Unsre letzte Radetappe – Wehmut und Vorfreude auf Neues zugleich 

LetzteRadetappen0111.00 Uhr und wir rollen  bei leichtem Nieselregen neben riesigen Lastwagen, Tankautos etc. in Calama ein. Wie!? Am trockensten Platz der Erde Regen? Hier hat es normalerweise nur 0,5  – 2 mm pro Jahr Niederschlag. Und wir sind dabei!  Im Vergleich dazu regnet es in der Sahara 45 ml pro Jahr. 

An der echt riesigen Mall versorgen wir uns wieder mit Kaffeepulver, gerettet! Wir haben noch viel Zeit bis wir unser über Airbnb gebuchtes Appartement beziehen können. Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht, also biegen wir in die Fußgängerzone ab. Es gibt vieles, aber ein Straßencafe leider nicht. Ja wir hatten vergessen, Chile ist nicht für Kaffeekultur bekannt. Aber frischer Fruchtsaft ist auch nicht zu verachten, wenn da nicht die beiden Straßenmusikanten im Abstand von 30 m wären, die versuchen sich gegenseitig an die Wand zu trällern! Ach wie ruhig waren die letzten Tage! Seit Ollague sind wir entlang zahlreicher Vulkane (5000 bis 6000er), durch Salzseen, entlang kleiner Lagunen mit Flamingos und Vikuniaherden und durch endlose Pampa geradelt. Nur wir beide und diese skurrilschöne Natur. Abends immer ein nettes Plätzchen zum Schlafen: mal bei Flamingos, mal direkt am Minivulkan oder am Fluss, der ein winziges grünes Band durch die auslaufende Atacama zog, und nun das, uff!
Heute haben wir unsere letzte eigentliche Radetappe beendet – wir sind etwas wehmütig. Nach 10 Monaten kommt das Ende unseres Sabbatjahrs immer näher. Morgen und übermorgen trudeln unsere Jungs samt Freundin ein, dann gibt’s 3 Wochen ziemlich stramm getakteten Familienurlaub. Danach wollen wir bei Huaraz in Nordperu noch eine längere Trekkingtour machen. Ecuador und vor allem Kolumbien sollen schöne Radelländer sein, hat man uns empfohlen. Aber das wird dann wohl eine andere Radtour…

 

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Über den größten Salzsee der Welt 

Die Busfahrt von Sucre nach Uyuni war sehr abwechslungsreich. Da wir im Doppeldeckerbus oben ganz vorne Plätze gebucht hatten konnten wir die tolle Landschaft richtig genießen.
In Uyuni kommen wir im Casa ciclista unter. Unsere erste Erfahrung mit einem Casa de ciclistas. Außer uns schlafen hier noch 10 weitere Radler aus der ganzen Welt (Polen, Spanien, Italien, Portugal, Amerika, Kolumbien). Von Miriam, der guten Seele hier, werden wir in alles eingeführt und dürfen dann unsere Isomatten in einem kleinen sauberen Raum ausbreiten.Wir teilen uns unser kleines Zimmer mit dem polnischen Pärchen. Im Innenhof steht der große Esstisch und zwischen den Bäumen sind Hängematten aufgespannt. Die kleine Küche hat alles was es braucht. Hier ist es zwar etwas „chaotisch“ aber herzlich. Zwei Jungs schrauben an ihren Rädern, Simon aus Italien reinigt nach der Salarquerung sein Rad ( wow, sieht jetzt aus wie neu), die anderen faulenzen in der Hängematte.
Wir schlafen erstaunlich gut, hier in Uyuni haben wir einen Tag für Orga etc. eingeplant. Wir müssen genug Essen für die Salarquerung besorgen, wollen eine bolivianische SIMkarte erstehen und den Eisenbahnfriedhof anschauen. Wir frühstücken und nehmen unsere Tassen mit in die Sonne. Im Schatten ist es hier auf 3600 m a…kalt. Die anderen Radler (alle viel jünger als wir) schlafen noch. Erst kurz nach 9.00 wirds lebendiger. Simon bricht Richtung Lagunenroute auf und die ganze „Radlerfamilie“ verabschiedet ihn überschwänglich. Ich bin schon lange nicht mehr soviel gedrückt und geküsst worden – zur Begrüßung einmal die Runde, abends, morgens, beim Verabschieden, …
Uyuni ist nicht wirklich schön, kurz vor dem Ort endet die Teerstraße und so ist alles etwas trostlos uns staubig. Das Besorgen der SIMkarte ist erstaunlich kompliziert. Nur der Hauptladen von Entel ist autorisiert Karten an Ausländer zu verkaufen. Wir müssen den Reisepass mitbringen und uns am ersten Schalter registrieren lassen, dann erst können wir die SIMkarte an zweiten Schalter freischalten und aufladen lassen. Jedesmal heißt es warten. Mit uns sitzen hier sicher 15 Personen und wir begreifen nicht in welcher Reihenfolge die „Warteschlange“ abgearbeitet wird. Wir warten und warten, aber nichts passiert…
Irgendwann klappt ’s dann doch. Nun sind wir wieder mobil;-)
Auch hier hat es einen Mercado Central und wir decken uns mit allem nötigen ein. Wir suchen lange bis wir ein Café finden, das nicht nur Nescafe anbietet sondern ne wirkliche Kaffeemaschine hat und wifi! Spätnachmittags besuchen wir den Eisenbahnfriedhof. Echt skuril wie da mitten in der Landschaft die alten Loks vor sich hin rosten. Wir treffen Sarah und Lukas, zwei junge extrem sympathische Menschen und verratschen uns. Eigentlich wollten wir viel mehr fotografieren. Aber Fotos gibts noch öfter! Nach Sonnenuntergang radeln wir zurück, es wird ganz schön schnell kalt und dunkel.
Heute Nacht teilen wir uns das Zimmer mit Ludwig, einem netten deutschen Motorradfahrer.

Nachdem wir uns von allen im Casa umarmt und verabschiedet haben gehts los auf den Salar. Beide sind wir extrem gespannt. Bei Colchani radeln wir um einige größere Wasserlachen herum, aber danach können wir trocken dahinradeln. Sieht aus wie festgefahrener Schnee, lässt sich aber bestens fahren. Beim Denkmal für die Rallye Paris Dakar werden wir von Jeeptouristen beklatscht. Niice! Zur Belohnung dürfen sie ein Bild von uns machen. Wir radeln heute 65km und bauen unser Zelt mitten auf dem Salar auf. Aber nicht ohne vorher unzählige Perspektivische Fotos mit uns und den Rädern zu machen.

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Beim Zeltaufbauen fährt ein weißer Camper vorbei, hält und heraus springen Sarah und Lukas. Na super, haben sie doch eine günstige Mitfahrgelegenheit bekommen. Wir quatschen nur kurz, sie müssen novh vor Dunkelheit auf der Isla Inkahuasi sein und nach Sonnenuntergang gehts raz faz und es ist stockfinster. Sobald die Sonne am Horizont verschwunden ist wirds zapfig und wir verschwinden ins kuschelige Zelt.

Die 30 km bis zur Isla Incahuasi ziehen sich, obwohl das Radeln auf dem Salar gar nicht so anstrengend und wirklich einmalig ist. Aber es geht halt immer nur gradaus und die Insel kommt und kommt nicht näher. Und wir werden durch die Unebenheiten ganz schön durchgeschüttelt.
Irgendwann stehen wir dann kurz vor Mittag doch vor der Kaktusinsel und parken die Räder versteckt. Die Lenkertaschen umgehängt kraxeln wir hoch zum Gipfel der Insel. Immer wieder müssen wir diesen gigantischen Blick über den Salar mit diesen wunderschönen Kakteen und den „Kaktuskorallen“ fotografieren und auch oben gönnen wir uns viiiiiel Zeit. Danach radeln wir weiter zu den Restaurants und dem Parkplatz der Touristengruppen. Hier steht auch das Kassenhäuschen, denn wer auf der Insel hochwandern möchte muss hier Eintritt bezahlen. Da haben wir vorher Glück gehabt und sind wohl über den Hintereingang nach oben gewandert. Johannes zählt 27 parkende Jeeps und es wimmelt vor Touris. Wir werden oft nach dem woher und wohin gefragt und bekommen viele „Daumen hoch“ gezeigt. Der Trubel liegt uns nicht aber wir können am Kiosk Trinkwasser für Birgit, Sprite für Johannes kaufen. Im Restaurant füllen sie sogar noch Johannes PETflasche mit Wasser zum kochen auf. So versorgt radeln wir zur nächsten Bucht und finden dort am Ufer ein sandiges, ebenes und nicht zu steiniges Plätzchen fürs Zelt. Welch ein Kontrast zu gestern Abend. Zum Sonnenuntergang klettern wir nochmal den Hügel hinterm Zelt zum privaten „Sunsetpoint“ hoch und genießen ganz in Ruhe „unsren“ Salar. Der Jeepkarawane ist seit einer Stunde verschwunden und wir haben das Gefühl die Insel gehört uns ganz alleine. Wow!!!!

Die Boden der Insel hat wohl tagsüber gut Sonne getankt, denn diese Nacht ist es deutlich wärmer als gestern. Und zu unsrer Überraschung haben wir hier mitten auf dem Salar Netz und können WhatsAppen und Neiderbilder verschicken. Schon irre, gerade an dem Ort, den wir uns am entferntesten von der Zivilisation vorgestellt hatten chattet Johannes sogar mit seinem Chef über seine neue Stellenbeschreibung!

Der heutige Tag ist kaum in Worte zu fassen. Wir lassen uns von der Sonne wecken und frühstücken vorm Zelt. Die Tourijeeps der Sonnenaufgangstour sind schon zahlreich unterwegs. Immer wieder spazieren welche vor unsrer Bucht vorbei. Ob sie wohl den frischen Kaffee riechen?  Einer kommt näher und stellt sich vor, sein Rad ist auf dem Jeep und er muss wegen Knieproblemen pausieren. Na klar, wir kennen uns doch, das ist ja Arnold aus Holland ! Ihm und seiner Mitradlerin sind wir auf dem Pamirhighway begegnet und später nochmal in Osh in unsrem gemeinsamen Guesthouse. Was ein Zufall!!  Wir empfehlen ihm noch das Casa de ciclistas und schon hupt sein Jeep zum Aufbruch.
Schweren Herzens verlassen wir dieses wunderschöne Fleckchen Erde und radeln Richtung Festland.  Nach 35 km wirds immer feuchter und die letzten 10 km ackern wir uns im knöcheltiefen Salzwasser voran. Unsre armen Räder meint Johannes,  wir Armen denke ich.

Aber irgendwie ist es auch cool quasi übers Wasser zu schweben. Die Wolken und die Berge an Land spiegeln sich soo schön im Wasser. Am Damm angekommen,  bringt uns die Straße trockenen Fußes ans Land. Gleich bei den ersten Häusern hat’s gottlob einen Wasserhahn und so können wir das Salz von den Räder und unsren Beinen spülen.


Mit ordentlich Rückenwind geht’s nun auf festem Boden weiter. Wir sehen Vikuniaherden und Nandus! Trotz der Windunterstützung gehts nur zäh voran, weicher Sand, Wellblechpiste – Ripio du hast uns wieder. Nach 65Tageskilometer zelten wir unterhalb des Ortes Colcha-K. Als wir schon eingemummelt in den Schlafsäcken sitzen bekommen wir doch glatt von der Blaskapelle oben im Ort ein Ständchen. Klingt wie bayrische Blasmusik, echt skuril!!!

03.05.2019 Colcha-K bis nach Chiguana
Heute Nacht wird Birgit arg vom Husten geplagt. Entweder die trockene Luft oder die vielen Küsschen und Abschiedsumarmungen im Casa de Ciclistas in Uyuni. Bisher hatten wir uns gut um Erkältungen drücken können, trotz der eher kalten Reiseländer.
Und es geht gleich so weiter – an Johannes Rad ist der Hinterreifen platt, schon wieder an der Stelle, an der der Mantel defekt ist. Zeit, um den vorsorglich in Sucre gekauften Ersatzreifen zu montieren. Brasilianisches Fabrikat, sieht eigentlich ganz gut aus und sollte den Rest des Sabbatjahrs durchhalten.

Unsere Karten-App verspricht heute kaum Höhenmeter, wir können es kaum glauben. Bis San Juan de Rosario haben wir die angekündigten Höhenmeter schon verbraucht – wie soll das denn gehen? Aber die App hatte recht. Nach San Juan kommen wir auf einen weiteren, ziemlich zugesandeten Salzsee. Aber wirklich total platt,  so dass wir gut radeln können und ausnahmsweise sogar einen Blick auf die vielen bunten Vulkane werfen können. Acht Fünftausender ringsherum!
Und dann bewegt sich was am Horizont, das erste Fahrzeug seit Stunden, ein Zug! Wir nähern uns der Bahnlinie nach Chile auf der die ganzen Erze aus den bolivianischen Minen an die Küste transportiert werden. Sieht etwas wie Märklin-Spielzeugeisenbahn aus vor den hohen Vulkanen und in der endlosen Weite.
Der Husten und das Halsweh von Birgit wird ärger, jetzt muss doch eine Tablette her, sonst wird das Weiterradeln in der trockenen und dünnen Luft zur Qual.
Wir zelten am „Ufer“ des SandSalzsees, morgen noch 35 km bis zur fünften Einreise nach Chile. Am Horizont hinterlassen Jeeps ihre Staubfahnen auf der Piste, in zwei Wochen werden wir zusammen mit unseren Jungs auch hier unterwegs sein, auch bequem mit dem Auto!

04.05.2019 Bis Olague an die chilenische Grenze haben wir heute mit 35 km eine kurze Etappe. Aber Birgits Husten verlangt nach etwas Pause. Die Piste über den Salzsee ist glatt wie ein Kunderpopo, bestes Radeln mit Blick auf den Vulkan Olague und seine Kollegen. Die letzten 15 km haben es dafür in sich. Denkt man schlechter gehts nicht mehr, kommt nach der nächsten Ecke diese Wellblech- und Buckelpiste daher. Aber wir trösten uns damit, dass nach der Grenze Teer auf uns wartet. Kurz vor Avaroa dem bolivianischen Grenzort treffen wir das polnisches Radlerpärchen,  mit dem wir schon im Torres del Paine gewandert sind. Wieder ein Hallo und wie geht’s.  Sie wollen mehr über die Bedingungen am Salar wissen und wir fragen neugierig nach Wasserfassen bis Calama.

Die bolivianische Grenze ist trostlos und verlassen aber den Stempel im Pass bekommen wir ruck zuck. Jetzt nur noch 2 km und endlich wieder Teer!!! Am chilenischen Grenzposten müssen wir unsre Räder erneut als Transportmittel anmelden. Chilenischer Wahnsinn! (Damit wir auch ja wieder damit ausreisen!!!)
Olague selber besteht aus einer Straße, an der einige Häuser zusammengebaut trostlos vor sich hin verwittern. Die Suche nach einer Unterkunft zeigt sich als erstaunlich kompliziert. Na dann erst mal was essen, es gibt tatsächlich ein Restaurant das mit einem Tagesessen wirbt. Und das schmeckt richtig gut. Und es löst sich ja doch immer alles in Wohlgefallen auf, sie vermieten auch ein Zimmer, bingo. Auf die Dusche müssen wir aber leider noch 2 Stunden warten,  der Boiler muss erst noch angestellt werden. Wie? Es wurde uns warmes Wasser den ganzen Tag versprochen. Aufregen nutzt aber nix, es hat sonst weit und breit nichts vernünftiges. Dafür sind die Preise hier am A d W echt gesalzen.
Wir putzen unsere Räder (die stört kaltes Wasser nicht) bevor wir uns säubern können. Ach welch Luxus zuhause, Wasserhahn aufdrehen und gut is!

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Sucre – die weiße Stadt

2,5 Tagen brauchen wir von Potosí nach Sucre. Wieder mussten etliche Höhenmeter „geklettert“ werden, auch wenn Sucre so viel tiefer liegt. Immer wieder galt es einen nächsten und dann wieder den nächsten Pass zu überqueren. Uff! Unterwegs treffen wir auf Riesenspinnen mit Riesenspinnennetzen und scheinbar haben wir gerade den Abend erwischt, an dem sämtliche Flügeltiere schlüpfen. 15 km außerhalb von Sucre verbringen wir die 2. Zeltnacht und sind so schon frühmorgens im Städtle.

Trotz der 310000 Einwohner ist die Innenstadt erstaunlich ruhig. Am zentralen Platz des 25. Mai gönnen wir uns einen frisch gepresster Orangensaft (gibts hier überall, schmeckt gut und ist gesund) und sehen dem Treiben zu, bestaunen das erstemal die weißen Bauten.
Sucre ist genau richtig über Ostern mehrere Tage zu verweilen. Wir haben ein Appartement gebucht und dürfen es schon um 12:00 beziehen. Wir lassen es langsam angehen. Nach Verschnaufpause, gründlicher Reinigungsaktion von Körper und Material erkunden wir den Hügel hinter uns und landen am Mirador vor dem Kloster La Recoleta. Hier werden gerade zwei Musikvideos gedreht, die Drohnen schwirren über unsren Köpfen. Außer dem grandiosen Ausblicken auf Sucre bekommen wir so noch gratis nebenbei Folkloreauftritte geboten.

Das Passionsspiel der Kinder der Pfarrei heute am Karfreitag können /wollen wir nicht abwarten, der Start zieht sich immer mehr hinaus. So ohne Jacke losmarschiert wirds doch zu frisch und einkaufen müssen wir auch noch. Auf dem Rückweg vom Laden geraten wir mitten in die Karfreitagsprozession. Mit Blasmusik, die eher an Guggenmusik erinnert, werden Reliquien und Marienstatuen durch die Gassen getragen und so im Vorbeigehen bekommen wir den Ostersegen des Bischofs ab.

Sucre 28

Zurück im Appartement genießen wir das Selberkochen und experimentieren mit Quinoa. (Chefkoch sei dank!)
Die Küchenausstattung unsres Appartements ist perfekt und eine Waschmaschine vorhanden. Travelerherz was willst du mehr!
Damit etwas Osterfeeling aufkommt bäckt Birgit einen Osterzopf, etwas spannend denn es gibt nur gesalzene Butter hier. Aber das Ergebnis lässt sich sehen und schmeckt super! Ostern kann kommen.

Ca. 2900 Meter hoch gilt Sucre als schönste Stadt Südamerikas und die Altstadt ist seit 1992 Weltkulturerbe. Sucre ist mit seinen weißgetünchten Kolonialbauten wirklich schön, alles sieht sauberer aus als das, was wir bislang von Bolivien gesehen haben!
Die koloniale Altstadt besticht durch ihre vielen gut erhaltenen Gebäude. Die weiße Stadt hat Charme! Es gibt nette Cafés und Restaurants. Hier kann man sitzen und die Seele baumeln lassen. Aber durch diese eintönige Farbe auch etwas langweilig.
Das Klima ist angenehm warm, und nach Potosí über 4000 Metern ist das Schnaufen hier wieder leichter! Sicher mit ein Grund für die Kolonialherren hier den Sitz von Verwaltung und Kirche zu errichten.
Sucre ist aber nur noch die konstitutionelle Hauptstadt Boliviens (die Regierung sitzt in La Paz). Hier wurde die Unabhängigkeit errungen und die Republik gegründet. Der Reichtum, den die Minenarbeiter in Potosi erarbeiteten, wurde über Sucre in das spanische Mutterland abtransportiert.
Die Stadt ist wie Rom auf sieben Hügeln erbaut, das bietet tolle Ausblicke aber auch Steigungen, die es zu laufen gilt. In der Innenstadt gibt viiiiiele Kirchen ( es sollen über 70 sein).

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Der Samstagvormittag geht mit Orga drauf, eine Stadttour für nachmittags und für Montag eine Wanderung zum Inka Trail und Maraguakrater sowie zu den Saurierspuren (wir sind gespannt!) wird gebucht und Johannes braucht nun doch einen Ersatzmantel fürs Velo. Birgit nimmt all ihren Mut zusammen und begibt sich in die Höhle des Löwen – sie geht zum Friseur :-).
Am Nachmittag gehen wir dann mit den Condor Trekkern auf Walking Tour durch die Stadt. Wir erfahren viel über die zwei indigenen Bevölkerungsgruppen östlich und westlich von Sucre und deren Traditionen.

Die Geschichte Boliviens wird sehr anschaulich durch verschiedene Gebäude, Statuen etc. am zentralen Platz des 25. Mai erklärt. Auf der Tour besuchen wir einen Schokoladenladen und den Mercado Central und probieren uns durch lokale Obst- , Schokolade- und Wurstsorten. Danach geht’s in den Park Simon Bolivar (Freiheitskämpfer und Namensgeber fur Bolivien). Der Rundgang endet oben bei La Recoleta in einer urigen Hinterhofpinte bei einem Glas „Chuflay“ oder so ähnlich, schmeckt wie Limo mit Schnaps und wird wohl hier gerne getrunken . (Jetzt verstehe ich was Anke meint wenn sie schreibt „der Rundgang endet in einer wunderbar ollen Kaschemme mit Pirelli-Kalenderblätter-Deko und Schnaps in Gläsern mit dicken Möpsen.“ wir lassen die Bilder sprechen)


Die Touren von Condor Trekkers unterstützten soziale Projekte in und um Sucre, und im angeschlossenen vegetarischen Restaurant gibt es feinen Kaffee und gutes Essen.
Wir schlendern am Mirador La Recoleta umher, hier warten viele Indigene auf den Ostersonntagsgottesdienst morgen früh um Fünf. Sie kommen aus den Dörfern rund um Sucre hier nach San Francisco und werden die Nacht wartend im Freien verbringen.

Überall gibts local food, Chicha und Getränke in allen Farben. Wir fragen ob wir Chicha probieren dürfen und bekommen einen Humpen in die Hand gedrückt mit einem netten Salut! Schmeckt ein bisschen nach neuem Süßen, ist sehr trüb durch die viele Hefe. Etwas Sorge habe ich um meinen Magen und wir teilen die enorme Menge mit den um uns sitzenden Leuten. Die scheinen sich über die Gringos köstlich zu amüsieren. Chicha, auch Spuckbier, wurde früher durch Kauen produziert, die Amylase des Speichels hat den Mais zersetzt und das Ganze konnte dann super vergären. Heute wird Chicha aber wohl „hygienischer“ hergestellt. ( Nachtrag: wir hatten beide keine Nachwehen)

Wir müssen unseren knurrenden Magen und unseren etwas bedüdelten Kopf (Chicha hat ordentlich Alkohol) besänftigen und treffen im Condor Café wieder auf Iris. Sie wird am Montag den Ausflug mit uns machen. Gemeinsam verbringen wir das Abendessen mit guten Gesprächen.
Auf dem Heimweg „stolpern“ wir über eine offene Kirchentüre. Neugierig gehen wir hinein und und dürfen einen wunderbar lebendigen Ostergottesdienst mit viel Musizieren, Klatschen, Hüpfen und Lachen erleben. Es tut gut, dass Kirche so anders sein kann. „Feliz pascua“ tönt es von allen Seiten und die Menschen fallen sich in die Arme.


Am Ostersonntag stehen wir zeitig auf, wir wollen um 9:00 in den Ostergottesdienst der Kathedrale. Im Vergleich zu gestern Abend sitzen hier nur wenige im Gottesdienst. Welch ein Unterschied zu gestern Nacht! Der Gottesdienst erinnert uns sehr an deutsche Gottesdienste, schade!

Wir besuchen die Casa de la Libertad, seit 1592 Jesuitenkloster und ab 1624 dazu Universität, 1825 wurde dann genau hier die Unabhängigkeitserklärung von Bolivien unterzeichnet. Innerhalb des Gebäudes kann ein Museum besucht werden, in dem viele Dokumente und Relikte ausgestellt sind.

Danach decken wir uns im Mercado Central mit Fleisch, Gemüse und Obst ein, trinken frisch gepresste Säfte, probieren uns durch den Käsestand. In der oberen Etage verlocken die Gerüche der Garküchen und wir lassen uns das für Sucre typische Gericht „Mondongo- Gut gewürztes Fleisch in Sauce mit Patas und aufgequollenem Mais“schmecken. Hier waren wir sicher nicht das letzte mal.

Schwer bepackt schleppen wir uns unsren Hausberg nach oben. Kaum 48 Stunden in Sucre und wir fühlen uns schon wie Zuhause.
Nach einer Verschnaufpause und einem Kaffee „erklimmen“ wir den 3130 Meter hohen Cerro Churuquella mit seiner Christusstatue. Sucre liegt tief unter uns und auch von hier oben sieht sie schön aus. Am Rückweg gönnen wir uns einen Absacker auf der Dachterasse vom Kolpinghotel. Bevor wir die Jungs treffen haben wir noch etwas Zeit und wir haben beschlossen die Zeit hier zu verbringen und spanisch zu lernen. Sucre ist bekannt für seine vielen Sprachschulen, da wird sich was finden lassen.

Ostermontag: Für den Ausflug mit den Condor Trekkers müssen wir sehr zeitig aufstehen. Um 7:00 ist Abfahrt. Nachdem Essen und wir 10 Teilnehmer ins Micro gepackt sind starten unsere beiden Führer Jonny und Dinelsa mit uns Richtung Cordillera de los Frailes. Nach einer guten Stunde Fahrt frühstücken wir hoch oben bei der Kapelle  Chataquila zu Ehren der Maria von Guadalupe.

Jonny schafft es sehr schnell uns zu einer eingeschworenen Gruppe zu formen und bringt uns kurzweilig so nebenbei viele Infos zu Land, Kultur und Gebräuchen näher. Wir wandern ein Stück des alten (aber gut instandgesetzten) Inka-Pfades bergab, unterwegs zeigt uns Dinelsa immer wieder Heilpflanzen, die hier viel anstelle von traditioneller Medizin benutzt werden. Der Bus bringt uns dann zum kleinen Hostal des Ortes Maragua, das Mitten im gleichnamigen Krater liegt. Während wir zum Wasserfall “ devils throat“ laufen, präparieren unsere Guides das Mittagessen. Viel frisches Gemüse, ein Gläschen Rotwein, Essen gut – Stimmung gut!

So gut gelaunt sind wir zu unserem letzten Programmpunkt des Ausflugs gestartet: versteinerte Dinosaurierspuren. Vorher etwas Bussfahrt über eine steile, kurvige, enge und abenteuerliche Piste, dann eine kurze Wanderung und dann: „wow, vor uns liegen mehrere Dinosaurierwege“. Verschiedene Arten dieser Urtiere haben hier im versteinerten Matsch von Niñu Mayu ihre Fußabdrücke hinterlassen. Um Sucre gibt es mehrere Stellen mit Saurierspuren. Eine davon soll, laut Jonny 1000 Spuren haben. Das ist doch nochmal ein Ziel.

Erst aber wieder zurück zum Bus und dann wird die gutgelaunte fröhlich ratschende Gruppe wieder zurück nach Sucre geschaukelt. Dominik hat hoffentlich noch seinen Nachtbus nach La Paz geschafft. Dominik kommt auch aus dem Ländle, genauer Rheinstetten, und, wie ist die Welt klein!, sein Bruder Simon hat bei mit im Studioteam gearbeitet. War ein sehr ausgefüllter Tag und die Gruppe war richtig cool. Fast nur Deutsche,  alle jünger als wir, und wir hatten megaviel Spaß zusammen.
Spät sind wir zurück, der Kopf voller Eindrücke. Trotzdem statten wir dem Hospedaje Isabella einen Besuch ab. Ab Mittwoch brauchen wir eine neue Bleibe, wir hatten ja beschlossen noch länger zu bleiben und unsre Wohnung ist nicht mehr frei. Nach etwas Verhandlung über Preis und welches Zimmer werden wir uns einig. Nachdem wir von den Spanische Schulen, die wir angemailt hatten nur negative oder keine Antwort erhalten sind wir auf dem Heimweg über die offene Tür einer Sprachschule gestolpert. Zufällig sind wir im Goethe Institut von Sucre gelandet und konnten tatsächlich gleich für die 5 Tage Unterricht buchen. Etwas teurer als die anderen Anbieter, aber es scheint sehr professionell zu laufen. 2 evtl. 3 Stunden pro Tag und danach viiiiiel Freizeit. Die Dame im Sekretariat hat in Freiburg studiert,  in der Stusi gewohnt, welch netter Zufall.

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Unsre Sprachschule ein Ableger vom Goethe Institut

Mal wieder ausschlafen, gemütlich frühstücken und dann gehts in die Sprachschule Instituto Cultural Boliviano Aleman. Zu zweit sitzen wir Juan gegenüber, er ist Professor hier an der Uni und ich komme mir wieder etwas vor wie in der Schule. Aber er versteht es gut uns anhand Kärtchen ins Konjugieren einzuführen. Nach zwei Unterrichtsstunden brummt mir der  Kopf, aber ich habe tatsächlich fast eineinhalb Stunden am Stück nur spanisch gesprochen, wow! Hinterher belohnen wir uns mit einem Mittagessen im Mercado central, es gibt noch einiges was wir probieren müssen. Heute waren es Sopa de mani, Tojori sowie Api (warme Getränke auf Maisbasis) sowie Pasteles.
Zuhause gehts ans Hausaufgaben machen, wann habe ich das letzte mal Hausaufgaben gemacht?

Kurz außerhalb Sucres auf dem Hügel wurde 1985 bei einem Zementwerk eine Wand mit Saurierspuren freigelegt. Erst 1994 hat ein Schweizer die Bedeutung erkannt:  hier hat ein Baby-Tyrannosaurus mit Spitznamen „Johnny Walker“ die weltweit längste zusammenhängende Fußspur (350m) hinterlassen. Und insgesamt hat es hier über 5000 Fußstapfen von mindestens 8 verschiedenen Saurierarten, nirgendwo sonst gibt es annährernd soviele Spuren.

Wir nutzen die Tage in Sucre und sind echt fleißig! Morgens haben wir unsre kurzweiligen Spanischstunden, danach suchen wir uns ein schönes, ruhiges Plätzchen,  um unsere Hausaufgaben zu erledigen. Unser Lieblingsplatz ist die Dachterasse des Kolpinghotels oben bei La Recoleta! Mittags bekommt man hier überall, wirklich günstiges,Tagesessen, bestehend aus mehreren Gängen. Wir nutzen das Angebot mehrmals und waren immer super zufrieden. So probieren wir uns durch die bolivianische Küche. Hinterher blieb immer noch genug Zeit für Erkundungstouren durch Sucre. In vielen Kirchen ist der Aufgang zum Glockenturm möglich,  besonders gefällt uns der Blick oben vom San-Felipe-Neri Kloster. 360 Grad Panoram weit über Sucre bis zur Cordillera de Freiles.

Da alle Häuser in der Innenstadt von Sucre maximal zweistöckig sind, hat man immer Sicht zum Himmel und nie das Gefühl in einer Großstadt „eingesperrt“ zu sein. Die Lage am Hang gewährt immer freie Blicke – wir fühlen uns hier sehr wohl. Hier könnten wir es gut noch länger aushalten.

Am Freitag lernen wir beim Hausaufgaben machen oben an der Dachterasse vom Kolping Pater Luis kennen. Spanier, der jetzt in Chile lebt, lange auf Madagaskar und in Frankfurt in Gemeinden tätig war und  hier in Sucre eine Tagesbetreuung für die Friehofskinder und Straßenkinder von Sucre mit aufgebaut hat. Unterstützung bekommt er durch Spendengelder von “ Lola“ bzw. dem Lorenzladen in Nürnberg. Die Einrichtung trägt passend den Namen „Casa de los amigos“. Schulkinder im Grundschulalter (hier 1.-6. Klasse) werden nach oder vor der Schule betreut, bekommen Mittagessen und Nachmittagstee, erhalten durch Pädagogen Hilfe bei den Hausaufgaben und bei Bedarf psychologische Betreuung. Dort gibt es eine wunderbar warmherzige Köchin,  Räume zum Hausaufgaben machen, ein Gewächshaus, seit letztem Jahr einen Backofen für eigenes Brot, Musikunterricht, eine Turnhalle und eine liebevolle Atmosphäre. Zuhause wären die Kinder auf sich allein gestellt!  Ab 14 Jahren arbeiten die „Friedhofskinder“, um ihre Familien finanziell zu unterstützen, auf dem großen,  blitzsauberem Friedhof. Für Geld pflegen und säubern sie die Mausoleen und Gräber,  beten anstelle von Angehörigen und bieten Führungen an. Uns führt Sonja, 21. Auch sie war schon als Grundschulkind im Zentrum. Mittlerweile studiert sie Zahnmedizin und finanziert sich ihr Studium u.a. durch die Führungen. Im Casa de los Amigos kann auch sie kostenlos essen, dafür hilft sie den Betreuern und kümmert sich mit um die Kleineren. Unser Glück,  im Kinderhaus arbeitet Judith,  gerade hier für ein 6-monatiges Praktikum, eigentlich Pädagogikstudentin in Bamberg.  Von ihr bekommen wir eine kleine Führung durch die Räume der Einrichtung. Tolle Arbeit die hier geleistet wird. Diese Kinder erhalten hier die für uns selbstverständliche Chance auf Essen, etwas Bildung und Herzenswärme und dadurch eine bessere Zukunft!! Ein unterstützenswertes Projekt!!

Mehr Infos unter http://lorenzerladen.mws3.de/friedhofskinderprojekt-cimet
Wer das Projekt unterstützen möchte (sicher gut angelegt!) :
http://lorenzerladen.mws3.de/spenden

Judith begleitet uns auch durch den Friedhof und übersetzt die Erläuterungen von Sonja wo notwendig. Dieser Friedhof ist überraschend gut gepflegt und da Sucre lange wirtschaftlich und verwaltungsmäßig das Zentrum Boliviens war hat es hier viele große Grabmäler der Prominenz. Sonja verknüpft das geschickt mit der Geschichte des Landes. Die einfacheren Gräber sind oft mit „wichtigen“ Dingen aus dem Leben der Verstorbenen dekoriert. Da findet man dann schon Bier – und Weinflaschen, eine Gartenschere, Musikinstrumente oder ein Spielzeugauto.

Für heute unsren letzten Abend in Sucre haben wir Konzertkarten zu einer Jam Session der Los Masis gekauft. Sie gehören zu einer der bekanntesten Musikgruppen und sind DAS kulturelle Exportprodukt Boliviens. In ihren bunten Trachten und den traditionellen Instrumenten wie der Sampona (Panflöte), Quena (Flöte), Saiteninstrumenten, Trommeln, Horn (Naturhorn von Kühen) und ihrer Lebendigkeit faszinieren sie uns auf den ersten Blick. Zum Repertoir gehört auch die ursprüngliche Musik und Tänze der verschiedenen indigenen Volksgruppen Boliviens, um sie als kulturelles Erbe ihres Landes zu erhalten. In dieser Woche feiern sie mit Konzerten,  Gottesdiensten etc. ihr 50-jähriges Jubiläum. Und wir haben das Glück dabei zu sein! Zu Ehren der Los Masis sind einige andere bolivianische Gruppen da, und auch die eigene „Nachwuchsband“ hatte einen Auftritt. Mann, war das eine Stimmung! Wir sind um 2:00 morgens nach Hause und waren mit die Ersten am Heimgehen. Morgen früh geht’s mit dem Bus weiter nach Uyuni, das Aufstehen wird sicher hart.

 

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Potosí – einst reichste Stadt der Welt

14.04.2019 Palmsonntag in Potosi
Gemütlich lassen wir den Tag angehen, im kleinen Minimercado nebenan gehen wir frühstücken. Wir quatschen dort lange mit Anke und Torsten aus Düsseldorf , die auch im Sabbatjahr unterwegs sind. Danach schlendern wir durch Potosí, überall finden wir Reste der prächtigen Kolonialarchitektur. Der Glanz der vergangenen Zeit bröckelt zwar sehr, aber schon imposant welch Bauten dort mit dem Silber aus dem „Hausberg“ errichtet wurden.

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Gegen 1611 war Potosí mit 150.000 Einwohnern zu einer der größten und der reichsten Städte der Welt aufgestiegen, wobei ca. 13.500 Menschen unter Tage Silber förderten. Man will sich nicht vorstellen zu welchen Bedingungen. Die spanischen Besatzer haben Einheimische wie afrikanische Sklaven unter erbärmlichsten Bedingungen in die Minen gezwungen.
Nach Einbruch des Silberpreises und einiger Seuchen schrumpfte zwischendurch die Einwohnerzahl auf ca. 75.000. Jetzt leben wieder knapp 175.000 hier. Viele davon leben immer noch vom Bergbau. An den Arbeitsbedingungen hat sich wohl nicht viel verbessert. (für Montag haben wir uns zu einer Minentour angemeldet, um uns ein eigenes Bild von den „Grauen“ zu machen)

Wegen Palmsonntag ist in der Innenstadt um die Mittagszeit tote Hose, kein Café zu finden. Im (auch schon fast geschlossen) Mercado Central erstehen wir alles für das morgige Frühstück und einen Nachmittagskaffee. Im Hostel zurück genießen wir den ruhigen Innenhof. Johannes bastelt am Benzinkocher rum, Birgit erledigt Wäsche, der Blog will gehegt werden. Später ziehen wir nochmal los, wir wollen hoch zum Mirador „Torre de la Compania de Jesus“ beim Tourist Office.
Hinterher hängen wir am Platz ab, schauen den Vorbereitungen für den Palmsonntagsgottesdienst zu. Neben uns auf der Parkbank sitzt eine Bolivianerin, die in Braunschweig lebt und auf Heimaturlaub in Potosí ist. Wir kommen ins Gespräch, von der Parkbank nebendran klinken sich zwei junge Damen ein. Eine Tirolerin und eine Regensburgerin, die beide in St. Gallen arbeiten und wir tauschen Urlaubserfahrungen etc. aus.
Jetzt knurrte der Magen, aber Sonntag sind hier irgendwie alle Restaurants geschlossen, fein Essen Fehlanzeige. Schlussendlich landen wir in einer Kneipe zwischen Einheimischen und essen fritiertes Hühnchen mit Pommes.
Der Open Air Palmsonntagsgottesdienst ist für uns eine ganz besondere Erfahrungen. So ganz anders als Zuhause feiert man mit lebhaften Liedern, der Chor tanzt und winkt wie das Fernsehballett und alle wedeln wild mit ihren Palmzweigen. Zwischen den Gottesdienst -Besuchern schlängeln sich Essensverkäufer (hier muss keiner während des Gottesdienstes hungern) und an jeder Ecke kann man geflochtene Palmwedel erstehen.
Die Kälte treibt uns dann aber zurück ins Hostel unter die warmen Überdecken. Nach Sonnenuntergang sinkt die Temperatur in dieser Höhe schlagartig.

 

15.04.2019 Zu Besuch beim Teufel oder eine Führung in eine Silbermine von Potosí

Potosi 19

Der Besuch in den Silberminen von Potosi  war mit Sicherheit mit eine meiner bewegtesten Erfahrungen in Südamerika (interessanter Artikel beim Deutschlandfunk).
Historisch liegt  die Bedeutung von Potosi vor allem in der Förderung von Silber im Cerro Rico. Als die spanischen  Eroberer den versteckten Reichtum im Berg bemerkten, begannen sie sofort mit intensiven Ausgrabungen. Tausende von  Indigenas wurden versklavt und zur Arbeit in den Minen gezwungen! Zusätzlich wurden Sklaven aus Afrika nach Bolivien verschifft. Da die aber die Höhe nicht gewohnt waren, starben die Meisten von ihnen schon bevor sie in die Stollen gezwungen wurden. Doch auch die Einheimischen überlebten aufgrund der unvorstellbaren Bedingungen in den Minen nicht  lange  – in den drei Jahrhunderten der spanischen Herrschaft ließen vermutlich insgesamt ca. 8 Millionen!!! Menschen in den Minen ihr Leben und verhalfen Spanien zu unglaublichen Reichtum. Doch im frühen 19. Jahrhundert wurde immer weniger Silber gefördert und vom drastischen Fall des Silberpreises Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Stadt nie wieder ganz erholt. Heute sind die Minen immer noch in Betrieb, gefördert wird heute aber vor allem Zink und Blei.
Erschreckend ist vor allem, dass sich die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter seit dem 16.  Jahrhundert kaum verändert haben…
Pünktlich am Hostel abgeholt und nach einer kurzen Fahrt wurden wir in einem Hof ausgeladen. Hier wurden wir komplett mit Überhosen, Jacken, Gummistiefeln,  Helm und Lampen ausgestattet. Außerdem gab minentaugliche Rucksäcke um unsere Getränke und, ganz wichtig, unsere Mitbringsel für die Arbeiter zu verstauen.

So präpariert wurden wir zum Mercado de Mineros gefahren um die Geschenke für die Miner/ Grubenarbeiter zu erstehen. Dieser Markt ist wohl der einzige Ort dieser Welt wo man als Tourist Dynamit kaufen kann! Unser Guide José erklärte uns was die Miner benötigen: Saft, Wasser, Cocablätter,  Zigaretten und eben auch Dynamit. Johannes beschloss, unser Geschenk soll eine Stange Dynamit sein. Für 25 Bolivianos haben wir also eine Stange Dynamit einschließlich Zündschnur und ein Beutel Amoniumnitrat als Sprengkraftverstärker erstanden. Bestens gerüstet wurden wir nun zur Minenkooperative gefahren. In „professioneller Schutzkleidung“  marschieren wir also in den Stollen und im Gänsemarsch hinter José immer tiefer in den „Berg, der Menschen frisst“ hinein.

Durch Matsch, Pfützen und Geröll geht es entlang der grobverschraubten Schienen der Loren. Zu Beginn war die Luft noch passabel,  Kompressoren haben Frischluft hineingeblasen. Das hat sich aber nach und nach verändert. Je weiter wir in den Berg hineinmarschiert sind, desto wärmer und schlechter wurde die Luft. An einigen Stellen mussten wir auf sehr schmalen Bretter über tiefe Löcher balancieren. Der Deutsche TÜV wurde heulen! Es sterben jährlich wohl ca. 30 Menschen in den Minen weil sie in Löcher fallen, die Decke einstürzt oder sie an Kohlenmonoxid Vergiftung sterben. Super Vorstellung,  nur nicht Nachdenken,  die Holzbalken werden schon halten. Eine Kletterpassage mit der Leiter von der Hauptgang zur oberen Etage ließ den Adrenalinspiegel schlagartig ansteigen. Dann noch über ein Brett balancieren und noch weiter über Geröll klettern. Nachdem der Japaner aus der Gruppe fast ins Loch darunter gerutscht wäre,  war für mich klar, diesen Programmpunkt muss ich nicht haben. Zumal das eh ne Sackgasse gewesen wäre.
Wieder zurück im Stollen treffen wir immer wieder Miner am arbeiten, Steine in die Loren füllen und dann aus dem Stollen schieben.
So nach und nach verteilen wir die mitgebrachten Geschenke an die Arbeiter.
Jeder von ihnen hat einen großen Ball Cocablättern in der Backe. Ohne Coca wäre die Arbeit hier nicht möglich, es sorgt für eine bessere Sauerstoffaufnahme und lässt die Arbeiter Hunger und Müdigkeit nicht spüren. Deswegen ist eine Tüte Cocablätter ein gern gesehenes Geschenk.

Bis zu den oberen bzw. unteren Ebenen, wo die Arbeiter Löcher bohren und sprengen, kommen wir mit unserer Führung nicht. Den schlimmsten Teil der Arbeit haben wir also gar nicht zu Gesicht bekommen.
Das ins Freie transportierte Erz wird dann an eine Firma verkauft, die das Gestein klein zermahlt und mit Chemikalien und im Flotationsverfahren die Metalle vom Rest trennt. Ich vermute, dass mit jedem weiteren Verarbeitungsschritt der Gewinn=Lohn steigt und die Minenarbeiter leider trotz des gefährlichsten Jobs im wahrsten Sinne des Wortes „ganz unten“ sind. Ihr Einkommen beträgt zwischen 15 und 20 Euro am Tag (aber natürlich nur an den Arbeitstagen! Sie sind trotz der so nett klingenden Bezeichnung „Cooperative“ eigentlich Tagelöhner, Geld während Krankheit oder Rente gibt’s nicht.

In jeder der 250 Minen gibt es eine Nische, in der Tio sitzt. Tio ist der Teufel, der Herrscher der Unterwelt, dem Opfergaben gebracht werden. Um ihn gnädig zu stimmen, damit Unheil abgewehrt wird, das Gestein viel Erz enthält etc.
Tio ist mit Pacha Mamá (Mutter Erde) verheiratet und ihr Kind ist das Erz der Mine. Und weil Pacha Mamá seehr eifersüchtig ist dürfen auch keine Frauen im Berg arbeiten.
Für Pacha Mamá wird als Opfergabe Alkohol versprenkelt und der Rest getrunken (96 % Alkohol, unglaublich).
Ich glaube alle Bergleute auf der ganzen Welt sind abergläubisch!
(Tio ist ein Relikt der Spanier, die haben den Minenarbeitern erzählt, der Dios würde aufpassen, ob sie ordentlich arbeiten. Wenn nein würde er sie bestrafen. (Zum “ Bewachen“ wurde darum in jede Mine eine Teufelsfigur angebracht.) Da die Quetchua kein „D“ aussprechen konnen, wurde aus Dios Tio)

Als wir nach den 3 Stunden im Berg wieder am Tageslicht ankam waren wirklich alle sichtlich erleichtert.
Nach der Tour gab es dann auch viel zu verarbeiten, die Gruppe ging geschlossen noch Empanadas essen und dabei mussten manche hochkommenden Emotionen verarbeitet werden, es gab viel Gesprächsbedarf. Die junge Französin, die in der Mine die Tränen nicht zurück halten konnte,  meinte sie würde sowas nie wieder in ihrem Leben machen. Viel zu viele Gefahren, angefangen bei den Löchern bis zum Silikonstaub.

Potosi 13

Silikatkristalle

Die meisten Miner sterben mit 50 Jahren an Silikose, wir haben die Kristalle von der Decke rieseln sehen. Wir waren zum Glück nur kurz in der Mine. Die nächste Diskussion ging darum ob es zu voyeuristisch wäre,  das Leiden der Arbeiter zu „bestaunen“?
Aber eigentlich waren wir uns dann doch einig, dass es eine sehr lehrreiche Erfahrungen war, zu sehen, in welch miserablen Bedingungen Menschen arbeiten und wir demütig auf unsere eigenen Lebenswelten schauen können. Mann, was geht es uns doch gut!!!

Nach einer kurzen Pause im netten Innenhof unsres Hostels und weiteren Gesprächen zur Minentour ziehts uns nochmal ins Städtle und wir besichtigen die Cathedrale und genießen vom Glockenturm den Blick über Potosí.  So langsam haben wir uns gut an die Höhe hier gewöhnt. Wir schlafen super und schnaufen die steilen Stufen nach oben nur noch etwas.
Die Eindrücke des Tages beschäftigen mich noch lange und noch beim Abendessen drehen sich unsere Gespräche über die Tour. Johannes hat die Mine wohl weniger „aufgewühlt“.

16.04.2019  Unser letzter Tag in Potosí
Heute Morgen hat das Museo Casa de Moneda offen. Vor unsrem Ausflug wollen wir hier etwas über Münzprägung und Entstehung des Geldes erfahren. Die alte Münzpräge Boliviens ist seit 1956 Museum und zeigt die Produktion der Silbermünzen und Geldstücke seit dem.16. Jhd. Mit lebensgroßen Puppen und original Gerätschaften war es super anschaulich. Jetzt weiß ich nicht mehr welche Arbeit gefährlich war, die in den Minen oder das Schmelzen des Silbers. Die Sklaven mussten unter ernormer Hitze und unter giftigen Dämpfen am Schmelztiegel stehen. Das Museum kann nur mit einer Führung besucht werden. In der Führung auf englisch waren wir nur zu dritt. So konnten wir doch einiges erfahren und nachfragen.

Zurück auf der Straße trafen wir direkt auf eine der vielen Prozessionen in der Karwoche. Schulweise ziehen die Kinder begleitet von „Blasmusik“ in Anzügen, Kleidchen und Nonnengewänder durch die Straßen. Dazwischen Erwachsene in „Ku-Klux-Clan“ Trachten. Für uns sehr komisch anmutend.

Danach fahren wir mit einem Colectivobus nach Tarapaya. Gute 20 Minuten müssen wir laufen und dann stehen wir vor der Vulkanlagune.Potosi 05

Wikipedia: Tarapaya ist bekannt für seine heißen Quellen, die – neben zahlreichen Badeanlagen – auch eine Vulkanlagune speisen, die „El Ojo del Inca“ (das Inkaauge) genannt wird. Vorspanischen Quellen zufolge sollen die Inka aus dem fern gelegenen Cusco die beschwerliche Reise in den tiefen Süden des Reiches auf sich genommen haben, um von der Heilwirkung des heißen Wassers in Tarapaya zu profitieren. Das Baden in der Lagune ist nicht ungefährlich, wobei unklar ist, ob tödliche Unfälle dort durch Leichtsinn der Schwimmer oder durch plötzliche Strudel geschehen sind, von denen Einheimische berichten.

Wegen dieser tödlichen Unfälle ist das Schwimmen in der Lagune leider momentan verboten. Was aber noch geht ist  für 10 Boliviano das Abtauchen in das eingefassten 32 Grad warme Thermalbecken. Das heiße Wasser soll gut bei Gelenkproblemen sein,  genau das Richtige für Radlerknochen!! Wir bekamen noch Schlamm für eine Ganzkörperpackung, das soll suuuuper für Gelenke sein. Ich habe mich dann auch ganz brav von oben bis unten eingeschmiert und das Ganze an der Sonne eintrocknen lassen. Ob’s hilft weiß ich nicht, lustig war’s auf alle Fälle. Jetzt sollte die Etappe nach Sucre ein Kinderspiel sein.

Zurück in Potosi haben wir uns im Mercado Chuquimia, ganz wie die locals, gestärkt. Morgen geht’s weiter, mal schauen.

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Bienvenidos a Bolivia

08.04.2019 La Quiaca bis kurz vor Tupiza
Die beiden Städte La Quiaca auf argentinischer Seite und Viallzón auf der bolivianischen Seite sind komplett zusammen gewachsen und der kleine Grenzverkehr funktioniert erstaunlich gut. Zum Einkaufen gehen die Argentinier nach drüben denn dort ist es billiger. Dafür gibts in Argentinien Produkte, die man in Bolivien nicht so einfach kaufen kann.
Das Grenzprocedere geht bei der Einreise nach Bolivien überraschend unkompliziert und schnell. Ein Beamter stempelt den Ausreisestempel für Argentinien und den Einreisestempel für Bolivien in meinen Pass. Ein freundliches „Buen Viaje“ und das wars.Kaum auf der anderen Seite angekommen verändert sich das Stadtbild komplett! Alles sieht weniger aufgeräumt aus, in den Straßen wuselt es, die Frauen mit ihren typischen bunten Röcke und den schwarzen Hüte und den bunten Tüchern über dem Rücken in denen sie ihre Sachen transportieren , Straßenhändler preisen ihre Waren an. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Wir suchen einen ATM, was sich als etwas problematisch herausstellt. Die ersten drei Geldautomaten wollen nur Mini-Beträge ausspucken. Erst bei der 4. Bank können wir umgerechnet 200 Euro in Bolivianos, der Währung hier, ziehen. Auch die Suche nach einem Lebensmittelladen ist erstaunlich kompliziert. In jedem Land sehen Läden anders aus und das Sortiment in den Läden ist genauso verschiedenen. Anscheinend müssen wir uns in Bolivien wieder auf einen etwas einfacheren Speiseplan einstellen.

Wir radeln immer auf einer Höhe von 3500 Hm, mal etwas hoch, dann wieder in ein Flußtal nach unten. Bei km 48 gehts feste bergab und wir überqueren das breite Flussbett des Rio San Juan del Oro um auf der anderen Flussseite wieder nach oben strampeln zu müssen. 20 km vor Tupiza bauen wir unser Zelt in einem Seitental auf (iOverlander Empfehlung). Es ist zwar noch früh am Tag, aber uns ist nicht nach Stadt und Trubel. Wir haben einen Schattenplatz gefunden (die Sonne sticht heute wieder erbarmungslos) und genießen die Ruhe und den Blick auf unzählige Kakteen. Hier wachsen andere Arten, sie faszinieren mich aber genauso und ich finde tausend Fotomotive.

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09.02.2019 bis Tupiza
Das erstemal seit wirklich langem konnten wir bis spät in die Nacht draußen sitzen und den Sternenhimmel bewundern. Wir verbringen eine wunderschöne Zeltnacht und ein Draußen-Frühstück hier unter Kakteen.

Beim Losfahren merken wir, dass Johannes Rad hinten einen Platten hat. Also erstmal Schaden beheben. Beim hinteren Reifen ist seit Längerem die Seitenwand gerissen, das Loch mussten wir mit einer doppelten Lage TetraPak schienen (eine Reparatur schien uns vertrauenswürdiger als einen hiesigen neuen Reifen zu kaufen). Genau am Rand vom TetraPak war jetzt der Schlauch durchgerieben.

Die 20 km bis Tupiza sind wieder sehr kurzweilig, wir radeln durch einen Canyon, rote Felsen, die wunderschöne Spitzen und Zacken formen.
Vielleicht haben sich deshalb Butch Cassidy und Sundance Kid diese Gegend hier für ihren Gangster-Lebensabend ausgesucht. Es wurde leider nichts draus, sie wurden hier in Südbolivien gestellt, haben sich in der ausweglosen Lage selbst erschossen und sind in der Nähe von Tupiza beerdigt- so zumindest die Story, die sie hier und in den Reiseführern erzählen.

Im Vorfeld hatten wir uns im Netz schon einige Hostels ausgesucht, und schon beim ersten Mitru Anex wurden wir fündig. Preis und! Qualität stimmt, super! Auf Empfehlung des Rezeptionisten machen wir uns zu Fuß auf zum Cañon del Inka. Leider mussten wir die ersten beiden Kilometer durch die „wilde Müllhalde“ des Ortes marschieren. Danach verlief der Weg aber zwischen einer grandiosen roten Felsenkulisse: eingeschnittene Canyons, geniale Felszapfen und faszinierende Säulenkakteen! Die Petroglyphen unterwegs haben wir zwar nicht entdeckt (selbst der Guardaparke meinte es wäre kaum was zu sehen) dafür aber die Puerta del Diablo (auf deutsch: Teufelspforte), das Valle de los Machos (mit großen Phallusähnlichen Steinformationen) und am Ende den immer enger werdenden Cañon del Inka. Wir haben versucht noch ein Stück hoch zu kraxeln, aber plötzlich wurde es sehr steil und feucht, da sind wir lieber wieder umgedreht. Das Organisieren von Lebensmitteln für die kommenden Tage im Ort war schwerer als gedacht. Erstmal muss die Straße mit den Lebensmittelläden gefunden werden, dann der Laden der auch das Passende hat. Wir werden wieder improvisieren müssen, um aus dem was zu bekommen war was schmackhaftes zu kreieren.
Auf der Suche sind wir im Mercado Central des Ortes gelandet, dem überdachten Markt. (Wegen der stechenden Sonne ist hier vieles überdacht, sogar die Schulhöfe unterwegs in den kleinsten Orten)
Das Sortiment und die Hygiene ist doch anders als im Nachbarland.

10.04.2019 Tupiza bis kurz hinter Cotagaita
Das Frühstück im Mitru Anex war ausgezeichnet, so gut haben wir schon lange nicht mehr gefrühstückt! Im Gegensatz zum Hotel in La Quiaca wo es für jeden gerade mal eine Tasse Kaffee und ein Hörnchen gab (Nachschlag Fehlanzeige) gabs hier ein gut sortiertes Frühstücksbuffet.
So gestärkt haben wir uns zeitig aufgemacht, auch heute wird die Sonne den ganzen Tag gnadenlos brennen und wir haben etliche Höhenmeter zu machen. In Tupiza decken wir uns noch mit Brot und viel Trinken ein. Dabei ersteht Birgit ein Beutelchen Cocablätter – mal schauen ob’s in der Höhe hilft!

Langsam kurbeln wir uns nach oben, in nicht mal 20 km klettern wir auf 3640 Hm. Der Blick zurück auf die Wildwestromantiklandschaft ist genial. Nur das Gepäck der Räder zieht ganz schön – verdammte Schwerkraft! Aber jeder Berg hat mal ein Ende! Wir hatten uns nun auf eine satte Abfahrt eingestellt, aber beide scheinen wir heute die Route nicht so genau angeschaut zu haben. Immer wieder müssen wir Flusstäler queren, was heißt: steil runter und auf der anderen Seite steil nach oben.
Wir kommen in Rio Blanco an den Fluss, aber komisch, die Straße verläuft den Fluß nach oben folgend. Wieder nix mit Abfahrt. Dann endlich der nächste Pass und nun gehts nach Cotagaita tatsächlich nach unten. Das Vergnügen ist aber leider nur eingeschränkt, denn seit Mittag weht uns ein sattes Lüftchen entgegen. Aber Wind sind wir ja gewohnt.
Wir kommen nach Cotagaita, Zwischenstopp für die Busse und LKW auf dem Weg nach Potosi. Rechts und links der Dorfstraße sind lauter Kioske und Essensstände, dazu Frauen in ihren bunten Röcken und den Bowlerhats unter der zwei lange schwarze Zöpfe herabhängen (mehr über die Kleidung der Bolivianerinnen bei welt.de).
Birgit kommt an einer Straßenküche nicht vorbei. Sie darf alle Topfdeckel lupfen und wir beschließen hier zu essen. So sparen wir uns das Kochen abends. Für Johannes gibts Picante del Carne (sah aus wie Gulasch) mit Reis und Kartoffeln, für Birgit Eintopf mit Nudeln, Fleisch und Bohnen). Satt und zufrieden rollen wir bepackt mit Milch, Brot, Käse, Obst und viiiiiel Wasser noch ein paar Kilometer bis wir in einem Flussbett ein verstecktes Plätzchen für unser Zelt finden. Etwas geschafft (die Sonne ist wirklich giftig- wir können gar nicht soviel trinken, wie unser Körper bräuchte) gönnen wir uns unsren Ritualkaffee und staunen wie weit wir wieder gekommen sind. Schon komisch, am Vormittag denken wir immer, boh ist das heute anstrengend, da schaffen wir grad mal unser Minimum, und irgendwie läufts dann doch und am Ende des Tages sind wieder gute 85 km und über 1000 Hm gemacht.
Am Abend ist es immer noch ungewöhnlich warm, wir liegen lange vor dem Zelt, schauen Milchstraße, Sterne und Sternschnuppen an und wünschen uns was…

11.04.2019 bis 20 km vor Vitichi
Der Himmel ist bewölkt, was ein Glück, da müssen wir bergauf nicht gar so leiden. Schnaufen müssen wir aber schon! Erst hoch, dann hügelig, dann tief ins nächste Tal und natürlich genauso wieder hoch. Birgit ist etwas gefrustet, weil wir abends trotz 1200 Höhenmetern in den Beinen nicht höher sind als am Morgen. Unterwegs werden wir aus einem Auto heraus auf Deutsch begrüßt: ein polnischer Pfarrer auf dem Rückweg nach Tupiza. Seine Pfarrei ist so groß wie bei uns eine halbe Diözese. Er hätte uns sogar Krakauer Wurst zum Essen angeboten! Wir hatten aber im letzten Dorf gerade einen bolivianischen Hamburger gegessen, aufgeschnittenes Brötchen mit Spiegelei und Tomatenscheibe.
Kurz vor dem nächsten Pass ist bei Johannes die Luft raus – ein winziger Dorn im Hinterreifen. Hier hat es soviel stachelige Pflanzen, so dass jedes Verlassen der Straße riskant ist.


Unser Zeltplatz liegt schön einsam, denken wir! Aus dem Nichts steht ein Ziegenhirte neben uns. Wir betreiben Smalltalk so gut es geht und erfahren, dass er im nächsten Dorf 9 km weg wohnt, eine Frau und 4 Kinder, 1 Kuh, 2 Schafe, 3 Hunde, Kaninchen, Hühner und 200 Ziegen hat (die umgerechnet zwischen 20 und 100 Euro wert sind). Also ist er schon eher der Großbauer hier. Mehrmals erwähnt er wie schön und toll unser Benzinkocher wäre – wir werden ihn heute Nacht zur Sicherheit mal ins Innenzelt nehmen…

12.04.2019 Kurz vor Cuchu Ingenio
Am nächsten Morgen war der Benzinkocher natürlich noch da, Johannes Befürchtungen waren umsonst. Trotzdem haben wir unruhiger als sonst geschlafen. Ähnlich wie im Pamir am Panj radelten wir heute an einem breiten „namenlosen“ Fluss (unser Osmand spuckt leider keinen Namen aus) entlang. Das Wasser ist unnatürlich gelb, ob das an den Minen oben am Berg liegt? Die Straße schlängelte sich genau wie der Fluss und in stetigem Auf und Ab haben wir langsam Höhe gewonnen. Unterwegs erstehen wir an einem Straßenstand bei einer wettergegerbten Bolivianerin frischgebackenes Fladenbrot und Ziegefrischkäse. Mmmhhmmm was ein feines Mittagessen!

Johannes ging schon wieder die Luft aus, die Innenverstärkung (durch ein Stück Tetrapack) des defekten Mantels reibt den Schlauch immer wieder kaputt. Jetzt schient er den Mantel mit einem Klebeflicken (für Rennradmäntel) aus meinem Flickset, das ich in Dubai erstanden habe. Hoffentlich hält das nun länger. Dennoch muss in Potosí oder Sucre wohl ne andere Lösung her!
Heute haben wir wieder etwas Strecke gemacht und schlafen tatsächlich 500 m höher als gestern Abend !!!
Die Suche nach einem Zeltplatz war nicht so einfach. Das fruchtbare Flusstal ist stark bevölkert und wo es keine Häuser hat stehen Kakteen. Aber, ein Geschenk des Himmels, schlussendlich finden wir ein sichtgeschütztes Plätzchen mit Wiese (wann hatten wir das letzte mal Gras unter dem Zelt?) an einem plätschernden kleinen Bach. Frischgewaschen, hier mal mit viiiiiel Wasser, (unsre Waschlappen erweisen uns regelmäßig auch mit weniger Wasser gute Dienste) schmeckt der Kaffee gleich nochmal so gut. Richtung Norden sehen wir schon die hohen Berge, über die wir morgen strampeln müssen, bis über 4300 führt die Straße nach Potosi.

13.04.2019 bis Potosi
Nachts wurde das Gurgeln des Baches immer leiser und morgens war nur noch ein kläglicher Rest am Plätschern. Entweder ist der Zufluss oberhalb zugefroren oder das Wasser wird oberhalb zum Bewässern abgezweigt. Auf unserm Zelt lag mal wieder dick der Raureif und die Temperaturen waren echt zapfig.
Seit Salta haben wir uns langsam auf 3400 m hochgearbeitet, insgesamt gut 7000 Höhenmeter. Heute geht’s noch mal über 1000 m höher auf 4300 m, seit dem Pamir-Highway sind wir nicht mehr so hoch geradelt. Wir sind zwar gut akklimatisiert, aber der Sauerstoff fehlt halt doch. Langsam kurbeln wir mit 6% Steigung bergan. Und dann bläst uns auch noch der Gegenwind ins Gesicht. Da freut man sich, dass der Wind zusätzlichen Sauerstoff in die Lungen drückt, damit man mehr Power hat, um gegen den Wind zu Radeln… Oder eben auch nicht!
Wir kommen an einem Unfall vorbei und wundern uns nicht. Hier wird trotz durchgezogenen Linien, vor Kuppen und in Kurven überholt, da ist es nur eine Frage der Statistik, bis es scheppert. Aber wenigstens sind die Autofahrer freundlich: mit Hupen, Daumen hoch und „fuerte“-Rufen werden wir bergauf angefeuert.
Vom ersten Pass auf 4200m haben wir dann den Blick auf den Cerro Rico bei Potosi, der Berg, von dem Unmengen von Silber die spanische Kolonialmacht finanzierten. Das ganze Hochtal bis dorthin ist von Minen durchlöchert. Überall auch künstliche Wasserbecken zum Ausspülen und Trennen der Metallpartikel. Johannes darf auf einen LKW steigen und sich die 17 Tonnen erdige Ladung anschauen: 20 % davon sind Silber, der Rest Blei. Der LKW-Konvoi macht sich nach dem Wiegen auf ins chilenische Arica, veredelt wird in China, USA und in Deutschland. Was aus dem Wasser mit den restlichen Bestandteilen wird können wir uns vorstellen, wir trauen uns nicht Wasser aus den Bächen zum Kochen zu schöpfen. Da wir auch sonst an kein Trink-Wasser kommen beschließen wir noch über den 4350 m hohen Pass bis nach Potosí durchzuradeln. Unser Hostel dort ist in einem 400 Jahre alten Kloster, einfach und malerisch, mit Blick auf den durchlöcherten Cerro Rico.


Bei Dunkelheit drehen wir noch eine erste Runde zum zentralen Platz, der heute besonders sicher sein müsste. Die Polizeiuniversität feiert ihr Jubiläum und wir bekommen gleich eine kostenlose Kulturshow von Inka-Tanz über Panflöte bis moderner bolivianischer Musik.

 

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Im Nordwesten Argentiniens 

01.04.2019 Salta bis Jujuy
Endlich sitzen wir wieder auf den Rädern, bei einer Luftfeuchtigkeit von 96% schnaufe ich schon bei den ersten Steigungen. Wie soll das nur werden wenn wir in die Höhe kommen, etwas Sorge überkommt mich. Aber wie die letzten Monate gezeigt haben, ist ja alles irgendwie immer gut gegangen. Und tatsächlich nach einigen Kilometern habe ich mich eingetreppelt und meinen Rhythmus wieder gefunden. Aus Salta heraus gibt es sogar für 8 km einen Radweg, der uns vor dem enormen Verkehr schützt. Wir biegen ab auf die RN9 über die Berge und der Verkehr lässt merklich nach. Das schmale Sträßchen (eine Nationalstraße?!) windet sich moderat ansteigend durch wunderschönen Regenwald. Auf der Passhöhe beginnt es zu schütten. Wir radeln durch den Yunga, einem Nebelwald und staunen über die üppige fremdartige Vegetation.


Beim losfahren wussten wir um den Regen und hatten beschlossen nur das nötigste anzuziehen, damit dieses wenige dann als einziges nass würde. Dank der warmen Temperaturen kein Problem. Der Regen konnte also oben in die Tevas rein und vorne wieder raus laufen. Und was ein Glück 100 Hm tiefer war der Regen nur noch Niesel und dann bald danach konnten wir die Regenjacke schon wieder ausziehen. Weit sind wir heute gekommen, unerwartet, und schon um 16.00 haben wir Jujuy erreicht. Diesesmal entscheiden wir uns für ein zentrales Quartier, so können wir noch etwas von Jujuy sehen. Heute Abend soll es mords regnen, da ist ein Dach überm Kopf nicht schlecht. Wir wählen das zentral gelegene „Gran Hotel Avenida“, etwas in die Jahre gekommen aber erstaunlich günstig. Das Zimmer ist mehr als basic, aber es ist ja nur für eine Nacht. Nach einer wohltuenden Dusche haben wir uns die wenigen Highlights (Plaza Belgrano, Kathedrale, Iglesia San Francisco) angeschaut und auf Empfehlung eines Verkehrspolizisten in einem versteckt liegenden Restaurant echt fein gegessen. Es gewittert und schüttet während wir essen. Oh weh wir hatten vergessen unser Zimmerfenster zu schließen und als wir abends zurück kamen stand das halbe Zimmer unter Wasser. Die ganze Nacht trommelte es heftig aufs Dach. Und auch morgens keine Besserung in Sicht.


02.04.2019 Jujuy bis Purmamarca
Jetzt die Frage weiterradeln oder abwarten. Nachdem wir 10 Wettermodelle verglichen und Wettervorhersagen angeschaut hatten beschlossen wir die Taschen regendicht zu packen und zu starten. Fertig zum Abmarsch noch ein Blick aus dem Fenster und kurz vor die Türe.
Und dann…
… wir schauen uns an und fast zeitgleich fragen wir: „sollen wir nicht doch bleiben?“ Sturzbäche strömen auf halber Straßenbreite vorbei.
Kommando zurück, wieder ins Zimmer und schauen was der Tag bringt. Auf alle Fälle kurzmal Entschleunigung. Nun sitzen wir in dem Minizimmer, beide irgendwie unentschlossen und doch noch in Radklamotten. Um 10.30 tröpfelt es nur noch und ein gegenseitiger Blick genügt, o.k. wir radeln doch. Gut so! Denn das Wetter wurde immer besser und die regendicht gepackten Taschen wurden nicht mal getestet. Und bei einer Luftfeuchtigkeit von heute 100% war es saumäßig anstrengend! Am Ende hatten wir dann doch wieder fast 1200 Hm in den Knochen.
Die letzten Kilometer radeln wir durch bunte Felsformationen hübsch dekoriert mit einzel stehenden riesigen Kandelaberkakteen. Da vergisst man fast, dass wir schon 1000 Hm in den Beinen haben. Ein Specht hämmert an so einem Kaktus, fremdartig und bezaubernd!!


Unser Ziel heute ist Purmamarca, besser gesagt der siebenfarbige Hügel direkt am Rand des Dorfes. Nach einem selbstgekochten Kaffee vorm „Bungalow“ und einer Katzenwäsche wandern wir nochmal kurzeben den Rundweg zu den Felsen. Auf dem Rückweg entdecken wir eine kleine urige Kneipe mit lokalem Essen, Eintopf mit Lamafleisch und pastel de choclo (Maisauflauf). Wir sind mal wieder begeistert was in einen einzigen Tag alles reinpasst!

QuebradaDeHumahuaca 15

Purmamarca

03.04.2019 bis kurz vor Humahuaca
Vor dem Weiterradeln drehen wir den längeren der beiden Rundwege „Paseo de los colorados“, bestaunen die bunten und leuchtend roten Felsformationen. Fotomotive zuhauf! Dieser Ort lebt von diesem Naturschauspiel und versorgt mittlerweile Touristenmassen mit allem was man braucht und nicht braucht. Die Hotels sind relativ neu und passen gut in die Landschaft. Als hätte man sich abgesprochen liegen die meisten in gleichen Preissegment. Teurer geht aber immer:-). Auf dem zentralen Platz knüppeln Souvenirstände, wer soll das alles bloß kaufen?

Jetzt ab aufs Rad, mit etlichen Blicken zurück auf den leuchtenden Berg radeln wir die RN 9, die sich nun durch die Quebrada Humahuaca schlängelt. Die Quebrada de Humahuaca ist eine der faszinierendsten Schluchten, Südamerikas, tief unter der Rio Grande.

Die Quebrada begeistert uns sehr. Immer wieder tauchen bunte Felsmassive auf, dazwischen die riesigen verzweigten Kakteen. Seit langem machen wir Mittags mal wieder eine Siesta, der Planet brennt. Aber die heutige Tagesetappe ist kürzer und wir lassen uns Zeit. Auf dem Bahndamm der alten Eisenbahnlinie finden wir einen flachen Zeltplatz. Regen tröpfelt die Nacht leise aufs Zelt, Mist, morgen werden wir später loskommen, der Regen perlt schon länger nicht mehr ab und unser Zelt braucht ewig zum trocknen. Aber nun nach gut 10 Jahren treue Dienste, darf ich mich nicht beklagen. Die erste Tour mit dem Zelt war 2008 Ladakh. Wow, mein Zelt hat wirklich schon viel gesehen!

Nach 8 Monaten Reisen wird langsam der Verschleiß an der gesamten Ausrüstung unübersehbar: der Reißverschluss am Zelt muss ganz vorsichtig zugezogen werden, die Imprägnierung ist passé, der Benzinkocher muss ständig gehätschelt werden, die Beschichtung vom Topf ist löchrig, das Zoomobjektiv vom Foto bewegt sich nur noch mit manueller Unterstützung, an den Hosen mussten wir schon einige Nähte nachnähen, der Regen+Staubschutz vom Rucksack zerbröselt vor lauter Sonne,… Nach dem Sabbatjahr stehen also einige Ersatzbeschaffungen an, damit wir weiter mobil sind!

04.-05.04.2019 Humahuaca
Die Kilometer gehen heute einfacher, wir scheinen uns langsam an die Höhe zu gewöhnen. Schon früh sind wir in Humahuaca, quartieren uns im Hostal Inti Sayana ein. Für morgen früh hätten wir eine Mitfahrgelegenheit zu den „Serranías del Hornocal“, den 11 farbigen Bergen. Aber die Felsen werden von der Nachmittagssonne beschienen und der Wetterbericht sagt für morgen Regen voraus. Besser heute noch hoch fahren. Auf dem Weg zur Brücke (dort sollen Sammeltaxen fahren) werden wir angesprochen, wollt ihr zum Hornocal, ja, wie ist der Preis, viel zu teuer… Nach einigem Feilschen war man sich einig und wir stiegen in den Toyota ein. Nun mussten noch zwei weitere Passagiere gefunden werden, denn erst bei voll besetzem Auto wird losgefahren. Nach einer kurzen Runde durch den Ort waren noch zwei Frauen aus Buenos Aires gefunden und ab ging die Post. Von den Chicas bekamen wir Coca Blätter für die Höhe. Und so wurden wir alle mit den Blättern in der Backe auf 4350 Hm hochkutschiert. Mehrere Kilometer fährt man Serpentine für Serpentine den Berg hinauf, immer wieder öffnen sich fantastische Blicke zurück ins Tal.
Da sich das Gebiet der Miradore auf Indiogebiet befindet, wird am Eingang eine kleine Eintrittsgebühr kassiert.
Und dann öffnet sich plötzlich der Blick auf dieses Naturschauspiel.
Uns gegenüber erstreckt sich ein Gebirgsrücken, der über tausende von Metern zickzackförmig und bunt gestreift ist. Die Felsen leuchten und strahlen so farbenprächtig, Wow!
Es hat uns schier umgehauen!!!!QuebradaDeHumahuaca 02

Zurück im Ort schlendern wir durch die Gassen, Humahuaca ist eine kleine beschauliche Stadt. Gut um auszuspannen und eine Pause einzulegen.

Gute Entscheidung hier zwei Nächte zu bleiben und wirklich gute Entscheidung den Ausflug gestern gemacht zu haben! Die Nacht hat es begonnen zu regnen und es schüttet auch noch um 10:00 wie aus Eimern. Beim Frühstück sitzen wir in der Hostelküche mit den anderen Gästen und wollen gar nicht aufstehen. Seit langem mal wieder ein richtig gutes Frühstück!
Wir werden das Sauwetter nutzen zu lesen, Blog zu schreiben, Johannes muss sehen was die Forstreform bringt und studiert die endlich erschienenen Infos dazu.

Um die Mittabgszeit fragen uns zwei junge Franzosen, ob wir mit ihnen nochmal zum Mirador de Hornocal hochfahren wollen (zwei Ingenieure, die für ein Motorradrennteam arbeiten und nach dem Rennen in Argentinien noch ein paar Tage Urlaub angehängt haben). Kurzentschlossen setzen wir uns in ihren Mietwagen, der zum Glück Allrad hat, denn die Piste ist von dem vielen Regen tief aufgeweicht und ab 3300m Höhe lag sogar Schnee. Kaktus mit Schneehaube – wer hätte das gedacht. Der Blick auf die bunten Berge ist aber leider fast vollständig von den Wolken verdeckt. Wenigstens sehen wir ein paar Vicunas (eine Kamelart!).

Hier ein kurzer Bildungsblock:
Nördlich von Jujuy beginnt die Quebrada de Humahuaca, eine der faszinierendsten Schluchten Südamerikas. Die Quebrada zieht sich bis zur Stadt Humahuaca, und eröffnet auf dem Weg spektakuläre Landschaftsformen der argentinischen Anden. Nahe der bolivianischen Grenze zieht die Quebrada de Humahuaca bis auf knapp 3000 m Höhe. Unterwegs zeigen sich zerklüftete Andenberge, farbenprächtige Gesteinsformationen und atemberaubende Ausblicke ins Tal der Schlucht.
Dieser Wegabschnitt des Inka-Pfades,einem historischen Strassennetz, das die Inkas einst  als Handelsrouten nutzten, zählte zu den südlichsten Wegen im mächtigen Inkareich. Der Inka-Pfad in der Quebrada de Humahuaca ist seit rund 10.000 Jahren in Gebrauch und wurde im Jahr 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Landschaftlich zählt die Quebrada de Humahuaca zu den beeindruckendsten Naturschauspielen der Region. Die zerklüfteten Felsen, die beide Seiten der Schlucht säumen, sind grösstenteils kahl und faszinieren mit einer atemberaubenden Farbenvielfalt und Intensität. Über dem Flusstal des Río Grande steigen sie steil in die Höhe und überraschen mit immer neuen Farbkombinationen, die wie aufgemalt scheinen. Ihre farbliche Vielfalt verdankt die Quebrada de Humahuaca der speziellen Mineralzusammensetzung der Böden in dieser Region. Durch eine besonders hohe Konzentration verschiedener Mineralien in den einzelnen Gesteinen bilden sich spektakuläre Farbkombinationen und Formen an den einzelnen Bergen.

06.04.2019 Humahuaca-Düne Huancar
Der Himmel ist wieder blau, die Sonne scheint und es ist ziemlich kalt, so knapp über Null. Die Berge ringsum sind schneebedeckt. Wir haben viel Respekt vor der heutigen Etappe: wir müssen auf 3780 Meter hoch und haben 1000 Höhenmeter zu erklimmen, wir sind noch nicht so richtig akklimatisiert und schnaufen schon hier unten. Also kurbeln wir gemächlich mit 11 Stundenkilometer langsam bergauf. Die Straße meint es auch gut mit uns und ist nie zu steil. Immer wieder müssen wir anhalten um den Blick auf die schneebedeckten Berge zu genießen und über die riesigen Kandelaberkakteen zu staunen, es ist sehr kurzweilig. Die alte Eisenbahnstrecke verläuft meistens neben der Straße, zugewachsen und oft verfallen, sieht aus wie in einem alten Western.

Altiplano 16

bei Inca Cueva

Irgendwann sind wir doch oben angekommen, in Tres Cruces. Ein paar einfache Häuser, eine Polizeikontrolle, immerhin zweieinhalb Läden und ein Abzweig zur Mine. Jetzt sind wir in der Puna angekommen, stachelige Grasbüschel alle paar Meter. Und dann geht es mit uns bergab mit Rückenwind! Wir kommen weiter als wir heute morgen gedacht hatten, bis zu den 200 Meter hohen Sanddünen kurz vor Abra Pampa (was für ein Name!). Die Sonne verschwindet, sofort wird es wieder kalt. Wir verziehen uns schnell ins Zelt, kochen wie meistens Pasta mit Tomatensauce (aufgehübscht mit Zwiebeln, Paprika und Knoblauch), bevor wir uns in die Daunenschlafsäcke kuscheln.

07.04.2019 bis La Quiaca an der bolivianischen Grenze
Am Morgen werden wir von der Sonne geweckt und haben eine tollen Blick auf dei Sanddünen hinter unserem Zelt. Immer wieder sind wir froh über die Zeltplatz Tips auf IOverlander! Und genau so froh sind wir über unsere guten Schlafsäcke,  heute Nacht hat es auch wieder unter Null und Eis auf dem Zelt, aber wir haben super geschlafen. Hier haben wir unsere ersten Andenchinchillas gesehen.
Genau rechtzeitig bei Ankunft der Wochenendausflügler, die mit Sandboards anrücken, sind wir abfahrbereit. Es ist Sonntag und die Sanddünen sind das Ziel für die Leute aus der Umgebung. Wir dürfen aber erst fahren nachdem jeder ein Selfie mit uns „Exoten“ gemacht hat.
Die Strecke heute hat kaum Höhenmeter,  wir rollen durchs beginnende Altiplano und freuen uns über die vielen Lamaherden. Mit ihren bunten Bändern im Ohr sehen sie lustig aus. Am frühen Nachmittag erreichen wir La Quiaca und für unsere letzten Argentinischen Pesos gönnen wir uns ein Hotelzimmer und ein feines Abendessen.

Morgens geht’s nach Bolivien, das 10. Reiseland in 10 Monaten.

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Wein, Empanadas und laaaaange Busfahrten

Die Fahrt von Valparaiso nach Mendoza führt uns mal wieder über die Anden. Anfangs ist die Vegetation noch üppiger, es wachsen viele Säulenkakteen. Dann wird es immer trockener und karger. Wir konnten sogar einen kurzen Blick auf den Aconcagua werfen. In vielen Serpentinen kurbelte der Bus sich auf über 3000 Hm. Wunderschöne bunte Felsformationen zu unsrer rechten und linken. Kurz vor Mendoza, schon wieder im Flachen fahren wir durch die ersten „Weinberge“.

Mendoza: Wein und Oliven

Am Busbahnhof organisieren wir gleich die Fahrkarten nach Salta und radeln dann ins „verkehrsgünstig“ gelegene Hostel Confluencia in der Innenstadt. Mit einem Spaziergang zu den zwei Plätzen im Stadtzentrum sorgen wir für wenigstens minimale Bewegung, bevor wir müde ins Bett fallen.
Eigentlich hatten wir überlegt die in Mendoza obligatorische Weintour mit dem Rad zu machen, aber Nieselregen hat uns eine halbtägige Weintour per Bus buchen lassen. Gegen 14.30 wurden wir am Hostel aufgepickt und nachdem dann auch die anderen Teilnehmer an ihren Hotels abgeholt waren gings zum ersten Weingut „Bodega Dante Robino“. Diese Bodega füllt in großen Mengen verschiedene Weiß- und Rotweine sowie Sekt ab. Nach einer Führung durch Produktion und Weinkeller konnten wir einen Torrontes, einen Malbec, sowie einen Sekt probieren.
Typisch für Mendoza und Argentinien ist die Rebsorte Malbec (mal=schlecht, bec=Mund, also eigentlich kein guter Wein), die ursprünglich um Bordeaux herum angebaut wurde/ heute noch wird, aber hier wegen der klimatischen Bedingungen in Mendoza besonders gut gedeiht und schmeckt. Wer fruchtigen, leicht zu trinkenden Rotwein mag, ist damit bestens bedient. Allerdings ist ein bischen Vorsicht geboten, weil der Malbec aus Mendoza einen durchschnittlichen Alkoholgehalt zwischen 14 und 15 % hat. Hängt mit dem hohen Zuckergehalt der Trauben zusammen, die hier in Mendoza im Schnitt 320 Sonnentage abkriegen. Wer gerne Weißwein mag, dem kann das argentinische Eigengewächs Torrontés (genauer „Torrontés Riojano“ eine natürliche Kreuzung der Rebsorten Criolla Chica und Muscat d’Alexandrie) empfohlen werden. Wenn man an dem riecht, glaubt man, man hätte einen lieblichen, süssen Wein vor sich, aber im Mund stellt man dann ausgeprägte Säure fest und hat einen waschechten „Nanu“-Effekt. Die Leute hier sprechen daher liebevoll vom „Lügner“. Ein klasse Sommerwein, jedenfalls.


Das nächste Ziel war der kleinere Familienbetrieb Cavas de Don Arturo. Hier werden nur organische Rotweine produziert. Bei uns sehen Biowinzereien anders aus:-) Nach einer Führung durch Betrieb und hauseigenes kleines Museum durften wir zwei verschiedene Malbec und einen Cabernet Sauvignon testen. Uns hat dort wie hier kein Wein richtig vom Sockel gehauen. Obwohl ich seit Chalten totaler Malbecfan bin. (Die Weine des Weingut Dada haben es uns angetan.) Liegt wahrscheinlich daran, dass dieser Ausflug mit 650 argentinischen Pesos, das sind umgerechnet 13,-€ nicht wirklich viel Geld kostet und die „guten“ Weine dort sicher nicht an Billiggäste ausgeschenkt werden.


Da die Umgebung von Medoza auch für Olivenöl bekannt ist durfte eine Olivenölproduktion, bei uns Olivicola Pasrai (PASas und RAIsins, beides bedeutet Rosinen) nicht fehlen. Für uns die interessanteste location, da wir bislang eher wenig über die Produktion von gutem Olivenöl wussten. Nach einer Führung in der Produktion und Abfüllung durften wir als erstes die Spa-Linie mit Bodylotions, Körperöl und Antiaging-Creme testen. Ich habe Johannes versprochen eine Vorratspackung davon durch ganz Südamerika zu radeln, falls er mich am kommenden Tag nicht mehr erkennt, weil alle Falten weg sind. Nachtrag: war aber nicht nötig. 🙂
Und nun konnten wir endlich die unterschiedlichen Öle auf Weißbrot testen ( nach dem Wein echt super!). Natural, mit Orangenaroma, mit Rosmarin, Oregano, Zitrone, Chilli, Knoblauch. Brotaufstriche aus Karotte, Getrockneten Tomaten und Aubergine sowie Oliven pur standen zum Verkosten bereit. Am Ende noch die Rosinen, das einzige Exportprodukt dieser Firma.
Extra virgen Olivenöl entspricht dem deutschen Nativen Olivenöl Extra und ist eine Qualitätskennzeichnung für Olivenöl. Es wird direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren ohne Wärmeeinwirkung (< 40 °C) gewonnen der Säuregehalt beträgt ≤ 0,8 %.
Wer mehr zu Olivenöl, die Herstellung etc. lesen möchte, dem empfehle ich den sehr ausführlichen Wikipedia Artikel Olivenöl.

Als witzigen Abschluss dieser Weintour besuchten wir noch in der“Iglesia de la Cordillera“ die Virgen la Cordillera, die Schutzpatronin der Weinreben. Es soll das einzige noch von den Spaniern erbaute Gebäude sein, das das große Erdbeben in 1861 überstanden hat.


Zurück in Mendoza gönnen wir uns in einer der vielen Heladerías eine Megaportion Eis, danach noch ein Gläschen Malbec aus Mendoza auf der Dachterasse unsres Hostels.
Ein wirklich sinnlicher Tag.


Einzig das Wetter ist so ganz anders als der Reiseführer verspricht. Der Sommer ist wohl in diesem Jahr so kühl wie selten, so dass sogar die Weinlese das erste mal um einen Monat nach hinten verschoben werden musste. Das Weinfest „Vendimia“ Anfang März wurde darum dieses Jahr weit vor der Lese gefeiert. Klimaveränderung lässt grüßen!

Vor der Abfahrt unsres Busses nach Salta haben wir viel Zeit. Zum Abgeben der Räder müssen wir kurz vor 20.00 am Busbahnhof sein. Viel Zeit, um gemütlich das Zimmer zu räumen und durch Mendoza zu schläppeln. Der Blick vom Rathaus sei super, verspricht der Reiseführer. Dort angekommen erklärt man uns, das gehe nicht, Terrasse geschlossen, Renovierung. Auch gut. Jetzt zum Park San Martin. Dieser „Nationalheld“ und Befreier Argentiniens wird überall hoch verehrt und in keinem Ort darf seine Statue, ein Plaza San Martin etc. fehlen! Auf dem Weg dort kommen wir am Monumento Bandera vorbei, hier wird die Originalflagge ausgestellt mit der dieser Wunderknabe über die Anden gezogen ist. Stramm flankiert von 2 Burschen der Nationalgarde, fotografieren streng verboten.
Im Park dann endlich mal grün und ein kleiner See. Im Restaurant des Rudervereins (mit eigenem Fitnesstudio, Turnhalle und Schwimmbad – kommt mir irgendwie bekannt vor, quasi wie zuhause) gönnen wir uns ein desayuno segundo. Das Angebot gibts hier überall: Tasse Kaffee mit einem Gläschen Orangensaft und 2 Medialunas (Hörnchen). Am Hostel chillen wir noch etwas auf der Dachterasse. Bevor wir zum Busbahnhof aufbrechen gehen wir nochmal zum Mercado Central was essen.

Für die lange Fahrt (1300km, weiter als einmal längs durch Deutschland) gab es diesesmal im ganzen Bus“Cama“ Plätze (120 Grad abklappbare Sitze). Mal schauen ob ich da noch besser schlafe?!
Die Stewardess im Bus hat uns mit einem warmen Abendessen versorgt. Dazu gabs doch glatt Rotwein, Service wie im Flugzeug. Satt und ausgestattet mit Kissen und Decken haben wir beide ausgezeichnet geschlafen. Ich wurde tatsächlich erst um 8.30 wach als das Frühstück serviert wurde.
Draußen ziehen riesige Zuckerrohrfelder vorbei, alles ist feucht und grün, in der Ferne die Höhenzüge der Anden. Seit 3 Monaten bewegen wir uns an ihnen entlang. Mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Sie sind mit 7500 km die längste Gebirgskette der Welt!

Salta – die Schöne!

Nach 20 h Fahrt sind wir nun endlich in Salta! Der Weg zum Appartement führt uns schon mal an den meisten Highlights vorbei. Neben der Kathedrale am Platz 9. Juli bestellen wir im Cafe Van Gogh trotz 16:30 ein desayuno (Frühstück= Kaffee +Medialunes+ O’saft!).
Salta trägt den Beinamen „La Linda“/ „die Schöne“ und ist bekannt für ihre spanische Kolonialarchitektur, wir lassen uns überraschen!
Salta behauptet, die ursprüngliche Heimat der Empanada zu sein. Da ist Probieren für uns natürlich ein Muss. Gleich am ersten Abend haben wir uns von Laden ums Eck ein Dutzend Empanadas mit nach Hause genommen (Schinken /Käse, Käse /Zwiebeln, Hühnchen und Fleisch). Mmmhhmmm!


Gleich morgens nutzen wir auch hier das Angebot einer FreeTour um einen guten Überblick über Salta zu bekommen. Homero, unser Guide, hat uns dann tatsächlich in zwei Stunden in einer sehr informativen Tour seine „La Linda“ gezeigt.
Wir wissen nun Bescheid über die Struktur argentinischer Städte mit zentralem „Plaza de Armas“ und Kirche im Norden (auf der Seite der Reichen) und Rathaus im Süden (auf der Seite der Armen), kennen die drei Nationalhelden San Martin, Belgrano, Güemes, wissen was Kolonialarchitektur und neokolonialer Stil ist und vieles mehr. Ach ja, Tips für Essen /Trinken und gute Restaurants gabs auch! Sehr zu empfehlen.
(FreeTour Salta täglich außer Sonntag mit zwei verschiedenen Führungen 10.00 an der Kathedrale, alles über Geschichte, Kultur, Architektur und Gastronomie.)
Da uns diese Tour so gut gefallen hat, haben wir entschieden die späte Tour um 17.00 Uhr auch zu machen. Dazwischen sind wir in beiden Museen am Platz gewesen und der Nase nach durch die Stadt gewandert. Uff!
Im Museo de Arqueología de Alta Montaña sind die Niños del Llullaillaco zusehen. Drei Kinder, die vor über 500 Jahren zur Zeit des Inkareiches lebten und den Göttern geopfert wurden. Ihre guterhaltenen Mumien wurden im März 1999 gefroren auf dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco in rund 6700 m Höhe gefunden. Sie sollen die best erhaltenen Mumien weltweit sein. Es wird immer nur eine der Mumien ausgestellt, um sie zu erhalten. Es ist schon seltsam wie „lebendig“ sie aussehen. Ich stehe vor der Mumie des kleinen Jungen und kämpfe mit Tränen. Für uns ist dieses „Menschenopfer“ nicht zu verstehen.
Im Cabildo, dem alten Rathaus genau gegenüber der Kathedrale , einem sehr alten wunderschönen kolonialistischem Bau, ist heute das Museo Histórico. Allein der Bau ist einen Besuch wert!
Nachmittags hatten wir quasi eine Exlusivtour, da außer uns keiner gekommen war. Hier erkundeten das südliche (also ärmere) Stadtviertel und konnten in der Markthalle „Mercado Municipal San Miguel“ lokale Produkte sehen/riechen/einkaufen. Es gibt Marktstände mit regionalen Produkten (Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Elektrogeräten, Snacks und Souvenirs – alles bunt gemischt). Und selbst wenn man nichts kaufen möchte ist die trubelige Atmosphäre eine gute Möglichkeit, die lokale Szene zu erleben. Unsere Tour endete am „El Patio de la Empanada“. Da dort erst ab 20:00 Empanadas verkauft werden konnten wir sie leider nicht testen. Nach einem Happy Hour Beer (Quinoa und Black IPA/India Pale Ale) waren wir reif für ein deftiges Abendessen.
Wir folgten dem Gourmettipp von Homero und besuchten das Doña Salta. In der Tat, das Essen war ausgezeichnet! Endlich konnte ich „Locro“ einen argentinischen Eintopf probieren. Für Johannes gab es wieder ein riesiges Steak, super Qualität und al punto gegrillt.

Den Hausberg, den Cerro Bernadino, kann man über drei Wege erklimmen, die Seilbahn, über die Sraße oder über den Treppenweg der 1200 Stufen. Wir haben uns am Sonntag für Letzteren entschieden. Bei subtropischen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit eine sportliche Extraeinlage, aber nicht verkehrt! Das gute Essen, der Wein und die unzähligen Panaderias beginnen unsere Depots mehr als zu füllen.

Morgen geht es wieder mit dem Rad auf die nächste längere Etappe, rund 1500 Kilometer bis nach San Pedro de Atacama. Wir wollen zuerst durch die Quebrada de Humahuaca nach Bolivien, über Potosi nach Sucre. Weiter von Uyuni über den gleichnamigen riesigen Salzsee zurück nach Chile in die Atacama. Jetzt geht es wieder in die Höhe, das Altiplano liegt auf 3500 bis 4500 m über dem Meer, da müssen wir uns wieder akklimatisieren.

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