Auf dem Salkantay Trek nach Machu Picchu

Cusco00325.05.2019 – 1.Tag
3:45, der Wecker bimmelt und ich versuche mich zu sortieren. Ach ja, heute starten wir um 4:00 zum Salkantay Trek. Unser Guide Angel hat uns gestern beim Einführungsbriefing alles erklärt, die gestellten orangen Duffles der Company und unser Daypack ist gepackt, es kann losgehen. Aber erst noch 2 Stunden Autofahrt, dann Frühstück unterwegs und nochmal 45 Minuten ins Tal hinein fahren. Endlich dürfen wir loswandern, die Duffles werden auf Pferde verladen, wir tragen nur unser Tagesgepäck. 20 Minuten gehts etwas steiler nach oben, mit dem Schnaufen haben wir null Probleme! Das amerikanische Pärchen (July und Logan ungefähr im Alter unsrer Jugend) in unserer Gruppe ist super trainiert und hat trotz geringer Höhenanpassung kaum Probleme. Einzig unsre holländische Mitwanderin Saskia spürt die Höhe stärker und nimmt sich die nötigen Pausen. Nach der ersten Steilstufe geht es nun flach an einem Wasserkanal zum Skycamp (3880 Hm) bei Soraypampa. Dort beziehen wir die spacigen Skydomes mit Glaskuppel und werden von der Küchencrew beim Lunch schwer verwöhnt. Wenn das so weitergeht kugeln wir nach Machu Picchu!! Anschließend gönnen wir uns eine Pause auf der Bank vor unsren Domes mit Blick auf den Salcantay Mountain. Was ein geniales Panorama!!! Das Nachmittagsprogramm und gleichzeitig der Test für den morgigen Aufstieg zu unserem höchsten Punkt des Treks ist der Ausflug hoch zum Humantay Lake auf 4221 Hm. Saskia geht’s nicht wirklich gut, ihr Magen macht Probleme, die Höhe scheint an ihr zu nagen. Sie bleibt im Camp und versucht zu schlafen.
Wir anderen ziehen mit Angel los. Was haben wir Glück mit den Tourkollegen. July und Logan sind sehr sympathisch und verstehen sich mit der Jugend bestens. Es wird viel gelacht. Der Anstieg ist wirklich steil, aber wir unterbieten die angekündigte Zeit bei weitem. Wir scheinen alle echt fit zu sein. Am See bleibt viel Zeit für Fotos, wir wandern weiter hoch auf den Moränenrücken und genießen das Panorama. Zeit wieder zurück zum Camp zu gehen, es ist Teatime. Die Stimmung ist prächtig und bei Popcorn, Keksen und ausgebratenen Bananen wird sich bestens unterhalten. Wie sollen wir gleich beim Dinner noch was essen?
Der Blick aus unserem Skydome direkt hoch auf den schneebedeckten Salcantay wird uns den ganzen Abend und morgen früh begleiten. Unbeschreiblich schön ist es hier, endemische Blumen und Bäume, Kolibris, Hängegletscher, trotz der vielen anderen Touristen und der sinkenden Temperaturen nachts genießen wir jede Minute!

26.05.2019 – 2. Tag
Wir haben heute Nacht super geschlafen und kein bisschen gefroren! Aber es ist mal wieder eine sehr kurze Nacht. Um 4:45 werden wir mit einer Tasse Cocatee geweckt und um 5:15 gibts Frühstück. Und was für eines, wow, bislang das beste Frühstück unterwegs: frische Pancakes mit warmem Apfelkompott, ausgebackene Bananan, Kartoffelpie…. So gestärkt machen wir auf zum 4638 Meter hohen Salkantay Pass. Nachdem wir alle unsren Rhythmus gefunden hatten, ging der Aufstieg super. Die Jugend flott vor uns, July hatte heute mit der Höhe zu kämpfen und wanderte mit Logan schön langsam hinter uns, Saskia hatte immer noch mit dem Magen und der Höhe zu kämpfen und deshalb die Option reitend nach oben zu kommen gewählt. Am Pass wartet unser Koch mit warmem Cocatee. Alle nehmen sich viel Zeit für Fotos. Immer mit Blick auf den wunderschönen Salkantay Mountain mit seinen scharfen Schneerinnen.
Die 7 km bis zum Lunch bei Wayracmachay abwärts gehen dann für alle problemlos. Wieder versorgt uns die Küchencrew mit tollem Essen. Dann ändert sich die Landschaft plötzlich von trockenbraunhochalpin nach feuchtgründschungeldickicht. Auf den letzen 10 km talwärts durch den Yunga bis Chaullay wurden wir durch ein kleines Gewitter nassgespritzt, aber irgendwie passte das bisschen Regen zu Flora und Fauna um uns herum. Ca. 900 Meter hoch und 1800 Meter tief sind wir heute bei 24 km Strecke gewandert. Höchster Punkt 4638 Hm und tiefster Punkt 2870 Hm im Camp. Das Dschungelcamp in Chaullay ist sehr basic, kleine strohgedeckte Hütten, nebenan plätschert der Bach, seltsame Käfer und Motten krabbeln umher, Grillen zirpen laut. Ungewohnte Geräusche begleiten uns in den wohlverdienten Schlaf. Auch diesen anstrengensten Tag des Treks haben wir super geschafft!

27.05.2019 – 3.Tag
Wir dürfen bis um 5:10 schlafen, welch ein Luxus! Und erst als Angel mit dem heißen Cocatee kommt werden wir wach. Der heutige Tag bringt nur 17 km (300 hoch und 900 Tiefenmeter). Wir wandern durch Passionsfrucht- und Avocadoplantagen, dürfen hier und dort probieren. Wir testen die Frucht des Tomatenbaums und trinken Guavensaft. Die Landschaft heute war wieder völlig anders, super schön, wenn nur diese blöden Stechviecher nicht wären!


Lunch gibts am heutigen „Dschungelcamp“ im Dorf Playa Sahuayacco. Dort hat es ohne Ende Kaffeeplantagen und wohl auch einen der besten Kaffees in Peru. Wir können bevor wir ins Thermalbad gefahren werden ein Coffeetasting mitmachen. Simon kurbelt die Maschine mit der die Kaffeebohnen geschält werden, danach rösten wir die Bohnen über offenem Feuer, Felix mahlt sie und dann können wir hinterher „unsren“ Kaffee als Espresso nach dem Essen trinken.

Johannes bleibt im Camp, wir anderen werden ins Dorf Santa Theresa hinuntergefahren. Das T – Shirt „we survived Salkantay“ das wir am Pass bekommen hatten, wird nach der steilen Busfahrt hinunter zum Thermalbad „Aguas Termales de Cocalmayo“ umgeschrieben in „we survived the road down“. Manchmal passte zwischen unsren Bus und den entgegenkommenden Autos gerade noch ein Blatt Papier und nebendran gings in die Tiefe. Das Bad war super entspannend, so konnten wir in 4 verschiedenen Becken (35, 37,39,41 Grad) abhängen und relaxen. Nach drei Trekingtagen ein Wohlgenuss!
Im Camp oben scheinen wahre Wolkengüsse niedergegangen zu sein, wir haben unten nur ein paar Tropfen mitbekommen – alles richtig gemacht!

28.05.2019 – 4. Tag
Von Lucmabama auf 2017 Hm bis zum Llactapata Pass auf 2736 Hm wandern wir immer durch Kaffeeplantagen. Felix der gestern wohl was falsches gegessen hat, und heute Nacht mit andren Dingen als Schlafen beschäftigt war, kämpft sich tapfer nach oben!
Hier oben zeigt sich für uns Machu Picchu das erstemal. Und bis Ahobamba auf 1785 Hm dürfen wir diesen mystischen Ort noch mehrmals bestaunen. Wir freuen uns schon so sehr auf morgen! Unterwegs kommen wir an einem Sonnentempel, den Inkaruinen von Llactapata vorbei. Tief nach unten führt dann der Pfad bis zum Urubamba. Mit der Eisenbahn fahren wir dann um 14:50 von Hydroelectrica durchs Urubambatal nach Aquas Calientes. Während der Zugfahrt lässt sich Machu Picchu ein wenig blicken, wow. Im Hotel springen wir alle in unsere Zimmer und dort unter die heiße Dusche, was tut das gut!! Dann stürzen wir uns ins Tourigetümmel (und das ist hier wirklich unerträglich) und trinken auf einer netten Terasse Kaffee.
Daheim machen sich Freunde Gedanken, ob wir vom Erdbeben Stärke 8 betroffen sind, aber das war zum Glück weit weg im Nordosten Perus.

29.05.2019 – 5. Tag
Xavier, unser Guide für Machu Picchu, holt uns um 5:30 im Hotel ab. Gemeinsam fahren wir mit dem Bus nach oben zum Eingangscheck für Machu Picchu. Wir sind immer noch sehr skeptisch ob es ihm tatsächlich gelingt, die falsch auf 8:00 Uhr gebuchten Eintrittskarten auf 6:00 zu wechseln. Und in der Tat dürfen wir mit der ersten Schicht eintreten und müssen so die Anlage mit wirklich wenigen anderen teilen! Die Lage der Ruinen inmitten der steilen und dichtbewachsenen grünen Berge ist schon genial und bringt nicht nur unsere Digitalkameras zum Glühen. Wer soll sich das alles nur anschauen?!
Xavier (er war schon 4000 mal in Machu Picchu) versteht es super die Infos mit toller Körpersprache so aufzubereiten, dass wir gut zuhören können und viele Infos mitnehmen. Nach ca 2,5 Stunden muss er uns weiterschicken, der Zugang zum Machu Picchu Mountain ist nur mit einem besonderen Ticket möglich. Keine Ahnung wie viele Stufen es die ca. 700 Hm nach oben auf 3100 Hm hoch ging, aber es war s.. anstrengend! Dieses Stück möchte ich freiwillig nicht noch einmal machen müssen. Aber der Blick von oben hat sich absolut gelohnt. Auf dem Gipfel wurden Johannes und ich schon von den Kindern begrüßt. Wir gönnten uns genug Zeit den Ausblick zu genießen. Die Jugend klapperte alle Highlights ab und war zügig unterwegs. Kurz vorm Sonnentor holten mich Felix, Max und Lisi ein. Sie waren vom Berg noch zur Inkabrücke gejoggt. Simon kam mir schon etwas früher entgegen, er ist vom Berg direkt zum Sonnentor und nun auf dem Weg zur Inkabrücke. Am Wächterhaus treffen wir alle wieder auf Johannes, der sich hier auf den Terassen eine kleine Auszeit gegönnt hatte und einen Heiratsantrag, eine Mode-Fotoshooting und Dreharbeiten zum angeblichen Besuch der japanischen Kaiserin beobachten konnte.
Gemeinsam erkunden wir noch einmal die Anlage und jetzt ist sogar der Sonnentempel offen. Dann ist Zeit zum Aufbruch; mit Unmengen von anderen Touristen fahren wir mit einem der vielen Busse zurück nach Aquas Calientes.
Die Zug- und Busfahrt dann durchs tief eingeschnittene Urubambatal zurück nach Cusco war noch ein Leckerli am Ende. Machu Picchu hat uns alle umgehauen und unsere Erwartungen mehr als erfüllt. In Cusco fallen wir nach diesen 5 ausgefüllten Tagen müde und voller Eindrücke ins Hotelbett.

30.05.2019 – Cusco
Am Donnerstag  (in Deutschland Vatertag) nehmen wir uns ein Taxi hoch nach Tambomachay (Wasserheiligtum der Inka). Von dort wandern wir zurück nach Cusco und klappern dabei ohne Ende Inkaruinen ab. Von Puka Pukara (die rote Festung) weiter durch ein Tal voller alter Steine zum Mondtempel, dann über Quengo nach Chico Quengo. Jetzt zur Christo Blanco Statue hoch über dem kolonialen Zentrum von  Cusco gelegen, mit genialem Blick auf die Stadt. Die weiße Statue, etwa 8 Meter hoch, war ein Geschenk arabischer Palästinenser, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Cusco Zuflucht suchten. Die Statue stellt  Christus dar, der seine Arme nach außen ausstreckt.
Zum krönenden Abschluss besichtigten wir Saqsayhuman – die mysteriöse Inka Ruine. Eine mehrere hundert Meter lange Zickzack-Mauer aus riesigen Steinblöcken, die trotz der unregelmäßigen Formen nahtlos aneinanderpassen. Die größten Steinblöcke wiegen rund 200 Tonnen, alle mit Muskelkraft hierher gezerrt und aufgestapelt. Ein Schrein oder eine Festung? Niemand weiß es wirklich genau, aber nichts desto trotz ist es eine der archäologischen Attraktionen Cuscos. Der Name Saqsayhuman bedeutet in Quechua „gesättigter Falke“, aber der wahre Name und die Ursprünge dieses imposanten Ortes sind immer noch vielen Wissenschaftlern ein Rätsel.

Bevor die Jugend wieder nach Hause fliegt gönnen wir uns ein Abendessen im Marcelo Batata,  einer der besten Adressen hier in Cusco.

Am Freitagmorgen besuchen wir mit Simon und Felix Freitag noch Korikancha – den heiligen Tempel der Sonne.
Er war vermutlich das heiligste und bedeutendste Gebäude im Inka-Reich. Wer ihn überhaupt betreten durfte musste als Zeichen der gebückten Demut eine schwere Last auf dem Rücken tragen! Der  Tempel selbst war mit massiven  Goldblättern ausgekleidet, die das  Sonnenlicht reflektierten, und andere goldene Objekte, einschließlich einer massiven Goldscheibe, die mit Edelsteinen besetzt war und ein menschliches Gesicht  trug, das den Sonnengott Inti darstellte.
Als die spanischen Konquistadoren in Cusco ankamen, wurde der Tempel eingerissen  und wertvolle Gegenstände geplündert, später die Kirche und das Kloster von Santo Domingo auf den Korikancha-Fundamenten gebaut.

Jetzt sitzen wir wieder zu zweit in unserem Hotelzimmer und basteln am Blog.
Wie schnell sind diese 3 Wochen vergangen und was haben wir alles gesehen – es war superschön!

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