Cerro Castillo Treck 

Tag 8 Carretera Austral 11.02.2019
Bis Traumzeltplatz bei km 56 am Rio Murta

Nachdem uns andere Radfahrer Schauergeschichten übier den Straßenzustand bis Villa Cerro Castillo erzählt hatten waren wir auf das Schlimmste gefasst (ein Amerikaner berichtete er wäre heulend am Straßenrand gesessen). Die Kilometer heute würde ich aber als verträglichen Schotter beschreiben. Die Beschreibungen von anderen sind immer sehr subjektiv, so richtig drauf verlassen kann man sich nicht. Mal sehen was uns morgen erwartet.
Erst verlief die Piste noch einige Zeit am Lago General Carrera (auch hier mit so viel Blautönen, kaum zu beschreiben, wunderschön!), dann am Rio Murta entlang. Die Berge werden höher und steiler, fast ein wenig erinnerts an die Schweiz. Wir beschlossen diese wundervolle Umgebung mit mäanderndem türkisfarbenem Fluss, Panorama auf schneebedeckte Berge und Gletscher und viel Grün noch etwas auszukosten und nicht noch bis zum Pass zu radeln. Hier ist es einfach zu schön!!! Wir schlagen früh unser Zelt auf und freuen uns, dass wir so viel Zeit und den Luxus haben dort zu bleiben wo es uns gefällt!

 

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Tag 9 Carretera Austral 12.02.2019
bis Villa Cerro Castillo

Die Prophezeiung der ultraschlechten Straße ist gottseidank auch heute nicht eingetroffen. Wir mussten nur einen Anstieg im weichen Schotter schieben, der Rest war moderat. Auch heute beschenkte uns die Landschaft wieder: Die Flüsse und Seen wechseln von türkis zu tiefblau, dann wieder radeln wir durch dichten grünen „Urwald“ und Vogelgezwitscher begleitet uns über Kilometer. Und schon 10 km früher als erwartet begann der Beton. Was für ein Fahrgefühl, wenn das Rad mal rollt und nicht hüpft 😉. Ab Cerro Castillo verläuft die Carretera nun auf Asphalt.
Der kleine Ort ist total überschwemmt von chilenischen Studenten. Die Uni fängt im März wieder an, dann solls ruhiger werden. Erst im dritten Zeltplatz werden wir fündig. Hier können wir auch gegen etwas Geld (2000 Pesos pauschal) die Räder stehen lassen. Morgen starten wir zum vier tägigen Cerro Castillo Treck. Auch hier hat sich wohl die Gebühr (jetzt 23000 Pesos pro Person) seit letztem Jahr verdoppelt.
Für die Wanderung musste hier Proviant besorgt werden, dazu waren wir in vier Läden. Der erste hatte keine Haferflocken aber Milchpulver, im zweiten gabs Müsli aber immer noch fehlten Nudeln und Sauce usw. Das so ein kleiner Ort so viele Läden hat,😉aber irgendwie haben wir dann doch alles bekommen. Cerro Castillo ist ein kleines verschlafenes Nest, aber hat 8 Zeltplätze. Und unser Zeltplatz war pickepacke voll. Wir haben ausgerechnet dass es wahrscheinlich mehr Zeltübernachter als Einwohner hat.😉😉

 

13.02.2019 Cerro Castillo Treck
1. Etappe Las Horquetas – Campamento Turbio
16 km, 400 Hm, 5 h
Früh morgens (6:00) bimmelt der Wecker, wir wollen um 7:20 den Bus Richtung Coyhaique nehmen. Nachdem der Busfahrer erst uns und dann einige Fahrgäste quasi an der Haustüre abgeholt hatte, konnte es losgehen. In der Kurve bei Las Horquetas wurden wir rausgelassen und erreichten auch schon bald das Rangerzelt, wo wir die Eintrittsgebühr von 23500 pro Person zahlen mussten. Neben einigen Belehrungen (kein Feuer machen, Müll mitnehmen…) bekamen wir auch hilfreiche Informationen zu Wasser, Wetter etc.

Karte Cerro Castillo Treck.jpg

Karte Cerro Castillo Treck

Der Weg führte sehr bequem in einem Flusstal entlang durch dichten Märchenwald. Wenn einer der Bäume mit uns gesprochen hätte, hätten wir uns nicht gewundert. Schon früh sieht man den Cerro Castillo, spitzer Felszacken mit Gletscherfeldern. Für die angekündigten Flussquerungen (3 Stück) hatten wir die Teva-Sandalen eingepackt. Da der Weg super zu laufen war, haben wir die Wanderschuhe dann gar nicht mehr angezogen. Am Rangerhäuschen beim Camp Segundo nach 13 km bat uns der nette junge Mann das Parkticket sehen zu dürfen. Claro, das ist im Geldbeutel in meiner Deckeltasche. Aber leider war kein Geldbeutel da. SchockschwereNot, den scheine ich unterwegs verloren zu haben. Sie glauben uns aber dass wir heute morgen bezahlt haben und wir dürfen weiter gehen. Gottlob war nur etwas Geld und sonst nichts wichtiges im Geldbeutel. Den ganzen Tag umschwärmen uns Pferdebremsen und Leichen säumen unsren Weg. Diese Viecher sind ätzend! Auch beim Kochen erlegen wir ständig die „tavanos“ – ein gelbgrüner Fink hüpft daher und vervespert geschickt die plattgeschlagenen Insekten, nur die Flügel bleiben übrig. Des einen Leid, des andren Freud…
Das Camp Turbio liegt unter hohen Bäumen angenehm schattig am Rio Turbio. Gegenüber ragen die spitzen Felszacken des Cerro El Turbio und des Cerro Castillo Massives nach oben. Wir finden ein Plätzchen mit Tisch daneben und schlürfen einen Nachmittagskaffee. Später kommen vier junge Chilenen und winken mit meinem Geldbeutel. Den hatte ich unten direkt am Eingang bei den Parkwächtern aus der Hand gelegt, um Ihnen Übungen für ihren selbstgebastelten Schlingentrainer zu zeigen (der Beruf verläßt einen nie!). Jep, Tag gerettet!

 

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14.02.2019 Cerro Castillo Treck
2. Etappe Campamento La Tetera
12 km, 885 Hm, 5,5 h
Unser heutiger Weg zog sich erst am Fluss entlang, durch Wald und dann über ein Geröllfeld nach oben zum El Penon Pass. Dort mussten wir im Auf- und Abstieg 2 Schneefelder queren. Auch wenn wir beim Radeln manchmal über das Gewicht unsrer Wanderschuhe geschimpft hatten, heute waren wir froh sie dabei zu haben! Anschließend gings sehr steil einen Schotter/ Geröllhang nach unten. Die gelben Metallmarkierungen und Steinmännchen zeigen den Pfad. Immer wieder genießen wir den tollen Ausblick auf Hängegletscher, Wasserfälle und Bergspitzen. Wir wandern durch einen Zauberwald voller Baumflechten. Man kann sich kaum satt sehen!
Mira kommt uns entgegen, eine der zwei wilden Finninen, die wir seit dem Torres del Paine Nationalpark immer wieder treffen. Kurz vor dem Ende der Holperstrecke sind bei ihrem Vorderrad gleich mehrere Speichen gerissen. Jetzt muss sie die 100 km in den nächsten Ort trampen und schauen, ob sie es repariert bekommt. Aber vorher muss sie wie wir auch die Wanderung am Cerro Castillo machen, nur in die andere Richtung. Die zweite wilde Finnin Sofia radelt derweil die Strecke nach Coyhaique.
Die beiden berichten in einem Blog für die Tageszeitung ihres Ortes – wir werden “ als das ÄLTERE deutsche Ehepaar“ erwähnt, das sie immer wieder motiviert weiter zu radeln und nicht an einem Ort hängen zu bleiben. Sofia hatte ja ihren Eltern schon ein Foto von uns gemailt, dass man sogar in unserem hohen Alter noch so sportlich unterwegs sein kann – sehr nett, diese Finninen!
Am neuen Camp Bosque marschieren wir vorbei, unser Ziel liegt näher an der Laguna Cerro Castillo und wir haben erst 12:00 Uhr. Am Camp Tetera bauen wir schnell unser Zelt auf, gute Plätze sind hier rar und wir haben etliche Wanderer hinter uns. Heute kamen wir früh los und zügig voran. Mit leichtem Gepäck geht’s nun zur Laguna, wow, türkis liegt sie vor uns, dahinter die schwarze große Wand des Cerro Castillo. Er hat seinen Namen zu Recht, wie eine Trutzburg ragt er in den Himmel. Wellen plätschern leise, der Wasserfall rauscht und vor uns dieses Farbenspiel. Das ist ein echt magischer Moment.
Nach zwei Stunden Lagunenschauen waren wir reif für einen Nachmittagskaffee.

15.02.2019 Cerro Castillo Treck
3. Etappe Campamento Neozelandes + Ausflug zur Laguna Duff
10,5km (+5,2km), 750Hm (+420Hm), 4,5h (+1,45h)
Etliche Strecken des Weges verliefen heute über verblocktes Gelände und Schotter. Erst an der Laguna Castillo vorbei und dann zum Pass Morro Negro nach oben. Von dort öffnete sich der Blick auf Cerro Castillo tief unten und auf den Lago General Carrera in der Ferne, der auch so noch türkis leuchtete. Dann 800 Hm grobe Steine steil nach unten. Wieder waren wir so froh über unsere stabilen Wanderschuhe! Zum Campamento Neozelandes zog der Pfad gemütlich die 300 Hm durch den Wald nach oben. Hier schnell Zelt aufgebaut, Kaffee und Kekse verschlungen und dann hoch zur Laguna Duff. Sie ist fast noch schöner als die Laguna Castillo, intensives Grün, darüber das Weiß der Gletscher und oben der blaue Himmel. Geniale Voraussetzungen für ein kurzes Bad im kalten Nass und in der Sonne. 1 Stunde hatten wir diesen genialen Platz sogar ganz für uns alleine.
Der Hunger hat uns dann am frühen Abend wieder ins Camp gelockt, sonst würden wir da vielleicht noch immer sitzen 😀. Heute gibts Travellunch (Linsen mit Speck), Katrin hatte es zuviel und uns überlassen.

 

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16.02.2019 Cerro Castillo Treck
4. Etappe zurück nach Cerro Castillo
14,5km, 150Hm, 965 Tiefenmeter, 4,5h
Heute ging’s fast nur bergab! Die ersten 7 km führten durch wunderschönen Nothofaguswald. Am Parkein/ausgang mussten wir uns wieder brav in ihr Registrierbuch eintragen. Nicht dass da noch jemand verloren geht😉
Und dann zogen sich die letzten 7-8 km auf Schotterstraße und praller Sonne. In Villa Cerro Castillo werden wir nochmal eine Nacht auf dem Zeltplatz bleiben, Wäsche durchwaschen, die Räder wieder bepacken, uns wieder aufhübschen …
Ach ja und natürlich einen guten Kaffee trinken😀
Abends saßen wir mit 8 chilenischen Studenten, einer Französin und einem Italiener, die wir alle auf dem Treck getroffen und die nun zufällig auch in Casillo den gleichen Zeltplatz angesteuert hatten, gemütlich im Küchenzelt zusammen. Die Jungs hatten sich eine Erdbeerbowle gemixt und feierten ihre überstandene Wanderung. Für drei von Ihnen war diese 4 Tages Tour die erste Rucksackwanderung mit Zelt und allem Gerödel. Und sie meinten sie wären fix und alle. Wir blieben lieber bei unserem Rotwein, Radfahren mit Kopfschmerzen ist nicht so prickelnd 😉. Die Jungs packten ein spanisches Kartenspiel „Dixit“ aus und später Spielkarten, und dann haben wir gezockt. Verständigung auf spanisch, englisch und französisch – Genial!!

Tag 10 Carretera Austral 17.02.2019
bis Rio Blanco
Hinter Villa Cerro Castillo ging’s erstmal 800 Hm in Serpentinen nach oben. Tja jetzt ist der Schotter rum, da muss ne andere Challenge her.😉 Aber erstaunlich wie gut die Höhenmeter auf Asphalt gehen. Wir genießen das ruhige Rollen und können sogar während des träppelns in die Landschaft schauen. Auf Schotter musste der Blick immer auf der Straße bleiben! Es geht lange an einem malerischen Fluß entlang. Bei der ersten großen Abfahrt beginnt mein Leerlauf zu spinnen. Fast gleichzeitig startet der große Ventilator und heftige Windstöße rütteln uns schütteln uns heftig. Johannes baut mein Hinterrad aus und inspiziert den Leerlauf. Diagnose: Leerlauf irreparabel defekt, da muss ein neuer her. Wir beschließen nach Coyhaique zu trampen und dort das Ersatzteil zu besorgen. Aber wie es immer so ist, diesesmal hatten wir kein Glück, kein passendes Auto kommt vorbei. Johannes baut das Rad wieder ein und wir tauschen die Räder. Heißt: nix Freilauf sondern auch bergab ständig treten. Aber das war schlussendlich nicht mehr nötig, denn der Wind wurde so heftig, dass wir eh auch bergab treten mussten. Bei km 61 in Rio Bianco beschlossen wir den einzigen Laden des Ortes zu plündern und den in iOverlander beschriebenen Zeltplatz aufzusuchen und uns nicht noch die restlichen 35 km nach Coyhaique zu quälen. Der Platz bot ein windgeschütztes Plätzchen auf Gras an einem Fluß. Was will man mehr!
Und wieder mal hieß es: Kaffee und Kekse gut, alles gut!

 

Tag 11 Carretera Austral 18.02.2019
bis Coyhaique
Diesesmal lag der Wetterbericht goldrichtig, nach Mitternacht begann es zu regnen und um 7:00 hörte es wieder auf. So machte wir uns im Trockenen aber mit enormen Wind auf Richtung Bikeshop Coyhaique. Dort sind wir direkt gegenüber dem Radladen im Mente Nomade Hostel untergekommen. Um uns herum nur sehr junge Backpacker.

 

Ersatzteil gibt’s hier leider nicht, jetzt wird versucht den Freilauf auseinanderzunehmen. Aber auch das geht nicht so richtig. Es hat aber noch einen Radladen hier im Ort. Zu dem machen wir uns mit dem ausgebauten Rad auf. Passendes Werkzeug nicht da, bitte in einer Stunde wiederkommen.

Aber, als Johannes nach der Stunde wieder vorbeischaut geht alles ganz schnell. Werkzeug da, Ersatzteil da und Rad läuft nun wieder wie geschmiert!

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