Johannes schickt mich in die Wüste…

… und lässt mich im Regen stehen.

Wir kommen zügig in Isfahan los. Da frühmorgens und dazu noch freitags (das ist hier quasi „sonntags“) ist gottseidank wenig los auf der Straße. Wir sehen nun endlich auch mal die Bergzüge, die Isfahan umgeben. Der Smog der Stadt bleibt hinter uns zurück und das Panorama der Bergrücken liegt wie ein Scherenschnitt vor uns.
Wir radeln kilometerlang an einer scharf bewachten „Nuclear zone“ entlang. Es geht zügig voran, wir trauen uns nicht zu fotografieren, auf die Karte zu schauen oder anzuhalten.
Die Gegend ist sehr trocken seit das Flusswasser für die Wasserversorgung in Yazd abgeleitet wird und nicht mehr für die Bewässerung der Landwirtschaft zur Verfügung steht. Es gibt einige (ökologisch umstrittene) Tiefbrunnen, aber die allermeisten Felder sind nicht mehr bewirtschaftet. Aus Protest haben die Bauern an den Ortseingängen ihre – nun nicht mehr benötigten – Traktoren abgestellt. Ob der stille Protest irgendwas bringt???

Vazaneh 002

nicht mehr benötigte Traktoren als Protest gegen das Wassermanagement

 

30 km vor Varzaneh sehen wir die im Reiseführer angekündigten Taubentürme. Die Scheiße der vielen Tauben wurde früher ( vielleicht auch noch heute) zum Düngen der Felder benutzt. Bioguano!
Hier in Varzaneh tragen die Frauen einen weißen Tschador (das hat wohl einen religiösen historischen Hintergrund.) Sieht aus als würden Gespenster durch die Straßen eilen.

Übernachten können wir in Varzaneh bei Mohammad auf der Dachterasse des Negar Guesthouse. Sein Angebot haben wir über „Warm Shower“ gefunden. Radfahrer können hier auf der Dachterasse kostenlos schlafen, und sowohl Dusche als auch Küche mitbenutzen. Mit Steinplatten vom Weg zum Beschweren, bauen wir mit Blick auf die Moschee unser Zelt auf. Hoffentlich werden wir nicht zu dehr von den Lautsprechern des Minaretts erschreckt😉 Unsre Frenchpress ist mal wieder im Einsatz und der Indische Kaffee, den wir in Isfahan erstanden haben, schmeckt super! Dazu gibts Gaz aus Isfahan, eine regionaltypische Leckerei. Dafür wird heutzutage aus Glykosesirup oder Klee-Honig zusammen mit Stärke und Eiweiß die Nougatmasse hergestellt, der grüne Pistazien oder Mandeln und Rosenwasser hinzugefügt werden. Ursprünglich benutzte man eine honigähnlichen weißen Substanz, die aus den Ausscheidungen winziger Insekten gewonnen wurde, die auf dem Gaz-Strauch leben. Schmeckt super!!!!! Auch die vielen Konditoreien bieten günstig zahlreiche Kalorienbomben an – wir bedienen uns gern!

 

Mit uns sind etliche Iraner aus dem nahen Isfahan hier. Sie haben durch 2 Feiertage ein verlängertes Wochenende und eine Tour gebucht. Sie verbinden den Wüstentrip mit gutem Essen und einem Kulturabend in diesem Guesthouse. Musikanten mit Trommeln und Tambourin sorgten für den Unterhaltungsteil. Hier sind die Menschen erstaunlich textsicher und so sang die ganze Truppe den langen Abend mit unglaublich viel Spaß ein Lied nach dem anderen. Für uns unverhofft eine Einführung in persisches Liedgut. Außer mitklatschen konnten wir leider nicht viel zur Stimmung beitragen.

 

Wir schlafen auf „Marmorboden“, der uns nachts zum Verhängnis wurde.
Mit vielem hätten wir gerechnet, aber ausgerechnet im Wüstenort Varzaneh eine durchregnete Nacht auf der Dachterasse in einer riesigen Pfütze zuverbringen ehrlich gesagt nicht. Da das Wasser nicht ablaufen konnte hat es von unten direkt ins Zelt gedrückt und unsere Isomatten durften Schwimmübungen machen. Das Trocknen war eine etwas größere Aktion! Gut, dass wir erst für den Nachmittag einen Ausflug in die Sanddünen und zum Salzsee geplant haben.

 

Leider hatten wir auch etwas Regen in den Dünen, kein Sonnenuntergang dort. Aber der Salzsee war sehr beeindruckend. Ein Vorgeschmack aud den Salar Uyuni nächstes Jahr.

SalzseePanorama

Panorama des Salzsees

Unser Tourguide Mojtaba hat uns auf dem Weg zu den Sanddünen noch „alte“ Steine gezeigt: Einen alten Taubenturm in dem wir hochsteigen konnten, einen Feuertempel aus der zoriastrischen Zeit, eine alte Zitadelle…
Für die Sanddünen hatte er ein „Sandbord“ dabei. Johannes ließ es sich nicht nehmen, auch im Stehen den Sandhügel runter zu cruisen. Er sei der erste, der das im Stehen probiert und auch noch geschafft habe! Dafür gab’s von Mojtaba dickes Lob.

 

Es hat leider auch die zweite Nacht durchgeschüttet und auch für den Tag ist Dauerregen angesagt. So hatten wir heute Nacht wieder in einem See auf dem Dach geschlafen. Vorsorglich hatten wir diese Nacht alle Sachen trocken im Haus gelagert, so dass nur Zelt, Isomatten und Schlafsäcke dem Nass trotzen mussten.
Die letzte Nacht waren wegen des langen Wochenendes alle Zimmer ausgebucht. Für heute Nacht ist aber ein Zimmer frei und wir beschließen lieber zu bleiben, den strömenden Regen hier im Trockenen auszusitzen, um dann morgen auf besseres Wetter zu hoffen.

Von Varzaneh weiter haben wir uns für die alte Straße nach Yazd entschieden.

Kurzer Tip: Für alle die nicht in Varzaneh in einem Hostel schlafen wollen gibt es außerhalb des Ortes, kurz nach der Abzweigung Richtung Black Mountain und Wetlands, rechts und links der Straße buschiges Gelände, dass sich gut zum Zelten eignen würde.

Die Straße ist super und außer einer handvoll Autos ist keiner unterwegs.

Da hier nix los ist,  fahre ich den ersten Tag im Iran ohne Kopftuch. Juhu!!

Unter denen wenigen Autos ist ausgerechnet ein Bus mit gackernden weiblichen Teenagern auf Klassenfahrt/Exkursion. Der Bus hält an und unter lautem Gekreische werden wir fotografiert. Nach unserm Satz „Man Iran ra dustaram“ (I love Iran) ist die Meute kaum noch zu bremsen. Dass ich ja gar kein Kopftuch unter dem Helm trage,  merke ich erst hinterher.

 

Kurz vor der Karawanserei Kargoosh hört der Teer auf, aber die Sandpiste ist größtenteils hart gefahren und kein Problem. 5 km vor der Karawanserei, unser Zeil für heute, ist linkerhand eine Quelle, das Wasser ist mininal salzig aber besser als an der Karawanserei direkt.

wp-1543464391431..jpeg

im Gleichtritt bergauf

Wir sind zeitig dort, so dass wir viiiiiel Zeit haben dort rumzukraxeln und alles gaaaaaanz genau zu erkunden. Sie ist erstaunlich gut erhalten und in einer ihren Nischen finden wir ein geniales Plätzchen für unser Zelt. Irgendjemand vor uns hatte dort schon Stroh verteilt,  so dass wir uns ein bisschen wie die heilige Familie fühlen.

Mit Elise und Olivier

Mit uns sind Elise und Olivier hierhergeradelt. Wir sind uns sofort sympathisch – erstaunlicherweise ist das nicht bei allen Radlern die wir treffen so. Es gibt auch bei den Reiseradlern unterschiedliche Typen und bei einigen springt der Funke sofort über. Bei einem Tässchen Kaffee tauschen wir Blogadresse, Reiserouten…  aus, sie haben bis Dubai eine ähnliche Reiseroute wie wir, dann zieht es sie in den Oman und weiter nach Indien.  Schade, dass es zum zusammen sitzen und quatschen zu kalt ist. So verschwindet bald jeder in sein Zeit.

Aufbruch

Aufbruch am Morgen

 

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ab der Karawanserei ist die Straße sandig und hat die ersten 5 Kilometer einige weiche Schiebestellen (insgesamt ca 1km Schieben auf 5 km). Mich hört man dabei immer wieder laut fluchen,  Johannes nimmt die Schiebestrecken mit stoischer Gelassenheit hin. Danach geht es gut zu radeln. Ab km 20 kommt man bei einer Eisenerzmine wieder auf Teer.

Rechts und links des Wegs tauchen immer wieder wunderschöne Felsformationen auf. Wir genießen das Radeln in dieser Landschaft und die atemberaubenden Ausblicke.

Nach dem Ort Nadooshan geht’s bergab. Heute war der Wind uns sehr wohlgesonnen und hat ordentlich mitgeholfen. Bevor wir wieder in die Ebene Richtung Yazd kommen finden wir nach 85 km einen Zeltplatz am Fuße eines kleinen Hügels. So wie heute dürften alle Fahrradtage sein: kaum Verkehr,  tolle Landschaft, kleine schöne Straßen.

 

 

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Route Varzaneh-Kargoosh Caravanserai-Yazd: Informations for cyclists

This stretch is very scenic and there is nearly no traffic until the mine! We strongly recommend to take this road instead of the road over Nain.

The road is paved until 2 km before Kargoosh Caravanserai. The 2 km from there to the caravanserai and 5 km after the caravanserai are sometimes sandy, total distance to push the bikes was for us about 1 km. 20 km after the caravanserai (at the iron ore mine) the asphalt starts again. From there you are accompanied by the mine-trucks, which transport the ore to the steel-factory near Yazd. And from there on there is much downhill until 40 km before Yazd.

Water is available at a source 4,5 km before the caravanserai (a pool just 20 m left of the street, marked in Open Streetmap; it is slightly salty, but good enough for drinking). There is also water at the caravanserai, but this water is little bit more salty and dirty. The next water is available at the little village after the mine (open water pipes in the middle of the village). In this village is also a little shop with nearly nothing to buy. It is not easy to find, because there are no signs. It is located opposit the memorial and if it is closed go to the medicine next house (with persian inscriptions above the door), the medicine owns the shop. But is is best to bring all food for the whole stretch, as the villages later also had no visible stores.

You can camp nearly everywhere before the steel factory (100 km after the caravanserai), later it is not beautiful. And of course you should spent one night in the caravanserai (km 65 from Varzaneh)!!!

Dieser Beitrag wurde unter Iran abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.