Wein, Empanadas und laaaaange Busfahrten

Die Fahrt von Valparaiso nach Mendoza führt uns mal wieder über die Anden. Anfangs ist die Vegetation noch üppiger, es wachsen viele Säulenkakteen. Dann wird es immer trockener und karger. Wir konnten sogar einen kurzen Blick auf den Aconcagua werfen. In vielen Serpentinen kurbelte der Bus sich auf über 3000 Hm. Wunderschöne bunte Felsformationen zu unsrer rechten und linken. Kurz vor Mendoza, schon wieder im Flachen fahren wir durch die ersten „Weinberge“.

Mendoza: Wein und Oliven

Am Busbahnhof organisieren wir gleich die Fahrkarten nach Salta und radeln dann ins „verkehrsgünstig“ gelegene Hostel Confluencia in der Innenstadt. Mit einem Spaziergang zu den zwei Plätzen im Stadtzentrum sorgen wir für wenigstens minimale Bewegung, bevor wir müde ins Bett fallen.
Eigentlich hatten wir überlegt die in Mendoza obligatorische Weintour mit dem Rad zu machen, aber Nieselregen hat uns eine halbtägige Weintour per Bus buchen lassen. Gegen 14.30 wurden wir am Hostel aufgepickt und nachdem dann auch die anderen Teilnehmer an ihren Hotels abgeholt waren gings zum ersten Weingut „Bodega Dante Robino“. Diese Bodega füllt in großen Mengen verschiedene Weiß- und Rotweine sowie Sekt ab. Nach einer Führung durch Produktion und Weinkeller konnten wir einen Torrontes, einen Malbec, sowie einen Sekt probieren.
Typisch für Mendoza und Argentinien ist die Rebsorte Malbec (mal=schlecht, bec=Mund, also eigentlich kein guter Wein), die ursprünglich um Bordeaux herum angebaut wurde/ heute noch wird, aber hier wegen der klimatischen Bedingungen in Mendoza besonders gut gedeiht und schmeckt. Wer fruchtigen, leicht zu trinkenden Rotwein mag, ist damit bestens bedient. Allerdings ist ein bischen Vorsicht geboten, weil der Malbec aus Mendoza einen durchschnittlichen Alkoholgehalt zwischen 14 und 15 % hat. Hängt mit dem hohen Zuckergehalt der Trauben zusammen, die hier in Mendoza im Schnitt 320 Sonnentage abkriegen. Wer gerne Weißwein mag, dem kann das argentinische Eigengewächs Torrontés (genauer „Torrontés Riojano“ eine natürliche Kreuzung der Rebsorten Criolla Chica und Muscat d’Alexandrie) empfohlen werden. Wenn man an dem riecht, glaubt man, man hätte einen lieblichen, süssen Wein vor sich, aber im Mund stellt man dann ausgeprägte Säure fest und hat einen waschechten „Nanu“-Effekt. Die Leute hier sprechen daher liebevoll vom „Lügner“. Ein klasse Sommerwein, jedenfalls.


Das nächste Ziel war der kleinere Familienbetrieb Cavas de Don Arturo. Hier werden nur organische Rotweine produziert. Bei uns sehen Biowinzereien anders aus:-) Nach einer Führung durch Betrieb und hauseigenes kleines Museum durften wir zwei verschiedene Malbec und einen Cabernet Sauvignon testen. Uns hat dort wie hier kein Wein richtig vom Sockel gehauen. Obwohl ich seit Chalten totaler Malbecfan bin. (Die Weine des Weingut Dada haben es uns angetan.) Liegt wahrscheinlich daran, dass dieser Ausflug mit 650 argentinischen Pesos, das sind umgerechnet 13,-€ nicht wirklich viel Geld kostet und die „guten“ Weine dort sicher nicht an Billiggäste ausgeschenkt werden.


Da die Umgebung von Medoza auch für Olivenöl bekannt ist durfte eine Olivenölproduktion, bei uns Olivicola Pasrai (PASas und RAIsins, beides bedeutet Rosinen) nicht fehlen. Für uns die interessanteste location, da wir bislang eher wenig über die Produktion von gutem Olivenöl wussten. Nach einer Führung in der Produktion und Abfüllung durften wir als erstes die Spa-Linie mit Bodylotions, Körperöl und Antiaging-Creme testen. Ich habe Johannes versprochen eine Vorratspackung davon durch ganz Südamerika zu radeln, falls er mich am kommenden Tag nicht mehr erkennt, weil alle Falten weg sind. Nachtrag: war aber nicht nötig. 🙂
Und nun konnten wir endlich die unterschiedlichen Öle auf Weißbrot testen ( nach dem Wein echt super!). Natural, mit Orangenaroma, mit Rosmarin, Oregano, Zitrone, Chilli, Knoblauch. Brotaufstriche aus Karotte, Getrockneten Tomaten und Aubergine sowie Oliven pur standen zum Verkosten bereit. Am Ende noch die Rosinen, das einzige Exportprodukt dieser Firma.
Extra virgen Olivenöl entspricht dem deutschen Nativen Olivenöl Extra und ist eine Qualitätskennzeichnung für Olivenöl. Es wird direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren ohne Wärmeeinwirkung (< 40 °C) gewonnen der Säuregehalt beträgt ≤ 0,8 %.
Wer mehr zu Olivenöl, die Herstellung etc. lesen möchte, dem empfehle ich den sehr ausführlichen Wikipedia Artikel Olivenöl.

Als witzigen Abschluss dieser Weintour besuchten wir noch in der“Iglesia de la Cordillera“ die Virgen la Cordillera, die Schutzpatronin der Weinreben. Es soll das einzige noch von den Spaniern erbaute Gebäude sein, das das große Erdbeben in 1861 überstanden hat.


Zurück in Mendoza gönnen wir uns in einer der vielen Heladerías eine Megaportion Eis, danach noch ein Gläschen Malbec aus Mendoza auf der Dachterasse unsres Hostels.
Ein wirklich sinnlicher Tag.


Einzig das Wetter ist so ganz anders als der Reiseführer verspricht. Der Sommer ist wohl in diesem Jahr so kühl wie selten, so dass sogar die Weinlese das erste mal um einen Monat nach hinten verschoben werden musste. Das Weinfest „Vendimia“ Anfang März wurde darum dieses Jahr weit vor der Lese gefeiert. Klimaveränderung lässt grüßen!

Vor der Abfahrt unsres Busses nach Salta haben wir viel Zeit. Zum Abgeben der Räder müssen wir kurz vor 20.00 am Busbahnhof sein. Viel Zeit, um gemütlich das Zimmer zu räumen und durch Mendoza zu schläppeln. Der Blick vom Rathaus sei super, verspricht der Reiseführer. Dort angekommen erklärt man uns, das gehe nicht, Terrasse geschlossen, Renovierung. Auch gut. Jetzt zum Park San Martin. Dieser „Nationalheld“ und Befreier Argentiniens wird überall hoch verehrt und in keinem Ort darf seine Statue, ein Plaza San Martin etc. fehlen! Auf dem Weg dort kommen wir am Monumento Bandera vorbei, hier wird die Originalflagge ausgestellt mit der dieser Wunderknabe über die Anden gezogen ist. Stramm flankiert von 2 Burschen der Nationalgarde, fotografieren streng verboten.
Im Park dann endlich mal grün und ein kleiner See. Im Restaurant des Rudervereins (mit eigenem Fitnesstudio, Turnhalle und Schwimmbad – kommt mir irgendwie bekannt vor, quasi wie zuhause) gönnen wir uns ein desayuno segundo. Das Angebot gibts hier überall: Tasse Kaffee mit einem Gläschen Orangensaft und 2 Medialunas (Hörnchen). Am Hostel chillen wir noch etwas auf der Dachterasse. Bevor wir zum Busbahnhof aufbrechen gehen wir nochmal zum Mercado Central was essen.

Für die lange Fahrt (1300km, weiter als einmal längs durch Deutschland) gab es diesesmal im ganzen Bus“Cama“ Plätze (120 Grad abklappbare Sitze). Mal schauen ob ich da noch besser schlafe?!
Die Stewardess im Bus hat uns mit einem warmen Abendessen versorgt. Dazu gabs doch glatt Rotwein, Service wie im Flugzeug. Satt und ausgestattet mit Kissen und Decken haben wir beide ausgezeichnet geschlafen. Ich wurde tatsächlich erst um 8.30 wach als das Frühstück serviert wurde.
Draußen ziehen riesige Zuckerrohrfelder vorbei, alles ist feucht und grün, in der Ferne die Höhenzüge der Anden. Seit 3 Monaten bewegen wir uns an ihnen entlang. Mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Sie sind mit 7500 km die längste Gebirgskette der Welt!

Salta – die Schöne!

Nach 20 h Fahrt sind wir nun endlich in Salta! Der Weg zum Appartement führt uns schon mal an den meisten Highlights vorbei. Neben der Kathedrale am Platz 9. Juli bestellen wir im Cafe Van Gogh trotz 16:30 ein desayuno (Frühstück= Kaffee +Medialunes+ O’saft!).
Salta trägt den Beinamen „La Linda“/ „die Schöne“ und ist bekannt für ihre spanische Kolonialarchitektur, wir lassen uns überraschen!
Salta behauptet, die ursprüngliche Heimat der Empanada zu sein. Da ist Probieren für uns natürlich ein Muss. Gleich am ersten Abend haben wir uns von Laden ums Eck ein Dutzend Empanadas mit nach Hause genommen (Schinken /Käse, Käse /Zwiebeln, Hühnchen und Fleisch). Mmmhhmmm!


Gleich morgens nutzen wir auch hier das Angebot einer FreeTour um einen guten Überblick über Salta zu bekommen. Homero, unser Guide, hat uns dann tatsächlich in zwei Stunden in einer sehr informativen Tour seine „La Linda“ gezeigt.
Wir wissen nun Bescheid über die Struktur argentinischer Städte mit zentralem „Plaza de Armas“ und Kirche im Norden (auf der Seite der Reichen) und Rathaus im Süden (auf der Seite der Armen), kennen die drei Nationalhelden San Martin, Belgrano, Güemes, wissen was Kolonialarchitektur und neokolonialer Stil ist und vieles mehr. Ach ja, Tips für Essen /Trinken und gute Restaurants gabs auch! Sehr zu empfehlen.
(FreeTour Salta täglich außer Sonntag mit zwei verschiedenen Führungen 10.00 an der Kathedrale, alles über Geschichte, Kultur, Architektur und Gastronomie.)
Da uns diese Tour so gut gefallen hat, haben wir entschieden die späte Tour um 17.00 Uhr auch zu machen. Dazwischen sind wir in beiden Museen am Platz gewesen und der Nase nach durch die Stadt gewandert. Uff!
Im Museo de Arqueología de Alta Montaña sind die Niños del Llullaillaco zusehen. Drei Kinder, die vor über 500 Jahren zur Zeit des Inkareiches lebten und den Göttern geopfert wurden. Ihre guterhaltenen Mumien wurden im März 1999 gefroren auf dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco in rund 6700 m Höhe gefunden. Sie sollen die best erhaltenen Mumien weltweit sein. Es wird immer nur eine der Mumien ausgestellt, um sie zu erhalten. Es ist schon seltsam wie „lebendig“ sie aussehen. Ich stehe vor der Mumie des kleinen Jungen und kämpfe mit Tränen. Für uns ist dieses „Menschenopfer“ nicht zu verstehen.
Im Cabildo, dem alten Rathaus genau gegenüber der Kathedrale , einem sehr alten wunderschönen kolonialistischem Bau, ist heute das Museo Histórico. Allein der Bau ist einen Besuch wert!
Nachmittags hatten wir quasi eine Exlusivtour, da außer uns keiner gekommen war. Hier erkundeten das südliche (also ärmere) Stadtviertel und konnten in der Markthalle „Mercado Municipal San Miguel“ lokale Produkte sehen/riechen/einkaufen. Es gibt Marktstände mit regionalen Produkten (Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Elektrogeräten, Snacks und Souvenirs – alles bunt gemischt). Und selbst wenn man nichts kaufen möchte ist die trubelige Atmosphäre eine gute Möglichkeit, die lokale Szene zu erleben. Unsere Tour endete am „El Patio de la Empanada“. Da dort erst ab 20:00 Empanadas verkauft werden konnten wir sie leider nicht testen. Nach einem Happy Hour Beer (Quinoa und Black IPA/India Pale Ale) waren wir reif für ein deftiges Abendessen.
Wir folgten dem Gourmettipp von Homero und besuchten das Doña Salta. In der Tat, das Essen war ausgezeichnet! Endlich konnte ich „Locro“ einen argentinischen Eintopf probieren. Für Johannes gab es wieder ein riesiges Steak, super Qualität und al punto gegrillt.

Den Hausberg, den Cerro Bernadino, kann man über drei Wege erklimmen, die Seilbahn, über die Sraße oder über den Treppenweg der 1200 Stufen. Wir haben uns am Sonntag für Letzteren entschieden. Bei subtropischen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit eine sportliche Extraeinlage, aber nicht verkehrt! Das gute Essen, der Wein und die unzähligen Panaderias beginnen unsere Depots mehr als zu füllen.

Morgen geht es wieder mit dem Rad auf die nächste längere Etappe, rund 1500 Kilometer bis nach San Pedro de Atacama. Wir wollen zuerst durch die Quebrada de Humahuaca nach Bolivien, über Potosi nach Sucre. Weiter von Uyuni über den gleichnamigen riesigen Salzsee zurück nach Chile in die Atacama. Jetzt geht es wieder in die Höhe, das Altiplano liegt auf 3500 bis 4500 m über dem Meer, da müssen wir uns wieder akklimatisieren.

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