Über den größten Salzsee der Welt 

Die Busfahrt von Sucre nach Uyuni war sehr abwechslungsreich. Da wir im Doppeldeckerbus oben ganz vorne Plätze gebucht hatten konnten wir die tolle Landschaft richtig genießen.
In Uyuni kommen wir im Casa ciclista unter. Unsere erste Erfahrung mit einem Casa de ciclistas. Außer uns schlafen hier noch 10 weitere Radler aus der ganzen Welt (Polen, Spanien, Italien, Portugal, Amerika, Kolumbien). Von Miriam, der guten Seele hier, werden wir in alles eingeführt und dürfen dann unsere Isomatten in einem kleinen sauberen Raum ausbreiten.Wir teilen uns unser kleines Zimmer mit dem polnischen Pärchen. Im Innenhof steht der große Esstisch und zwischen den Bäumen sind Hängematten aufgespannt. Die kleine Küche hat alles was es braucht. Hier ist es zwar etwas „chaotisch“ aber herzlich. Zwei Jungs schrauben an ihren Rädern, Simon aus Italien reinigt nach der Salarquerung sein Rad ( wow, sieht jetzt aus wie neu), die anderen faulenzen in der Hängematte.
Wir schlafen erstaunlich gut, hier in Uyuni haben wir einen Tag für Orga etc. eingeplant. Wir müssen genug Essen für die Salarquerung besorgen, wollen eine bolivianische SIMkarte erstehen und den Eisenbahnfriedhof anschauen. Wir frühstücken und nehmen unsere Tassen mit in die Sonne. Im Schatten ist es hier auf 3600 m a…kalt. Die anderen Radler (alle viel jünger als wir) schlafen noch. Erst kurz nach 9.00 wirds lebendiger. Simon bricht Richtung Lagunenroute auf und die ganze „Radlerfamilie“ verabschiedet ihn überschwänglich. Ich bin schon lange nicht mehr soviel gedrückt und geküsst worden – zur Begrüßung einmal die Runde, abends, morgens, beim Verabschieden, …
Uyuni ist nicht wirklich schön, kurz vor dem Ort endet die Teerstraße und so ist alles etwas trostlos uns staubig. Das Besorgen der SIMkarte ist erstaunlich kompliziert. Nur der Hauptladen von Entel ist autorisiert Karten an Ausländer zu verkaufen. Wir müssen den Reisepass mitbringen und uns am ersten Schalter registrieren lassen, dann erst können wir die SIMkarte an zweiten Schalter freischalten und aufladen lassen. Jedesmal heißt es warten. Mit uns sitzen hier sicher 15 Personen und wir begreifen nicht in welcher Reihenfolge die „Warteschlange“ abgearbeitet wird. Wir warten und warten, aber nichts passiert…
Irgendwann klappt ’s dann doch. Nun sind wir wieder mobil;-)
Auch hier hat es einen Mercado Central und wir decken uns mit allem nötigen ein. Wir suchen lange bis wir ein Café finden, das nicht nur Nescafe anbietet sondern ne wirkliche Kaffeemaschine hat und wifi! Spätnachmittags besuchen wir den Eisenbahnfriedhof. Echt skuril wie da mitten in der Landschaft die alten Loks vor sich hin rosten. Wir treffen Sarah und Lukas, zwei junge extrem sympathische Menschen und verratschen uns. Eigentlich wollten wir viel mehr fotografieren. Aber Fotos gibts noch öfter! Nach Sonnenuntergang radeln wir zurück, es wird ganz schön schnell kalt und dunkel.
Heute Nacht teilen wir uns das Zimmer mit Ludwig, einem netten deutschen Motorradfahrer.

Nachdem wir uns von allen im Casa umarmt und verabschiedet haben gehts los auf den Salar. Beide sind wir extrem gespannt. Bei Colchani radeln wir um einige größere Wasserlachen herum, aber danach können wir trocken dahinradeln. Sieht aus wie festgefahrener Schnee, lässt sich aber bestens fahren. Beim Denkmal für die Rallye Paris Dakar werden wir von Jeeptouristen beklatscht. Niice! Zur Belohnung dürfen sie ein Bild von uns machen. Wir radeln heute 65km und bauen unser Zelt mitten auf dem Salar auf. Aber nicht ohne vorher unzählige Perspektivische Fotos mit uns und den Rädern zu machen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Beim Zeltaufbauen fährt ein weißer Camper vorbei, hält und heraus springen Sarah und Lukas. Na super, haben sie doch eine günstige Mitfahrgelegenheit bekommen. Wir quatschen nur kurz, sie müssen novh vor Dunkelheit auf der Isla Inkahuasi sein und nach Sonnenuntergang gehts raz faz und es ist stockfinster. Sobald die Sonne am Horizont verschwunden ist wirds zapfig und wir verschwinden ins kuschelige Zelt.

Die 30 km bis zur Isla Incahuasi ziehen sich, obwohl das Radeln auf dem Salar gar nicht so anstrengend und wirklich einmalig ist. Aber es geht halt immer nur gradaus und die Insel kommt und kommt nicht näher. Und wir werden durch die Unebenheiten ganz schön durchgeschüttelt.
Irgendwann stehen wir dann kurz vor Mittag doch vor der Kaktusinsel und parken die Räder versteckt. Die Lenkertaschen umgehängt kraxeln wir hoch zum Gipfel der Insel. Immer wieder müssen wir diesen gigantischen Blick über den Salar mit diesen wunderschönen Kakteen und den „Kaktuskorallen“ fotografieren und auch oben gönnen wir uns viiiiiel Zeit. Danach radeln wir weiter zu den Restaurants und dem Parkplatz der Touristengruppen. Hier steht auch das Kassenhäuschen, denn wer auf der Insel hochwandern möchte muss hier Eintritt bezahlen. Da haben wir vorher Glück gehabt und sind wohl über den Hintereingang nach oben gewandert. Johannes zählt 27 parkende Jeeps und es wimmelt vor Touris. Wir werden oft nach dem woher und wohin gefragt und bekommen viele „Daumen hoch“ gezeigt. Der Trubel liegt uns nicht aber wir können am Kiosk Trinkwasser für Birgit, Sprite für Johannes kaufen. Im Restaurant füllen sie sogar noch Johannes PETflasche mit Wasser zum kochen auf. So versorgt radeln wir zur nächsten Bucht und finden dort am Ufer ein sandiges, ebenes und nicht zu steiniges Plätzchen fürs Zelt. Welch ein Kontrast zu gestern Abend. Zum Sonnenuntergang klettern wir nochmal den Hügel hinterm Zelt zum privaten „Sunsetpoint“ hoch und genießen ganz in Ruhe „unsren“ Salar. Der Jeepkarawane ist seit einer Stunde verschwunden und wir haben das Gefühl die Insel gehört uns ganz alleine. Wow!!!!

Die Boden der Insel hat wohl tagsüber gut Sonne getankt, denn diese Nacht ist es deutlich wärmer als gestern. Und zu unsrer Überraschung haben wir hier mitten auf dem Salar Netz und können WhatsAppen und Neiderbilder verschicken. Schon irre, gerade an dem Ort, den wir uns am entferntesten von der Zivilisation vorgestellt hatten chattet Johannes sogar mit seinem Chef über seine neue Stellenbeschreibung!

Der heutige Tag ist kaum in Worte zu fassen. Wir lassen uns von der Sonne wecken und frühstücken vorm Zelt. Die Tourijeeps der Sonnenaufgangstour sind schon zahlreich unterwegs. Immer wieder spazieren welche vor unsrer Bucht vorbei. Ob sie wohl den frischen Kaffee riechen?  Einer kommt näher und stellt sich vor, sein Rad ist auf dem Jeep und er muss wegen Knieproblemen pausieren. Na klar, wir kennen uns doch, das ist ja Arnold aus Holland ! Ihm und seiner Mitradlerin sind wir auf dem Pamirhighway begegnet und später nochmal in Osh in unsrem gemeinsamen Guesthouse. Was ein Zufall!!  Wir empfehlen ihm noch das Casa de ciclistas und schon hupt sein Jeep zum Aufbruch.
Schweren Herzens verlassen wir dieses wunderschöne Fleckchen Erde und radeln Richtung Festland.  Nach 35 km wirds immer feuchter und die letzten 10 km ackern wir uns im knöcheltiefen Salzwasser voran. Unsre armen Räder meint Johannes,  wir Armen denke ich.

Aber irgendwie ist es auch cool quasi übers Wasser zu schweben. Die Wolken und die Berge an Land spiegeln sich soo schön im Wasser. Am Damm angekommen,  bringt uns die Straße trockenen Fußes ans Land. Gleich bei den ersten Häusern hat’s gottlob einen Wasserhahn und so können wir das Salz von den Räder und unsren Beinen spülen.


Mit ordentlich Rückenwind geht’s nun auf festem Boden weiter. Wir sehen Vikuniaherden und Nandus! Trotz der Windunterstützung gehts nur zäh voran, weicher Sand, Wellblechpiste – Ripio du hast uns wieder. Nach 65Tageskilometer zelten wir unterhalb des Ortes Colcha-K. Als wir schon eingemummelt in den Schlafsäcken sitzen bekommen wir doch glatt von der Blaskapelle oben im Ort ein Ständchen. Klingt wie bayrische Blasmusik, echt skuril!!!

03.05.2019 Colcha-K bis nach Chiguana
Heute Nacht wird Birgit arg vom Husten geplagt. Entweder die trockene Luft oder die vielen Küsschen und Abschiedsumarmungen im Casa de Ciclistas in Uyuni. Bisher hatten wir uns gut um Erkältungen drücken können, trotz der eher kalten Reiseländer.
Und es geht gleich so weiter – an Johannes Rad ist der Hinterreifen platt, schon wieder an der Stelle, an der der Mantel defekt ist. Zeit, um den vorsorglich in Sucre gekauften Ersatzreifen zu montieren. Brasilianisches Fabrikat, sieht eigentlich ganz gut aus und sollte den Rest des Sabbatjahrs durchhalten.

Unsere Karten-App verspricht heute kaum Höhenmeter, wir können es kaum glauben. Bis San Juan de Rosario haben wir die angekündigten Höhenmeter schon verbraucht – wie soll das denn gehen? Aber die App hatte recht. Nach San Juan kommen wir auf einen weiteren, ziemlich zugesandeten Salzsee. Aber wirklich total platt,  so dass wir gut radeln können und ausnahmsweise sogar einen Blick auf die vielen bunten Vulkane werfen können. Acht Fünftausender ringsherum!
Und dann bewegt sich was am Horizont, das erste Fahrzeug seit Stunden, ein Zug! Wir nähern uns der Bahnlinie nach Chile auf der die ganzen Erze aus den bolivianischen Minen an die Küste transportiert werden. Sieht etwas wie Märklin-Spielzeugeisenbahn aus vor den hohen Vulkanen und in der endlosen Weite.
Der Husten und das Halsweh von Birgit wird ärger, jetzt muss doch eine Tablette her, sonst wird das Weiterradeln in der trockenen und dünnen Luft zur Qual.
Wir zelten am „Ufer“ des SandSalzsees, morgen noch 35 km bis zur fünften Einreise nach Chile. Am Horizont hinterlassen Jeeps ihre Staubfahnen auf der Piste, in zwei Wochen werden wir zusammen mit unseren Jungs auch hier unterwegs sein, auch bequem mit dem Auto!

04.05.2019 Bis Olague an die chilenische Grenze haben wir heute mit 35 km eine kurze Etappe. Aber Birgits Husten verlangt nach etwas Pause. Die Piste über den Salzsee ist glatt wie ein Kunderpopo, bestes Radeln mit Blick auf den Vulkan Olague und seine Kollegen. Die letzten 15 km haben es dafür in sich. Denkt man schlechter gehts nicht mehr, kommt nach der nächsten Ecke diese Wellblech- und Buckelpiste daher. Aber wir trösten uns damit, dass nach der Grenze Teer auf uns wartet. Kurz vor Avaroa dem bolivianischen Grenzort treffen wir das polnisches Radlerpärchen,  mit dem wir schon im Torres del Paine gewandert sind. Wieder ein Hallo und wie geht’s.  Sie wollen mehr über die Bedingungen am Salar wissen und wir fragen neugierig nach Wasserfassen bis Calama.

Die bolivianische Grenze ist trostlos und verlassen aber den Stempel im Pass bekommen wir ruck zuck. Jetzt nur noch 2 km und endlich wieder Teer!!! Am chilenischen Grenzposten müssen wir unsre Räder erneut als Transportmittel anmelden. Chilenischer Wahnsinn! (Damit wir auch ja wieder damit ausreisen!!!)
Olague selber besteht aus einer Straße, an der einige Häuser zusammengebaut trostlos vor sich hin verwittern. Die Suche nach einer Unterkunft zeigt sich als erstaunlich kompliziert. Na dann erst mal was essen, es gibt tatsächlich ein Restaurant das mit einem Tagesessen wirbt. Und das schmeckt richtig gut. Und es löst sich ja doch immer alles in Wohlgefallen auf, sie vermieten auch ein Zimmer, bingo. Auf die Dusche müssen wir aber leider noch 2 Stunden warten,  der Boiler muss erst noch angestellt werden. Wie? Es wurde uns warmes Wasser den ganzen Tag versprochen. Aufregen nutzt aber nix, es hat sonst weit und breit nichts vernünftiges. Dafür sind die Preise hier am A d W echt gesalzen.
Wir putzen unsere Räder (die stört kaltes Wasser nicht) bevor wir uns säubern können. Ach welch Luxus zuhause, Wasserhahn aufdrehen und gut is!

Dieser Beitrag wurde unter Bolivien abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.