Yazd – Stadt der Windtürme und der Zarathustrier 

Um unser Visum zu verlängern radeln wir zeitig und flott die letzten 65 Kilometer Richtung Yazd. Morgen ist Donnerstag und damit schon quasi der hiesige Samstag. Immer wieder vergessen wir, dass ja hier Do/Fr Wochenende ist.
Wenn wir das Office heute nicht erreichen müssen wir wahrscheinlich bis Samstag warten und verlieren einen Tag.
Das im Internet (Caravanistan.com) angegebene Gebäude sieht irgendwie zu aus. Nach einmaligem Umrunden finde ich jemand, der zwar meine Frage versteht, aber nicht in englisch antworten kann. Aber im Handumdrehen findet sich wieder jemand der übersetzt. Das ist Iran, es findet sich überall eine helfende Hand!
Das Büro für die Visumsverlängerung ist im Sommer umgezogen. Also wieder 5 km die gleiche Strecke zurück. Neuer Ort: Kreuzung Ferdowsi und Ayatola Khatami, Gebäude ist gut zu erkennen.
Dort verläuft alles erstaunlich unkonventionell.
Benötigt werden 2 Passkopien, Visumkopie, 2 Passbilder (für Frauen mit Kopftuch und ohne Brille 😂)
Der super nette Beamte akzeptiert meine Passbilder (ich hatte nur welche ohne Kopftuch) augenzwinkernd dann doch. Er meinte zwar er dürfe das eigentlich nicht, aber für Fahrradfahrer drücke er ein Auge zu. Seit Jahren hätte er sich vorgenommen mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Heute hätte er die 10km das erste mal tatsächlich geschafft, er wisse nun wie anstrengend das ist. Und er wolle nicht, dass wir nochmal los müssen. Die Gebühr für die Verlängerung sollten wir bei der Bank Melli einzahlen. Aber die wäre auch weit weg. Wenn wir das Geld cash hätten, würde er fragen ob jemand das mit seiner Bankcard für uns zahlen kann. Gefragt, getan und schwupps bekamen jeder von uns die Quittung über 345 000 Rial ausgehändigt. Nach Ausfüllen von 2 Formblättern und ein wenig Warten, hatten wir den Verlängerungsstempel nach 1 Stunde im Reisepass. Wow, das ging zackig und unkompliziert.
Da blieb doch glatt noch Zeit für einen ersten Altstadtbummel.

mit Visaverlängerung in der Tasche – glücklich nach dem Behördenmarathon

Hier in Yazd muss man unbedingt auf eine Dachterasse steigen (am besten mehrmals 😂😂) um die Windtürme und die nahen Berge besser zu sehen. Jetzt im November leuchtet uns der die 4.075 Metern hohe Shri Kuh schneebedeckt entgegen.

Die Jame Moschee mit ihren besonders hohen Minaretten ist ein Muss.

Dann sollte man sich durch die malerischen Gassen der Altstadt treiben lassen und auf Entdeckungstour gehen.

Sehenswert sind die vielen Wasserspeicher mit ihren Windtürmen und dort die steilen Stufen hinab zu den Wasserleitungen, den Quanaten. Von den Bergen wurde in komplizierten Leitungssystemen, den Quanaten, das Wasser unterirdisch bis in die Stadt geleitet. Der längste Quanat ist 85 km lang, steht unter UNESCO Weltkulturerbe und brachte Wasser bis zur Jame Moschee. (Besuch des Wassermuseums können wir dazu auch empfehlen)

So wird der allgeliebte Kristallzucker hergestellt :

Mit den Feuertempeln (hier brennt seit 1500 durchgehend ein Feuer, ähnlich unserem Heiligen Licht) und Schweigetürmen kann man in Yazd das zarathustrische Erbe besichtigen. In den Schweigetürmen wurden die Toten aufgebahrt und dann von Geiern gefressen. Dadurch vermied man die Verunreinigungen von Erde, Wasser und Luft. Elemente, die den Zarathustrier heilig sind.

Blick auf die zwei Schweigetürme

im Innern des Schweigeturms. In der Mitte wurden die Knochenreste „entsorgt“.

 

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