„Tankstopp“ in Bariloche 

Dem angekündigten Regen sind wir also nach Bariloche (eigentlich San Carlos de Bariloche) entflohen. Bariloche gehört zum argentinischen Teil Patagoniens und ist wunderschön am Nahuel-Huapi-See und am Ostrand des gleichnamigen Nationalparks gelegen. Man nennt Bariloche auch die argentinische Schweiz – und in der Tat erinnert uns vieles an unser Nachbarland. Chalets im Schweizer Baustil (manche sogar mit den Kantonwappen verziert), ein Schokoladen-Laden reiht sich an den anderen, es gibt Fondue und auf dem Marktplatz kann man mehrere echte Bernhardiner mit Fässchen um den Hals sehen. Das Geschäftsmodell sich mit Bernhardiner ablichten zu lassen funktioniert hervorragend. Aber auch die Landschaft kann mit der Schweiz mithalten: wunderschöne Berge und Seen, an denen man sich nicht satt sehen kann.

 

 

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Skulptur im Hotel Las Marianas, wenn wir weiter so essen hier bekommen wir noch eine ähnliche Figur

Wir gönnen uns seit langem mal wieder ein richtiges Hotel und genießen das geniale Frühstücksbuffet! Es müssen wieder Kalorien nachgetankt werden!
Trotz des Vorsatzes Pause einzulegen, können wir es nicht lassen bei dem guten Wetter eine Halbtageswanderung zum Cerro Llao Llao zu unternehmen. Zuvor müssen wir aber ganz in der Nähe noch Grüße ausrichten. Zuhause hatte mir eine Teilnehmerin meiner Sportgruppe aufgetragen in Bariloche eine liebe Bekannte von ihr zu besuchen. Das haben wir auch gerne getan. Wir haben aber erst nur ihre Nichte angetroffen, die uns berichtete ihre Tante wäre umgezogen. Die neue Adresse lag direkt an der Busstrecke zu unserem Wanderziel, perfekt. Per WhatsApp haben wir gleich Kontakt aufgenommen und uns für den Nachmittag auf dem Rückweg angemeldet. Welch Gastfreundschaft: „super, kommt vorbei, ich freu mich auf euch!!“ Wir sind gespannt.

Auf dem Wanderweg zum Cerro Llao Llao (hier wird das „schau-schau“ ausgesprochen) hat man immer wieder Ausblicke auf den See, die immer schöner werden, je weiter man nach oben kommt. Bei stürmischkaltem Wind genießen wir vom Cerro Llao Llao die wunderschöne Aussicht. Etwa in der Art stellen wir uns die norwegische Fjordlandschaft vor. Aber auch eine gewisse Ähnlichkeit zum Ausblick auf den Vierwaldstättersee können wir feststellen: Seen mit vielen Armen, „umzingelt “ von grün bewachsenen Bergen. Wieder unten am See gönnen wir uns am Playa Tacul eine Pause im der Sonne. Hier ist es windgeschützt und warm, unsere kalten Finger beginnen wieder aufzutauen.

 

 


Bevor wir den Bus zu Edith nehmen möchte sich Johannes noch das Hotel Llao Llao genauer anschauen. Wie eine Mischung aus Burg und Schweizer Chalet liegt es umgeben von Golfplatz und Tenniscourt auf einem Hügel. Es soll das Hotel mir der besten Lage Patagoniens sein.
Und nun wollten wir die Grüße überbringen. Unsere Smartphone-Landkarte führte uns zu einem kleinen Haus direkt am See mit wunderschönen Blick aufs Wasser. Der Empfang hätte nicht herzlicher sein können. Edith hat gerade ihren 5 jährigen Enkel aus Deutschland zu Besuch und trotzdem auf die Schnelle für uns einen Kuchen gebacken. Wow, wie lieb. Bei Kuchen und Tee tauschen wir Geschichten aus, ich lese Matthias Bilderbücher vor. Die Zeit geht so schnell vorbei. Mit dem festen Versprechen bald wieder zu kommen verabschieden wir uns.
Diese wundervollen Begegnungen bereichern unser Sabbatjahr so sehr.

Am Tag darauf wandern wir die wohl schönste Wanderung hier. Den „echten“ Pausentag verschieben wir auf Mittwoch, da soll das Wetter eh schlecht werden. Vom Ort Cerro Catedral geht’s mit der Bahn nach oben, dann „Por el Filo“ am Kamm entlang, über die Laguna Schmoll runter zum Refugio Frey und auf dem Normalweg zurück. Eine ausgewachsene Bergtour mit alpinen Stücken. Aber richtig super!
An der Hütte sind gerade die argentinischen Gebirgsjäger zur Kletterausbildung und es wuselt nur so von Soldaten in Tarnkleidung. Zu unserer großen Freude gabs in der Hütte Kaffee aus der Bialetti und aufgeschäumte Milch dazu –  welch ein Unterschied zum Nescafe der letzten Monate in Chile.

 

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In Bariloche haben wir uns in der überall angepriesen Eisdiele Helados Jauja eine Riesenportion Eis gegönnt. Und wirklich, purer Genuss.
In Argentinien bestellt man seine Eissorten nicht „auf Sicht“, sondern schaut auf die Karte, denn die meisten Geschmacksrichtungen sind hinter der Theke in den Eisbehältern „versteckt“. Es gibt  im Jauja über 10 verschiedene Sorten Schokoladeneis. Dazu kommen nochmal fast so viele Variationen Dulce de Leche-Eis. Dulce de Leche ist eine typisch südamerikanische Creme aus Milch, Zucker und Vanille. Mmmmmh – sehr fein!

 


Aber auch deftiges und nahrhaftes Essen gibts hier. Das beste Steak ever haben wir hier im El Boliche de Alberto gegessen. Auf Empfehlung unseres Hotels treffen wir bereits 15 Minuten vor der Öffnungszeit am Lokal ein – und sind nicht die Ersten. Wer zu spät kommt, muss warten, bis die ersten abgefüttert sind und sich zufrieden aus dem Restaurant rollen.
Für mich gibt es Bife de Lomo für Johannes Lamm. Wir entscheiden uns für einen Salat als Beilage, denn die Portionen scheinen riesig zu sein. War auch goldrichtig. Die Grillmeister nehmen persönlich die Bestellung auf und garen das Fleisch auf einem monströsen Grill. Am Ende wird alles mit viel Liebe präsentiert und serviert.
Das gleiche passiert uns tagsdrauf als wir im Pastarestaurant essen waren. Wir bekommen im gut gefüllten Restaurant einen Tisch und kurz danach war der Laden bumsvoll. Eine wartende Menge vorm Restaurant, die sich freut wenn jemand glücklich satt das Haus verlässt. Und als wir um 22:00 gehen steht da immer noch eine riesige Menge an Leuten, die auf einen freien Tisch warten. Unglaublich! Auch dort haben wir gut und erstaunlich preiswert gegessen.

 

Mittwoch regnet es schon beim Frühstück und wir freuen uns (komisch, wer freut sich schon über Regen). So haben wir beim Nixtun und Planen schon kein schlechtes Gewissen 😉
Wir nehmen uns endlich mal Zeit unsren restlichen Urlaub zu planen. Nachmittags besuchen wir Edith in ihrem Haus in Bariloche zum Tee und verquatschen uns wieder.
Wir werden ab morgen bei ihr wohnen und dürfen diese wundervolle Gastfreundschaft noch länger genießen. Ja uns gefällt Bariloche und wir laufen Gefahr hier hängen zu bleiben. Aber warum auch nicht.

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Hier in Bariloche Ort wollen wir aber noch dem Tip auf ein gutes Bier und super Abendessen nachgehen. Uns hat man gesagt, wenn ihr gutes Bier sucht, seid ihr in der Cerveceria Manush genau richtig. Hier findet ihr unzählige Biersorten, welche alle in der Gegend gebraut werden und jeden Tag von 18–20 Uhr ist dort Happy Hour. Uns so sind wir trotz Platzregen losgezogen und haben dort „Pale Ale“, „Extra Stout“und „Irish Cream Ale“ getrunken. Super!!!! Als feste Unterlage dazu gabs Pommes nach Manush-Art und viel Fleisch.

Nach vier Nächten haben wir das Las Marianas verlassen und sind mit unsrem ganzen Krempel bei Edith aufgeschlagen. Wir lassen die Taschen in „unsrem neuen“ Zimmer und starten nach einer Tasse Tee per Rad zum Circuito Chico, einem Rundweg vorbei an Seen und Bergen.
An der Seilbahnstation des Cerro Campanario überlegen wir nur kurz. Die Aussicht von dort oben soll grandios sein und die 200 Hm laufen wir doch schnell. Gesagt, getan, und schon 20 Minuten später stehen wir oben und haben tatsächlich ein 360 Grad Panorama auf die vielen Arme des Nahuel Huapi Sees und die Berge drumherum. Wieder unten gehts dann per Rad zur Bahia Lopez weiter. Dort machen wir Picknick. Am Weg haben wir durch Zufall einen Naturkostladen mit frischem Vollkornkörnerbrot endeckt. Das erste „richtige“ Brot seit 8 Monaten! Welch ein Genuss!!!!
Bei der Colonia Suiza bewundern/bestaunen/belächeln wir all den Kitsch und Trubel. Ein bisschen Wildwestromantik und viiiiele Essensstände. Früher soll das mal ein beschauliche Siedlung gewesen sein, in der man sein Gemüse einkaufte. Das gute Eis lassen wir uns nicht entgehen. Die Straßen heißen Zürich, Luzern, Valais. Die Kantonsflaggen sind allerorten. Das Wetter ist wieder freundlicher und so können wir danach am Lago Perito Moreno noch in der Sonne sitzen und diese intensiven Blau und Grüntöne in uns aufsaugen. Ja, – ein argentinischschweizer Naturidyll!

 


Bei Edith toben wir mit Matthias im Garten, während Johannes weiter mit Matthias spielt, darf ich Edith beim Empanadas machen über die Schulter schauen. Zum Essen sitzen wir in der Küche gemütlich zusammen. An dem Blick aus unserem Zimmer kann ich mich nicht sattsehen.
Morgens werden wir vom sanften Plätschern der Wellen geweckt. Der See zeigt sich von seiner sanften Seite. Der Wind hat nachgelassen, kein Wölkchen am Himmel – heute wird ein toller Tag. Ich kann unser Glück kaum fassen hiersein zu dürfen.
Edith hat extra für uns Brot gebacken und frischen Obst/Gemüsesaft zum Frühstück gepresst. Welch schöner Start in den Tag
Wir überzeugen Edith davon, dass sie und Mathi mit uns einen Ausflug hoch zum Cerro Otto machen. Dazu packen wir Picknicksachen ein und los geht’s. Die Gondel bringt uns nach oben und dank diesen wunderbaren Wetters können wir sogar den Cerro Tronador in der Ferne weiß leuchten sehen. Auch von hier oben ist die Aussicht überwältigend. Nach einem Spaziergang zum Habsburgerfelsen haben wir alle riesen Hunger und freuen uns über die übrig gebliebenen Empanadas von gestern abend.
Wieder unten lädt uns Edith in ihren Kangoo und zeigt uns einige ihrer Lieblingsplätze. Der krönende Abschluss dieses tollen Tages war noch ein Grillen. Das Fleisch vom Metzger ums Eck ist butterzart und die Würste sind gut gewürzt und echt fein!! Ja, und nicht zu vergessen, ich bin zur Legobaumeisterin von Raumschifftankstellen und Johannes zum Asadogrillmeister geworden. Ich habe völlig vergessen welch Ausdauer und Einsatz kleine Kinder fordern😉😉

Hier ist es so schön, dass wir gar nicht weg wollen! Mit Mathi springe ich über den Rasensprenkler und unten am Wasser lassen wir Steine flippen. Wir verbringen zwei lazy Tage am Wasser und genießen das Nichtstunmüssen! Körper und Seele können auftanken. Jetzt laufen wir Gefahr hängen zu bleiben. Ob die hier Physios brauchen könnten? 😂

 

 

Wir entscheiden uns schweren Herzens am Montag aufzubrechen,  aber Johannes will noch vorher die Räder checken, und oh Schreck der in Coyhaique neu(?) eingebaute Freilauf streikt schon wieder. Was auch immer die mir da reingebastelt haben,  es tut nichts mehr. Johannes zerlegt mein Hinterrad komplett und stellt fest: wir brauchen eine Werkstatt und können morgen doch nicht weiterradeln. So darf ich noch länger hier bleiben,  wie schön. Jetzt heißt es eine ordentliche Radwerkstatt finden.

Johannes ist nach dem Frühstück losgezogen und hat eine neue Hinterradnabe besorgt. Den Freilauf alleine gabs nicht und leider auch nicht die gute Shimano XT, sondern nur mittelmäßige Qualität – hält hoffentlich bis Ecuador. Jetzt hat er mein Hinterrad nochmal auseinander genommen und muss alles neu einspeichen. Gottlob kennt er sich so super aus!

 

Edith hat für uns nochmal Brot gebacken,  werden wir verwöhnt! Dieses wunderbare Fleckchen Erde, Edith, Max das Kaninchen und die Hühner, all das werde ich vermissen. Heute abend wird nochmal gegrillt (das Fleisch ist hier so viel besser als in Deutschland) und morgen, Dienstag, brechen wir nach gut einer Woche in Richtung San Martin de los Andes auf.

 

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