Archiv: Blog Mongolei 2017

  • Potosí – einst reichste Stadt der Welt

    14.04.2019 Palmsonntag in Potosi
    Gemütlich lassen wir den Tag angehen, im kleinen Minimercado nebenan gehen wir frühstücken. Wir quatschen dort lange mit Anke und Torsten aus Düsseldorf , die auch im Sabbatjahr unterwegs sind. Danach schlendern wir durch Potosí, überall finden wir Reste der prächtigen Kolonialarchitektur. Der Glanz der vergangenen Zeit bröckelt zwar sehr, aber schon imposant welch Bauten dort mit dem Silber aus dem „Hausberg“ errichtet wurden.

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    Gegen 1611 war Potosí mit 150.000 Einwohnern zu einer der größten und der reichsten Städte der Welt aufgestiegen, wobei ca. 13.500 Menschen unter Tage Silber förderten. Man will sich nicht vorstellen zu welchen Bedingungen. Die spanischen Besatzer haben Einheimische wie afrikanische Sklaven unter erbärmlichsten Bedingungen in die Minen gezwungen.
    Nach Einbruch des Silberpreises und einiger Seuchen schrumpfte zwischendurch die Einwohnerzahl auf ca. 75.000. Jetzt leben wieder knapp 175.000 hier. Viele davon leben immer noch vom Bergbau. An den Arbeitsbedingungen hat sich wohl nicht viel verbessert. (für Montag haben wir uns zu einer Minentour angemeldet, um uns ein eigenes Bild von den „Grauen“ zu machen)

    Wegen Palmsonntag ist in der Innenstadt um die Mittagszeit tote Hose, kein Café zu finden. Im (auch schon fast geschlossen) Mercado Central erstehen wir alles für das morgige Frühstück und einen Nachmittagskaffee. Im Hostel zurück genießen wir den ruhigen Innenhof. Johannes bastelt am Benzinkocher rum, Birgit erledigt Wäsche, der Blog will gehegt werden. Später ziehen wir nochmal los, wir wollen hoch zum Mirador „Torre de la Compania de Jesus“ beim Tourist Office.
    Hinterher hängen wir am Platz ab, schauen den Vorbereitungen für den Palmsonntagsgottesdienst zu. Neben uns auf der Parkbank sitzt eine Bolivianerin, die in Braunschweig lebt und auf Heimaturlaub in Potosí ist. Wir kommen ins Gespräch, von der Parkbank nebendran klinken sich zwei junge Damen ein. Eine Tirolerin und eine Regensburgerin, die beide in St. Gallen arbeiten und wir tauschen Urlaubserfahrungen etc. aus.
    Jetzt knurrte der Magen, aber Sonntag sind hier irgendwie alle Restaurants geschlossen, fein Essen Fehlanzeige. Schlussendlich landen wir in einer Kneipe zwischen Einheimischen und essen fritiertes Hühnchen mit Pommes.
    Der Open Air Palmsonntagsgottesdienst ist für uns eine ganz besondere Erfahrungen. So ganz anders als Zuhause feiert man mit lebhaften Liedern, der Chor tanzt und winkt wie das Fernsehballett und alle wedeln wild mit ihren Palmzweigen. Zwischen den Gottesdienst -Besuchern schlängeln sich Essensverkäufer (hier muss keiner während des Gottesdienstes hungern) und an jeder Ecke kann man geflochtene Palmwedel erstehen.
    Die Kälte treibt uns dann aber zurück ins Hostel unter die warmen Überdecken. Nach Sonnenuntergang sinkt die Temperatur in dieser Höhe schlagartig.

     

    15.04.2019 Zu Besuch beim Teufel oder eine Führung in eine Silbermine von Potosí

    Potosi 19

    Der Besuch in den Silberminen von Potosi  war mit Sicherheit mit eine meiner bewegtesten Erfahrungen in Südamerika (interessanter Artikel beim Deutschlandfunk).
    Historisch liegt  die Bedeutung von Potosi vor allem in der Förderung von Silber im Cerro Rico. Als die spanischen  Eroberer den versteckten Reichtum im Berg bemerkten, begannen sie sofort mit intensiven Ausgrabungen. Tausende von  Indigenas wurden versklavt und zur Arbeit in den Minen gezwungen! Zusätzlich wurden Sklaven aus Afrika nach Bolivien verschifft. Da die aber die Höhe nicht gewohnt waren, starben die Meisten von ihnen schon bevor sie in die Stollen gezwungen wurden. Doch auch die Einheimischen überlebten aufgrund der unvorstellbaren Bedingungen in den Minen nicht  lange  – in den drei Jahrhunderten der spanischen Herrschaft ließen vermutlich insgesamt ca. 8 Millionen!!! Menschen in den Minen ihr Leben und verhalfen Spanien zu unglaublichen Reichtum. Doch im frühen 19. Jahrhundert wurde immer weniger Silber gefördert und vom drastischen Fall des Silberpreises Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Stadt nie wieder ganz erholt. Heute sind die Minen immer noch in Betrieb, gefördert wird heute aber vor allem Zink und Blei.
    Erschreckend ist vor allem, dass sich die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter seit dem 16.  Jahrhundert kaum verändert haben…
    Pünktlich am Hostel abgeholt und nach einer kurzen Fahrt wurden wir in einem Hof ausgeladen. Hier wurden wir komplett mit Überhosen, Jacken, Gummistiefeln,  Helm und Lampen ausgestattet. Außerdem gab minentaugliche Rucksäcke um unsere Getränke und, ganz wichtig, unsere Mitbringsel für die Arbeiter zu verstauen.

    So präpariert wurden wir zum Mercado de Mineros gefahren um die Geschenke für die Miner/ Grubenarbeiter zu erstehen. Dieser Markt ist wohl der einzige Ort dieser Welt wo man als Tourist Dynamit kaufen kann! Unser Guide José erklärte uns was die Miner benötigen: Saft, Wasser, Cocablätter,  Zigaretten und eben auch Dynamit. Johannes beschloss, unser Geschenk soll eine Stange Dynamit sein. Für 25 Bolivianos haben wir also eine Stange Dynamit einschließlich Zündschnur und ein Beutel Amoniumnitrat als Sprengkraftverstärker erstanden. Bestens gerüstet wurden wir nun zur Minenkooperative gefahren. In „professioneller Schutzkleidung“  marschieren wir also in den Stollen und im Gänsemarsch hinter José immer tiefer in den „Berg, der Menschen frisst“ hinein.

    Durch Matsch, Pfützen und Geröll geht es entlang der grobverschraubten Schienen der Loren. Zu Beginn war die Luft noch passabel,  Kompressoren haben Frischluft hineingeblasen. Das hat sich aber nach und nach verändert. Je weiter wir in den Berg hineinmarschiert sind, desto wärmer und schlechter wurde die Luft. An einigen Stellen mussten wir auf sehr schmalen Bretter über tiefe Löcher balancieren. Der Deutsche TÜV wurde heulen! Es sterben jährlich wohl ca. 30 Menschen in den Minen weil sie in Löcher fallen, die Decke einstürzt oder sie an Kohlenmonoxid Vergiftung sterben. Super Vorstellung,  nur nicht Nachdenken,  die Holzbalken werden schon halten. Eine Kletterpassage mit der Leiter von der Hauptgang zur oberen Etage ließ den Adrenalinspiegel schlagartig ansteigen. Dann noch über ein Brett balancieren und noch weiter über Geröll klettern. Nachdem der Japaner aus der Gruppe fast ins Loch darunter gerutscht wäre,  war für mich klar, diesen Programmpunkt muss ich nicht haben. Zumal das eh ne Sackgasse gewesen wäre.
    Wieder zurück im Stollen treffen wir immer wieder Miner am arbeiten, Steine in die Loren füllen und dann aus dem Stollen schieben.
    So nach und nach verteilen wir die mitgebrachten Geschenke an die Arbeiter.
    Jeder von ihnen hat einen großen Ball Cocablättern in der Backe. Ohne Coca wäre die Arbeit hier nicht möglich, es sorgt für eine bessere Sauerstoffaufnahme und lässt die Arbeiter Hunger und Müdigkeit nicht spüren. Deswegen ist eine Tüte Cocablätter ein gern gesehenes Geschenk.

    Bis zu den oberen bzw. unteren Ebenen, wo die Arbeiter Löcher bohren und sprengen, kommen wir mit unserer Führung nicht. Den schlimmsten Teil der Arbeit haben wir also gar nicht zu Gesicht bekommen.
    Das ins Freie transportierte Erz wird dann an eine Firma verkauft, die das Gestein klein zermahlt und mit Chemikalien und im Flotationsverfahren die Metalle vom Rest trennt. Ich vermute, dass mit jedem weiteren Verarbeitungsschritt der Gewinn=Lohn steigt und die Minenarbeiter leider trotz des gefährlichsten Jobs im wahrsten Sinne des Wortes „ganz unten“ sind. Ihr Einkommen beträgt zwischen 15 und 20 Euro am Tag (aber natürlich nur an den Arbeitstagen! Sie sind trotz der so nett klingenden Bezeichnung „Cooperative“ eigentlich Tagelöhner, Geld während Krankheit oder Rente gibt’s nicht.

    In jeder der 250 Minen gibt es eine Nische, in der Tio sitzt. Tio ist der Teufel, der Herrscher der Unterwelt, dem Opfergaben gebracht werden. Um ihn gnädig zu stimmen, damit Unheil abgewehrt wird, das Gestein viel Erz enthält etc.
    Tio ist mit Pacha Mamá (Mutter Erde) verheiratet und ihr Kind ist das Erz der Mine. Und weil Pacha Mamá seehr eifersüchtig ist dürfen auch keine Frauen im Berg arbeiten.
    Für Pacha Mamá wird als Opfergabe Alkohol versprenkelt und der Rest getrunken (96 % Alkohol, unglaublich).
    Ich glaube alle Bergleute auf der ganzen Welt sind abergläubisch!
    (Tio ist ein Relikt der Spanier, die haben den Minenarbeitern erzählt, der Dios würde aufpassen, ob sie ordentlich arbeiten. Wenn nein würde er sie bestrafen. (Zum “ Bewachen“ wurde darum in jede Mine eine Teufelsfigur angebracht.) Da die Quetchua kein „D“ aussprechen konnen, wurde aus Dios Tio)

    Als wir nach den 3 Stunden im Berg wieder am Tageslicht ankam waren wirklich alle sichtlich erleichtert.
    Nach der Tour gab es dann auch viel zu verarbeiten, die Gruppe ging geschlossen noch Empanadas essen und dabei mussten manche hochkommenden Emotionen verarbeitet werden, es gab viel Gesprächsbedarf. Die junge Französin, die in der Mine die Tränen nicht zurück halten konnte,  meinte sie würde sowas nie wieder in ihrem Leben machen. Viel zu viele Gefahren, angefangen bei den Löchern bis zum Silikonstaub.

    Potosi 13

    Silikatkristalle

    Die meisten Miner sterben mit 50 Jahren an Silikose, wir haben die Kristalle von der Decke rieseln sehen. Wir waren zum Glück nur kurz in der Mine. Die nächste Diskussion ging darum ob es zu voyeuristisch wäre,  das Leiden der Arbeiter zu „bestaunen“?
    Aber eigentlich waren wir uns dann doch einig, dass es eine sehr lehrreiche Erfahrungen war, zu sehen, in welch miserablen Bedingungen Menschen arbeiten und wir demütig auf unsere eigenen Lebenswelten schauen können. Mann, was geht es uns doch gut!!!

    Nach einer kurzen Pause im netten Innenhof unsres Hostels und weiteren Gesprächen zur Minentour ziehts uns nochmal ins Städtle und wir besichtigen die Cathedrale und genießen vom Glockenturm den Blick über Potosí.  So langsam haben wir uns gut an die Höhe hier gewöhnt. Wir schlafen super und schnaufen die steilen Stufen nach oben nur noch etwas.
    Die Eindrücke des Tages beschäftigen mich noch lange und noch beim Abendessen drehen sich unsere Gespräche über die Tour. Johannes hat die Mine wohl weniger „aufgewühlt“.

    16.04.2019  Unser letzter Tag in Potosí
    Heute Morgen hat das Museo Casa de Moneda offen. Vor unsrem Ausflug wollen wir hier etwas über Münzprägung und Entstehung des Geldes erfahren. Die alte Münzpräge Boliviens ist seit 1956 Museum und zeigt die Produktion der Silbermünzen und Geldstücke seit dem.16. Jhd. Mit lebensgroßen Puppen und original Gerätschaften war es super anschaulich. Jetzt weiß ich nicht mehr welche Arbeit gefährlich war, die in den Minen oder das Schmelzen des Silbers. Die Sklaven mussten unter ernormer Hitze und unter giftigen Dämpfen am Schmelztiegel stehen. Das Museum kann nur mit einer Führung besucht werden. In der Führung auf englisch waren wir nur zu dritt. So konnten wir doch einiges erfahren und nachfragen.

    Zurück auf der Straße trafen wir direkt auf eine der vielen Prozessionen in der Karwoche. Schulweise ziehen die Kinder begleitet von „Blasmusik“ in Anzügen, Kleidchen und Nonnengewänder durch die Straßen. Dazwischen Erwachsene in „Ku-Klux-Clan“ Trachten. Für uns sehr komisch anmutend.

    Danach fahren wir mit einem Colectivobus nach Tarapaya. Gute 20 Minuten müssen wir laufen und dann stehen wir vor der Vulkanlagune.Potosi 05

    Wikipedia: Tarapaya ist bekannt für seine heißen Quellen, die – neben zahlreichen Badeanlagen – auch eine Vulkanlagune speisen, die „El Ojo del Inca“ (das Inkaauge) genannt wird. Vorspanischen Quellen zufolge sollen die Inka aus dem fern gelegenen Cusco die beschwerliche Reise in den tiefen Süden des Reiches auf sich genommen haben, um von der Heilwirkung des heißen Wassers in Tarapaya zu profitieren. Das Baden in der Lagune ist nicht ungefährlich, wobei unklar ist, ob tödliche Unfälle dort durch Leichtsinn der Schwimmer oder durch plötzliche Strudel geschehen sind, von denen Einheimische berichten.

    Wegen dieser tödlichen Unfälle ist das Schwimmen in der Lagune leider momentan verboten. Was aber noch geht ist  für 10 Boliviano das Abtauchen in das eingefassten 32 Grad warme Thermalbecken. Das heiße Wasser soll gut bei Gelenkproblemen sein,  genau das Richtige für Radlerknochen!! Wir bekamen noch Schlamm für eine Ganzkörperpackung, das soll suuuuper für Gelenke sein. Ich habe mich dann auch ganz brav von oben bis unten eingeschmiert und das Ganze an der Sonne eintrocknen lassen. Ob’s hilft weiß ich nicht, lustig war’s auf alle Fälle. Jetzt sollte die Etappe nach Sucre ein Kinderspiel sein.

    Zurück in Potosi haben wir uns im Mercado Chuquimia, ganz wie die locals, gestärkt. Morgen geht’s weiter, mal schauen.

  • Bienvenidos a Bolivia

    08.04.2019 La Quiaca bis kurz vor Tupiza
    Die beiden Städte La Quiaca auf argentinischer Seite und Viallzón auf der bolivianischen Seite sind komplett zusammen gewachsen und der kleine Grenzverkehr funktioniert erstaunlich gut. Zum Einkaufen gehen die Argentinier nach drüben denn dort ist es billiger. Dafür gibts in Argentinien Produkte, die man in Bolivien nicht so einfach kaufen kann.
    Das Grenzprocedere geht bei der Einreise nach Bolivien überraschend unkompliziert und schnell. Ein Beamter stempelt den Ausreisestempel für Argentinien und den Einreisestempel für Bolivien in meinen Pass. Ein freundliches „Buen Viaje“ und das wars.Kaum auf der anderen Seite angekommen verändert sich das Stadtbild komplett! Alles sieht weniger aufgeräumt aus, in den Straßen wuselt es, die Frauen mit ihren typischen bunten Röcke und den schwarzen Hüte und den bunten Tüchern über dem Rücken in denen sie ihre Sachen transportieren , Straßenhändler preisen ihre Waren an. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Wir suchen einen ATM, was sich als etwas problematisch herausstellt. Die ersten drei Geldautomaten wollen nur Mini-Beträge ausspucken. Erst bei der 4. Bank können wir umgerechnet 200 Euro in Bolivianos, der Währung hier, ziehen. Auch die Suche nach einem Lebensmittelladen ist erstaunlich kompliziert. In jedem Land sehen Läden anders aus und das Sortiment in den Läden ist genauso verschiedenen. Anscheinend müssen wir uns in Bolivien wieder auf einen etwas einfacheren Speiseplan einstellen.

    Wir radeln immer auf einer Höhe von 3500 Hm, mal etwas hoch, dann wieder in ein Flußtal nach unten. Bei km 48 gehts feste bergab und wir überqueren das breite Flussbett des Rio San Juan del Oro um auf der anderen Flussseite wieder nach oben strampeln zu müssen. 20 km vor Tupiza bauen wir unser Zelt in einem Seitental auf (iOverlander Empfehlung). Es ist zwar noch früh am Tag, aber uns ist nicht nach Stadt und Trubel. Wir haben einen Schattenplatz gefunden (die Sonne sticht heute wieder erbarmungslos) und genießen die Ruhe und den Blick auf unzählige Kakteen. Hier wachsen andere Arten, sie faszinieren mich aber genauso und ich finde tausend Fotomotive.

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    09.02.2019 bis Tupiza
    Das erstemal seit wirklich langem konnten wir bis spät in die Nacht draußen sitzen und den Sternenhimmel bewundern. Wir verbringen eine wunderschöne Zeltnacht und ein Draußen-Frühstück hier unter Kakteen.

    Beim Losfahren merken wir, dass Johannes Rad hinten einen Platten hat. Also erstmal Schaden beheben. Beim hinteren Reifen ist seit Längerem die Seitenwand gerissen, das Loch mussten wir mit einer doppelten Lage TetraPak schienen (eine Reparatur schien uns vertrauenswürdiger als einen hiesigen neuen Reifen zu kaufen). Genau am Rand vom TetraPak war jetzt der Schlauch durchgerieben.

    Die 20 km bis Tupiza sind wieder sehr kurzweilig, wir radeln durch einen Canyon, rote Felsen, die wunderschöne Spitzen und Zacken formen.
    Vielleicht haben sich deshalb Butch Cassidy und Sundance Kid diese Gegend hier für ihren Gangster-Lebensabend ausgesucht. Es wurde leider nichts draus, sie wurden hier in Südbolivien gestellt, haben sich in der ausweglosen Lage selbst erschossen und sind in der Nähe von Tupiza beerdigt- so zumindest die Story, die sie hier und in den Reiseführern erzählen.

    Im Vorfeld hatten wir uns im Netz schon einige Hostels ausgesucht, und schon beim ersten Mitru Anex wurden wir fündig. Preis und! Qualität stimmt, super! Auf Empfehlung des Rezeptionisten machen wir uns zu Fuß auf zum Cañon del Inka. Leider mussten wir die ersten beiden Kilometer durch die „wilde Müllhalde“ des Ortes marschieren. Danach verlief der Weg aber zwischen einer grandiosen roten Felsenkulisse: eingeschnittene Canyons, geniale Felszapfen und faszinierende Säulenkakteen! Die Petroglyphen unterwegs haben wir zwar nicht entdeckt (selbst der Guardaparke meinte es wäre kaum was zu sehen) dafür aber die Puerta del Diablo (auf deutsch: Teufelspforte), das Valle de los Machos (mit großen Phallusähnlichen Steinformationen) und am Ende den immer enger werdenden Cañon del Inka. Wir haben versucht noch ein Stück hoch zu kraxeln, aber plötzlich wurde es sehr steil und feucht, da sind wir lieber wieder umgedreht. Das Organisieren von Lebensmitteln für die kommenden Tage im Ort war schwerer als gedacht. Erstmal muss die Straße mit den Lebensmittelläden gefunden werden, dann der Laden der auch das Passende hat. Wir werden wieder improvisieren müssen, um aus dem was zu bekommen war was schmackhaftes zu kreieren.
    Auf der Suche sind wir im Mercado Central des Ortes gelandet, dem überdachten Markt. (Wegen der stechenden Sonne ist hier vieles überdacht, sogar die Schulhöfe unterwegs in den kleinsten Orten)
    Das Sortiment und die Hygiene ist doch anders als im Nachbarland.

    10.04.2019 Tupiza bis kurz hinter Cotagaita
    Das Frühstück im Mitru Anex war ausgezeichnet, so gut haben wir schon lange nicht mehr gefrühstückt! Im Gegensatz zum Hotel in La Quiaca wo es für jeden gerade mal eine Tasse Kaffee und ein Hörnchen gab (Nachschlag Fehlanzeige) gabs hier ein gut sortiertes Frühstücksbuffet.
    So gestärkt haben wir uns zeitig aufgemacht, auch heute wird die Sonne den ganzen Tag gnadenlos brennen und wir haben etliche Höhenmeter zu machen. In Tupiza decken wir uns noch mit Brot und viel Trinken ein. Dabei ersteht Birgit ein Beutelchen Cocablätter – mal schauen ob’s in der Höhe hilft!

    Langsam kurbeln wir uns nach oben, in nicht mal 20 km klettern wir auf 3640 Hm. Der Blick zurück auf die Wildwestromantiklandschaft ist genial. Nur das Gepäck der Räder zieht ganz schön – verdammte Schwerkraft! Aber jeder Berg hat mal ein Ende! Wir hatten uns nun auf eine satte Abfahrt eingestellt, aber beide scheinen wir heute die Route nicht so genau angeschaut zu haben. Immer wieder müssen wir Flusstäler queren, was heißt: steil runter und auf der anderen Seite steil nach oben.
    Wir kommen in Rio Blanco an den Fluss, aber komisch, die Straße verläuft den Fluß nach oben folgend. Wieder nix mit Abfahrt. Dann endlich der nächste Pass und nun gehts nach Cotagaita tatsächlich nach unten. Das Vergnügen ist aber leider nur eingeschränkt, denn seit Mittag weht uns ein sattes Lüftchen entgegen. Aber Wind sind wir ja gewohnt.
    Wir kommen nach Cotagaita, Zwischenstopp für die Busse und LKW auf dem Weg nach Potosi. Rechts und links der Dorfstraße sind lauter Kioske und Essensstände, dazu Frauen in ihren bunten Röcken und den Bowlerhats unter der zwei lange schwarze Zöpfe herabhängen (mehr über die Kleidung der Bolivianerinnen bei welt.de).
    Birgit kommt an einer Straßenküche nicht vorbei. Sie darf alle Topfdeckel lupfen und wir beschließen hier zu essen. So sparen wir uns das Kochen abends. Für Johannes gibts Picante del Carne (sah aus wie Gulasch) mit Reis und Kartoffeln, für Birgit Eintopf mit Nudeln, Fleisch und Bohnen). Satt und zufrieden rollen wir bepackt mit Milch, Brot, Käse, Obst und viiiiiel Wasser noch ein paar Kilometer bis wir in einem Flussbett ein verstecktes Plätzchen für unser Zelt finden. Etwas geschafft (die Sonne ist wirklich giftig- wir können gar nicht soviel trinken, wie unser Körper bräuchte) gönnen wir uns unsren Ritualkaffee und staunen wie weit wir wieder gekommen sind. Schon komisch, am Vormittag denken wir immer, boh ist das heute anstrengend, da schaffen wir grad mal unser Minimum, und irgendwie läufts dann doch und am Ende des Tages sind wieder gute 85 km und über 1000 Hm gemacht.
    Am Abend ist es immer noch ungewöhnlich warm, wir liegen lange vor dem Zelt, schauen Milchstraße, Sterne und Sternschnuppen an und wünschen uns was…

    11.04.2019 bis 20 km vor Vitichi
    Der Himmel ist bewölkt, was ein Glück, da müssen wir bergauf nicht gar so leiden. Schnaufen müssen wir aber schon! Erst hoch, dann hügelig, dann tief ins nächste Tal und natürlich genauso wieder hoch. Birgit ist etwas gefrustet, weil wir abends trotz 1200 Höhenmetern in den Beinen nicht höher sind als am Morgen. Unterwegs werden wir aus einem Auto heraus auf Deutsch begrüßt: ein polnischer Pfarrer auf dem Rückweg nach Tupiza. Seine Pfarrei ist so groß wie bei uns eine halbe Diözese. Er hätte uns sogar Krakauer Wurst zum Essen angeboten! Wir hatten aber im letzten Dorf gerade einen bolivianischen Hamburger gegessen, aufgeschnittenes Brötchen mit Spiegelei und Tomatenscheibe.
    Kurz vor dem nächsten Pass ist bei Johannes die Luft raus – ein winziger Dorn im Hinterreifen. Hier hat es soviel stachelige Pflanzen, so dass jedes Verlassen der Straße riskant ist.


    Unser Zeltplatz liegt schön einsam, denken wir! Aus dem Nichts steht ein Ziegenhirte neben uns. Wir betreiben Smalltalk so gut es geht und erfahren, dass er im nächsten Dorf 9 km weg wohnt, eine Frau und 4 Kinder, 1 Kuh, 2 Schafe, 3 Hunde, Kaninchen, Hühner und 200 Ziegen hat (die umgerechnet zwischen 20 und 100 Euro wert sind). Also ist er schon eher der Großbauer hier. Mehrmals erwähnt er wie schön und toll unser Benzinkocher wäre – wir werden ihn heute Nacht zur Sicherheit mal ins Innenzelt nehmen…

    12.04.2019 Kurz vor Cuchu Ingenio
    Am nächsten Morgen war der Benzinkocher natürlich noch da, Johannes Befürchtungen waren umsonst. Trotzdem haben wir unruhiger als sonst geschlafen. Ähnlich wie im Pamir am Panj radelten wir heute an einem breiten „namenlosen“ Fluss (unser Osmand spuckt leider keinen Namen aus) entlang. Das Wasser ist unnatürlich gelb, ob das an den Minen oben am Berg liegt? Die Straße schlängelte sich genau wie der Fluss und in stetigem Auf und Ab haben wir langsam Höhe gewonnen. Unterwegs erstehen wir an einem Straßenstand bei einer wettergegerbten Bolivianerin frischgebackenes Fladenbrot und Ziegefrischkäse. Mmmhhmmm was ein feines Mittagessen!

    Johannes ging schon wieder die Luft aus, die Innenverstärkung (durch ein Stück Tetrapack) des defekten Mantels reibt den Schlauch immer wieder kaputt. Jetzt schient er den Mantel mit einem Klebeflicken (für Rennradmäntel) aus meinem Flickset, das ich in Dubai erstanden habe. Hoffentlich hält das nun länger. Dennoch muss in Potosí oder Sucre wohl ne andere Lösung her!
    Heute haben wir wieder etwas Strecke gemacht und schlafen tatsächlich 500 m höher als gestern Abend !!!
    Die Suche nach einem Zeltplatz war nicht so einfach. Das fruchtbare Flusstal ist stark bevölkert und wo es keine Häuser hat stehen Kakteen. Aber, ein Geschenk des Himmels, schlussendlich finden wir ein sichtgeschütztes Plätzchen mit Wiese (wann hatten wir das letzte mal Gras unter dem Zelt?) an einem plätschernden kleinen Bach. Frischgewaschen, hier mal mit viiiiiel Wasser, (unsre Waschlappen erweisen uns regelmäßig auch mit weniger Wasser gute Dienste) schmeckt der Kaffee gleich nochmal so gut. Richtung Norden sehen wir schon die hohen Berge, über die wir morgen strampeln müssen, bis über 4300 führt die Straße nach Potosi.

    13.04.2019 bis Potosi
    Nachts wurde das Gurgeln des Baches immer leiser und morgens war nur noch ein kläglicher Rest am Plätschern. Entweder ist der Zufluss oberhalb zugefroren oder das Wasser wird oberhalb zum Bewässern abgezweigt. Auf unserm Zelt lag mal wieder dick der Raureif und die Temperaturen waren echt zapfig.
    Seit Salta haben wir uns langsam auf 3400 m hochgearbeitet, insgesamt gut 7000 Höhenmeter. Heute geht’s noch mal über 1000 m höher auf 4300 m, seit dem Pamir-Highway sind wir nicht mehr so hoch geradelt. Wir sind zwar gut akklimatisiert, aber der Sauerstoff fehlt halt doch. Langsam kurbeln wir mit 6% Steigung bergan. Und dann bläst uns auch noch der Gegenwind ins Gesicht. Da freut man sich, dass der Wind zusätzlichen Sauerstoff in die Lungen drückt, damit man mehr Power hat, um gegen den Wind zu Radeln… Oder eben auch nicht!
    Wir kommen an einem Unfall vorbei und wundern uns nicht. Hier wird trotz durchgezogenen Linien, vor Kuppen und in Kurven überholt, da ist es nur eine Frage der Statistik, bis es scheppert. Aber wenigstens sind die Autofahrer freundlich: mit Hupen, Daumen hoch und „fuerte“-Rufen werden wir bergauf angefeuert.
    Vom ersten Pass auf 4200m haben wir dann den Blick auf den Cerro Rico bei Potosi, der Berg, von dem Unmengen von Silber die spanische Kolonialmacht finanzierten. Das ganze Hochtal bis dorthin ist von Minen durchlöchert. Überall auch künstliche Wasserbecken zum Ausspülen und Trennen der Metallpartikel. Johannes darf auf einen LKW steigen und sich die 17 Tonnen erdige Ladung anschauen: 20 % davon sind Silber, der Rest Blei. Der LKW-Konvoi macht sich nach dem Wiegen auf ins chilenische Arica, veredelt wird in China, USA und in Deutschland. Was aus dem Wasser mit den restlichen Bestandteilen wird können wir uns vorstellen, wir trauen uns nicht Wasser aus den Bächen zum Kochen zu schöpfen. Da wir auch sonst an kein Trink-Wasser kommen beschließen wir noch über den 4350 m hohen Pass bis nach Potosí durchzuradeln. Unser Hostel dort ist in einem 400 Jahre alten Kloster, einfach und malerisch, mit Blick auf den durchlöcherten Cerro Rico.


    Bei Dunkelheit drehen wir noch eine erste Runde zum zentralen Platz, der heute besonders sicher sein müsste. Die Polizeiuniversität feiert ihr Jubiläum und wir bekommen gleich eine kostenlose Kulturshow von Inka-Tanz über Panflöte bis moderner bolivianischer Musik.

     

  • Im Nordwesten Argentiniens 

    01.04.2019 Salta bis Jujuy
    Endlich sitzen wir wieder auf den Rädern, bei einer Luftfeuchtigkeit von 96% schnaufe ich schon bei den ersten Steigungen. Wie soll das nur werden wenn wir in die Höhe kommen, etwas Sorge überkommt mich. Aber wie die letzten Monate gezeigt haben, ist ja alles irgendwie immer gut gegangen. Und tatsächlich nach einigen Kilometern habe ich mich eingetreppelt und meinen Rhythmus wieder gefunden. Aus Salta heraus gibt es sogar für 8 km einen Radweg, der uns vor dem enormen Verkehr schützt. Wir biegen ab auf die RN9 über die Berge und der Verkehr lässt merklich nach. Das schmale Sträßchen (eine Nationalstraße?!) windet sich moderat ansteigend durch wunderschönen Regenwald. Auf der Passhöhe beginnt es zu schütten. Wir radeln durch den Yunga, einem Nebelwald und staunen über die üppige fremdartige Vegetation.


    Beim losfahren wussten wir um den Regen und hatten beschlossen nur das nötigste anzuziehen, damit dieses wenige dann als einziges nass würde. Dank der warmen Temperaturen kein Problem. Der Regen konnte also oben in die Tevas rein und vorne wieder raus laufen. Und was ein Glück 100 Hm tiefer war der Regen nur noch Niesel und dann bald danach konnten wir die Regenjacke schon wieder ausziehen. Weit sind wir heute gekommen, unerwartet, und schon um 16.00 haben wir Jujuy erreicht. Diesesmal entscheiden wir uns für ein zentrales Quartier, so können wir noch etwas von Jujuy sehen. Heute Abend soll es mords regnen, da ist ein Dach überm Kopf nicht schlecht. Wir wählen das zentral gelegene „Gran Hotel Avenida“, etwas in die Jahre gekommen aber erstaunlich günstig. Das Zimmer ist mehr als basic, aber es ist ja nur für eine Nacht. Nach einer wohltuenden Dusche haben wir uns die wenigen Highlights (Plaza Belgrano, Kathedrale, Iglesia San Francisco) angeschaut und auf Empfehlung eines Verkehrspolizisten in einem versteckt liegenden Restaurant echt fein gegessen. Es gewittert und schüttet während wir essen. Oh weh wir hatten vergessen unser Zimmerfenster zu schließen und als wir abends zurück kamen stand das halbe Zimmer unter Wasser. Die ganze Nacht trommelte es heftig aufs Dach. Und auch morgens keine Besserung in Sicht.


    02.04.2019 Jujuy bis Purmamarca
    Jetzt die Frage weiterradeln oder abwarten. Nachdem wir 10 Wettermodelle verglichen und Wettervorhersagen angeschaut hatten beschlossen wir die Taschen regendicht zu packen und zu starten. Fertig zum Abmarsch noch ein Blick aus dem Fenster und kurz vor die Türe.
    Und dann…
    … wir schauen uns an und fast zeitgleich fragen wir: „sollen wir nicht doch bleiben?“ Sturzbäche strömen auf halber Straßenbreite vorbei.
    Kommando zurück, wieder ins Zimmer und schauen was der Tag bringt. Auf alle Fälle kurzmal Entschleunigung. Nun sitzen wir in dem Minizimmer, beide irgendwie unentschlossen und doch noch in Radklamotten. Um 10.30 tröpfelt es nur noch und ein gegenseitiger Blick genügt, o.k. wir radeln doch. Gut so! Denn das Wetter wurde immer besser und die regendicht gepackten Taschen wurden nicht mal getestet. Und bei einer Luftfeuchtigkeit von heute 100% war es saumäßig anstrengend! Am Ende hatten wir dann doch wieder fast 1200 Hm in den Knochen.
    Die letzten Kilometer radeln wir durch bunte Felsformationen hübsch dekoriert mit einzel stehenden riesigen Kandelaberkakteen. Da vergisst man fast, dass wir schon 1000 Hm in den Beinen haben. Ein Specht hämmert an so einem Kaktus, fremdartig und bezaubernd!!


    Unser Ziel heute ist Purmamarca, besser gesagt der siebenfarbige Hügel direkt am Rand des Dorfes. Nach einem selbstgekochten Kaffee vorm „Bungalow“ und einer Katzenwäsche wandern wir nochmal kurzeben den Rundweg zu den Felsen. Auf dem Rückweg entdecken wir eine kleine urige Kneipe mit lokalem Essen, Eintopf mit Lamafleisch und pastel de choclo (Maisauflauf). Wir sind mal wieder begeistert was in einen einzigen Tag alles reinpasst!

    QuebradaDeHumahuaca 15

    Purmamarca

    03.04.2019 bis kurz vor Humahuaca
    Vor dem Weiterradeln drehen wir den längeren der beiden Rundwege „Paseo de los colorados“, bestaunen die bunten und leuchtend roten Felsformationen. Fotomotive zuhauf! Dieser Ort lebt von diesem Naturschauspiel und versorgt mittlerweile Touristenmassen mit allem was man braucht und nicht braucht. Die Hotels sind relativ neu und passen gut in die Landschaft. Als hätte man sich abgesprochen liegen die meisten in gleichen Preissegment. Teurer geht aber immer:-). Auf dem zentralen Platz knüppeln Souvenirstände, wer soll das alles bloß kaufen?

    Jetzt ab aufs Rad, mit etlichen Blicken zurück auf den leuchtenden Berg radeln wir die RN 9, die sich nun durch die Quebrada Humahuaca schlängelt. Die Quebrada de Humahuaca ist eine der faszinierendsten Schluchten, Südamerikas, tief unter der Rio Grande.

    Die Quebrada begeistert uns sehr. Immer wieder tauchen bunte Felsmassive auf, dazwischen die riesigen verzweigten Kakteen. Seit langem machen wir Mittags mal wieder eine Siesta, der Planet brennt. Aber die heutige Tagesetappe ist kürzer und wir lassen uns Zeit. Auf dem Bahndamm der alten Eisenbahnlinie finden wir einen flachen Zeltplatz. Regen tröpfelt die Nacht leise aufs Zelt, Mist, morgen werden wir später loskommen, der Regen perlt schon länger nicht mehr ab und unser Zelt braucht ewig zum trocknen. Aber nun nach gut 10 Jahren treue Dienste, darf ich mich nicht beklagen. Die erste Tour mit dem Zelt war 2008 Ladakh. Wow, mein Zelt hat wirklich schon viel gesehen!

    Nach 8 Monaten Reisen wird langsam der Verschleiß an der gesamten Ausrüstung unübersehbar: der Reißverschluss am Zelt muss ganz vorsichtig zugezogen werden, die Imprägnierung ist passé, der Benzinkocher muss ständig gehätschelt werden, die Beschichtung vom Topf ist löchrig, das Zoomobjektiv vom Foto bewegt sich nur noch mit manueller Unterstützung, an den Hosen mussten wir schon einige Nähte nachnähen, der Regen+Staubschutz vom Rucksack zerbröselt vor lauter Sonne,… Nach dem Sabbatjahr stehen also einige Ersatzbeschaffungen an, damit wir weiter mobil sind!

    04.-05.04.2019 Humahuaca
    Die Kilometer gehen heute einfacher, wir scheinen uns langsam an die Höhe zu gewöhnen. Schon früh sind wir in Humahuaca, quartieren uns im Hostal Inti Sayana ein. Für morgen früh hätten wir eine Mitfahrgelegenheit zu den „Serranías del Hornocal“, den 11 farbigen Bergen. Aber die Felsen werden von der Nachmittagssonne beschienen und der Wetterbericht sagt für morgen Regen voraus. Besser heute noch hoch fahren. Auf dem Weg zur Brücke (dort sollen Sammeltaxen fahren) werden wir angesprochen, wollt ihr zum Hornocal, ja, wie ist der Preis, viel zu teuer… Nach einigem Feilschen war man sich einig und wir stiegen in den Toyota ein. Nun mussten noch zwei weitere Passagiere gefunden werden, denn erst bei voll besetzem Auto wird losgefahren. Nach einer kurzen Runde durch den Ort waren noch zwei Frauen aus Buenos Aires gefunden und ab ging die Post. Von den Chicas bekamen wir Coca Blätter für die Höhe. Und so wurden wir alle mit den Blättern in der Backe auf 4350 Hm hochkutschiert. Mehrere Kilometer fährt man Serpentine für Serpentine den Berg hinauf, immer wieder öffnen sich fantastische Blicke zurück ins Tal.
    Da sich das Gebiet der Miradore auf Indiogebiet befindet, wird am Eingang eine kleine Eintrittsgebühr kassiert.
    Und dann öffnet sich plötzlich der Blick auf dieses Naturschauspiel.
    Uns gegenüber erstreckt sich ein Gebirgsrücken, der über tausende von Metern zickzackförmig und bunt gestreift ist. Die Felsen leuchten und strahlen so farbenprächtig, Wow!
    Es hat uns schier umgehauen!!!!QuebradaDeHumahuaca 02

    Zurück im Ort schlendern wir durch die Gassen, Humahuaca ist eine kleine beschauliche Stadt. Gut um auszuspannen und eine Pause einzulegen.

    Gute Entscheidung hier zwei Nächte zu bleiben und wirklich gute Entscheidung den Ausflug gestern gemacht zu haben! Die Nacht hat es begonnen zu regnen und es schüttet auch noch um 10:00 wie aus Eimern. Beim Frühstück sitzen wir in der Hostelküche mit den anderen Gästen und wollen gar nicht aufstehen. Seit langem mal wieder ein richtig gutes Frühstück!
    Wir werden das Sauwetter nutzen zu lesen, Blog zu schreiben, Johannes muss sehen was die Forstreform bringt und studiert die endlich erschienenen Infos dazu.

    Um die Mittabgszeit fragen uns zwei junge Franzosen, ob wir mit ihnen nochmal zum Mirador de Hornocal hochfahren wollen (zwei Ingenieure, die für ein Motorradrennteam arbeiten und nach dem Rennen in Argentinien noch ein paar Tage Urlaub angehängt haben). Kurzentschlossen setzen wir uns in ihren Mietwagen, der zum Glück Allrad hat, denn die Piste ist von dem vielen Regen tief aufgeweicht und ab 3300m Höhe lag sogar Schnee. Kaktus mit Schneehaube – wer hätte das gedacht. Der Blick auf die bunten Berge ist aber leider fast vollständig von den Wolken verdeckt. Wenigstens sehen wir ein paar Vicunas (eine Kamelart!).

    Hier ein kurzer Bildungsblock:
    Nördlich von Jujuy beginnt die Quebrada de Humahuaca, eine der faszinierendsten Schluchten Südamerikas. Die Quebrada zieht sich bis zur Stadt Humahuaca, und eröffnet auf dem Weg spektakuläre Landschaftsformen der argentinischen Anden. Nahe der bolivianischen Grenze zieht die Quebrada de Humahuaca bis auf knapp 3000 m Höhe. Unterwegs zeigen sich zerklüftete Andenberge, farbenprächtige Gesteinsformationen und atemberaubende Ausblicke ins Tal der Schlucht.
    Dieser Wegabschnitt des Inka-Pfades,einem historischen Strassennetz, das die Inkas einst  als Handelsrouten nutzten, zählte zu den südlichsten Wegen im mächtigen Inkareich. Der Inka-Pfad in der Quebrada de Humahuaca ist seit rund 10.000 Jahren in Gebrauch und wurde im Jahr 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
    Landschaftlich zählt die Quebrada de Humahuaca zu den beeindruckendsten Naturschauspielen der Region. Die zerklüfteten Felsen, die beide Seiten der Schlucht säumen, sind grösstenteils kahl und faszinieren mit einer atemberaubenden Farbenvielfalt und Intensität. Über dem Flusstal des Río Grande steigen sie steil in die Höhe und überraschen mit immer neuen Farbkombinationen, die wie aufgemalt scheinen. Ihre farbliche Vielfalt verdankt die Quebrada de Humahuaca der speziellen Mineralzusammensetzung der Böden in dieser Region. Durch eine besonders hohe Konzentration verschiedener Mineralien in den einzelnen Gesteinen bilden sich spektakuläre Farbkombinationen und Formen an den einzelnen Bergen.

    06.04.2019 Humahuaca-Düne Huancar
    Der Himmel ist wieder blau, die Sonne scheint und es ist ziemlich kalt, so knapp über Null. Die Berge ringsum sind schneebedeckt. Wir haben viel Respekt vor der heutigen Etappe: wir müssen auf 3780 Meter hoch und haben 1000 Höhenmeter zu erklimmen, wir sind noch nicht so richtig akklimatisiert und schnaufen schon hier unten. Also kurbeln wir gemächlich mit 11 Stundenkilometer langsam bergauf. Die Straße meint es auch gut mit uns und ist nie zu steil. Immer wieder müssen wir anhalten um den Blick auf die schneebedeckten Berge zu genießen und über die riesigen Kandelaberkakteen zu staunen, es ist sehr kurzweilig. Die alte Eisenbahnstrecke verläuft meistens neben der Straße, zugewachsen und oft verfallen, sieht aus wie in einem alten Western.

    Altiplano 16

    bei Inca Cueva

    Irgendwann sind wir doch oben angekommen, in Tres Cruces. Ein paar einfache Häuser, eine Polizeikontrolle, immerhin zweieinhalb Läden und ein Abzweig zur Mine. Jetzt sind wir in der Puna angekommen, stachelige Grasbüschel alle paar Meter. Und dann geht es mit uns bergab mit Rückenwind! Wir kommen weiter als wir heute morgen gedacht hatten, bis zu den 200 Meter hohen Sanddünen kurz vor Abra Pampa (was für ein Name!). Die Sonne verschwindet, sofort wird es wieder kalt. Wir verziehen uns schnell ins Zelt, kochen wie meistens Pasta mit Tomatensauce (aufgehübscht mit Zwiebeln, Paprika und Knoblauch), bevor wir uns in die Daunenschlafsäcke kuscheln.

    07.04.2019 bis La Quiaca an der bolivianischen Grenze
    Am Morgen werden wir von der Sonne geweckt und haben eine tollen Blick auf dei Sanddünen hinter unserem Zelt. Immer wieder sind wir froh über die Zeltplatz Tips auf IOverlander! Und genau so froh sind wir über unsere guten Schlafsäcke,  heute Nacht hat es auch wieder unter Null und Eis auf dem Zelt, aber wir haben super geschlafen. Hier haben wir unsere ersten Andenchinchillas gesehen.
    Genau rechtzeitig bei Ankunft der Wochenendausflügler, die mit Sandboards anrücken, sind wir abfahrbereit. Es ist Sonntag und die Sanddünen sind das Ziel für die Leute aus der Umgebung. Wir dürfen aber erst fahren nachdem jeder ein Selfie mit uns „Exoten“ gemacht hat.
    Die Strecke heute hat kaum Höhenmeter,  wir rollen durchs beginnende Altiplano und freuen uns über die vielen Lamaherden. Mit ihren bunten Bändern im Ohr sehen sie lustig aus. Am frühen Nachmittag erreichen wir La Quiaca und für unsere letzten Argentinischen Pesos gönnen wir uns ein Hotelzimmer und ein feines Abendessen.

    Morgens geht’s nach Bolivien, das 10. Reiseland in 10 Monaten.

  • Wein, Empanadas und laaaaange Busfahrten

    Die Fahrt von Valparaiso nach Mendoza führt uns mal wieder über die Anden. Anfangs ist die Vegetation noch üppiger, es wachsen viele Säulenkakteen. Dann wird es immer trockener und karger. Wir konnten sogar einen kurzen Blick auf den Aconcagua werfen. In vielen Serpentinen kurbelte der Bus sich auf über 3000 Hm. Wunderschöne bunte Felsformationen zu unsrer rechten und linken. Kurz vor Mendoza, schon wieder im Flachen fahren wir durch die ersten „Weinberge“.

    Mendoza: Wein und Oliven

    Am Busbahnhof organisieren wir gleich die Fahrkarten nach Salta und radeln dann ins „verkehrsgünstig“ gelegene Hostel Confluencia in der Innenstadt. Mit einem Spaziergang zu den zwei Plätzen im Stadtzentrum sorgen wir für wenigstens minimale Bewegung, bevor wir müde ins Bett fallen.
    Eigentlich hatten wir überlegt die in Mendoza obligatorische Weintour mit dem Rad zu machen, aber Nieselregen hat uns eine halbtägige Weintour per Bus buchen lassen. Gegen 14.30 wurden wir am Hostel aufgepickt und nachdem dann auch die anderen Teilnehmer an ihren Hotels abgeholt waren gings zum ersten Weingut „Bodega Dante Robino“. Diese Bodega füllt in großen Mengen verschiedene Weiß- und Rotweine sowie Sekt ab. Nach einer Führung durch Produktion und Weinkeller konnten wir einen Torrontes, einen Malbec, sowie einen Sekt probieren.
    Typisch für Mendoza und Argentinien ist die Rebsorte Malbec (mal=schlecht, bec=Mund, also eigentlich kein guter Wein), die ursprünglich um Bordeaux herum angebaut wurde/ heute noch wird, aber hier wegen der klimatischen Bedingungen in Mendoza besonders gut gedeiht und schmeckt. Wer fruchtigen, leicht zu trinkenden Rotwein mag, ist damit bestens bedient. Allerdings ist ein bischen Vorsicht geboten, weil der Malbec aus Mendoza einen durchschnittlichen Alkoholgehalt zwischen 14 und 15 % hat. Hängt mit dem hohen Zuckergehalt der Trauben zusammen, die hier in Mendoza im Schnitt 320 Sonnentage abkriegen. Wer gerne Weißwein mag, dem kann das argentinische Eigengewächs Torrontés (genauer „Torrontés Riojano“ eine natürliche Kreuzung der Rebsorten Criolla Chica und Muscat d’Alexandrie) empfohlen werden. Wenn man an dem riecht, glaubt man, man hätte einen lieblichen, süssen Wein vor sich, aber im Mund stellt man dann ausgeprägte Säure fest und hat einen waschechten „Nanu“-Effekt. Die Leute hier sprechen daher liebevoll vom „Lügner“. Ein klasse Sommerwein, jedenfalls.


    Das nächste Ziel war der kleinere Familienbetrieb Cavas de Don Arturo. Hier werden nur organische Rotweine produziert. Bei uns sehen Biowinzereien anders aus:-) Nach einer Führung durch Betrieb und hauseigenes kleines Museum durften wir zwei verschiedene Malbec und einen Cabernet Sauvignon testen. Uns hat dort wie hier kein Wein richtig vom Sockel gehauen. Obwohl ich seit Chalten totaler Malbecfan bin. (Die Weine des Weingut Dada haben es uns angetan.) Liegt wahrscheinlich daran, dass dieser Ausflug mit 650 argentinischen Pesos, das sind umgerechnet 13,-€ nicht wirklich viel Geld kostet und die „guten“ Weine dort sicher nicht an Billiggäste ausgeschenkt werden.


    Da die Umgebung von Medoza auch für Olivenöl bekannt ist durfte eine Olivenölproduktion, bei uns Olivicola Pasrai (PASas und RAIsins, beides bedeutet Rosinen) nicht fehlen. Für uns die interessanteste location, da wir bislang eher wenig über die Produktion von gutem Olivenöl wussten. Nach einer Führung in der Produktion und Abfüllung durften wir als erstes die Spa-Linie mit Bodylotions, Körperöl und Antiaging-Creme testen. Ich habe Johannes versprochen eine Vorratspackung davon durch ganz Südamerika zu radeln, falls er mich am kommenden Tag nicht mehr erkennt, weil alle Falten weg sind. Nachtrag: war aber nicht nötig. 🙂
    Und nun konnten wir endlich die unterschiedlichen Öle auf Weißbrot testen ( nach dem Wein echt super!). Natural, mit Orangenaroma, mit Rosmarin, Oregano, Zitrone, Chilli, Knoblauch. Brotaufstriche aus Karotte, Getrockneten Tomaten und Aubergine sowie Oliven pur standen zum Verkosten bereit. Am Ende noch die Rosinen, das einzige Exportprodukt dieser Firma.
    Extra virgen Olivenöl entspricht dem deutschen Nativen Olivenöl Extra und ist eine Qualitätskennzeichnung für Olivenöl. Es wird direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren ohne Wärmeeinwirkung (< 40 °C) gewonnen der Säuregehalt beträgt ≤ 0,8 %.
    Wer mehr zu Olivenöl, die Herstellung etc. lesen möchte, dem empfehle ich den sehr ausführlichen Wikipedia Artikel Olivenöl.

    Als witzigen Abschluss dieser Weintour besuchten wir noch in der“Iglesia de la Cordillera“ die Virgen la Cordillera, die Schutzpatronin der Weinreben. Es soll das einzige noch von den Spaniern erbaute Gebäude sein, das das große Erdbeben in 1861 überstanden hat.


    Zurück in Mendoza gönnen wir uns in einer der vielen Heladerías eine Megaportion Eis, danach noch ein Gläschen Malbec aus Mendoza auf der Dachterasse unsres Hostels.
    Ein wirklich sinnlicher Tag.


    Einzig das Wetter ist so ganz anders als der Reiseführer verspricht. Der Sommer ist wohl in diesem Jahr so kühl wie selten, so dass sogar die Weinlese das erste mal um einen Monat nach hinten verschoben werden musste. Das Weinfest „Vendimia“ Anfang März wurde darum dieses Jahr weit vor der Lese gefeiert. Klimaveränderung lässt grüßen!

    Vor der Abfahrt unsres Busses nach Salta haben wir viel Zeit. Zum Abgeben der Räder müssen wir kurz vor 20.00 am Busbahnhof sein. Viel Zeit, um gemütlich das Zimmer zu räumen und durch Mendoza zu schläppeln. Der Blick vom Rathaus sei super, verspricht der Reiseführer. Dort angekommen erklärt man uns, das gehe nicht, Terrasse geschlossen, Renovierung. Auch gut. Jetzt zum Park San Martin. Dieser „Nationalheld“ und Befreier Argentiniens wird überall hoch verehrt und in keinem Ort darf seine Statue, ein Plaza San Martin etc. fehlen! Auf dem Weg dort kommen wir am Monumento Bandera vorbei, hier wird die Originalflagge ausgestellt mit der dieser Wunderknabe über die Anden gezogen ist. Stramm flankiert von 2 Burschen der Nationalgarde, fotografieren streng verboten.
    Im Park dann endlich mal grün und ein kleiner See. Im Restaurant des Rudervereins (mit eigenem Fitnesstudio, Turnhalle und Schwimmbad – kommt mir irgendwie bekannt vor, quasi wie zuhause) gönnen wir uns ein desayuno segundo. Das Angebot gibts hier überall: Tasse Kaffee mit einem Gläschen Orangensaft und 2 Medialunas (Hörnchen). Am Hostel chillen wir noch etwas auf der Dachterasse. Bevor wir zum Busbahnhof aufbrechen gehen wir nochmal zum Mercado Central was essen.

    Für die lange Fahrt (1300km, weiter als einmal längs durch Deutschland) gab es diesesmal im ganzen Bus“Cama“ Plätze (120 Grad abklappbare Sitze). Mal schauen ob ich da noch besser schlafe?!
    Die Stewardess im Bus hat uns mit einem warmen Abendessen versorgt. Dazu gabs doch glatt Rotwein, Service wie im Flugzeug. Satt und ausgestattet mit Kissen und Decken haben wir beide ausgezeichnet geschlafen. Ich wurde tatsächlich erst um 8.30 wach als das Frühstück serviert wurde.
    Draußen ziehen riesige Zuckerrohrfelder vorbei, alles ist feucht und grün, in der Ferne die Höhenzüge der Anden. Seit 3 Monaten bewegen wir uns an ihnen entlang. Mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Sie sind mit 7500 km die längste Gebirgskette der Welt!

    Salta – die Schöne!

    Nach 20 h Fahrt sind wir nun endlich in Salta! Der Weg zum Appartement führt uns schon mal an den meisten Highlights vorbei. Neben der Kathedrale am Platz 9. Juli bestellen wir im Cafe Van Gogh trotz 16:30 ein desayuno (Frühstück= Kaffee +Medialunes+ O’saft!).
    Salta trägt den Beinamen „La Linda“/ „die Schöne“ und ist bekannt für ihre spanische Kolonialarchitektur, wir lassen uns überraschen!
    Salta behauptet, die ursprüngliche Heimat der Empanada zu sein. Da ist Probieren für uns natürlich ein Muss. Gleich am ersten Abend haben wir uns von Laden ums Eck ein Dutzend Empanadas mit nach Hause genommen (Schinken /Käse, Käse /Zwiebeln, Hühnchen und Fleisch). Mmmhhmmm!


    Gleich morgens nutzen wir auch hier das Angebot einer FreeTour um einen guten Überblick über Salta zu bekommen. Homero, unser Guide, hat uns dann tatsächlich in zwei Stunden in einer sehr informativen Tour seine „La Linda“ gezeigt.
    Wir wissen nun Bescheid über die Struktur argentinischer Städte mit zentralem „Plaza de Armas“ und Kirche im Norden (auf der Seite der Reichen) und Rathaus im Süden (auf der Seite der Armen), kennen die drei Nationalhelden San Martin, Belgrano, Güemes, wissen was Kolonialarchitektur und neokolonialer Stil ist und vieles mehr. Ach ja, Tips für Essen /Trinken und gute Restaurants gabs auch! Sehr zu empfehlen.
    (FreeTour Salta täglich außer Sonntag mit zwei verschiedenen Führungen 10.00 an der Kathedrale, alles über Geschichte, Kultur, Architektur und Gastronomie.)
    Da uns diese Tour so gut gefallen hat, haben wir entschieden die späte Tour um 17.00 Uhr auch zu machen. Dazwischen sind wir in beiden Museen am Platz gewesen und der Nase nach durch die Stadt gewandert. Uff!
    Im Museo de Arqueología de Alta Montaña sind die Niños del Llullaillaco zusehen. Drei Kinder, die vor über 500 Jahren zur Zeit des Inkareiches lebten und den Göttern geopfert wurden. Ihre guterhaltenen Mumien wurden im März 1999 gefroren auf dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco in rund 6700 m Höhe gefunden. Sie sollen die best erhaltenen Mumien weltweit sein. Es wird immer nur eine der Mumien ausgestellt, um sie zu erhalten. Es ist schon seltsam wie „lebendig“ sie aussehen. Ich stehe vor der Mumie des kleinen Jungen und kämpfe mit Tränen. Für uns ist dieses „Menschenopfer“ nicht zu verstehen.
    Im Cabildo, dem alten Rathaus genau gegenüber der Kathedrale , einem sehr alten wunderschönen kolonialistischem Bau, ist heute das Museo Histórico. Allein der Bau ist einen Besuch wert!
    Nachmittags hatten wir quasi eine Exlusivtour, da außer uns keiner gekommen war. Hier erkundeten das südliche (also ärmere) Stadtviertel und konnten in der Markthalle „Mercado Municipal San Miguel“ lokale Produkte sehen/riechen/einkaufen. Es gibt Marktstände mit regionalen Produkten (Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Elektrogeräten, Snacks und Souvenirs – alles bunt gemischt). Und selbst wenn man nichts kaufen möchte ist die trubelige Atmosphäre eine gute Möglichkeit, die lokale Szene zu erleben. Unsere Tour endete am „El Patio de la Empanada“. Da dort erst ab 20:00 Empanadas verkauft werden konnten wir sie leider nicht testen. Nach einem Happy Hour Beer (Quinoa und Black IPA/India Pale Ale) waren wir reif für ein deftiges Abendessen.
    Wir folgten dem Gourmettipp von Homero und besuchten das Doña Salta. In der Tat, das Essen war ausgezeichnet! Endlich konnte ich „Locro“ einen argentinischen Eintopf probieren. Für Johannes gab es wieder ein riesiges Steak, super Qualität und al punto gegrillt.

    Den Hausberg, den Cerro Bernadino, kann man über drei Wege erklimmen, die Seilbahn, über die Sraße oder über den Treppenweg der 1200 Stufen. Wir haben uns am Sonntag für Letzteren entschieden. Bei subtropischen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit eine sportliche Extraeinlage, aber nicht verkehrt! Das gute Essen, der Wein und die unzähligen Panaderias beginnen unsere Depots mehr als zu füllen.

    Morgen geht es wieder mit dem Rad auf die nächste längere Etappe, rund 1500 Kilometer bis nach San Pedro de Atacama. Wir wollen zuerst durch die Quebrada de Humahuaca nach Bolivien, über Potosi nach Sucre. Weiter von Uyuni über den gleichnamigen riesigen Salzsee zurück nach Chile in die Atacama. Jetzt geht es wieder in die Höhe, das Altiplano liegt auf 3500 bis 4500 m über dem Meer, da müssen wir uns wieder akklimatisieren.

  • KÜSSE 

    Valparaiso 039Es gibt Küsse, die verkünden von selbst
    das Urteil, zur Liebe verdammt zu sein,
    es gibt Küsse, die ein Blick enthält,
    und Küsse aus der Erinnerung.

    Es gibt verschwiegene Küsse und noble,
    Küsse, rätselhaft und ehrlich,
    Küsse gibt es, von Herzen gegeben,
    und verbotene, wahrhafte Küsse.

    Es gibt Küsse die brennen, verletzen,
    Küsse, die die Sinne verzaubern,
    Geheimnisvolle Küsse gibt es, die lassen
    tausend verlorene Träume zurück.

    Problematische Küsse gibt’s, die enthalten
    einen Schlüssel, von keinem entziffert,
    es gibt Küsse, die rufen Tragödien hervor,
    entblättern so manche glanzvolle Rose.

    Es gibt duftende Küsse und lauwarme Küsse,
    die innere Sehnsüchte sprechen lassen,
    sie sorgen für Spuren auf den Lippen
    wie Sonnenstreifen zwischen Würfeln aus Eis.

    Und Küsse gibt es, die scheinen wie Lilien,
    so erhaben, so unschuldig, rein,
    und Küsse, verräterisch und feige,
    es gibt sie auch, wortbrüchig, verflucht.

    Judas küsst Jesus und stempelt
    das Antlitz des Gotts mit Verrat,
    Magdalena hingegen mit frommen Küssen
    gibt ihm Stärke im Todeskampf.

    Seit jener Zeit spricht aus den Küssen
    Verrat und Liebe und schmerzvolle Pein,
    bei der Heirat der Menschen ähneln sie,
    der Brise, die mit den Blumen tändelt.

    Es gibt Küsse, die rufen Anfälle hervor
    von Liebesleidenschaft und Wahn,
    du kennst sie gut, es sind meine Küsse,
    von mir erfunden für deinen Mund.

    Küsse aus Feuer, hinter sich eine Spur
    von Abdrücken einer verbotenen Liebe,
    stürmische, ungezähmte Küsse,
    die nur unsre Lippen gekostet haben.

    dein Gesicht bedeckte sich mit dunkler Schamröte
    und bei der Anspannung in tiefster Gefühlsregung
    füllten sich deine Augen mit Tränen.

    Erinnerst du dich des Nachmittags in wahnsinnigem Aufruhr
    Ich erlebte dich voller Eifersucht bei der Vorstellung Unrecht erlitten zu haben,
    ich nahm dich in meine Arme…es bebten die Lippen von einem Kuss,
    und was sahst du danach…? Blut auf meinen Lippen.

    Ich lehrte dich küssen: kalte Küsse
    sind solche von einem Herz aus Stein,
    ich lehrte dich küssen mit meinen Küssen
    von mir ausgedacht für deinen Mund.

    Gabriela Mistral
    (Pseudonym für Lucilla Godoy Alcayaga, chilenische Dichterin, erhielt 1945 den Nobelpreis für Literatur)

  • Valparaíso 

    Der Nachtbus hat uns sanft von Pucon nach Valpo, wie sie hier liebevoll zu Valparaiso sagen, geschaukelt. Birgit hat prima geschlafen, während Johannes noch die Highlights in der Smartphone-Karte markiert. Die Busse sind bequemer als in Deutschland, haben mehr Beinfreiheit. Man kann zwischen Clásico’, ‘Semi-Cama’ and ‘Cama’ wählen, heißt Normal, Halbbett oder Bett. Wir haben nur noch Semi- Cama Tickets bekommen, was bedeutet ein abklappbares Kissen unter die Wadeln und 45 Grad nach hinten klappbare „Liegesitze“. Auch der Transport unsrer Räder ist easy. Einfach Vorderrad ausbauen, voila. Und man bezahlt dann eine Kleinigkeit beim Fahrer. Und unsre vielen Radtaschen schrecken niemanden. Für jedes Gepäckstück gibt es Zettel, die ans Gepäck gebunden werden. Nur mit dem passenden Gegenstück bekommt man seine Teile wieder. Scheint hier nötig zu sein, wir werden auch immer wieder ermahnt auf unser Gepäck aufzupassen.

    Wir kommen schon um 8:30 an unsrem Appartment Hillview im 20. Stock an. Unser Gepäck können wir hier lassen während die Reinigungskraft das Appartement richtet. Für einen Überblicken wollen wir eine „kurze“ Tour mit den Rädern durch Valpo machen. Aber erstmal müssen wir uns an den Verkehr gewöhnen. Vorbei die ruhige gemächliche Zeit im Süden. Die Stadtbusse (und davon gibt es hier viiiiiiele) fahren wie die Henker, es wird gehupt und gewunken. Uff!
    Am Parque Italiana musste ein Kaffee und Lemonpie zum Frühstück her. Danach ging’s zur Catedral de Valparaiso (leider zu) an der Plaza Simon Bolivar. Nun radelten wir über den Plaza Sotomayor und an den Hafen. „Wollt ihr eine Hafenrundfahrt? Räder können mit!“ werden wir gefragt, warum nicht, und so schnell hast du nicht geschaut, waren unsere Räder mit Hilfe der kompetten männlichen Touristen des kleinen Ausflugsbootes aufgeladen. Und schon ging’s los. Eine knappe Stunde tuckerten wir gemütlich durch den Hafen mit grandiosem Blick auf die Hügel von Valparaiso, vorbei an einem Schwimmdock, der Kriegsmarine und Containerschiffen. So haben unsre Veloträume doch glatt ’ne Bootstour vor Valpo gemacht. Wow, noch keine drei Stunden in der Stadt und schon den ersten „to do“ Punkt abgehakt 🙂


    Dass es zum nächsten Highlight auf Johannes‘ Must-See-Liste steil hoch gehen würde, wissen wir spätestens seit dem Blick vom Boot. Im untersten Gang kurbelten wir uns langsam die steilen Straßen nach oben, die Graffitis rechts und links und die bunten Häuser bestaunend. Gut, dass wir ohne Zuladung radeln!!!! Nicht umsonst haben sie hier vor 100 Jahren zahlreiche Schrägaufzüge gebaut, von denen allerdings nur noch 9 (eigentlich wohl nur noch 5) in Betrieb sind.
    Belohnt werden wir immer wieder durch grandiose Aus- und Tiefblicke. Fotomotive gibts zuhauf. Ein Graffiti mit Herz und Gedicht von Gabriela Mistral haben mir gefallen, und ich habe dieses Herz meinem treuen Drahtesel gewidmet. (Später im Appartement habe ich nach der Übersetzung gegoogelt- siehe Gedicht „Küsse“)valparaiso-039.jpg

    Wir lassen uns treiben und landen an der Av. Alemana und vor dem Richtungsschild „La Sebastiana“, dem Haus von Pablo Neruda. Na gut, die Alemana führt sanft steigend weiter, warum nicht die 2,5 km dorthin weiterfahren. Unterwegs passiert man den Plaza Bismark und Plaza Camogli. Ich möchte das Innere von Pablo Nerudas Haus sehen und dank des deutschsprachigen Audioguides erfahre ich doch einiges über Leben und Denken dieses eigenartigen Künstlers. Die Chilenen verehren ihn sehr.

    Unser Brummen im Bauch lässt uns an einer kleinen Pizzeria anhalten. Das Angebot „kleine Pizza mit Getränk“ ist doch genau richtig.  Valparaiso 054 Mit frischen Zutaten und aus dem Steinofen haben uns unsre Pizzen hervorragend geschmeckt. Und klein waren sie auch nicht wirklich. Gute Wahl!

    Steil (wirklich steil) gings nun wieder nach unten (alle Höhenmeter in kurzer Zeit futsch), um zum Cementerio de Disidentes (einem Friedhof mit fantastischem Ausblick und nicht etwa letzte Ruhestätte von politischen Dissidenten, sondern von Protestanten – hauptsächlich Briten und Deutsche, die hier ab 1825 separat von den katholischen Chilenen bestattet wurden) wieder hinauf zu radeln.
    Aus unsrer kurzen Radtour wurde eine ausgewachsene Sightseeingtour!

    Im Appartement angekommen gönnten wir uns einen Kaffee auf dem Balkon mit Blick auf die Hügel und bunten Häuser. Wie schon in Almaty freuen wir uns soweit oben zu sein und über diesen Weitblick.
    Das Appartementhaus in dem wir untergekommen sind, hat ein Schwimmbad, einen kleinen Fitnessraum, eine Dachterasse und Waschmaschinen im Keller. Perfekt, um uns zu sortieren. Und der nächste Supermarkt ist direkt am Eck. Qual der Wahl, was wollen wir kochen. Johannes bleibt beim Fleisch hängen und kommt mit einem 1030 g schweren Steak an. Gut, dazu Salat und Rotwein (diesesmal probieren wir die Merlot Variante des Bicicletaweines)- nicht schlecht!
    Satt und voller Eindrücke fallen wir spät in die Federn. Aus einer kurzen Spritztour wurde dieser wunderschöne ausgefüllte Tag. Aber morgen ist nix mit ausschlafen. Um 9.00 wird uns Jenny (wir haben sie auf der Carretera kennengelernt, sie hat Deutsch studiert, hier an der Deutschen Schule gearbeitet und wohnt in Viña del Mar) zu einem Ausflug an der Küstenstraße abholen.

    Jenny fährt uns als erstes zur Blumenuhr in Viña. Von dort machen wir einen kurzen Spaziergang an der Promenade. Wie es der Zufall will, fahren wir jetzt die Küste entlang nach Reñaca und Concon, immer auf den Spuren von Karin und Holger. Hier habt ihr also gelebt, wir erkennen die auf den Bildern gezeigten Stellen wieder: das Appartementgebäude, ihr Lieblingsresti, die Pelikane, die Dünen. Und wir denken dabei viel an die Beiden. In „ihrer“ kleinen Kneipe essen wir zu Mittag bevor Jenny und wir uns in Viña an der Strandpromenade nochmal die Füße vertreten. Jenny bringt uns am frühen Nachmittag zurück, sie hat noch einen Termin. Wir nehmen uns Zeit zum kruschteln, Kaffee trinken, …


    Zum Sonnenuntergang gehen wir mit einem Glas Rotwein auf die Dachterasse. Valparaiso gefällt uns gut.
    Mit dem festen Vorsatz morgen auszuschlafen und es ruhig angehen zu lassen fallen wir ins Bett.

    Nebel über Valpo, kein Grund zu hetzen, wunderbar!
    Die erste Tasse Kaffee trinken wir im Bett, ich tippe Blogtexte und Johannes liest Zeitung – fast wie daheim.
    Das ist das schöne an einem eigenen Appartement, man hat seinen ganz eigenen Rhythmus! Im Fitnessraum (ich bin nicht alleine, hier trainieren etliche auf Spinbikes, an Geräten, springen Seil) habe ich endlich wieder viel Platz für eine Pilateseinheit, der Schlingentrainer zeigt mir, dass die letzten Monate zwar die Beine viel zu arbeiten hatten, aber die Arme jammern. Oh weh, das gibt Nachholbedarf im Juli. (Und es gab Muskelkater an den folgendn Tagen).

    Gegen Mittag starten wir zum Plaza Sotomayor, dort startet die Tours4Tips. Die vielen Teilnehmer werden in Gruppen eingeteilt. Wir dürfen mit Paula losziehen, die uns mit ihrer Mimik und Gestik sofort fesselt. In fließendem Englisch erfahren wir in drei Stunden viel über die Geschichte Valparaisos, fahren Ascensor, erwandern die bunten Gassen. Sehr kurzweilig erzählt sie uns Anekdoten und Wissenswertes über ihre Stadt. Am Ende gibt jeder das, was er für angemessen hält. Danach beschließen wir auf eigene Faust noch mal loszuziehen, erneut den Ascensor zum Cerro Alegré zu fahren. Für ca 0,40 € ein günstiges und uriges Fortbewegungsmittel. Jetzt hat sich der Küstennebel auch endlich verzogen und wir werden mit Ausblicken und tollen Farben belohnt.


    In einem Blog haben wir gelesen, daß ein Besuch Valparaiso ohne Churillana gegessen zu haben nicht vollständig wäre. Darum haben wir uns in die empfohlene einheimischen Kneipe J. M. Cruz aufgemacht. Allein der Besuch dieser Kneipe ist ein Vergnügen. Alle Besucher verewigen sich hier mit Passfotos oder Unterschrift. Es gibt nur dieses eine Essen. An allen Tischen wird aus einem zentral stehenden Teller gegabelt.
    Chorrillana ist ein chilenisches Essen, das aus einem Teller Pommes Frites mit verschiedenen Arten von geschnittenem Fleisch und anderen Zutaten besteht. Meistens Rührei oder Spiegeleier und Röstzwiebeln. Wegen seiner Größe wird es normalerweise als Gericht zum Teilen serviert.
    Einfach und nahrhaft, ob gesund,….
    Und viele hatten auch ein Glas mit Schaum vor sich stehen. Johannes – ganz neugierig – wollte das doch auch probieren. Nach Internetrecherche wissen wir nun auch was er da getrunken hat:
    „Terremoto“ – Erdbeben.

    Nein, nicht die Erde bebt, die Füße übernehmen das, wenn man zu viel davon getrunken hat. Terremoto ist quasi ein Chilenisches Nationalgetränk oder so ähnlich. Es zieht einem auf jeden Fall die Schuhe aus und ist mit Vorsicht zu genießen. In Bars bekommt man üblicherweise einen Liter serviert, wer dann noch nicht genug hat, bestellt einen „Replica“ – das Nachbeben. Gleiches Getränk, halber Liter.

    Wer’s ausprobieren will:
    Auf einen Liter Weißwein kommen ca. 150ml Fernet Branca, „mes y manos“ (mehr oder weniger)- je nach Geschmack, gut umrühren. Eine Kugel Ananaseis in ein Glas, Schuss Grenadine drüber, mit dem Weißweinfernetgemisch das Glas auffüllen. Mit dem Strohhalm schaumig rühren.

    Wir begnügen uns mit einem gemeinsamen kleinen Glas:-)
    Dann schläppeln wir gemütlich nach Hause, auch dieser Tag war wieder voller Eindrücke.

    Auch sonntags lassen wir es wieder langsam angehen, lange WhatsApp-Video-Chats mit daheim, Reiseplanung etc. Der Nebel deckt Valparaiso schon wieder zu. Gegen Mittag ziehen wir los, Busfahrtkarten nach Mendoza kaufen, Johannes braucht mal wieder ’nen Friseur. Danach erkunden wir das Museo de cielo abierto. Das Freilichtmuseum Valparaíso besteht aus 20 Wandgemälden (Graffitis). Die meisten entstanden zwischen 1969 und 1973 und wurden teilweise „restauriert“. Wir fanden das ganze weniger spannend, eher chaotisch. Die vielen anderen Wandmalereien haben uns aber echt umgehauen. Danach haben wir uns die Hügel hoch und runter treiben lassen, sind durch den Friedhof auf dem Cerro Pantheon, durchs Kulturzentrum (dem ehemaligen Gefängnis)…

    Es gibt so viel zu schauen und zu entdecken. Valpo ist so bunt, ist hübsch und hässlich, laut und leise, sauber und extrem schmutzig, und sehr spannend. Seht selbst:

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    Montagmorgen, für heute haben wir uns nur noch einen Punkt aufgehoben, den Fischmarkt. Ganz exclusiv durften wir dem Treiben der Seelöwen in der Nähe des Fischmarktes zuschauen. Der Fischmarkt hat 6 Tage die Woche offen und wir haben genau den 7. Tag erwischt.  Außer uns lungerten nur noch streunende Hunde auf dem Gelände und viele Pelikane am Strand herum. Montags geschlossen, völlig umsonst sind wir soooo früh aufgestanden. Na ja, nicht ganz umsonst. Auf dem Heimweg haben wir zufällig Markthallen entdeckt und so gibt es heute Abend sehr gesundes Essen. Morgen fährt uns der Bus  – wieder mit „semi cama“ – nach Mendoza. Argentinien, wir sind schon fast unterwegs!dsc_3423.jpg

  • Auf den Vulkan Villarrica

     

  • Auf der Straße der Sieben Seen und zu den Vulkanen Lanin & Villarrica

    „Ruta de los Siete Lagos“ nach San Martin de los Andes
    12.03.2019
    Bariloche – Villa Angostura
    Der erste Tag war reinstes Genußradeln mit Blick auf den Lago Nahuel Huapi. In Bariloche wollen wir noch in eine Chocolaterie. Wenigstens probieren! Auf dem zentralen Platz schlecken wir die Schokoladenstücke und versuchen den Abschied noch etwas hinauszuzögern. Die Kirche hatten wir auch noch nicht besucht. Innen spielte meditative Musik und so war das zur Ruhe kommen und besinnen ganz einfach. Jetzt hatten wir aber keine Ausrede und es hieß Bariloche ade. Ich bin mir aber sehr sicher, dass ich irgendwann zurück kommen werde.

    Auf Teer gehen die Kilometer zügig obwohl wir doch wieder Höhenmeter sammeln. Seit langem haben wir mal wieder einen Schnitt von über 18 km/h.
    Am Public beach von Puerto Manzano soll man gut zelten können. Als wir um 16.00 dorthin kommen ist aber noch viel Rummel. Wir baden und kochen uns Kaffee, genießen die Sonne und den Sandstrand. In einem großen Lastwagencamper übernachten hier noch eine spanische Familie und nebendran ein Argentinier in einem Minibus. Die drei Kinder und ich buddeln im Sand, obwohl ich kein spanisch kann geht das zusammen spielen erstaunlich gut. Und „una vez más“ (nochmal) verstehe ich sehr schnell. Wir verbringen eine wunderschöne ruhige Nacht am See.

    13.03.19
    Villa Angostura bis Lago Falkner
    Wieder ein Tag mit blitzblauem Himmel. Bedeutet erst mal kalte Füße und Finger, bis die Sonne etwas kräftiger heizt. Der Ort Villa Angostura ist geschleckter als Bariloche, rings herum schicke Landhäuser. Wer Geld hat verbringt seinen Urlaub hier oder in San Martin de los Andes. Zwischen diesen beiden Orten verläuft auch die Sieben-Seen-Route, landschaftlich super schön zwischen Bergen, wildem Wald und blauen Seen. Wir halten an jedem Mirador und müssen die Aussicht genießen (später werden wir die vielen Fotos von den Seen sicher nicht mehr auseinander halten können …).
    Trotz der über 1100 Höhenmeter kommen wir recht gut vorwärts und könnten noch einige Kilometer „schrubben“, aber wir möchten die tolle Landschaft genießen und bauen schon um 16 Uhr unser Zelt am Lago Falkner auf. Die Hauptsaison ist vorbei, drum ist es ziemlich ruhig auf dem Campingplatz. Kaffee mit Blick auf den See und Cerro Falkner, etwas Sonnenbaden, den Enten und Raubvögeln zuschauen, Beine dehnen, faulenzen, duschen, kochen, einen Vino zum Essen genießen – so darf Radelurlaub auch mal sein!

    14.03.2019
    Lago Falkner – kurz vor Junin de Los Andes

    Heute früh war es noch kälter als gestern, im Schatten hatte es Reif und der Lago Falkner dampfte wie eine heiße Quelle. Dabei war er so kalt, daß wir gestern ausnahmsweise mal nicht baden waren.
    Es ging weiter durch unberührte Wälder, von See zu See, ein Ausblick schöner als der andere. Vor einem Haus steht ein Oldtimer, es ist tatsächlich ein Ford Model T, das erste am Fließband gefertigte Auto.

    ein Original Fort Model T

    Wir kommen mit einem jungen Mann ins Gespräch – er ist Österreicher und auf einer Reise nach der Matura hier hängen geblieben. Er ist Forstingenieur wie ich und hat hier sogar eine entsprechende und dazu noch relativ gut bezahlte Arbeit gefunden. Ob die hier noch einen Förster brauchen??

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    Er bestätigt uns auch die Story um Bambus, Mäuse und den Hantavirus: Hier wächst viel Bambus zwischen den Bäumen. Dieser Bambus blüht nur alle 70 Jahre, und zwar alle Bambussträucher in der ganzen Region gleichzeitig. Dieses Jahr blühte es zwischen El Bolson 50 km weiter im Süden bis San Martin de los Andes. Durch das riesige Angebot an Bambussamen kommt es zu einer Mäuse- und Rattenplage. Und diese Nager übertragen leider auch den Hantavirus. Sieht auf den ersten Blick aus wie eine Grippe, führt aber unerkannt zum Tode. In El Bolson starben dieses Jahr 12 Personen daran. Überall hängen Plakate mit Gesundheitshinweisen, die Angst vor dem Virus führte aber auch dazu, daß es kein gutes Tourismusjahr für die Region war.
    Das Nagerproblem löst sich aber relativ schnell von alleine: die vollgefressenen Tiere bekommen großen Durst, weil die Bambussamen im Magen aufquellen. Sie trinken viel Wasser, das führt dazu, daß die Samen noch weiter quellen bis der Magen platzt. An den Seeufern liegen dann tausende tote Tiere…

    Noch etwas Anstieg bis zu einem Kuriosum, ein Bach, der sich an einem Fels aufteilt. Der eine Teil fließt in den Atlantik, der andere in den Pazifik. Wir müssen also auf einem Andenpass stehen.

    Danach eine herrlich lange Abfahrt in den Wintersportort San Martin de los Andes. Nach einer Brotzeit auf der Plaza San Martin und einem Kaffee radeln wir weiter und sind kurz darauf wieder in der trockenbraunen Pampa. Wieder Zäune rechts und links der Straße, wie soll man hier einen Zeltplatz finden?! Es braucht noch 30 km bis wir was taugliches finden. Wir zelten bei einer Anglergemeinschaft 10 km vor Junin am Fluss – Junin ist das Forellen-Eldorado Argentiniens.


    15.03.2019
    Junin de los Andes – Valle Malleo
    In Junin gibt es einen Stationenweg mit 23 Bibelszenen aus dem Leben Christi, ergänzt mit Reliefbildern zum Leben der Ureinwohner Südamerikas. In Reiseführer und Wikipedia findet man fast keine Hinweise auf dieses Highlight. Danke liebe Gretl für den Tip!
    Wir sind die ersten am Via Christi und können so die tollen Skulpturen ohne Ablenkung auf uns wirken lassen. Der Mapuchekünstler Alessandro Santana hat wunderschöne Figuren geschaffen. Uns gefallen die ausdrucksstarken Gesichter. Der Künstler hat dazu Menschen aus Junin als Modell genommen. Am Ende des Kreuzweges an der Bergspitze ist ein aus Glasdreiecken zusammengebauter Christus halb in die Erde eingegraben. Man kann über die „Seitenwunde“ in den Torso und Kopf hinein gehen. Innen sieht es wie ein Gewächshaus aus. Alles hat hier Symbolcharakter. Wir sind schwer beeindruckt! Die 47 m lange Glasskulptur wird nachts von innen beleuchtet.

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    Das Wetter ist heute sehr durchwachsen, während Johannes im Supermarkt einkauft, zieht ein kurzer Schauer durch. Glück gehabt, ich stehe trocken unterm Vordach. Die letzten Regentropfen sitzen wir in der Panadería am zentralen Platz aus. Wir müssen die leckeren süßen Teile nochmal genießen bevor wir wieder zurück nach Chile kommen. Das können die Argentinier echt, süße Backwaren zu fairem Preis!
    Wir radeln weitere 40 km, jetzt durch goldgelbe Pampa, an einem netten Angelfluss in einer idyllischen Landschaft, in der Ferne der Vulkan Lanin. Die Zäune machen es auch hier schwer den super Zeltplatz zu finden. Parallel zur Straße, etwas verdeckt schlagen wir am späten Nachmittag unser Zelt auf und erschrecken dabei ein Gürteltier, das gemütlich davon zuckelt.
    Nebenan stehen die ersten Araukarien, auf dem Weg nach Pucon werden wir hoffentlich noch viele Wälder dieser Dinosaurier-Baumart durchqueren.

    16.03.2019
    Valle Malleo – Curarrehue
    Auf dem Zelt ist morgens Raureif und wir warten etwas länger mit dem Starten. Die Sonne wärmt und trocknet wenigstens die Sonnenseite unsres Zeltes. Moderat geht die Straße nach oben, immer den Vulkan Lanin zur Linken und durch einen wunderschönen Araukarienwald. Johannes Wunsch wurde erhört. Die letzten 12 km auf argentinischer Seite zum Pass hoch „kämpfen“ wir mit weichem Schotter. Der heißgeliebte Grader ist mal wieder unterwegs. Aber das Panorama mit Vulkan Lanin und Araukarien macht das wett. Ein Fotomotiv jagt das andere. Wiedermal wechseln wir die Grenze und sagen Argentinien ade. Ab der chilenischen Grenze gibts feinste Asphaltstraße. Dafür sind die Zöllner an der Grenze super pingelig. Wir müssen das erstemal in dieser Reise unsere Räder als Transportmittel anmelden, dazu Marke und Daten angeben. Den Zettel bitte nicht verlieren. Na, wenns hilft.
    Auch nach der Grenze dürfen wir durch wunderschöne Landschaft radeln und das seit Junin mit erstaunlich wenig Verkehr! Steil gehts in Serpentinen von 1200 auf 400 m hinunter. Johannes Hinterrad gabelt einen Nagel auf und der Platten will geflickt werden. Na in knapp 8000 km der dritte Platten für Johannes, das geht doch. Auf dieser Seite ist der Bambus noch schön grün.
    Nach Currarehue finden wir einen kleinen idyllischen Picknick/Campingplatz am Fluss, wir sind die einzigen Gäste. Nachsaison hat doch echt Vorteile! In Ruhe genießen wir unseren geliebten Kaffee, um uns herum laufen die Hühner und Puten. Ich pflücke an der Hecke Brombeeren fürs Frühstück. Ganz gemütlich lassen wir den Tag ausklingen.

    17.03.2019
    bis Pucon
    Über Nacht sind die Berge verschwunden, alles voller Wolken. Schade!
    Wir radeln die letzten 40 Kilometer nach Pucon, in der Bäckerei Rostock suchen wir nach dem angepriesenen Roggenbrot und (Gedenkminute für dich Gretl) gönnen uns dort bei Eugenio Fuchs ein Empanada und ein Megastück Torte.
    Bei unsrer Zimmersuche sind wir direkt am See beim Hotel Gudenschwager hängen geblieben. Gründungsdatum 1923, und so sieht auch das Interieur aus, aber uns gefällt es, es ist irgendwie heimelig. Die Dame an der Rezeption und der Kellner scheinen fast das ähnliche Baujahr zu haben ;-).
    Das beste ist aber der Blick aus unserem Zimmer: Genau auf den Vulkan Villarrica!

  • „Tankstopp“ in Bariloche 

    Dem angekündigten Regen sind wir also nach Bariloche (eigentlich San Carlos de Bariloche) entflohen. Bariloche gehört zum argentinischen Teil Patagoniens und ist wunderschön am Nahuel-Huapi-See und am Ostrand des gleichnamigen Nationalparks gelegen. Man nennt Bariloche auch die argentinische Schweiz – und in der Tat erinnert uns vieles an unser Nachbarland. Chalets im Schweizer Baustil (manche sogar mit den Kantonwappen verziert), ein Schokoladen-Laden reiht sich an den anderen, es gibt Fondue und auf dem Marktplatz kann man mehrere echte Bernhardiner mit Fässchen um den Hals sehen. Das Geschäftsmodell sich mit Bernhardiner ablichten zu lassen funktioniert hervorragend. Aber auch die Landschaft kann mit der Schweiz mithalten: wunderschöne Berge und Seen, an denen man sich nicht satt sehen kann.

     

     

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    Skulptur im Hotel Las Marianas, wenn wir weiter so essen hier bekommen wir noch eine ähnliche Figur

    Wir gönnen uns seit langem mal wieder ein richtiges Hotel und genießen das geniale Frühstücksbuffet! Es müssen wieder Kalorien nachgetankt werden!
    Trotz des Vorsatzes Pause einzulegen, können wir es nicht lassen bei dem guten Wetter eine Halbtageswanderung zum Cerro Llao Llao zu unternehmen. Zuvor müssen wir aber ganz in der Nähe noch Grüße ausrichten. Zuhause hatte mir eine Teilnehmerin meiner Sportgruppe aufgetragen in Bariloche eine liebe Bekannte von ihr zu besuchen. Das haben wir auch gerne getan. Wir haben aber erst nur ihre Nichte angetroffen, die uns berichtete ihre Tante wäre umgezogen. Die neue Adresse lag direkt an der Busstrecke zu unserem Wanderziel, perfekt. Per WhatsApp haben wir gleich Kontakt aufgenommen und uns für den Nachmittag auf dem Rückweg angemeldet. Welch Gastfreundschaft: „super, kommt vorbei, ich freu mich auf euch!!“ Wir sind gespannt.

    Auf dem Wanderweg zum Cerro Llao Llao (hier wird das „schau-schau“ ausgesprochen) hat man immer wieder Ausblicke auf den See, die immer schöner werden, je weiter man nach oben kommt. Bei stürmischkaltem Wind genießen wir vom Cerro Llao Llao die wunderschöne Aussicht. Etwa in der Art stellen wir uns die norwegische Fjordlandschaft vor. Aber auch eine gewisse Ähnlichkeit zum Ausblick auf den Vierwaldstättersee können wir feststellen: Seen mit vielen Armen, „umzingelt “ von grün bewachsenen Bergen. Wieder unten am See gönnen wir uns am Playa Tacul eine Pause im der Sonne. Hier ist es windgeschützt und warm, unsere kalten Finger beginnen wieder aufzutauen.

     

     


    Bevor wir den Bus zu Edith nehmen möchte sich Johannes noch das Hotel Llao Llao genauer anschauen. Wie eine Mischung aus Burg und Schweizer Chalet liegt es umgeben von Golfplatz und Tenniscourt auf einem Hügel. Es soll das Hotel mir der besten Lage Patagoniens sein.
    Und nun wollten wir die Grüße überbringen. Unsere Smartphone-Landkarte führte uns zu einem kleinen Haus direkt am See mit wunderschönen Blick aufs Wasser. Der Empfang hätte nicht herzlicher sein können. Edith hat gerade ihren 5 jährigen Enkel aus Deutschland zu Besuch und trotzdem auf die Schnelle für uns einen Kuchen gebacken. Wow, wie lieb. Bei Kuchen und Tee tauschen wir Geschichten aus, ich lese Matthias Bilderbücher vor. Die Zeit geht so schnell vorbei. Mit dem festen Versprechen bald wieder zu kommen verabschieden wir uns.
    Diese wundervollen Begegnungen bereichern unser Sabbatjahr so sehr.

    Am Tag darauf wandern wir die wohl schönste Wanderung hier. Den „echten“ Pausentag verschieben wir auf Mittwoch, da soll das Wetter eh schlecht werden. Vom Ort Cerro Catedral geht’s mit der Bahn nach oben, dann „Por el Filo“ am Kamm entlang, über die Laguna Schmoll runter zum Refugio Frey und auf dem Normalweg zurück. Eine ausgewachsene Bergtour mit alpinen Stücken. Aber richtig super!
    An der Hütte sind gerade die argentinischen Gebirgsjäger zur Kletterausbildung und es wuselt nur so von Soldaten in Tarnkleidung. Zu unserer großen Freude gabs in der Hütte Kaffee aus der Bialetti und aufgeschäumte Milch dazu –  welch ein Unterschied zum Nescafe der letzten Monate in Chile.

     

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    In Bariloche haben wir uns in der überall angepriesen Eisdiele Helados Jauja eine Riesenportion Eis gegönnt. Und wirklich, purer Genuss.
    In Argentinien bestellt man seine Eissorten nicht „auf Sicht“, sondern schaut auf die Karte, denn die meisten Geschmacksrichtungen sind hinter der Theke in den Eisbehältern „versteckt“. Es gibt  im Jauja über 10 verschiedene Sorten Schokoladeneis. Dazu kommen nochmal fast so viele Variationen Dulce de Leche-Eis. Dulce de Leche ist eine typisch südamerikanische Creme aus Milch, Zucker und Vanille. Mmmmmh – sehr fein!

     


    Aber auch deftiges und nahrhaftes Essen gibts hier. Das beste Steak ever haben wir hier im El Boliche de Alberto gegessen. Auf Empfehlung unseres Hotels treffen wir bereits 15 Minuten vor der Öffnungszeit am Lokal ein – und sind nicht die Ersten. Wer zu spät kommt, muss warten, bis die ersten abgefüttert sind und sich zufrieden aus dem Restaurant rollen.
    Für mich gibt es Bife de Lomo für Johannes Lamm. Wir entscheiden uns für einen Salat als Beilage, denn die Portionen scheinen riesig zu sein. War auch goldrichtig. Die Grillmeister nehmen persönlich die Bestellung auf und garen das Fleisch auf einem monströsen Grill. Am Ende wird alles mit viel Liebe präsentiert und serviert.
    Das gleiche passiert uns tagsdrauf als wir im Pastarestaurant essen waren. Wir bekommen im gut gefüllten Restaurant einen Tisch und kurz danach war der Laden bumsvoll. Eine wartende Menge vorm Restaurant, die sich freut wenn jemand glücklich satt das Haus verlässt. Und als wir um 22:00 gehen steht da immer noch eine riesige Menge an Leuten, die auf einen freien Tisch warten. Unglaublich! Auch dort haben wir gut und erstaunlich preiswert gegessen.

     

    Mittwoch regnet es schon beim Frühstück und wir freuen uns (komisch, wer freut sich schon über Regen). So haben wir beim Nixtun und Planen schon kein schlechtes Gewissen 😉
    Wir nehmen uns endlich mal Zeit unsren restlichen Urlaub zu planen. Nachmittags besuchen wir Edith in ihrem Haus in Bariloche zum Tee und verquatschen uns wieder.
    Wir werden ab morgen bei ihr wohnen und dürfen diese wundervolle Gastfreundschaft noch länger genießen. Ja uns gefällt Bariloche und wir laufen Gefahr hier hängen zu bleiben. Aber warum auch nicht.

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    Hier in Bariloche Ort wollen wir aber noch dem Tip auf ein gutes Bier und super Abendessen nachgehen. Uns hat man gesagt, wenn ihr gutes Bier sucht, seid ihr in der Cerveceria Manush genau richtig. Hier findet ihr unzählige Biersorten, welche alle in der Gegend gebraut werden und jeden Tag von 18–20 Uhr ist dort Happy Hour. Uns so sind wir trotz Platzregen losgezogen und haben dort „Pale Ale“, „Extra Stout“und „Irish Cream Ale“ getrunken. Super!!!! Als feste Unterlage dazu gabs Pommes nach Manush-Art und viel Fleisch.

    Nach vier Nächten haben wir das Las Marianas verlassen und sind mit unsrem ganzen Krempel bei Edith aufgeschlagen. Wir lassen die Taschen in „unsrem neuen“ Zimmer und starten nach einer Tasse Tee per Rad zum Circuito Chico, einem Rundweg vorbei an Seen und Bergen.
    An der Seilbahnstation des Cerro Campanario überlegen wir nur kurz. Die Aussicht von dort oben soll grandios sein und die 200 Hm laufen wir doch schnell. Gesagt, getan, und schon 20 Minuten später stehen wir oben und haben tatsächlich ein 360 Grad Panorama auf die vielen Arme des Nahuel Huapi Sees und die Berge drumherum. Wieder unten gehts dann per Rad zur Bahia Lopez weiter. Dort machen wir Picknick. Am Weg haben wir durch Zufall einen Naturkostladen mit frischem Vollkornkörnerbrot endeckt. Das erste „richtige“ Brot seit 8 Monaten! Welch ein Genuss!!!!
    Bei der Colonia Suiza bewundern/bestaunen/belächeln wir all den Kitsch und Trubel. Ein bisschen Wildwestromantik und viiiiele Essensstände. Früher soll das mal ein beschauliche Siedlung gewesen sein, in der man sein Gemüse einkaufte. Das gute Eis lassen wir uns nicht entgehen. Die Straßen heißen Zürich, Luzern, Valais. Die Kantonsflaggen sind allerorten. Das Wetter ist wieder freundlicher und so können wir danach am Lago Perito Moreno noch in der Sonne sitzen und diese intensiven Blau und Grüntöne in uns aufsaugen. Ja, – ein argentinischschweizer Naturidyll!

     


    Bei Edith toben wir mit Matthias im Garten, während Johannes weiter mit Matthias spielt, darf ich Edith beim Empanadas machen über die Schulter schauen. Zum Essen sitzen wir in der Küche gemütlich zusammen. An dem Blick aus unserem Zimmer kann ich mich nicht sattsehen.
    Morgens werden wir vom sanften Plätschern der Wellen geweckt. Der See zeigt sich von seiner sanften Seite. Der Wind hat nachgelassen, kein Wölkchen am Himmel – heute wird ein toller Tag. Ich kann unser Glück kaum fassen hiersein zu dürfen.
    Edith hat extra für uns Brot gebacken und frischen Obst/Gemüsesaft zum Frühstück gepresst. Welch schöner Start in den Tag
    Wir überzeugen Edith davon, dass sie und Mathi mit uns einen Ausflug hoch zum Cerro Otto machen. Dazu packen wir Picknicksachen ein und los geht’s. Die Gondel bringt uns nach oben und dank diesen wunderbaren Wetters können wir sogar den Cerro Tronador in der Ferne weiß leuchten sehen. Auch von hier oben ist die Aussicht überwältigend. Nach einem Spaziergang zum Habsburgerfelsen haben wir alle riesen Hunger und freuen uns über die übrig gebliebenen Empanadas von gestern abend.
    Wieder unten lädt uns Edith in ihren Kangoo und zeigt uns einige ihrer Lieblingsplätze. Der krönende Abschluss dieses tollen Tages war noch ein Grillen. Das Fleisch vom Metzger ums Eck ist butterzart und die Würste sind gut gewürzt und echt fein!! Ja, und nicht zu vergessen, ich bin zur Legobaumeisterin von Raumschifftankstellen und Johannes zum Asadogrillmeister geworden. Ich habe völlig vergessen welch Ausdauer und Einsatz kleine Kinder fordern😉😉

    Hier ist es so schön, dass wir gar nicht weg wollen! Mit Mathi springe ich über den Rasensprenkler und unten am Wasser lassen wir Steine flippen. Wir verbringen zwei lazy Tage am Wasser und genießen das Nichtstunmüssen! Körper und Seele können auftanken. Jetzt laufen wir Gefahr hängen zu bleiben. Ob die hier Physios brauchen könnten? 😂

     

     

    Wir entscheiden uns schweren Herzens am Montag aufzubrechen,  aber Johannes will noch vorher die Räder checken, und oh Schreck der in Coyhaique neu(?) eingebaute Freilauf streikt schon wieder. Was auch immer die mir da reingebastelt haben,  es tut nichts mehr. Johannes zerlegt mein Hinterrad komplett und stellt fest: wir brauchen eine Werkstatt und können morgen doch nicht weiterradeln. So darf ich noch länger hier bleiben,  wie schön. Jetzt heißt es eine ordentliche Radwerkstatt finden.

    Johannes ist nach dem Frühstück losgezogen und hat eine neue Hinterradnabe besorgt. Den Freilauf alleine gabs nicht und leider auch nicht die gute Shimano XT, sondern nur mittelmäßige Qualität – hält hoffentlich bis Ecuador. Jetzt hat er mein Hinterrad nochmal auseinander genommen und muss alles neu einspeichen. Gottlob kennt er sich so super aus!

     

    Edith hat für uns nochmal Brot gebacken,  werden wir verwöhnt! Dieses wunderbare Fleckchen Erde, Edith, Max das Kaninchen und die Hühner, all das werde ich vermissen. Heute abend wird nochmal gegrillt (das Fleisch ist hier so viel besser als in Deutschland) und morgen, Dienstag, brechen wir nach gut einer Woche in Richtung San Martin de los Andes auf.

     

  • Wir sind am Ende! – der Carretera Austral in Puerto Montt angekommen!

    Tag 20 Carretera Austral 01.03.2019
    kurz hinter Contao
    Das Wetter bringt unsere Planung etwas durcheinander. Wir wollten eigentlich jetzt nach Cochamo radeln, dort etwas wandern und dann weiter mit drei Fähren über drei Seen nach Bariloche. Aber auf der hiesigen Seite der Anden soll es mindestens die nächsten 7 Tage richtig fieses Wetter geben. Da zu Radeln und zu Wandern macht uns sicher kein Vergnügen! Außerdem soll die Fährfahrt zwar sehr schön sein, aber mit 120 Dollar pro Person auch nicht billig. Und bei Regen sehen wir vielleicht gar nichts.
    So entscheiden wir uns doch nach Puerto Montt zu fahren und von dort den Bus nach Bariloche auf die andere Andenseite zu nehmen. Dort ist das Wetter viel besser vorausgesagt.


    Kurz vor der letzten Fähre der Carretera Austral zelten wir am Meer und müssen unser „Kaffeeritual“ unterbrechen, weil eine große Gruppe Delphine direkt vor unserem Zelt vorbei zieht. Sie planschen, springen aus dem Wasser und machen viel Trubel – ist bei Delphinen grad Paarungszeit? Die Delphine stört der einsetzende Regen nicht, wir müssen uns leider ins trockene Zelt verziehen und dort endlich den Radltag-Abschluss-Kaffee genießen!

    Tag 21 und letzter Tag auf der Carretera Austral 02.03.2019
    bis Puerto Montt

    Heute schließt sich der Kreis und wir kehren nach 2 Monaten wieder an unseren Ausgangspunkt in Chile nach Puerto Montt zurück. Anfang Januar sind wir mit der Navimag-Fähre nach Puerto Natales gefahren und von dort nach Norden gestartet. Vor einem Monat erreichten wir dann Villa O’Higgins am südlichen Ende der Carretera Austral und sind seitdem auf der „Ruta 7“ unterwegs.
    Jetzt bei Kilometer Null sind wir etwas wehmütig, dass wir Patagonien hinter uns haben, aber freuen uns auch etwas – seit vier Wochen hatten wir nur 2 Pausentage und sind langsam etwas müde in den Beinen und im Kopf. Kein Wunder, seit O’Higgins haben wir 1.195 Kilometer und 17.075 Höhenmeter in den Knochen (und dazu noch einige Wanderungen)!

    Nach dem Pamir-Highway und jetzt der Carretera Austral durften wir in unserem Sabbatjahr zwei der „Fahrradtraumstraßen“ radeln – genial und unvergesslich!

    Morgen geht’s mit dem Bus nach San Carlos de Bariloche in Argentinien und von dort aus wieder mit Muskelkraft die sogenannte Sieben-Seen-Route nach San Martin de los Andes und dann wieder über die Anden nach Pucon in Chile. Vamos!