer Größe beeindruckend.

Gegenüber der Frauenmoschee auf der westlichen Seite des Platzes befindet sich der Palast Aali Qapu. Von seiner Terrasse aus hat man einen grandiosen Ausblicken über den gesamten Platz.

In der Mitte des Platzes befindet sich ein riesiger Brunnen, der von einer schöner Grünfläche umgeben ist. Gerade wurden dort Unmengen von Stiefmütterchen eingepflanzt. Im Sommer picknicken dort abends unzählige Familien. Auch jetzt im Herbst konnten wir etliche Studentengruppen dort sehen, die nach den Vorlesungen im Gras zusammen sitzen.Isfahan liegt am Zayandeh „Fluss“ und hat  einige wunderschöne alte Brücken. Eine davon ist die Si-o se Pol. Sie wird auch Brücke der 33 Bögen genannt. Sie wurde wie vieles hier in der Safawidenzeit (um 1600) erbaut. Die Brücke ist, vor allem Nachts wunderschön beleuchtet, ein lohnenswertes Fotoobjekt und in Isfahan seeeehr beliebt. Der Fluss führt aber leider seit 2 Jahren kein Wasser. Schon echt seltsam über das ausgetrocknete breite Bachbett zu gehen und dort im Trockenen die Brücke stehen zu sehen! Wir hatten abends das Glück unter der Brücke den Musikanten zuhören zu können. Eine magische Stimmung!

Die Jameh Moschee auch Freitagsmosche von Isfahan genannt, ist definitiv einen Besuch wert. Sie hat uns fast am besten gefallen, da alle 4 Seiten (Iwane) so unterschiedlich dekoriert und dadurch super interessant sind!
Insgesamt sind in ihr viele Baustile verwirklicht, die im Laufe der Zeit Mode waren. Quasi ein großes Architekturmuseum.

Auf unserer ersten Bummeltour haben wir den Hasht Behesht Palast eher per Zufall entdeckt.
Hahst Behescht bedeutet so viel wie Acht Paradiese.Uns haben die tollen Wandmalereien dort sehr gefallen. Umgeben ist das Gebäude von einem schönen Park, dem Nachtigallengarten.

Dort haben wir einen 77 Jahre alten Mann, der vor 40 Jahren in Augsburg studiert und 8 Jahre dort gelebt hat, kennen gelernt. Er hat sich in korrektestem Deusch mit uns unterhalten und so gefreut mal wieder deutsch und etwas Dialekt zu hören. „Ja gruezi wohl Frau Stirnema“ hat er uns vorgesungen und jodeln konnte er auch. Ein echt intelligenter Mann, war super interessant.

Die Vank Kathedrale und das armenische Viertel haben wir per Rad erkundet and we survived. Der Verkehr ist gnadenlos! Sie ist eine armenisch-apostolische Kirche.  Das Äußere erinnert durch die Kuppel an eine Moschee, nur ist obendrauf ein Kreuz statt dem gewohnten Halbmond. Im Inneren befinden sich zahlreiche Fresken, die Szenen aus dem Leben Jesus zeigen. Das Bild des jüngsten Gerichts hat uns sehr an das Freiburger Münster und dessen Fries vom jüngsten Gericht erinnert.

Den Chehel Sotun Palast hatten wir uns für unseren letzten Tag in Isfahan vorgenommen. Er steht in einem sehr weitläufigen Park und spiegelt sich malerisch in dem großen Wasserbecken davor, so dass erauch 40 Säulen Palast genannt wird,  obwohl er nur 20 Säulen hat.

In Isfahan haben wir seit langem wieder wirklich guten Kaffee getrunken. Obwohl die Einheimischen Teetrinker sind, gibt es für die Touristen unzählige kleine feine Café’s. In einem sehr stylichen Café in einem alten Stadthausgarten lernen wir Pajman kennen. Er war früher Hotelbesitzer in England, ist nun in Rente  und in die Heimat zurückgekehrt und hat sich den Traum verwirklicht ein Café zu führen. Er gab uns den Tip (falls wir ein schönes altes Isfahanhaus sehen wollten) das Keryas Hotel direkt hinter der Jame Abassi Moschee Schah zu besuchen. Wow, ist das klasse!! Dort ist es unglaublich gut gelungen alte Bausubstanz zu erhalten,  den Charme dieses Hauses durch gelungenes Renovieren in Szene zu setzen. Und trotzdem wird mit modernen Bädern für den Komfort der Besucher gesorgt. Wir haben uns sofort in diesen Ort verliebt. 8 Jahre wurde liebevoll renoviert und letztes Jahr eröffnet. Von der Dachterasse sieht man auf die Moschee und auf der gegenüberliegenden Seite in die Berge. Wenn wir dieses Hotel vorher gekannt hätten,  wären wir hierher gekommen. Das Preisleistungsverhältnis stimmt zudem auch noch sehr.

Heute am 22.11. ist Isfahantag. Das bedeutete noch mehr Trubel, auf dem zentralen Platz gibt es Schau Polo. Polo wurde in Persien schon vor Christi Geburt gespielt und der Zentrale Platz wurde früher als Polofeld benutzt. Die Torpfosten kann man noch heute sehen. Menschen in altertümlichen Kostümen marschieren durch die Innenstadt.

Wir treffen auf unserer letzten Abschiedsrundtour Martina und Roman Vogler und Romans Papa aus der Schweiz und quatschen uns fest.
Sie sind auch mit dem Velo unterwegs. Sie wollen auch Richtung Dubai und im Oman „überwintern“. Schön, wenn sich unsere Wege nochmal kreuzen würden!!

Beobachtung am Rande: Auffällig viele Nasenpflaster zeigen, dass Frau Geld hat und sich eine Nasenkorrektur leisten kann. Wenn man nur sein Gesicht zeigen darf, soll das makellos sein. Wer dabei verdient, sind die Kosmetikindustrie und die Schönheitschirurgen. Keine Iranerin geht ungeschminkt aus dem Haus! Die Gesichter werden aber nur langweiliger, finde ich.

Nach vier Tagen Isfahan mit viiiiiel Kultur und tollen Begegnungen heißt es morgen wieder ab aufs Rad.

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