Durchs Zagrosgebirge nach Persepolis 

Die Etappe von Yazd nach Shiraz hat’s in sich. Es geht mal wieder in, durch und über die Berge.
Wir radeln auf schneebedeckte Berge zu und bei 2550 Hm erreichen wir die Schneegrenze. Ein Tunnel erspart uns weitere Höhenmeter und Schneekontakt. Alles was blinkt und leuchtet wird auf die Räder verteilt, damit man uns im dunklen Tunnel nicht übersieht. Hier bin ich mal froh um mein Kopftuch, das binde ich mir vor den Mund. Die Abgase der LKW sehen nicht nur gruselig aus, sie riechen auch so. Wir haben hier ein Grobstaubproblem😉. 3 km Tunnel, wir radeln in Rekordzeit, wie gut, dass es leicht bergab geht.

Die ganzen Tage sehen wir weiße Schneeberge um uns herum, wunderschön!!!!
Die Straße ist zum Glück wenig befahren. Es hat viele Felder und Obstplantagen aber kaum Dörfer. Im einzigen Laden weit und breit erstehen wir Milch, Saft und Kekse für den Kaffee. Unsere Frenchpress ist oft im Einsatz.
Wir zelten nach vielen Höhenmetern und einer Bergwertung (9% Steigung auf 5km) auf der Passanhöhe bei 2450 Hm. Der Ausblick ist traumhaft und wir sehen die Serpentinen, die uns morgen nach unten bringen werden.

Tagsüber wärmt die Sonne, so dass Johannes sogar kurzärmlig radelt, ich schwitze unter Kopftuch und langem Shirt. Aber ich will mich nicht beklagen, die Radlerinnen im Sommer müssen bei 30-40 Grad vollverpackt radeln.
Sobald die Sonne aber untergegangen ist, wirds knackig kalt. Mit Temperaturen um den Gefrierpunkt kriechen wir mal wieder gerne in die Schlafsäcke.
Wir verfolgen im kuschlig Warmen die Blogs der anderen Radreisenden. Roman und Martina aus der Schweiz sind jetzt in Yazd, Elise und Olivier aus Frankreich sind einen Radtag hinter uns. Die Beiden haben wir sofort ins Herz geschlossen, Oliviers Humor ist ansteckend und Elise strahlt eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit aus! In Yazd hatten wir uns nochmal zum Abendessen getroffen und gut unterhalten. Dank Google Translate können wir auch ihren Blog aufmerksam verfolgen.
Von einer Polizeikontrolle wurden wir heute unterwegs angehalten. Sina, der gerade seinen Militärdienst bei der Verkehrspolizei macht war nur neugierig und wollte sich mit uns unterhalten. Er ist eigentlich aus Shiraz und nur zum Militärdienst hier oben in Eghlid.

Telefonnummern werden ausgetauscht, Selfie gemacht und noch am gleichen Abend meldet sich Nazila, eine Bekannte von Sina. Wir können gerne bei ihr schlafen und sie würde sich freuen uns Shiraz zu zeigen. Auch das ist Iran. Du wirst gleich weitervermittelt und man kann sich vor Gastfreundschaft kaum retten. Großartig!! So schnell kannst du gar nicht schauen. Aber Nazira wohnt zu weit vom Zentrum entfernt und wir entscheiden uns für ein Hotel zentrumsnah. Aber am Nachmittag treffen wir uns mit ihr am Hafezgrab.
Die Abfahrt ist genial, wir radeln durch fantastische Felsformationen, an herbstlich verfärbten Reben vorbei und rauschen in die Ebene.

 

Unser heutiges Ziel ist die Nekropole der Achämeniden bei Naqsh-e Rostam.

Beeindruckend was da zum Teil schon 1800 vor Christus in den Fels gehauen wurde. Wir stehen ganz ehrfürchtig vor diesen Felsengräbern.

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Wir beschließen in der Nähe zu zelten, um die Nekropole morgen früh bei anderem Licht nochmal zu besichtigen.
Einkaufen für Frühstück ist erstaunlich schwierig. Haferflocken mit frischem Obst, mittlerweile unser Standard Frühstück, kennt hier niemand. Der letzte Vorrat aus Sari ist fast aufgebraucht. Dort hatte mich der Verkäufer gefragt was wir damit machen würden. Er verkaufe diese Tüten zwar, wisse aber nicht wozu das gut sein soll.😂😂. Das ganz flache Brot, das es hier gibt ist zum Frühstück nicht so der Bringer.

Wir freuen uns schon sehr auf den ersten Einkauf beim Bäcker Bühler!!!

Wir trinken hier gerne Dough (Mit Wasser und etwas Salz vermischter Joghurt, oft mit Pfefferminze zugesetzt), da er leicht salzig ist super gegen Durst. Den werden wir Zuhause vermissen.

Nur 10 km entfernt von Naqsh-e Rostam liegt Persepolis.

Um den zeremoniellen Festlichkeiten des achämenidischen Weltreichs, das von Ägypten bis zum heutigen Pakistan reichte, einen angemessenen Rahmen zu geben, gründete König Darius I. um 518 v, Chr. die Repräsentationshauptstadt Parsa, die griechische Geschichtsschreiber Persepolis, Stadt der Perser, nannten. Sie ist als UNESCO-Weltkulturerbe registriert und liegt 55 Kilometer nördlich von Shiraz auf 1620 Meter Höhe.

Die Terrasse von Persepolis mit den Palastbauten erstreckt sich über eine Fläche von 455 mal 300 Metern.
Ersteigt man die 111 Stufen, die jeweils 38 Zentimeter tief und nur zehn Zentimeter hoch sind, damit auch große Personengruppen ohne zu schnaufen, schnatternd hinauf gehen konnten, steht man auf der Plattform vor dem Eingangstor, dem „Tor aller Länder“. 

Dieses Tor ist von sieben Meter hohen Stierfiguren auf der westlichen und von Mischwesen mit Menschenköpfen, auf der östlichen Seite flankiert. Diese Skulpturen sollten böse Geister abwehren. Wir leihen uns eine 3D Brille und können so die Rekonstruktion der Hauptsehenswürdigkeiten bestaunen.

Das hat sich voll gelohnt!
Mit der Brille können wir auch einen „Blick ins innere der Felsengräber werfen“. Einen ganzen Tag verbringen wir hier. Wir schlendern an den unterschiedlichen Palästen entlang, mit der Brille sehen wir wie es mal ausgesehen haben könnte, und bestaunen stundenlang die bilderbuchartigen Reliefs der Treppenaufgänge und Durchgänge.

Die Reliefs zeigen 28 Delegationen der Länder, die dem persischen Reich zugehörten, mit ihren Mitgebringsel zum Neujahrsfest, dem Navrus. Da wurden beladene Kamele, Pferde, Schafe, Becher, Amphoren, edle Gewänder, Geschmeide, Kessel, Schaffelle, Elfenbein und vieles mehr angeschleppt. Und zuoberst auf dem Thron immer der König, dem alle huldigen.

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Nur dumm, dass Alexander 330 v Chr, hier vorbei marschierte und alles in Schutt und Asche legte!
In dieser Ecke des Iran treffen wir plötzlich wieder einige Reiseradler. In Persepolis hat sich Johannes mit Carola und Arne aus Hamburg verquatscht. Auch einen Schweizer, den wir schon am SongKul getroffen hatten, treffen wir hier. Wie die Zugvögel zieht es sie alle zum „Überwintern“ in den warmen Süden nach Dubai und weiter in den Oman. Im Pamir ist der Winter mittlerweile angekommen und es liegt dick Schnee, wie wir aus Bilder von WhatsApp Nachrichten von dort ersehen konnten.

Aber wie treffen auch iranische Freizeitradler :

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