Auf der Straße der Sieben Seen und zu den Vulkanen Lanin & Villarrica

„Ruta de los Siete Lagos“ nach San Martin de los Andes
12.03.2019
Bariloche – Villa Angostura
Der erste Tag war reinstes Genußradeln mit Blick auf den Lago Nahuel Huapi. In Bariloche wollen wir noch in eine Chocolaterie. Wenigstens probieren! Auf dem zentralen Platz schlecken wir die Schokoladenstücke und versuchen den Abschied noch etwas hinauszuzögern. Die Kirche hatten wir auch noch nicht besucht. Innen spielte meditative Musik und so war das zur Ruhe kommen und besinnen ganz einfach. Jetzt hatten wir aber keine Ausrede und es hieß Bariloche ade. Ich bin mir aber sehr sicher, dass ich irgendwann zurück kommen werde.

Auf Teer gehen die Kilometer zügig obwohl wir doch wieder Höhenmeter sammeln. Seit langem haben wir mal wieder einen Schnitt von über 18 km/h.
Am Public beach von Puerto Manzano soll man gut zelten können. Als wir um 16.00 dorthin kommen ist aber noch viel Rummel. Wir baden und kochen uns Kaffee, genießen die Sonne und den Sandstrand. In einem großen Lastwagencamper übernachten hier noch eine spanische Familie und nebendran ein Argentinier in einem Minibus. Die drei Kinder und ich buddeln im Sand, obwohl ich kein spanisch kann geht das zusammen spielen erstaunlich gut. Und „una vez más“ (nochmal) verstehe ich sehr schnell. Wir verbringen eine wunderschöne ruhige Nacht am See.

13.03.19
Villa Angostura bis Lago Falkner
Wieder ein Tag mit blitzblauem Himmel. Bedeutet erst mal kalte Füße und Finger, bis die Sonne etwas kräftiger heizt. Der Ort Villa Angostura ist geschleckter als Bariloche, rings herum schicke Landhäuser. Wer Geld hat verbringt seinen Urlaub hier oder in San Martin de los Andes. Zwischen diesen beiden Orten verläuft auch die Sieben-Seen-Route, landschaftlich super schön zwischen Bergen, wildem Wald und blauen Seen. Wir halten an jedem Mirador und müssen die Aussicht genießen (später werden wir die vielen Fotos von den Seen sicher nicht mehr auseinander halten können …).
Trotz der über 1100 Höhenmeter kommen wir recht gut vorwärts und könnten noch einige Kilometer „schrubben“, aber wir möchten die tolle Landschaft genießen und bauen schon um 16 Uhr unser Zelt am Lago Falkner auf. Die Hauptsaison ist vorbei, drum ist es ziemlich ruhig auf dem Campingplatz. Kaffee mit Blick auf den See und Cerro Falkner, etwas Sonnenbaden, den Enten und Raubvögeln zuschauen, Beine dehnen, faulenzen, duschen, kochen, einen Vino zum Essen genießen – so darf Radelurlaub auch mal sein!

14.03.2019
Lago Falkner – kurz vor Junin de Los Andes

Heute früh war es noch kälter als gestern, im Schatten hatte es Reif und der Lago Falkner dampfte wie eine heiße Quelle. Dabei war er so kalt, daß wir gestern ausnahmsweise mal nicht baden waren.
Es ging weiter durch unberührte Wälder, von See zu See, ein Ausblick schöner als der andere. Vor einem Haus steht ein Oldtimer, es ist tatsächlich ein Ford Model T, das erste am Fließband gefertigte Auto.

ein Original Fort Model T

Wir kommen mit einem jungen Mann ins Gespräch – er ist Österreicher und auf einer Reise nach der Matura hier hängen geblieben. Er ist Forstingenieur wie ich und hat hier sogar eine entsprechende und dazu noch relativ gut bezahlte Arbeit gefunden. Ob die hier noch einen Förster brauchen??

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Er bestätigt uns auch die Story um Bambus, Mäuse und den Hantavirus: Hier wächst viel Bambus zwischen den Bäumen. Dieser Bambus blüht nur alle 70 Jahre, und zwar alle Bambussträucher in der ganzen Region gleichzeitig. Dieses Jahr blühte es zwischen El Bolson 50 km weiter im Süden bis San Martin de los Andes. Durch das riesige Angebot an Bambussamen kommt es zu einer Mäuse- und Rattenplage. Und diese Nager übertragen leider auch den Hantavirus. Sieht auf den ersten Blick aus wie eine Grippe, führt aber unerkannt zum Tode. In El Bolson starben dieses Jahr 12 Personen daran. Überall hängen Plakate mit Gesundheitshinweisen, die Angst vor dem Virus führte aber auch dazu, daß es kein gutes Tourismusjahr für die Region war.
Das Nagerproblem löst sich aber relativ schnell von alleine: die vollgefressenen Tiere bekommen großen Durst, weil die Bambussamen im Magen aufquellen. Sie trinken viel Wasser, das führt dazu, daß die Samen noch weiter quellen bis der Magen platzt. An den Seeufern liegen dann tausende tote Tiere…

Noch etwas Anstieg bis zu einem Kuriosum, ein Bach, der sich an einem Fels aufteilt. Der eine Teil fließt in den Atlantik, der andere in den Pazifik. Wir müssen also auf einem Andenpass stehen.

Danach eine herrlich lange Abfahrt in den Wintersportort San Martin de los Andes. Nach einer Brotzeit auf der Plaza San Martin und einem Kaffee radeln wir weiter und sind kurz darauf wieder in der trockenbraunen Pampa. Wieder Zäune rechts und links der Straße, wie soll man hier einen Zeltplatz finden?! Es braucht noch 30 km bis wir was taugliches finden. Wir zelten bei einer Anglergemeinschaft 10 km vor Junin am Fluss – Junin ist das Forellen-Eldorado Argentiniens.


15.03.2019
Junin de los Andes – Valle Malleo
In Junin gibt es einen Stationenweg mit 23 Bibelszenen aus dem Leben Christi, ergänzt mit Reliefbildern zum Leben der Ureinwohner Südamerikas. In Reiseführer und Wikipedia findet man fast keine Hinweise auf dieses Highlight. Danke liebe Gretl für den Tip!
Wir sind die ersten am Via Christi und können so die tollen Skulpturen ohne Ablenkung auf uns wirken lassen. Der Mapuchekünstler Alessandro Santana hat wunderschöne Figuren geschaffen. Uns gefallen die ausdrucksstarken Gesichter. Der Künstler hat dazu Menschen aus Junin als Modell genommen. Am Ende des Kreuzweges an der Bergspitze ist ein aus Glasdreiecken zusammengebauter Christus halb in die Erde eingegraben. Man kann über die „Seitenwunde“ in den Torso und Kopf hinein gehen. Innen sieht es wie ein Gewächshaus aus. Alles hat hier Symbolcharakter. Wir sind schwer beeindruckt! Die 47 m lange Glasskulptur wird nachts von innen beleuchtet.

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Das Wetter ist heute sehr durchwachsen, während Johannes im Supermarkt einkauft, zieht ein kurzer Schauer durch. Glück gehabt, ich stehe trocken unterm Vordach. Die letzten Regentropfen sitzen wir in der Panadería am zentralen Platz aus. Wir müssen die leckeren süßen Teile nochmal genießen bevor wir wieder zurück nach Chile kommen. Das können die Argentinier echt, süße Backwaren zu fairem Preis!
Wir radeln weitere 40 km, jetzt durch goldgelbe Pampa, an einem netten Angelfluss in einer idyllischen Landschaft, in der Ferne der Vulkan Lanin. Die Zäune machen es auch hier schwer den super Zeltplatz zu finden. Parallel zur Straße, etwas verdeckt schlagen wir am späten Nachmittag unser Zelt auf und erschrecken dabei ein Gürteltier, das gemütlich davon zuckelt.
Nebenan stehen die ersten Araukarien, auf dem Weg nach Pucon werden wir hoffentlich noch viele Wälder dieser Dinosaurier-Baumart durchqueren.

16.03.2019
Valle Malleo – Curarrehue
Auf dem Zelt ist morgens Raureif und wir warten etwas länger mit dem Starten. Die Sonne wärmt und trocknet wenigstens die Sonnenseite unsres Zeltes. Moderat geht die Straße nach oben, immer den Vulkan Lanin zur Linken und durch einen wunderschönen Araukarienwald. Johannes Wunsch wurde erhört. Die letzten 12 km auf argentinischer Seite zum Pass hoch „kämpfen“ wir mit weichem Schotter. Der heißgeliebte Grader ist mal wieder unterwegs. Aber das Panorama mit Vulkan Lanin und Araukarien macht das wett. Ein Fotomotiv jagt das andere. Wiedermal wechseln wir die Grenze und sagen Argentinien ade. Ab der chilenischen Grenze gibts feinste Asphaltstraße. Dafür sind die Zöllner an der Grenze super pingelig. Wir müssen das erstemal in dieser Reise unsere Räder als Transportmittel anmelden, dazu Marke und Daten angeben. Den Zettel bitte nicht verlieren. Na, wenns hilft.
Auch nach der Grenze dürfen wir durch wunderschöne Landschaft radeln und das seit Junin mit erstaunlich wenig Verkehr! Steil gehts in Serpentinen von 1200 auf 400 m hinunter. Johannes Hinterrad gabelt einen Nagel auf und der Platten will geflickt werden. Na in knapp 8000 km der dritte Platten für Johannes, das geht doch. Auf dieser Seite ist der Bambus noch schön grün.
Nach Currarehue finden wir einen kleinen idyllischen Picknick/Campingplatz am Fluss, wir sind die einzigen Gäste. Nachsaison hat doch echt Vorteile! In Ruhe genießen wir unseren geliebten Kaffee, um uns herum laufen die Hühner und Puten. Ich pflücke an der Hecke Brombeeren fürs Frühstück. Ganz gemütlich lassen wir den Tag ausklingen.

17.03.2019
bis Pucon
Über Nacht sind die Berge verschwunden, alles voller Wolken. Schade!
Wir radeln die letzten 40 Kilometer nach Pucon, in der Bäckerei Rostock suchen wir nach dem angepriesenen Roggenbrot und (Gedenkminute für dich Gretl) gönnen uns dort bei Eugenio Fuchs ein Empanada und ein Megastück Torte.
Bei unsrer Zimmersuche sind wir direkt am See beim Hotel Gudenschwager hängen geblieben. Gründungsdatum 1923, und so sieht auch das Interieur aus, aber uns gefällt es, es ist irgendwie heimelig. Die Dame an der Rezeption und der Kellner scheinen fast das ähnliche Baujahr zu haben ;-).
Das beste ist aber der Blick aus unserem Zimmer: Genau auf den Vulkan Villarrica!

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