Iranische Gastfreundschaft

Nachdem Sina uns an Nazila vermittelt hatte, gingen zahlreiche WhatsApp und Sprachmemos hin und her. Trotz Übernachtungseinladung entscheiden wir uns für das zentrale Hotel, freuen uns aber sehr auf ein Treffen.
Und so treffen wir uns mit Nazila, ihrem Bruder Human und seiner Frau Mozhdeh am Hafez Mausoleum. Neben uns sind auch zahlreiche Iraner hierher gekommen, um ihren Nationalpoeten zu huldigen. 

Nach dem ersten Beschnuppern (Hände schütteln und 3x Küsschen rechts/ links, auch zwischen verschiedenen Geschlechtern kein Problem) sind wir uns gleich sehr sympathisch. Es wird viel gelacht
Danach gehen wir gemeinsam essen. Wir futtern uns durch die verschiedenen Angebote der Speisekarte.

Als Vorspeise Auberginenpaste, unterschiedlich angemachter Joghurt und dann zum Hauptgang diverse Kebab-Sorten (Rind, Hühnchen, Leber,…) Es wird ein lustiger, langer und sehr angenehmer Abend. Und weil wir uns wiedersehen wollen beschließen wir morgen Abend gemeinsam zu kochen.
Mit Süßigkeiten als Geschenk in der Tasche sitzen wir im Taxi und sind mega gespannt auf den „Kochabend“.
Der Taxifahrer hält vor einem sehr edlen Haus und später erfahren wir, dass Human sehr erfolgreicher Bauingenieur ist und etliche Metrostationen für Shiraz baut, seine Frau Mozhdeh ist Architektin und plant diese Metros. Ihre Wohnung und das Interieur entspricht sicher nicht dem Durchschnittsiraner. Hier in der Wohnung trägt niemand Kopftuch und auch mein „long dress“ kann ich ausziehen.
Wir haben versprochen für das Dessert zu sorgen und Johannes will seinen legendären Applecrumble machen. Unter genauer Beobachtung bereiten wir den Nachtisch vor. Etwas schwierig, da die Zutaten nicht so genau unseren Zutaten von Zuhause entsprechen. Nachdem aber Äpfel geschipselt und Teig drüber gebröselt ist, lernen wir wie man Taghdig (persischen Reis) zubereitet. Ohne Safran geht auch hier nichts. Mozhdeh hat für uns schon tagsüber Kalampolo zubereitet. Kalampolo ist ein spezielles Essen aus Shiraz und besteht aus Weißkraut, Fleischbällchen, Bohnen und Reis . Essen ist hier nicht nur Kalorienzufuhr sondern Essen ist Geselligkeit und obendrein optisches Vergnügen!

 

Da gibt es Jogurtsaucen, die liebevoll mit Kräutern dekoriert sind, der Dough wird mit Rosenblüten verziert, ….
Vor dem Essen gibt es Appitizer ( gefüllte Datteln) und wir stoßen tatsächlich mit einem Gläschen Wein auf den schönen Abend an! Das hatten wir nicht erwartet, Alkohol hier im Iran! Aber Nazilas Papa produziert für den Hausgebrauch eigenen Wein. Und auch das ist Iran, hinter den Haustüren ist vieles möglich.

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Und Prost!

Während die anderen Granatäpfel zerkleinern, bearbeite ich Mozhdeh’s Fuß. Sie hatte sich die Außenbänder verletzt und ist nun nach 3 Wochen Gips am Humpeln.Am behandeln.jpg

Zum Essen kommt noch der private Englischlehrer der Drei dazu. Auch in dieser Familie will man englisch lernen, um im Ausland zu besseren Bedingungen zu arbeiten. Gerade für Nazila, die Genetik studiert hatte gibt es im Iran keine Aussicht auf einen vernünftigen Job. In Amsterdam hatte sie schon an der Uni gearbeitet, nun will sie besser englisch lernen und wieder dorthin gehen. Zwei ihrer 4 Brüder leben und arbeiten schon im Ausland (Holland und Amerika). Braindrain- tragisch für das Land, das diese schlauen Köpfe gut gebrauchen könnte.
Das Abendessen ist ein Genuss, Suppe, Salat, Kalampolo, Taghdig mit Hühnchen, diverse Joghurtsaucen und als Dessert Pudding, Safrancreme und unser Applecrumble. Es wird wieder ein sehr langer und sehr unterhaltsamer Abend. Gegen halb eins bringt uns der Fahrer der Beiden ins Hotel.

Iran bietet für uns so viele unterschiedliche Facetten. Da geht es vielen Menschen mittlerweile sehr schlecht und da gibt es auf der anderen Seite Menschen, die richtig viel Geld haben, gut leben und dennoch mit den Einschränkungen und Reglementierungen durch die Regierung nicht leben wollen. Beim Herradeln machen wir Pause am Straßenrand, als ein verlumpter, alter Mann vorbeikommt und Plastikflaschen sammelt, weil es dafür ein paar Cent gibt. Und abends treffen wir den Unternehmer, der uns erzählt, dass sein Mercedes hier im Iran doppelt so teuer ist wie in Deutschland.
2 Tage Gefängnisstrafe weil das Kopftuch und der Tschador nicht ehrfürchtig getragen wurden, das ist eben auch Realität hier.
Wir durften in Shiraz wieder einmal mehr die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen hier erfahren. Da haben wir Deutsche sicher noch Potential.

Rezept Persischer Reis – Taghdig (leckerer  mit einer Kartoffelkruste und Safran)
Zutaten für 4 Portionen:
4 Tassen Reis (Basmati)
1 TL Safran
2 Kartoffeln
6 EL Öl (Sonnenblumenöl)
1 TL Salz, feingehackter Dill, Gewürze
Zuerst kocht man den Reis in reichlich Salzwasser halb gar. Währenddessen schneidet man die Kartoffeln in ca. 3 mm breite Scheiben. Nun löst man den Safran in ein wenig Eiswasser Wasser auf (gibt schönere Farbe), vermischt ihn mit 4 EL Öl und gibt das in einen heißen, mittelgroßen Kochtopf. Darauf verteilt man über den ganzen Boden die Kartoffelscheiben, diese werden nun während der Reis köchelt bereits etwas kross. Wenn der Reis halb gar ist, den Reis kurz mit kaltem Wasser abschrecken, abseihen mit etwas Salz, Dill und Gewürze vermischen und feucht in den Topf auf die Kartoffeln geben . Nun noch 2 EL Öl oben drüber geben. Zum Schluss ein sauberes Geschirrhandtuch um den Deckel wickeln, sodass der Topf gut verschlossen ist, es nimmt den überflüssigen Wasserdampf auf. Dann dämpft der Reis ca. 45 Minuten und obendrein bildet sich unten eine super leckere Kruste
Wenn der Reis fertig ist, den Topf in kaltes Wasser stellen, so löst sich das Gericht besser vom Topfboden. Nun einfach auf eine Platte stürzen und verspeisen.

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