Von Atacama bis Titicaca

Nach einigen Wirrungen (Flugverspätungen bei Felix und Simon, Busausfall bei uns anderen) sind wir am Ende doch alle gutgelaunt und wohlbehalten in San Pedro de Atacama angekommen. Das Begrüßungshallo muss ich nicht beschreiben. Wir haben uns alle ewig nicht mehr gesehen und so gab es doch viel zu erzählen. Gut, dass der Pool und der Garten hier im Takha Takha Platz dazu bietet. Auch beim Abendessen wurde viel gequatscht und gelacht.
Vor dem Ausflug um 14.00 an unserem ersten echten Urlaubstag war viel Luft zum gemütlichen gemeinsamen Frühstück, einen Spaziergang durchs Örtle und ein Sonnenbad.
Um 14:00 wurden wir im Hotel abgeholt und nun gings mit dem Tourbus ins Valle de Luna (mit einigen Stops zum Aussteigen und Staunen) danach ins Marsvalley und zum Abschluss konnten wir am Aussichtspunkt oberhalb des Tals der Dinosaurier den Sonnenuntergang bewundern. Glühend rot färbte die untergehende Sonne den Vulkan Licancabur. Einfach nur schön!

Urlaub und nichts mit ausschlafen!
Schon um 5:00 machen wir uns auf den Weg zu den Geysiren von El Tatio. Wir müssen so früh los, da man sonst die Geysieraktivität nicht beobachten kann. Gegen 7:00 sind wir am Ziel und sehen überall aus der Erde Dampfsäulen aufsteigen. Leicht riechts nach Schwefel und an manchen Stellen sieht man vor lauter Nebel den Nachbarn nicht mehr. Es ist schon ganz ordentlich kalt, sogar um die Geysire ist das Wasser am Boden gefroren. Schöne Fotomotive gibts zuhauf. Sobald die ersten Sonnenstrahlen über den Berg kommen wirds deutlich wärmer, aber dafür lässt sich der Dampf weniger erkennen. Zu trocken ist die Luft hier oben auf ca 4400 hm.
Nach diesem Schauspiel ist am Bus Frühstück für uns gerichtet. In der warmen Sonne genießen wir Kaffee und Sandwiches und zum „Nachtisch“ können wir zwei kleinen Füchsen beim Rumtollen zuschauen. Das sollten aber nicht die einzigen Tiere für heute sein! Unterwegs sahen wir noch zahlreiche Vicuñaherden, an den Lagunen die unterschiedlichsten Wasservögel, Viszcachas, Lamas und Nandus. Auf dem Rückweg besuchten wir noch Machuca, eine kleine Lamasiedlung. Die Häuser dort sind alle aus Adobe und die Dächer mit Stroh bedeckt. Besonders gut gefällt mir dort die Kirche. Die Jungs probieren Lamakebab.

Schon zeitig am Hotel zurück bleibt Zeit um gemeinsam am Busbahnhof zu essen, für die dreitägige Jeeptour Getränke zu besorgen und unsere Räder in den, von den Jungs mitgebrachten, Radtaschen zu verstauen.

1. Tag Jeeptour:
Als erstes holte uns ein Sprinter vom Hotel ab und brachte uns zur chilenischen, dann zur bolivianischen Grenze in Hito Cajón. Die Grenzen liegen echt mitten in der Wüste. Dort wartete schon unser Fahrer mit EINEM Jeep! auf uns. Die Agentur hatte leider vergessen ihm mitzuteilen, dass außer 6 Personen auch noch 2 Räder mitmüssen. Nach etwas Diskussion und Wartezeit wurden unsere Räder dann in einen leer nach Uyuni zurück fahrenden Jeep verladen und direkt nach Uyuni zur Agentur gebracht. Erste Hürde gelöst! (es sollten noch einige mehr kommen – gut, dass wir das da noch nicht gewusst hatten). So nun konnte es losgehen. Wir besuchten die Weiße und die Grüne Lagune mit Blick auf den Vorzeigevulkan Lincancabur und durchquerten hinterher die Wüste Salvador Dalí ( heißt so, weil die Farben an seine Bilder erinnern). In den heißen Quellen in Polques konnten wir in das 35 Grad warme Thermalwasser steigen, mit Blick auf Lagune, Vulkane und unzählige Wasservögel. Die Einheimischen nennen das „Gringosuppe“…

Währenddessen richtete unser Fahrer das Mittagessen. Weiter ging es zur Laguna Colorada. Weinrotes Wasser und unzählige Flamingos – unbeschreiblich schön! Wir haben die Bilder nicht getürkt, das Wasser ist wirklich soooo rot!
Die Unterkunft war wie erwartet sehr einfach, da wir aber alle zusammen in einem 6 er Zimmer untergebracht waren, wurde uns trotz der zweistelligen Minusgraden nachts wenigstens nicht kalt.

2. Tag Jeeptour
Überraschung, unser Fahrer wollte uns dann am 2.Tag eine andere Route zu einem anderen Ort/Hotel bringen. Wir hatten im Vorfeld lange mit unserem Reiseveranstalter diese für uns passende Route ausgearbeitet, und nun das! Nein, wir wollen wirklich an unsrer Route festhalten! Ja, er soll mit seiner Agentur telefonieren. Nur wie ohne Empfang, Entscheidung auf Mittag verschoben, vorher aber unser Programm. Durch die Wüste Silolí, mit einem Fotostopp am Steinbaum (Árbol de Piedra) gings in die Hochanden zu den Lagunen Ramaditas, Honda, Chiarkota, Hedionda und Laguna Cañapa.

Beim Mittagessen in Alota dann die Zusage der Agentur, dass unser Programm so bleiben kann. Auf der Weiterfahrt dann die ernüchternde Nachricht unsres Fahrers, es wäre aber leider keine Unterkunft reserviert worden, wir müssten uns dort durchfragen. Wie? Gehts noch?!
Erst im dritten Anlauf wurde unser Fahrer fündig und schlussendlich sind wir in einem passablen „Salzhotel“ irgendwo (zwar nicht im geplanten Ort) aber mit genialem Blick auf den Salar untergekommen.

SalarSonnenuntergang3. Tag Jeeptour
Der Blick auf den Sonnenaufgang überm Salar am nächsten Morgen war wunderschön!!!
Danach gings über den Salar zur Kaktusinsel Incahuasi. Das erste Stück der Fahrt über den wasserbedeckten Salar ist wieder grandios! Auf der Kaktusinsel können wir die riesige Kaktusgewächse (bis 12 Meter hoch und bis 1000 Jahre alt) und den genialen Blick auf die Salzwüste zum zweiten mal genießen. Weitere Punkte waren: die sogenannten „Augen der Salzwüste“, hier strömt Wasser und Gas blubbernd aus der Tiefe nach oben, am Ende das Dorf Colchani, wo es verschiedene, aus Salz hergestellte, Kunstwerke, viele Shops und das Salzmuseum zu bewundern gab.
Von Uyuni starteten wir gegen 20:00 mit dem Flieger nach La Paz und wurden dort mit dem Lichtermeer dieser Großstadt tief unter uns begrüßt. Der Flughafen liegt oben im El Alto und auf der Fahrt hinunter ins Hotel bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf das Verkehrschaos dieser Stadt. Hier möchte ich definitiv kein Fahrschüler sein!
Müde und voller Eindrücke der letzten Tage sind wir im Hotel angekommen.

Endlich mal wieder länger schlafen. Nach einem ordentlichen Frühstück haben wir mit der Red Cap Freewalkingtour die Innenstadt erkundet. Informativ, humorvoll und kurzweilig haben wir La Paz und einiges an Geschichte Boliviens kennengelernt. Anschließend sind wir auf eigene Faust mit den Seilbahnen quer über La Paz und das El Alto gegondelt (Doppelmeyer hat hier ein ÖPNV-Netz aus 12 Seilbahnlinien aufgebaut). Mit der lila und der silbernen Bahn sind wir hoch zum El Alto, über die dortigen Märkte (auch über den für uns sehr seltsam anmutenden Hexenmarkt mit Pülverchen für ALLE Probleme, Lamaföten,…) geschlendert und mit der roten Bahn wieder nach unten ins Zentrum. Die Jugend ist dann zum Bummeln und Shopping losgezogen. Wir genossen die Ruhe im Hotelzimmer. Abends sind wir dann durch Zufall im besten veganen Restaurant Südamerikas gelandet. Was ein feines 6 Gänge Menü. Super zufrieden und mit breiten Grinsen im Gesicht sind wir ins Bett gefallen.

Camino de Muerte mit X-trem Tours:
Wieder ist früh Aufstehen angesagt, heute steht der Downhill am Camino de Muerte im Programm. Nach der Einführung gestern Abend sind wir alle schwer gespannt. Wir werden mit Überhosen, Überjacken, Knie- und Ellbogenschützer, Vollhelm und Handschuhen ausgestattet. „Ritter Rost auf dem Fahrrad“:-). Zum Aufwärmen rollen wir vom 4700 hohen La Cumbre Pass auf Teer die ersten 1200 Hm nach unten. Wir scheinen uns gut anzustellen. Nochmals werden wir ein Stück mit dem Bus weitertransportiert bis wir endlich am Startpunkt ankommen und den Camino de Muerte nach unten rollen dürfen. Nach einer erneuten Sicherheitsanweisung düst die Jugend los, wir „Alten“ nur etwas langsamer hinterher. Unsre Guides Ruben und Mauricio haben es super verstanden die Gruppe bei Laune zu halten, gute Kommandos zu geben und so diesen Downhill zu einem sicheren Abenteuer zu machen.
Die Yungas-Straße auch „Camino del Muerte“ genannt, galt bis 2006 mit bis zu 300 Toten als gefährlichste Straße der Welt (Yungas ist Aymara und befeutet Dschungel). Mittlerweile gibt es eine zweite breite und geteerte Straße für den ganzen Verkehr Richtung La Paz. Von La Cumbre (4700m) hatten wir schon einen einzigartigen Blick auf die umliegenden schneebedeckten Bergspitzen, aber es sollte noch besser werden. Die zweite Etappe führte uns durch Dschungel, vorbei an steilen Kliffen zur linken und herabstürzende Wasserfälle und Felsüberhänge zur rechten Seite bis zum Dorf Yolosa auf nur noch 1200 Hm (insgesamt haben wir gute 4000 Tiefenmeter zurück gelegt). Um uns von der Fahrt „auszuruhen“ wurden wir ins nahegelegene Tierschutzgebiet La Senda Verde in ein Resort gebracht. Nach einer Dusche und einem Pasta- Buffet konnten wir im und am Pool unter Palmen die Seele baumeln lassen. Gefühlt ein Paradies hier unten! Tropische Pflanzen, Papageien und warme Temperaturen. Und erst auf der 3,5 stündigen Rückfahrt wurde allen erst richtig bewusst wie viel Strecke wir heute tatsächlich zurück gelegt hatten.

Tiwanaku
Auf dem Weg Richtung Peru besichtigten wir die archäologischen Ruinenstätte Tiwanaku. Tiwanaku war das politische und kulturelle Zentrum einer sehr hoch entwickelten Prä-Inka-Kultur. Wir konnten das berühmte Sonnentor, den Tempel Kalasasaya sowie die Untergrundtempel dort bestaunen.
Am Grenzübergang in Desaguadero wurden wir von einem super netten Tourguide in Empfang genommen. Auf dem Weiterweg konnten wir bei zwei sehr alten und ungemein beeindruckenden Kirchen Stopp machen (Enrique wusste überall Details zu erklären – seine Art hat auch unsre Jugend schwer beeindruckt) und uns ein Inka-Sonnenobservatorium anschauen. Enrique hat uns so viel über sein Land erzählt, dass die Fahrt nach Puno wie im Flug vergangenen ist.


Titicacasee
Den größten Süsswassersee Südamerikas teilen sich auf 3800 Metern Höhe Bolivien im Osten und Peru im Westen, und er ist stark verschmutzt. 2012 wurde der Titicacasee als bedroht erklärt. Er führt jährlich weniger Wasser, leidet unter Überfischung und giftigen Schwermetallen durch die Bergbauminen um ihn herum.Unser Passiert ist seitdem wenug! Die Präsidenten Boliviens und Peru kündigten den Bau von Kläranlagen an, die EU wollte Millionen bereitstellen. Naja, ist ja erst 2019.
Was Titicaca heißt, will man ja immer schon wissen.  Die Herkunft des Namens stammt aus dem Aymara und heißt Titi =große Katze und kaka = grau oder karka = Felsen. Ausgesprochen wird das übrigens „Titichacha“, denn kaka ist hier das gleiche wie in Deutschland …
Vom Hafen Punos gings per Motorboot zu einer der Schilfinseln der Uros. Die Uros sind eine alte Ethnie, die schon seit Hunderten von Jahren auf, aus Toragras geflochtenen, schwimmenden Inseln wohnen. Das schilfartige Gras wird außerdem verwendet, um Häuser und Schiffe zu bauen. Zugegeben der Besuch dort war super touristisch (wir waren nicht allein) aber nichts desto trotz interessant. Die Fahrt zur Insel Taquile danach dauerte gute 90 Minuten, die Insel liegt ca. 40 km von Puno entfernt. Hier können wir uns etwas die Beine vertreten. Auf dieser Insel spinnen die Frauen die Wolle und nur die Männer stricken. Von hier sollen die besten Strickarbeiten Perus kommen. Um zu erkennen ob Mann oder Frau Single oder verheiratet sind muss man bei den Männern auf die Mützenfarbe, bei den Frauen auf den Rock schauen. Mützen: weiß mit etwas blauen und roten Streifen = Single, rote mit dünnen weißen und blauen Streifen = verheiratet, Bunte Mütze = wichtige Autorität
Frauen: gelber, grüner und pinker Rock= Single, schwarzer Rock = verheiratet
Wir können den Damen beim Weben und den Männern beim Stricken zuschauen, bekommen eine Folkloreshow geboten und Simon, Felix und ich werden zum Mittanzen geholt. Wie lange gibt es diese Traditionen wohl noch?
Auf der Insel wird alles für den Alltag nötige angebaut. Beim gemeinsamen Lunch können wir die Produkte testen: Gemüse – Quinoasuppe, Forelle und Omelette.

 

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