Wieder zu zweit in Cusco

Nachdem die Jugend abgereist war, war ich zugegeben erst etwas melancholisch aber auch super müde. Die letzten drei Wochen waren ganz schön durchgetaktet. Der Blog wollte nun wieder gepflegt und einige Orga erledigt werden. Im super gemütlichen Innenhof unsres Hotels konnten wir all das in Ruhe erledigen, die Räder zusammen bauen und tief durchatmen.
Tags darauf beziehen wir das kleine cozy Airbnb Appartement, welch Zufall nur 200 m entfernt  vom Hotel und super zentral. Unsre Hosts sind Cezar, Moira (aus Hannover) und ihre kleine Tochter Amaya. Moira ist vor Jahren zum Freiwilligendienst hierher gekommen und hängen geblieben. Beide führen eine kleine Tanzschule und wir fühlen uns wohl hier.

Die Besichtigung der Kirchen haben wir uns für die Zeit ohne Kinder aufgehoben und so klappern wir am Samstag die Kathedrale (wow, sehr beeindruckend), die Jesuitenkirche La Compañía und die Iglesia San Blas ab.
Hier der Bildungsteil:
Iglesia La Compania & La Catedral, beide nur einen Steinwurf von der Plaza de Armas entfernt. Die mächtige Iglesia la Compania de Jesus ist eines der Wahrzeichen von Cusco. Innen befindet sich der größte Altar Perus (22m hoch) und allerlei sakraler Prunk in Form von goldenen Kanzeln, Gemälden und Statuen. Es ist gleichzeitig beeindruckend und beschämend zu sehen, was die spanischen Eroberer mit dem Gold der Inka angestellt haben. Zu ihrer rechten befindet sich die Kathedrale von Cusco. Sie wurde von 1560 bis 1654 von den Spaniern auf den Grundmauern eines Inkapalastes erbaut. Viele Steine stammen aus Saqsayhuman. Dominiert wird der Innensaal von dem Altar, ganz in Silber und der Gottesmutter geweiht. Hier befinden sich auch die wunderschön gestalteten Chorstühle aus reinem Zedernholz. Die Kathedrale hat 14 Seitenkapellen, in denen verschiedene Kunstwerke, Gemälde, Altäre und Statuen von Heiligen aufbewahrt werden.
Im am Hang gelegenen Künstlerviertel San Blas schlendern wir durch den dortigen Mercado und die engen Gassen. Zufällig landen wir in der „In-Kneipe“ Limbusbar mit grandiosen Ausblicken auf Cusco. Eigentlich wollten wir dort nur Kaffee mit Blick auf die Stadt trinken. Uns hats aber so gut gefallen, dass noch ein Pisco sour und Cerviche und das Lichtermeer von Cusco unter und draus wurden. Man sollte sich viel öfter treiben lassen 🙂

Für den Sonntag haben wir einen Ausflug ins heilige Tal gebucht. Schon 30 Minuten früher als angekündigt klopft jemand an unsrer Tür. Dass wir hier in Südamerika oft warten müssen ist uns klar, dass aber jemand früher als abgemacht erscheint ist seeehr bemerkenswert. Unser Frühstück wurde damit jäh unterbrochen und all das nur, um als erster im Touribus zu sitzen und hinterher eine Stunde! quer durchs Städtle zu juckeln, um alle anderen nach und nach einzuladen. Fängt ja schon gut an!
In Pisac besuchen wir eine Silberschmiede und Edelsteinschleiferei. Der Ort ist neben seinen Inkaruinen auch für sein Silberhandwerk peruweit bekannt. Danach gehts hoch zu den Ruinen, die 600 Meter über dem Plaza de Armas liegen. Zu sehen sind ein Zeremonien-Zentrum, dessen Mauern und Hütten erstaunlich gut erhalten sind.
Das besondere an den Ruinen von Pisac sind jedoch die unzähligen Terrassen, die die steilen Hänge durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem fruchtbar machen. Die Terrassen enthalten außerdem ein nettes Geheimnis: Vom richtigen Winkel gesehen bilden sie die Form eines Kondors mit ausgebreiteten Flügeln.Dieser große Vogel galt bei den Inka als Bote der Sonne und geleitete die Toten in die Unterwelt.
Die Terassenkonstruktion ist in der Tat sehr beeindruckend. Wir machen wieder unzählige Bilder.
Am höchsten Plateau in der Mitte des Tempelbereichs liegt der Tempel des Sonnengottes Inti mit dem „Intihuatana”, einem Felsblock, an den nach dem Glauben der Inka die Sonne angebunden war und der wohl zur Unterscheidung der Jahreszeiten diente.
Die meterhohen Terrassen von Pisac werden heute noch bewirtschaftet und sind durch lange Treppen miteinander verbunden. Im Laufschritt hetzen wir durch die Anlage, damit wir einiges sehen und dennoch pünktlich zum Bus zurück kommen.


Auf dem Weg nach Urubamba sehen wir Stände an denen gegrilltes Meerschweinchen am Stock (Cuy al Palo) serviert wird. Nichts für empfindliche europäische Mägen.
Mittagsstop ist in Urubamba. Wir haben das Buffettlunch nicht mitgebucht und finden eine kleine Pizzeria mit grünem netten Innenhof. Viel besser als die Massenabfertigung! Aber auch wieder viel zu wenig Zeit, um diesen idyllischen Platz zu genießen. Schade, das ist wohl der Preis einer organisierten Tour.
Das Highlight des Nachmittags war der Besuch von Ollantaytambo.
Die archäologische Stätte von Ollantaytambo ist eine der bedeutsamsten Bauten aus Inka-Zeiten und liegt an einem strategischen Punkt im Heiligen Tal Richtung Machu Picchu. Diese Inka-Stätte ist als religiöses, astronomisches und administratives Zentrum der Inka bekannt (Sein Umriss sieht mit viel Fantasie wie ein Lama aus). Am Berghang gegenüber stehen weitere Ruinen mit länglichen Fenstern. Dabei handelt es sich um Vorratsspeicher der Inka. Aufgrund der kühlen Winde, wurden dort Lebensmittel wie Mais und Kartoffeln gelagert.


Auf dem Heimweg machen wir noch in Chinchero Halt. Der Ort ist bekannt für das Verarbeiten von Alpacawolle. Wir bekommen gezeigt wie man mit den unterschiedlichsten Pflanzen, Wurzeln und Läusen (Cochinilla, lebt als Parasit auf Kakteen) Wolle in unglaublich vielen Farbnuancen färbt.

Für Montag ist ein lazy Tag angesagt, gemütlich frühstücken,  Buskarten nach Lima kaufen, sich treiben lassen, über die Märkte schlendern, frischen Fruchtsaft trinken (auf jedem Markt ein Muss!!!), Gemüse kaufen, Ceviche am Mercado San Pedro probieren, und wieder mal selber kochen. Zeit haben ist echter Luxus,  wir wissen das und genießen es umso mehr!

Dienstag wandern wir auf eigene Faust von Moray nach Maras und runter zum Urubambafluss. Diese beiden lohnenden Stätten der Inka, liegen in der Hochebene, nicht unweit vom Andendorf Chinchero entfernt. Bei Moray handelt es sich um kreisförmige Terrassen, die an einen Landeplatz für Ufos erinnern. In Wirklichkeit war es aber wohl ein landwirtschaftliche Versuchsstätte der Inka. Bekannt für ihre Techniken in der Landwirtschaft, erprobten sie auf welchen Höhenmetern welches Gemüse oder Korn am besten wächst, denn – jede Stufe besitzt ein einmaligen Mikro-Klima und je tiefer man hinabsteigst, desto wärmer wird es – beeindruckend!


Nicht unweit von Moray befindet sich das verschlafene Dorf Maras. Der Wanderweg führt idyllisch durch einen bunten Flickenteppich an Feldern. Wir denken wir laufen alleine, aber plötzlich brausen lärmende Quads an uns vorbei. Auch diese Art der Vergnügung ist hier angekommen, Kommerz lässt grüßen. Am Marktplatz von Moras verspern wir im Schatten und schauen dem bunten Treiben zu. Von hier führt ein Pfad direkt zu den Salineras von Maras (auch hier überholt uns eine Mountainbike Gruppe, für Geld geht fast alles).
Die Salzterrassen hauen uns um, ein Meisterwerk der Inka! Sie haben die Bergwand des Canyons völlig umgestaltet und rund 5.000 Salzbecken erschaffen.
Durch ein ausgeklügelten Kanalsystem leiteten sie das aus einer direkt aus dem Berg sprudelnde, salzhaltige Wasser in die Becken ab. Bis heute wird so von den Salzbauern, den „salineras“, traditionell Salz abgebaut. Das salzhaltige Wasser wird über die komplizierten Kanalsysteme in die, gerade einmal 30 cm tiefen, Becken geleitet. Die starke Sonneneinstrahlung lässt das Wasser verdunsten. Zurück bleibt das schneeweiße, kristalline Salz das sogenannte „Weiße Gold“ der Anden. So wertvoll, dass es zu Inka-Zeiten sogar für Tauschzwecke diente.
Von hier wandern wir durch die Anlage weiter hinunter ins Urubambatal. Wieder einmal völlig geflasht, was wir jeden Tag aufs neue an Wundern und Besonderheiten sehen dürfen!

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Mittwoch: Zum Abschluss haben wir uns den Rainbowmountain aufgehoben. Morgens um 2:40 bimmelt der Wecker, denn die Rainbowmountain Traveler starten um 3:00 und werben damit, dadurch vor den Massen auf dem Berg zu stehen. Aus der Karaokebar nebenan düdelt Musik, ist die immer noch, oder schon wieder offen? Die Straßen sind fast leer, nur einige Taxis fahren hupend an uns vorbei. Nein, wir brauchen kein Taxi, danke, wir warten auf den Minibus der Agentur. Die kommt dann auch pünktlich und mit 18 saumüden Anderen tuckern wir mitten in der Nacht Richtung unseres Ziels. Es werden Decken ausgeteilt und bis zum Frühstückstop können wir etwas schlafen. Schweigsam und appetitlos sitzen wir am Frühstückstisch des Tourirestis in dem kleinen Bergdorf. Aber die Vernunft zwingt etwas Cocatee und Brot rein, gleich solls ja auf über 5000 Meter gehen. Nach einer weiteren Stunde Fahrt eine schmale Bergstraße hinauf stehen wir am Startpunkt der Tour. Mit uns sind nur wenige Sprinter-Busse hier oben, die Massen kommen erst etwas später. Da hatte die Agentur Recht! Die mehrmals angebotenen Pferde, lehnen alle ab und so wandern wir „Sexy Alpacas“ – so der Name unsrer Busladung:-), unser Tempo und Atmung findend die Höhenmeter zum Aussichtspunkt hoch. Beruhigend, dass wir keine Probleme mit der Höhe haben und zügig oben sind (beim Huayash-Trek nächste Woche müssen wir ja zusätzlich unsere schweren Rucksäcke samt Essen für 10 Tage schleppen). Belohnt werden wir mit einem genialen Blick auf den Rainbowmountain und dem benachbarten Red Valley. Wir haben mehr als genug Zeit für Erinnerungsfotos und weil wir so gute Wanderer sind können wir mit Hektor und allen anderen Interessierten (aus sexy Lamas und sexy Condors werfen nun sexy Alpacas) aus den diversen Rainbowtravelgruppen noch zum Aussichtspunkt über Red Valley rüber. Da der Weg über Privargelände zweier Clans geht muß jedesmal 10 Soles (gut 2 Euro) Wanderweg-Maut berappt werden, aber auch hier ist die Aussicht genial!

Zum Bus runter können wir eine Schotterrinne abfahren und so ist der Abstieg schnell getan. Lunch erhalten wir unten im Dorf im gleichen Restaurant und der ist erstaunlich gut. Und das bei dem Gesamtpreis der Tour von 30 Dollar. Müde aber super zufrieden werden wir nun wieder nach Cusco gefahren und pünktlich nach 12 Stunden werden wir ausgeladen.

Um uns von Cusco zu verabschieden statten wir der Limbusbar oben in Sant Blas nochmals einen Besuch an. Bei Happy-Hour-Pisco und Sonnenuntergang lassen wir die letzten schönen Wochen Revue passieren,  und da schleicht sich bei mir schon das ein oder andere Tränchen ein.

RainbowMountain13

Ade Cusco – Lima wir kommen!

PS: könnte noch spannend werden, gerade erfahren wir, dass heute Streik ist (am Limacpampaplatz vor unsrer Türe stehen Polizisten mit Schutzschildern Schulter an Schulter und sperren die Straße) – aber angeblich soll unser Bus nach Lima fahren …

 

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